Öffentlichkeit

Indien zensiert 32 Websites

Liste der zensierten URLsDas indische Ministerium für Kommunikation und Informationstechnologie hat am 17. Dezember die indischen ISPs dazu verpflichtet, 32 Websites zu blockieren. Grund für die Anweisung war die Anforderung der Anti-Terror-Abteilung der Polizei von Mumbai, die behauptet, die Websites werden für dschihadistische Propaganda genutzt und trieben Jugendliche in die Arme des Islamischen Staates (ISIS/ISIL).


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Unter den 32 Websites sind beliebte wie vimeo.com, archive.org oder pastebin.com sowie zahlreiche ähnliche, die vor allem von Software-Entwickler_innen genutzt werden. Die pauschale Sperrung dieser Websites lässt sich kaum mit Terrorismus-Bekämpfung begründen.

Die ‚Blocking List‘ des IT-Ministeriums (PDF, 1,9 mb) wird in einem Blogpost für Huffington Post India von Kaustubh Srikanth (Tactical Tech) gemeinsam mit Leif Ryge, Aaron Gibson und Claudio Guarnieri erstmals veröffentlicht. Da zunächst keine weiteren Informationen die Internet-Sperren bekannt waren,  hat das Team letzte Woche untersucht, wie die Sperren von sieben indischen ISPs, darunter TATA Communications und die staatliche Mahanagar Telecom Nigam Limited (MTNL), umgesetzt wurden.

 

Recherche zur Internet-Zensur in Indien

Die Recherche wurde mithilfe des Open Source Zensur-Recherche-Toolkits des Open Observatory of Network Interference (OONI) sowie weiterer Schritte durchgeführt. Die Anweisung des Ministeriums gab zwar vor, welche Websites blockiert werden sollten, überließ aber den ISPs die Umsetzung, die entsprehend variierte.

So gab es unterschiedliche Nachrichten an Nutzer_innen, die versuchten, die zensierten Website aufzurufen:

Die Umsetzung der Sperren variierte ebenfalls von ISP zu ISP, teilweise wurden auch bei einem ISP verschiedene Methoden eingesetzt. Anscheinend nutzte TATA Proxy-Server, um Traffic zu bestimmten IP-Adressen zu modifizieren. Bei einigen TATA-Verbindungen wurden Requests an manche IP-Adressen auf der Basis des Inhalts mancher HTTP-Requests blockiert, während dieselben HTTP-Requests an andere IPs nicht blockiert wurden. Hier wurden bspw. Unterschiede zwischen an Google-IPs gerichtete Requests und and Yahoo-IPs gerichtete Requests festgestellt.

Der staatliche ISP MTNL nutzt anstelle von Deep Packet Inspection eine Kombination aus DNS- und IP-basierten Sperren. Mehr Details zur Recherche im Original-Blogpost, außerdem sind die meisten OONI-Berichte hier einsehbar.

Mit Blick auf die indischen Leser_innen wird noch beschrieben, dass alle blockierten Websites mit dem Tor Browser, VPNs oder Psiphon für Android erreichbar sind und auf zusätzliche Information zum Thema Internet-Zensur verwiesen.

Aktuelle Situation

Vier der 32 URLs sind seit dem 31. Dezember wieder erreichbar: github.com, vimeo.com, dailymotion.com and weebly.com. Das Team beobachtet die Situation und kündigt weitere Veröffentlichungen an.

Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann das per Mail an censorship-in@chaoslab.in (PGP). Twitter-Hashtag zum Thema ist #GOIblocks.

3 Kommentare
  1. Größtenteils wurden pastebins gesperrt, allerdings auch URLs, die nur als Ergebnisse einer Suche nach den Wörtern „text“ und „paste“ interpretiert werden können, wie z.B. die Zwischenablageverwaltung „Textpaster“.

    Weiterhin wurden auch die Homepages von Pastebin-Software gesperrt, obwohl dort nur der Download der Software möglich ist, nicht aber ein Veröffentlichen von Textmaterial.

    Ich hab das analysiert unter http://cweiske.de/tagebuch/phorkie-block.htm#urls

    1. Einfach lächerlich, vor allem die Sperren von Vimeo und Dailymotion.
      Bei Liveleak hätt ich ja wenigstens noch die Intention dahinter verstanden, aber Vimeo?

  2. lol. Hier würde das Wundermittel Staats-Zerschlagung in viele kleine Staaten helfen. Würde Indien zerschlagen in viele kleine Staaten mit sagen wir jeweils 10 Millionen Einwohnern, so würde die unsinnige Sperre nicht gleich ne Milliarde Menschen betreffen sondern eben erstmal nur 10 Millionen. Und die anderen kleinen Staaten würden sehen dass die Sperre ein Schmarrn ist, und an dem schlechten Beispiel mitlernen.

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