Anlässlich des 9. Datenschutztages findet heute eine gemeinsame Pressekonferenz von Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder (DSK) in Berlin statt. Themen sind unter anderem der unterschiedlichen Umgang mit personenbezogenen Daten in den USA und der EU. Erst vor wenigen Tagen hat die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in einer Pressemitteilung die Bundesregierung dazu aufgefordert, sich in Brüssel für eine verbraucherfreundliche Datenschutzverordnung einzusetzen. Im Kerne gehe es darum, dass die Profilbildung des Einzelnen z.B. durch soziale Netzwerke ‚zweckgebunden’ und klaren Grenzen unterlegen sein soll. Strenge Regeln zur Weitergabe und ‑verarbeitung von personenbezogenen Daten werden derzeit im Rahmen der EU-Datenschutzreform von der Bundesregierung in Frage gestellt.
Dass eine neue europäische Datenschutzverordnung nötig ist, zeigen die Änderung der AGB’s von Facebook, die ab Freitag in Kraft treten. Gleichzeitig werden die Cookie-Richtlinien und die Datenschutzbestimmungen aktualisiert. Facebook erklärt hier die Neuerungen in seinen Bestimmungen und bietet eine interaktive Anleitung an, um seine Privatsphäre-Einstellungen zu konfigurieren.
Zu den wesentlichen Änderungen, die personenbezogene Daten betreffen, gehören:
- Personalisierte Werbung soll genauer auf den Nutzer zugeschnitten werden, indem noch mehr personenbezogenen Daten ausgewertet werden. Dazu werden in Zukunft nicht mehr nur Daten von Facebook selbst in die Analyse mit einbezogen, sonder auch das Verhalten von Nutzern auf anderen Internetseiten analysiert.
- Zugleich gewährt Facebook seinen Nutzern mehr Kontrolle über die angezeigte Werbung. Über eine neue Funktion kann man unliebsame Werbeangebote ausblenden. So hilft man Facebook dabei ein noch personalisiertes Werbeangebot für einen zu erstellen.
Neu ist auch, dass die Datenschutzbestimmung ab Freitag Datenschutzrichtlinie heißt. „Der Text als solcher klingt etwas verharmlosend, weil das Wort Daten dort in der Regel gar nicht vorkommt“, so Carola Elbrecht vom VZBV in einem Deutschlandfunk-Interview. Zudem kritisiere Sie, dass aus der Datenschutzrichtlinie nicht hervor gehe, welche Daten oder Informationen tatsächlich genutzt und getrackt werden.
Welche Möglichkeiten haben Facebook-Nutzer, um den neuen Nutzungsbedingungen zu widersprechen und ihre Daten bei Facebook zu schützen?
Prinzipiell gar keine, denn auf eine explizite Zustimmung der Nutzer bei den AGB’s wird verzichtet. Wer sich nach dem 30.01 einloggt akzeptiert diese automatisch. Die einzige Lösung des Problems wäre eine konsequente Abmeldung. Da dies für viele Nutzer nicht in Frage kommt, sollte man seine Privatsphäre-Einstellungen möglichst restriktiv einstellen. Die Konfigurationen sollten ab dem 31.01 noch einmal überprüft werden. Zudem kann man sich beispielsweise mit Ghostery sämtliche Tracker auf einer Webseiten anzeigen lassen und diese anschließend blockieren, sodass Facebook auf diesem Weg nicht mehr an werberelevanten Daten gelangen kann.
Update (02.02): Die Digitale Gesellschaft hat heute in ihrem Blogpost verschiedene Tipps und Tools vorgestellt, mit denen man sich vor dem Datenhunger von Facebook schützen kann.