Generell

#Drosselkom – das sagt die YouTube-Community

Dies ist ein Gastbeitrag von Jannis Kucharz und David Peter. Er drückt die Meinung der Autoren aus, die Redaktion folgt der Argumentation nicht in allen Punkten.


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Die YouTube-Community und Ihr Verhältnis zu netzpolitischen Themen bleibt ein weiterhin spannendes Thema. Bei ACTA fiel zum ersten Mal auf, dass sich hier eine von den Netzaktivisten bislang eher belächelte Gruppe im Netz tummelt, die sich durchaus für relevante Themen begeisterten lässt und durch ihre Stars enormes Aktivierungspotential bietet. Doch immer deutlicher zeigt sich, dass die Schnittmenge zwischen Youtubern und Netzgemeinde nur gering ist. Hier entsteht gerade ein neuer Generationen-Gap: eine große Zahl junger, spaßorientierter Youtuber hier, eine verhältnismäßig kleine Schar älterer, verkopfter Netzpolitiker dort.

Umso wichtiger mal zu schauen, ob denn ein – auch für die Youtuber – so wichtiges Thema wie #Drosselkom überhaupt bis in der YT-Community vordringen konnte und wenn ja, wie die Pläne der Telekom dort diskutiert werden.

Wir selbst haben für den Kanal „YoujustDontDo“ ein Aufklärungsvideo gemacht, das sich in erster Linie auf die Pläne zur Bandbreitenbegrenzung beschränkt. Unsere Botschaft: Drosselung trifft jeden! Inzwischen nutzt praktisch jeder datenintensive Dienste wie Skype, Onlinegames oder eben einfach YouTube und so betrifft die Einführung eines Downloadlimits weit mehr Nutzer als nur die “heavy user”. Unser Video ist ganz bewusst den Sehgewohnheiten der jungen Generation angepasst: Effekte, schnelle Schnitte, Humor und eine stark vereinfachte Botschaft. Denn das Ziel unseres Videos ist es, zunächst einmal Aufmerksamkeit für das Thema zu erreichen.

Was machen die “großen” auf YouTube mit dem Thema Drosselkom?

SemperVideo, die sich insgesamt viel mit Themen rund um das freie Netz beschäftigen, haben unter SemperCensio gleich eine dreiteilige Videoreihe veröffentlicht. Dort beschäftigt man sich vor allem mit der Gefährdung der Netzneutralität durch die Pläne der Telekom. Und als naheliegendes Beispiel diskutiert man hier natürlich die Forderung der Telekom an YouTube, für ungedrosselte Videozugänge doch einfach was zu zahlen.

Das gleiche Thema griff auch Mr. Trashpack auf, der mit seinen wöchentlichen YouTube-News 150.000 Abonnenten erreicht. Er fasst die Konsequenzen für die YouTube-Nutzerschaft so zusammen:

„Das wäre für Leute, wie uns Youtuber, besonders … alter what the Fuck, das ist der größte Abfuck ever.“

Außerdem würde die Telekom die Schuld an der angeblichen Netzüberlastung auf Heavy-User und damit indirekt auf die YouTube-Nutzer abwälzen. Die Forderungen der Telekom gegenüber YouTube werden erwähnt, in ihren negativen Auswirkungen jedoch nicht erklärt. Für den unbedarften Nutzer mag es daher zunächst einmal vorteilhaft klingen, wenn YouTube Geld an die Telekom zahlt, statt man selbst.

Auch YouTube-Star LeFloid, der aktuell über 600.000 Abonnenten zählt, hat sich dem Thema in seiner Show „LeNews“ angenommen: „MÖRDER FACEPALM – Internet ist ausverkauft…“, versucht er das Thema auf seine gewohnt humoristische Weise den Menschen nahe zu bringen. Der Themenkomplex Netzneutralität wird nicht erwähnt.

Was zeigt uns also dieser kurze Blick in die Welt von YouTube?

Das Thema Internetdrosselung hat ein enormes Potential zu mobilisieren, schließlich sind 46% der Breitbandnutzer Telekomkunden. Doch der Komplex Netzneutralität bleibt wenig verbreitet und scheint schwer vermittelbar. Wollen wir die junge Generation langfristig für Netzthemen begeistern, so müssen dringend Erklärstücke und Narrative folgen, die es schaffen, die Konsequenzen einfach und schnell verständlich zu machen.

Aber mit Humor!

