Was lange währt… unsere Redaktion hat sich vor eine (oder besser gesagt zwei) Kameras gesetzt um den geneigten ZuschauerInnen zu erzählen, was netzpolitik.org ist, was wir machen und warum wir das tun.
Das Video ist natürlich auf YouTube zu finden und dient nun auch als Trailer für unseren dortigen Kanal.
Zum datenschutzfreundlichen anschauen und herunterladen gibt es das Video auch als WebM mit einer Auflösung von 1080p oder 720p und als MP4 in 720 bzw. 360p.
Auch deutsche Untertitel stellen wir im Format .srt bereit.
Außerdem könnt ihr euch hier die Audiospur als MP3 herunterladen. Für alle die lieber lesen wollen haben wir das Video auch transkribiert.
Markus Beckedahl: Netzpolitik ist erst mal der Name eines Blogs, der Name meines Twitter-Accounts,
und der Name eines neu entstandenen Politikfeldes.Anna Biselli: netzpolitik.org ist für mich persönlich eine Schnittstelle zwischen Journalismus und Aktivismus.
Andre Meister: Netzpolitik ist ein Blog im Internet wo wir über alle möglichen digitalen Themen berichten.
Florian Gilberg: Netzpolitik ist für mich, ganz flach gesagt, die Zukunft.
Anna Biselli: Wir versuchen zu berichten was die aktuelle politischen Vorgänge zu Netzpolitik sind und auch die einzuordnen. Das heißt wir sagen nicht dass wir neutraler Journalismus sind, sondern Journalismus mit Haltung.
Um eben auch die politischen Debatten in Deutschland mit zu bestimmen und zu gestalten.Markus Beckedahl: Wir definieren Netzpolitik eigentlich immer so, dass
Netzpolitik ist dass, oder beschreibt wie die Politik das Internet verändert
durch Regulation, und wie das Internet Gesellschaft, Politik und alles andere verändert.Andre Meister: Das ganz große Thema zur Zeit ist natürlich Übrwachung, aber aber auch schon immer Urherberrecht,
das Thema Netzneutralität, „all things digital“ eigentlich.Wetter: Vor allem ein wichtiger Überblick über das was gerade passiert in dem Themenbereich. Und natürlich auch angereichert um Berichte und Hintergründe die es sonst so leider häufig nicht gibt.
Anna Biselli:Wir verstehen uns auch als Mittelding zwischen berichten und selber Themen zu
setzen, das heißt natürlich versuchen wir das aktuelle Tagesgeschehen zu protokollieren und Leuten einfach gesammelt zur Verfügung zu stellen. Aber wir versuchen eben auch Themen zu setzen die nicht auf der aktuellen Agenda sind.Markus Beckedahl: Wir mischen uns ein in öffentliche Debatten.
Versuchen auch oftmals öffentliche Debatten erstmal anzustoßen damit wir darüber diskutieren können,
was dort vielleicht zukünftig, vielleicht auch schon ohne Debatte verhandelt wird, nämlich Regeln, Gesetze, Strukturen in der digitalen Welt und begleiten das.Florian Gilberg: Ich hoffe, dass in naher Zukunft aus der netzpolitischen Schiene oder dem Themengebiet, das wird
was aus der Umweltbewegung geworden ist.Markus Beckedahl: Vor 10 Jahren als wir anfingen, haben wir uns sehr gefreut wenn einmal im Monat
in irgendeinem Ausschuss, irgendwas über Netzpolitik diskutiert wurde.
Und jetzt haben wir eher die Befürchtung, dass wir am Anfang einer Sitzungswoche uns die
ganzen Tagesordnungen anschauen und von 22 oder 23 Ausschüssen wird in 20 Ausschüssen irgendwas netzpolitisches diskutiert.Felix Aust: Aber ist es dann nicht auch so, dass zum Beispiel der Begriff „Netzpolitik“ irgendwann aussterben wird?
Dass es den Begriff in 10 Jahren einfach nicht mehr geben wird?Florian Gilberg: Vielleicht machen wir dann einfach nur noch Politik.
Felix Aust: Ja, Politik.org!
Florian Gilberg: Politik.org, find ich gut! (Lachen)
(Klickgeräusche, Musik.)
