Sogar dem SPIEGEL ist es in dem Interview mit Ex-NSA-Chef Michael Hayden aus der aktuellen Printausgabe passiert. Mit dem Halbsatz „Snowden hat enthüllt, […]“ wird in vielen Berichten fälschlich suggeriert, dass Snowden selbst die neuesten NSA-Stories enthüllt. Dabei ist klar und er selbst stellt das immer wieder heraus, dass nicht er die Entscheidung vornimmt, was veröffentlicht werden soll, sondern lediglich das Material dafür geliefert hat. Die „Snowden hat enthüllt … „-Rhetorik wird hingegen meist bewusst von jenen eingesetzt, die Snowden als Verräter brandmarken wollen und ihm unterstellen, die nationale Sicherheit der USA weitreichend in Gefahr zu bringen. Auch wenn das hier nicht auf den Spiegel übertragen werden soll und man in diesem Fall eher von einer kleinen Unachtsamkeit ausgehen sollte.
Die eigentliche Entscheidungsgewalt liegt bei den Journalisten, denen Snowden Material übergeben hat. Selbst Hayden lenkt an späterer Stelle ein:
Und außerdem haben doch sowieso Journalisten wie Glenn Greenwald, Laura Poitras oder Barton Gellmann das Material – und offenbar auch der SPIEGEL. Das Zeug kommt doch so oder so raus, ohne Snowdens Kontrolle.
Glenn Greenwald von der investigativen Nachrichtenseite The Intercept, der große Teile des von Snowden geleakten Materials aufgearbeitet hat, hat aufgrund der oftmaligen Verwirrungen wichtige Punkte zusammengefasst, wie die Enthüllungen in ihrer Gänze entstehen, bevor sie an die Öffentlichkeit gelangen. Die zusammengefassten Klarstellungen:
- Seit Snowden im letzten Juni Hongkong verlassen hat, hat er keine Dokumente mehr an Journalisten übergeben.
- Die Entscheidung, was im öffentlichen Interesse liegt, Neuigkeitswert besitzt und die amerikanische Sicherheit nicht gefährdet, liegt in der Verantwortung des jeweiligen Nachrichtenmediums.
- Snowden hat selbst gesagt, es sei nicht sein Anliegen, dass ausnahmslos alles veröffentlicht wird.
- Zu sagen, nur Enthüllungen seien relevant, die Grundrechtsverletzungen an amerikanischen Bürgern offenbaren, ist haltlos.