Kultur

#netzrückblick: 32C3 – der dritte Tag

CC BY 2.0 via flickr/t--h--s

Am dritten Tag des 32. Chaos Communication Congress haben die Berichte über den Kongress abgenommen, dabei ging es hier munter weiter. Der Kongress ist für heute noch nicht vorbei, aber wir fangen schonmal mit der Zusammenfassung an und geben ein paar Tipps für den letzten Tag.

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Der Talk von Markus über unseren vermeintlichen Landesverrat ist mittlerweile online. Unsere Hoodies und Shirts kamen gestern übrigens sehr gut an, für die Spenden wollen wir uns hier nochmal bedanken. Leider hatten wir nicht mehr alle Größen ausreichend da, nächstes Mal sind wir hoffentlich besser vorbereitet.

Heute Abend um 00:15 in Halle 2 findet die Lesung aus unseren Protokollen des NSA-Untersuchungsausschusses statt. Die möchten wir euch natürlich wärmstens Empfehlen. Anna und Constanze werden zusammen mit cbass und Felix die schönsten, absurdesten und lustigsten Momente aus dem Ausschuss vorlesen. Felix ist eine Hälfte des Podcasts „Technische Aufklärung“ in dem auch cbass regelmäßig auftritt. Geeignet ist das Ganze natürlich genauso für die, die schon im Ausschuss waren, wie für die, die es noch nicht geschafft haben.

Presseberichte

Spiegel Online: Hacker auf Klassenfahrt:
In dem heutigen Spiegel-Artikel wird der Kongress als Klassenfahrt beschrieben. Eigentlich keine große Sache, würde der Artikel nicht bemängeln, es gäbe zu wenig Politik und Debatte hier auf dem Kongress. Ein bisschen einseitig werden die klassischen Klischees ausgepackt und der Kongress als Selbstbeweihräucherung abgetan. Schade, statt über die Auswahl der genannten Vorträge eine gewisse Irrelevanz des Kongresses zu suggerieren, hätte der Spiegel auch einfach den Fahrplan verlinken können.

Man feiert sich selbst, johlt aber auch bei den Seitenhieben auf den Innenminister (dessen Frage, ob er die Krisennummer des CCC bekommt, in ein lustiges Elektrolied gemischt wird), oder den designierten BSI-Chef („Cyberclown“). Das war es dann auch mit dem Polit-Quatsch.

Deutschlandfunk: Liebenswürdig und doch politisch

Der 32. Chaos Communication Congress in Hamburg zeigt: Der Chaos Computer Club ist längst von einem Hackerverein zu einer Nichtregierungsorganisation gewachsen, die die Bürgerrechte in der Digitalen Welt verteidigen will, kommentiert Manfred Kloiber. Dabei erhalte er sich eine unbekümmerte Leichtigkeit.

Heise I: Verschlüsselung gängiger RFID-Schließanlagen geknack:

Schlechte Nachrichten für alle, die ihren klassischen Haus- oder Büroschlüssel durch eine Chipkarte ersetzen wollen oder dies bereits getan haben: Die zugehörigen RFID-Transponder für einschlägige elektronische Schließsysteme könnten teils „trivial einfach“ geklont werden.

Heise II: Innovation Center Vila Nova Esperança – ein Makerspace in der Favela:

Auf dem Chaos Communication Congress in Hamburg hat Miguel Chaves über den Aufbau eines Makerspaces in der Favela Vila Nova Esperança im brasilianischen São Paulo berichtet. Der Space heißt „Innovation Center Vila Nova Esperança“ (ICVNE) und wurde im letzten Jahr aufgebaut.

Heise III: Red Star OS – ein Betriebssystem für eine Diktatur:

Das von der nordkoreanischen Regierung herausgegebene linuxbasierte Betriebssystem Red Star OS hat mit seinem unbeholfenen Versuch, die Oberfläche von Windows und MacOS X nachzuahmen, in den vergangenen Jahren vor allem für Heiterkeit gesorgt. Doch eine nähere Analyse zeigt: Das System ist ein Werkzeug eines totalitären Überwachungsstaates.

Golem: Die Milchmädchenrechnung des Fredy Künzler

Wie hoch sind die wirtschaftlichen Kosten durch lange Ladezeiten im Internet? Der Schweizer Internetunternehmer Fredy Künzler von Init7 hat dazu eine eigene „Milchbüechlirächnig“ aufgestellt.

