Technologie

Rohde & Schwarz könnte ins Kampfdrohnen-Geschäft einsteigen

Funkgeräte von Rohde & Schwarz der Baureihe "MR6000A" mit Zusatzmodulen. Sie dienen der Kommunikation mit der Flugsicherung.
Funkgeräte von Rohde & Schwarz der Baureihe „MR6000A“ mit Zusatzmodulen. Sie dienen der Kommunikation mit der Flugsicherung.

Der US-amerikanische Rüstungskonzern General Atomics testet seine Kampfdrohne „Predator“ mit Funkgeräten der deutschen Firma Rohde & Schwarz. Die beiden Partner wollen auf diese Weise europäische Märkte ins Visier nehmen. Die Software Defined Radios des Typs „MR6000A“ waren zuvor im Rahmen des Airbus 400M-Programms zertifiziert worden. Sie werden mittlerweile auch im Eurofighter und Hubschraubern der Bundeswehr genutzt. Ihr Einbau in die „Predator“ könnte die Zulassungsverfahren der Kampfdrohne deutlich vereinfachen.


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Die Funkgeräte entsprechen sowohl militärischen als auch zivilen Standards. Entsprechende Anforderungen mit Zulassungsvorschriften für Drohnen sind in der Bau- und Prüfvorschrift „NATO STANAG 4671“ niedergelegt. Diese werden von einer NATO-Arbeitsgruppe entwickelt, die den Flug in zivilen Lufträumen ermöglichen will. Die „STANAG 4671“ ist von Bestimmungen der Europäischen Agentur für Flugsicherheit für bemannte Luftfahrzeuge abgeleitet. Als eine der schwersten Störungen beim Betrieb von Luftfahrzeugen gilt der Ausfall der Kommunikation mit der Flugsicherung. Hier verspricht Rohde & Schwarz Abhilfe.

Erweiterte Fluggenehmigungen gibt es erst mit dem Nachweis der Lufttüchtigkeit und entsprechender Zertifikate. Nur dann ist es möglich, dass die militärischen Drohnen auch im zivilen Luftraum operieren. Bislang muss jeder Langstreckenflug in Deutschland durch Sperrung der durchflogenen Lufträume vorbereitet werden. Dies ist vor allem bei der Verlegung der Drohnen in Einsatzgebiete oder auch bei Trainings äußerst hinderlich.

Fluglotsen könnten Mitteilungen der Drohnen als Sprachnachrichten erhalten

Das Verteidigungsministerium plant deshalb, dass die noch zu beschaffenden großen Drohnen mit der zivilen Flugverkehrskontrolle kommunizieren können. Ähnliche Tests werden derzeit in dem EU-Forschungsprojekt „Desire II“ vorgenommen. An dessen Vorläufer hatte noch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt teilgenommen. Eine israelische „Heron“-Drohne hatte hierzu mehrmals Flüge durch den zivilen Luftraum Spaniens absolviert. Das unbemannte Luftfahrzeug war dabei von Fluglotsen in Barcelona wie ein gewöhnliches Flugzeug behandelt worden.

Die RMIT-Universität in Melbourne will diese Verfahren noch verbessern. Zusammen mit dem französischen Rüstungskonzern Thales haben die ForscherInnen eine Text-zu-Sprache-Anwendung entwickelt. Dadurch erhalten die Fluglotsen die Statusmeldungen und Kommandos der Drohnen als gewohnte Sprachmitteilung.

Die Kooperation von General Atomics und Rohde & Schwarz war bereits auf der ILA-Flugschau vor einem Jahr angekündigt worden. Zunächst sollten zwei Drohnen und zwei Bodenstationen („Ground Control System“) mit den „MR6000A“ bestückt werden. Getestet würden laut General Atomics die Kontrolle des Luftfahrzeuges und das Frequenzmanagement. In der Mitteilung ist auch davon die Rede, dass in die Tests weitere Relaisstationen eingebunden werden sollten.

Allerdings wird nicht ausgeführt, um welche Art von Relaisstationen es sich handelt. Denkbar wäre, dass die Kommunikation auch über Satelliten geführt wird, um große Reichweiten zu überbrücken. Laut der Bundesregierung ist dies aber mit dem Basismodul des „MR6000A“ nicht möglich. Ob dies wirklich technisch ausgeschlossen ist oder durch Ergänzung mit weiteren Geräten bewerkstelligt werden kann, ist unklar. Rohde & Schwarz hat für die Funkgeräte jedenfalls diverse nachrüstbare Komponenten entwickelt, darunter auch zur Verschlüsselung der Daten- und Sprachübertragung.

Luftwaffe bevorzugt die „Predator“

Vergangene Woche haben die Rüstungsfirmen Airbus, Dassault und Alenia Aermacchi den Zuschlag für eine Vorstudie zur Entwicklung einer „europäischen Drohne“ erhalten. Bis diese ab 2025 einsatzbereit wäre, will das deutsche Verteidigungsministerium Drohnen aus Israel oder aus den USA beschaffen. Außer der US-Drohne „Predator B“ gehört die israelische „Heron TP“ zu den Favoriten.

Für die Vorbereitung eines Verkaufs an die Bundeswehr ist General Atomics mit dem Schweizer Rüstungskonzerns RUAG eine Kooperation eingegangen. Der israelische Konkurrent IAI schloss eine ähnliche Partnerschaft mit der Luftfahrtsparte von Airbus.

Die Leitung der Luftwaffe bevorzugt die „Predator“. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass RUAG von der Bundeswehr zu einem Angebot über „Unterstützungsleistungen“ für eine etwaige Beschaffung der „Predator“ aufgefordert worden war. Der Inhalt dieser „Bewertung der Risiken für die Muster- und Verkehrszulassung“ ist nicht öffentlich. Die Abhandlung dürfte sich jedoch vor allem mit der ausfallsicheren Funkkommunikation befasst haben.

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3 Kommentare
  1. Dann hat man wahrscheinlich die nEUROn gewählt als Drohne.
    Zur Auswahl waren noch die Barracuda (zu klein).
    oder die Taranis (nur von den Britten) und ein tacken zu groß.

    Gute Wahl

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