Seit einigen Wochen geistert der „Cyber-Angriff auf den Bundestag“ durch die Medienlandschaft, mit viel Panik – und vor allem Gerüchten. Da es keine gesicherten Erkenntnisse gibt, haben wir bisher weitestgehend darauf verzichtet, uns an Spekulationen zu beteiligen. Stattdessen haben wir interessierte Bundestags-Büros mit dem IT-Sicherheitsforscher Claudio Guarnieri zusammen gebracht, den die Linksfraktion dann auch beauftragte, ihr IT-System zu analysieren. Guarnieri wurde fündig und erstellte einen technischen Bericht, die wir an dieser Stelle in voller Länge veröffentlichen:
- Deutsch: Investigativer Bericht zum Hack der IT-Infrastruktur der Linksfraktion
- Englisch: Investigative Report on the Hack of the Left Party Infrastructure in Bundestag
Das Ergebnis: Mindestens zwei Server der Linksfraktion im Bundestag waren mit Schadsoftware infiziert. Diese erlaubte den Angreifern, auf das Netzwerk zuzugreifen, Rechner fernzusteuern und Dateien auszuleiten. Der Angriff scheint Anfang Mai begonnen zu haben, was mit den bisher als „Cyber-Angriff“ bezeichneten Berichten übereinstimmt. Es bleibt aber derzeit unklar, ob sich weitere Schadprogramme auf den Rechnern befinden oder schon vor Mai befanden.
Während der Programmcode selbst keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Angreifer zulässt, konnten durch die Analyse der für den Angriff genutzten Server-Infrastruktur wertvolle Hinweise gewonnen werden. Darin deutet vieles darauf hin, dass der Angreifer die so genannte „Sofacy-Gruppe“ ist, auch APT28 genannt. Frühere Analysen der Sicherheitsforscher von FireEye aus dem Oktober 2014 legen nahe, dass die Gruppe russischer Herkunft sein könnte. Es gibt jedoch keine Beweise, die es ermöglichen, die Angriffe definitiv bestimmten Regierungen oder Staaten zuzuordnen.
Da Bundestag, Bundesregierung, BSI und beteiligte Firmen bisher Öffentlichkeit und Abgeordnete fast nicht informieren, ist dieser Bericht die erste gesicherte Erkenntnis, die öffentlich wird.
Volker Schneider, Fraktionsgeschäftsführer der Linksfraktion, kommentiert gegenüber netzpolitik.org:
Bei der Aufklärung der sogenannten Cyberattacke halten wir Transparenz für das Gebot der Stunde. Aufgrund der schleppenden Veröffentlichung von Informationen zu den Angriffen auf die IT des Bundestages haben wir uns entschieden, die uns vorliegenden Erkenntnisse zum Angriff auf die IT unserer Fraktion nun öffentlich zu machen.
Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich hier um den gleichen Angriff wie bei der Bundestags-IT handelt oder nicht. Zumindest aber fanden die Angriffe zum gleichen Zeitraum statt und es gibt erhebliche Ähnlichkeiten.
Wir hoffen, dass durch die Veröffentlichung dieser Analyse die Aufklärung auch zum Angriff auf die Bundestags-IT vorangetrieben wird.