Vorschau

Für den letzten Tag haben wir bereits in unseren Netzpolitischen Programmempfehlungen einige Tipps verlinkt, zwei davon stellen wir hier nochmal vor:

12:45 Uhr, Saal 1: Crypto Wars Part II – Regierungen wollen immer öfter sicherer und vertraulicher Kommunikation an den Kragen. Die „Bösen“ sollen nicht verschlüsselt kommunizieren dürfen, aber dabei würde sichere Kommunikation für uns alle sterben. Quellenschutz für Journalisten würde bei digitaler Kommunikation unmöglich, und Aktivisten auf aller Welt müssten um ihre Sicherheit fürchten.

17:15 Uhr, Saal 1: Predicting Crime in a Big Data World – Immer mehr Daten werden von Strafverfolgungsbehörden zur Bekämpfung von Verbrechen gesammelt. Dabei wird nicht nur die Unschuldsvermutung aufgehoben, sondern die Algorithmen zur Auswertung der Datenhaufen wirken selbstverstärkend auf Klischees und tragen zur Vorverurteilung von Personen bei, die zu sogenannten „Risikogruppen“ gehören.

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4 Kommentare
  1. Über den Spiegel-Artikel habe ich mich masslos geärgert :-(

    Keine Debatten nach den Vorträgen? Warum auch, wir sind Hacker: Gib mir die Fakten, um die Einordnung kümmere ich mich selber, nachdem ich darüber nachgedacht habe. Die Debatte folgt – nahtlos – ein paar Tage später im Netz.

    Endlich mal unter „normalen Leuten“ als Negativum? Ich bin den ganzen Tag unter Menschen, denen ich als Erklärbär diene, bevor ich zu hören bekomme, dass sie „lieber was mit Menschen“ machen – und mich dabei als Nicht-Mensch abqualifizieren. Es ist wunderbar, mal unter Menschen zu sein, denen ich nicht erst eine Stunde lang erklären muss, worüber ich gerne mit ihnen redete. Vor allem im politischen Bereich.

    Alle sind gegen die Vorratsdatenspeicherung und alle machen sich über Maas und den Cyberclown lustig? Äh, ja. Wieso ist das ein Problem? Lachen wir es tot, bevor wir uns daran machen, den Mist aufzuräumen. Lachen ist gesund.

    1. Man mag mich in die Fanboy-Ecke stellen, aber Fefe hat schon nicht so ganz unrecht, wenn er den Spiegel nur „ehemaliges Nachrichtenmagazin“ nennt. Die waren mal gut, aber das ist jetzt schon ziemlich lange her und nur noch selten durch aktuelle Artikel belegbar.

      Und ich bin sofort bei dir, wenn es darum geht, offensichtliche Dummheit auszulachen, bevor man sich der „Lage“ (auch so ein tolles Wort) annimmt. Denn auf diese Leute kann man sonst eigentlich nur mit Wut, Unverständnis oder gar angst reagieren. Dann doch lieber Lachen wie ein Bekloppter. Das geht sonst ja eher nicht, weil die Politik ein ziemliches Trauerspiel auf allen Ebenen ist.

      1. Hört, hört :-) Volle Zustimmung.

        Beim SpOn lese ich meistens die Schlagzeilen, dann weiss ich, welche Sau gerade im Dorf zu Tode gehetzt wird. Dafür ist es gut genug. Wenn ich mich dann doch mal zu einem Artikel durchklicke, ende ich meistens damit, dass ich den Bildschirm (oder das Heft, gibt’s in meiner Bibliothek, ich zahle lieber nicht dafür) anbrülle ;-) Einen Vorteil muss ich noch erwähnen: Ich erfahre im Spiegel, was „die Dienste“ (US-amerikanische eingeschlossen) mich wissen lassen wollen.

        Zur „Lage“: Ist es nicht interessant, wie sich seit ein paar Monaten Polizei-Jargon bei Politikern wiederfindet? Beim Innenminister ist es besonders auffällig, aber andere (Merkel, zB) haben auch ihren Spass damit. maha sei Dank, dass ich diese Dinge erkenne :-)

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