Am gestrigen Sonntag fanden in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires Bürgermeisterwahlen statt. Im Vorfeld wurde bei dem Programmierer Joaquín Sorianello eine Hausdurchsuchung durchgeführt, elektronische Geräte wurden beschlagnahmt. Der Grund: Sorianello hatte von Schwachstellen im elektronischen Wahlsystem berichtet, das bei Wahlen im letzten Jahr eingesetzt worden war und das auch bei den aktuellen Wahlen verwendet wurde.
Er fand heraus, das SSL-Keys des Systems auf einem öffentlich zugänglichen Server lagen. Eine Zugangssicherung war nur rudimentär vorhanden und leicht zu überwinden. Andere Forscher zeigten, dass es möglich ist, in dem System mehrfach abzustimmen. Durch die Möglichkeit der Signierung durch Dritte können ebenso falsche Wahlergebnisse an die Datencenter gesendet werden. Die Untersuchungen wurden möglich, da der Code des Systems vor etwa zwei Wochen geleakt wurde und eine Untersuchung des Systems so durchführbar war.
Sorianello hatte sich, nachdem er Sicherheitslücken festgestellt bzw. von ihnen Kenntnis hatte, an die Firma MSA (Magic Software Argentina) gewandt, die für die Entwicklung des Systems verantwortlich ist. Er sagt:
Ich habe nichts zu verbergen, ich habe lediglich von dem Sicherheitsproblem erfahren und die Firma MSA davon in Kenntnis gesetzt […] Wenn ich etwas hätte hacken oder etwas Schädliches hätte tun wollen, hätte ich die Firma nicht benachrichtigt.
Die Firma habe sich nicht bei ihm zurückgemeldet, die Durchsuchung kam überraschend, während er sich außerhalb der Stadt aufhielt. Der Fall ist ein trauriges Beispiel für die „Shoot the Messenger“-Politik, in der man eher versucht, denjenigen zum Schweigen zu bringen, der Missstände aufdeckt, als diese wirklich zu beheben.