Denn die jungen Generation ist hier eine ganz andere Sprache gewohnt. Netzcomedians wie Ytitty wissen das – und binden mit ihren Videos Millionen. Immer häufiger wenden sie sich auch ernsteren Themen zu, wie beispielsweise der GEZ (neudeutsch: Beitragsservice). Dabei haben die YouTuber eine Sprache gefunden und Formate entwickelt, mit denen sie auch ernste Themen lustig, teilweise klamaukig, an eine jüngere Zielgruppe verständlich vermitteln können. Die Space Frogs haben es beispielsweise mit ihrem Video zu ACTA vorgemacht.

Sicher: Durch die starke Vereinfachung fallen viele Details hinten runter. Doch gerade die etablierten Netzaktivisten können hier noch eine Menge lernen wenn es darum geht, für ein Thema zu sensibilisieren, Bewusstsein zu schaffen und zu mobilisieren. Gerade daran ist die “Netzgemeinde” zuletzt beim Leistungsschutzrecht grandios gescheitert. [Anmerkung der Redaktion: Wir sehen das nicht so negativ]

Und die Zeit drängt: Wenn die Telekom es schafft, mit weiteren Beschwichtigungen und Abmilderungen (wie z.B. „echte Flatrate“-Zusatztarifen) die Empörung bezüglich der Drosselung abzuschwächen, dann verpufft auch die Möglichkeit, das sperrige aber wichtige Thema der Netzneutralität in den Vordergrund zu rücken. Und das vor allem bei einer hochgradig vernetzten, jungen Generation, die einfach nur die richtige Ansprache bräuchte.

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9 Kommentare
  1. Ganz meine Meinung. :)

    Wie hier schon erwähnt ist es immer eine Sache beim abwägen von Informationsvermittlung und Humor wenn man ein Video erstellen will um Zielgruppen zu erreichen die sich sonst wenig mit solchen ernsten und meist auch komplexen Themen befassen.

  2. Jetzt nichts gegen Jugend und Youtube. Lustige Videos. Aber welches der Videos hat denn besser den Netzneutralitätsaspekt einer anderen Zielgruppe verkaufen können als dieses Blog hier?

    Die kritisieren in ihren Video zurecht den Drosselaspekt, bekommen es aber nicht hin, das mit dem wichtigeren Thema Netzneutralität zu verbinden.

  3. Naja, wenn YouTube Geld an die Telekom zahlt, um nicht gedrosselt zu werden, werden die das Geld ja irgendwo herholen.
    Im Zweifel gibt es dann für die großen Youtuber ein paar % weniger Beteiligung an den Werbeeinnahmen.

  4. Die habe es nicht verstanden. Ist vielleicht ganz gut wenn YT, Skype und Games bald was kosten. ;) NN ist wirklich nicht ganz so einfach, besonders wenn es dann noch mobil wird.

  5. Das Thema „Wie kann man politische Themen über YT an die Jugend vermitteln?“, beschäftigt mich im Rahmen des Projektes „DuHastDieMacht.de“ auch beruflich. Wer da ein Interesse an einer Vernetzung hat, melde sich einfach :)

    1. Ich muss etwas schmunzeln, zum einen diskutiert man hier, dass das Innenministerium PR-Argenturen anstellt damit Fakten so verneusprecht werden, das die Kritik der Bürger möglichst schon im Vorfeld abgestellt wird. Auf der anderen Seite werden beim Fairphone, welches sicherlich eine gute Idee ist, die PR Mitteilungen abgedruckt und nicht geguckt was denn von den Versprechungen aus deren Blog den schon geliefert wurde.

      Themen an Jugendliche vermitteln? Ehrlich bleiben, nichts beschönigen auch wenn man die Sache sogar mal gut findet und nicht versuchen hip zu sein. Erich Moechel bekommt es aus meiner Sicht gut hin. Er zitiert sauber, gibt Beispiele und zeigt Zusammenhänge, auch für die Zukunft, auf. Das ist doch schon mal was.

  6. Markus Beckedahl hat schon öffters dazu aufgerufen, dass Netzpolitische Themen so erklärt werden müssen, dass es auch Eure Mütter verstehen.
    In Wirklichkeit müsstet Ihr die Themen aber so erklären, dass es Eure Kinder verstehen.

    „Hier entsteht gerade ein neuer Generationen-Gap: eine große Zahl junger, spaßorientierter Youtuber hier, eine verhältnismäßig kleine Schar älterer, verkopfter Netzpolitiker dort.“

    So sieht es nämlich schon länger aus.
    Das erste Problem mit den Müttern löst sich quasi von alleine, denn die Fax-Menschen, welche ohne Internet aufgewachsen sind, sterben irgendwann aus.
    Leider ist die nächste Personengruppe, die folgen wird, die „alte“ Netzgemeinde. Bei der LSR Debatte hat man sehr deutlich gesehen, wie klein der Personenkreis tatsächlich ist, der sich generell immer als Netzgemeinde(tm) bezeichnet.

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