Überwachung

#rp14: Welche Narrative gibt es gegen Überwachung?

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Heute fangen wir mit der Frage an, welche Narrative / Erzählungen es gibt / geben könnte, um den NSA-Überwachungsskandal zu beschreiben und zu begreifen.

Genau zu diesem Themen sprach der Journalist Friedemann Karig und fing bei der Bibel an: „Überwachung macht impotent!“ – Neue Narrative gegen Überwachung . (Youtube)

Was könnte die große wirkmächtige Geschichte sein, die wir gegen Überwachung erzählen müssen, damit die Menschen sich endlich wehren?

Felix Schwenzel (Wirres) schaute sich den Diskurs aus der Rolle eines Advocatus Diabolo an und gab damit auch gute Impulse: Wie ich lernte, die Überwachung zu lieben. (Youtube)

Die fiktionale Figur Andrew (Ender) Wiggins sagt in Orson Scott Cards Buch (und Film) Das große Spiel: „In dem Moment in dem ich meinen Feind verstehe, ihn gut genug verstehe um ihn zu schlagen, in genau diesem Moment liebe ich ihn auch.“ Hilft uns diese pop-philosophische Erkenntnis möglicherweise den Überwachungsstaat zu schlagen und zu überwinden und wieder mehr Grundrechte garantiert zu bekommen?

In seinem Blog hat Felix Schwenzel ausführlich darüber geschrieben.

Katarzyna Szymielewicz von der polnischen Datenschutz-NGO Panoptykon ging der Frage nach: „Why should you know who has been asking about you?“ (Youtube)

If you want to know what state knows about you and why so much, then we have something in common. In the post-Snowden world we became well aware that data we store on servers belonging to private companies tends to have a second life. It is where secret services and law enforcement meet the Internet. How to prevent bulk transfers from private to public data bases? How to make sure that due process is in place? What do we know about disclosures of our data and how can we learn more?

Jillian York und Jacob Appelbaum rappten zusammen: „Let’s talk about sex baby, let’s talk about PGP“. (Youtube)

Using evidence from a stack of historical movements, including safer sex and harm reduction, this talk will address how advocates of liberty and privacy can ensure that their work touches the mainstream.

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12 Kommentare
    1. Hihi.. da „draußen“ schreibt uns diesen Anspruch doch eh keiner zu ;) Aber um hier „drinnen“ zu diskutieren, ist es doch ne gute Frage. Die draußen werden es früher – hoffentlich nicht zu spät – schon kapieren.

  1. Auch wenn es weh tut, wir müssen uns eingestehen, dass in unseren Reihen kaum eloquente, schlagfertige und gewiefte Redner zu finden sind. Schaut Euch z.B. mal Glenn Greenwald oder Jacob Appelbaum an. Die haben rhetorisch einiges drauf, leider nur auf Englisch.

    Dabei wäre es vergleichsweise einfach, mit einer Mischung aus Polemik, Sarkasmus und harten Fakten die Propaganda der Überwachungsextremisten aufzubrechen und die Sicherheitsideologen in die Enge zu treiben.

    Dafür müssen wir allerdings die Gegenseite auch mit ihren eigenen Mitteln schlagen. D.h. wir müssen die Samthandschuhe ausziehen und gezielt unfair spielen.

    Hier mal spontan ein paar provokative und offensive Fragen:

    – Warum müssen jedes Jahr zehntausende unschuldige Menschen durch Krankenhauskeime sterben? Regierung, CDU/CSU und Polizei wollen doch alles für die Sicherheit der Menschen tun!? Warum herrschen dann Personal- und Geldmangel in deutschen Krankenhäusern? Sonst spielt Geld doch auch keine Rolle, wenn es um mehr Sicherheit geht.

    – Warum müssen immer weniger deutsche Polizisten für immer weniger Geld immer mehr arbeiten? Regierung, CDU/CSU wollen doch alles für die Sicherheit der Menschen tun!? Warum bekommen dann immer nur Hersteller von Überwachungstechnik mehr Geld, nicht aber die Polizisten an der Basis?

    Vielleicht hat hier der eine oder andere weitere, passende Vorschläge für wirksame Gegenpropaganda?

    1. Hey, du hast recht! Aber wir sind in der digitalen Welt now. We can understand the cool points or even make our own ones … and if it’s just using the weapons of the digital age… Like Google translator :) Good points are good points. No matter whether using German or Mandarin or Math.

    2. Das gefällt mir wirklich gut. Anstatt sich dafür zu rechtfertigen, dass man keinen Bock auf Überwachung hat, und dabei mit so unhandlichen und schwer zu greifenden Prinzipien wie z.B. Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Privatsphäre oder Unschuldsvermutung argumentieren zu müssen, zieht man das Pferd von einer anderen Seite auf: Sicherheit ist ein Supergrundrecht! Wir haben aber nur begrenzte finanzielle Ressourcen, um für Sicherheit zu sorgen. Zur Sicherheit gehört es auch die Bevölkerung vor tödlichen Infektionen und nicht-terroristischer Kriminalität zu schützen. Im Vergleich zum möglichen Schaden durch Terrorismus ist der gesellschaftliche und individuelle Schaden durch die vorgenannten Gefahren viel größer. Also gilt es hier die richtigen Prioritäten zu setzen und das Geld für den Kampf gegen tödliche Infektionen und nicht-terroristische Kriminalität auszugeben. Dann bleibt halt nichts mehr für den Kampf gegen Terror übrig.

      Mir fällt da ja gleich noch ein, dass es natürlich auch zur Sicherheit gehört, die finanzielle Leistungsfähigkeit des Staats zu gewährleisten. Da muss man dann unbedingt mehr Geld für Steuerfahnder ausgeben. Leider lassen sich damit aber nicht weniger Ausgaben für Überwachung rechtfertigen, weil die Steuerfahnder mehr Geld reinholen als sie kosten.

  2. Inhaltlich überzeugt mich nur Felix Schwenzel, seinen Vortrag find ich dafür umso besser. Katarzyna ist noch ganz ok.

    Jacob enttäuscht dieses Mal (von „ich hab nichts zu verbergen“, zu „ich zieh vor allen Leuten hier meine Hose aus“ find ich dann doch sehr abwegig). Schade, normalerweise kann er ganz gute Vorträge halten.

    Muss mich allerdings realtime defense (#5) anschließen, es fehlt (neben den konkreten Ideen) an gewandten deutsprachigen Rednern. Auch Felix würd ich (trotz starkem Inhalt) nicht grade als redegewandt bezeichnen. Und zu einem Redner gehört ein bisschen mehr als vom englischem übersetzen zu können ;-)

    Denke vom Schwerpunkt her ist es am Wichtigsten konkrete Beispiele nennen zu können, warum (zuviel) Überwachung für eine Gesellschaft oder für einen einzelnen schädlich ist. Gehandelt wird immer erst nachdem konkrete (schlechte) Auswirkungenen sichtbar sind.

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