Andre Meister: Wir haben letztes Jahr 10-Jahre-Netzpolitik gefeiert. Markus hat das irgendwann mal als „ins Internet schreiben“ in irgendeinem CMS angefangen und ist dann über die Jahre gewachsen. Ich hab von Anfang an mitgelesen
und war hier 2007/08 mal Praktikant und 2012 hab ich das dann auch zu meinem Job gemacht.Anna Biselli: Für mich hat das Ganze ja erst vor 1,5 Jahren angefangen.
Vorher kannte ich Netzpolitik.org nur als Konsument und habe nach dem Studium beschlossen, kurz was anderes zu machen um ein Praktikum zu machen. Ich kannte Andre schon aus anderen politischen Aktivisten-Kreisen
und dachte, „ja, das kann man ja mal probieren“. Und hab dann eben nach 3 Monaten gemerkt, dass das eigentlich nicht mehr aufgeben will und dass, was ich vorher an politischer Arbeit gemacht habe gerne einfach mal Vollzeit ausleben können will.Markus Beckedahl: Das feste Team, derzeit bestehend aus 4 Personen – neben mir noch Anna, Andre und Constanze.
Demnächst haben wir eine fünfte Person. Dann haben wir immer Praktikanten, zwischen 1 und 3.Anna Biselli: Und dann eben eine große Anzahl an Freiwilligen, die uns auf dem Themengebiet, auf dem sie sich eben sehr gut auskennen und auch arbeiten Beiträge liefern und immer mal wieder unterstützen.
Ich persönlich beschäftige mich viel mit Datenschutz und bin nicht so der Copyright-Rechts-Experte. Überhaupt nicht. Aber dafür haben wir eben viele freie Autoren. Ich glaube das sind insgesamt 80 Menschen mit Schreib-Zugang.
Von denen, ich sag mal so, 15 bis 20 Menschen den pro Jahr auch aktiv nutzen.Markus Beckedahl: Manche, wie Ulf Buermeyer oder Leonhard Dobusch oder Matthias Monroy schreiben regelmäßig zu ihren Spezialthemen und nutzen gerne unsere Bühne.
Markus Beckedahl: Ich glaube die Enthüllungen von Edward Snowden haben nicht
so viel an unserer Wahrnehmung verändert. Es gab genug andere, viel wichtigere Meilensteine.Andre Meister: Ja, vorher waren wir so ein bisschen die Typen, die immer von Überwachung geredet haben
die Aluhüte. Und danach wurden wir ein bisschen ernster genommen, mit „Oh, die hatten ja all die Jahre doch Recht.“Wetter: Dieser „Told you so!“-Effekt spielt natürlich eine Rolle. Also das vorher immer wieder darauf hingewiesen wurde, dass solche Überwachung höchstwahrscheinlich stattfindet, wurde immer als Verschwörungstheorie oder belächelnd abgetan. Und seit Snowden ist da natürlich eine ganz andere Erkenntniss in der Breite da.
Andre Meister: Wir haben auf alle Fälle mehr Aufmerksamkeit und Sensibilisierung für für Überwachungsthemen.
Und vielleicht auch mehr Leserinnen und Leser, weiß ich nicht so genau, wir haben da kein genaues Tracking.
Aber die politischen Erfolge sind dann dennoch relativ wenige.Anna Biselli: Was für mich auch ein wichtiger Punkt ist, aber nicht nur für Netzpolitik.org
sondern für alle netzpolitisch Aktiven ist, dass der Rechtfertigungsdruck nicht mehr so groß geworden ist.
Warum man das tut was man tut. Sondern einfach, das „Wie können wir das erreichen was wir wollen?“ mehr im Vordergrund steht.Markus Beckedahl: Wir werden einerseits ernst genommen und ich glaube von allen Akteuren
ob sie uns mögen oder nicht. Und wir werden sehr häufig zitiert, insofern, dass wir auch als Quelle
ernst genommen werden oder unsere Einschätzungen sehr gefragt sind, in der Bewertung.Andre Meister: Also wir wissen dass viele andere Journalistinnen und Journalisten uns lesen
auch Politikerinnen und Politiker und auch Lobbygruppen. Das wir schon eine zentrale Instanz sind, in den Themenbereich „Netzpolitik“ ob man uns mag hängt dann von der jeweiligen Perspektive ab.Anna Biselli: Es ist eben eine nagende, bohrende Instanz die eben immer da ist und auch seit 10 Jahren nicht weggeht. Und ich glaube mittlerweile hat es auch der hartnäckigste CDU-Politiker herausgefunden, dass er das nicht einfach mehr wegignorieren kann.