Generell

Das ZDF vermisst seine Facebook-Seite (Update: Wurde gefunden)

Die ZDF-Onlineredaktion vermisst ihre Facebook-Seite. Die wurde wohl gesperrt, weil man zur Berichterstattung ein Foto von medizinischen Brustimplantaten verwendete. Dabei hat man wahrscheinlich auf weibliche Brüste zurückgegriffen, die werden bei Facebook gerne wegen US-Moralvorstellungen gesperrt, was stillende Mütter beim Posten von Fotos regelmäßig bemerken. Ein schönes Beispiel, warum wir als Gesellschaft aufpassen sollten, uns nicht von privatisierten Öffentlichkeiten abhängig zu machen, wo einfach mal Algorithmen auf Basis anderer Moralvorstellungen durchzensieren.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

ZDF heute - Liebe User, Facebook hat unsere Seite vorübergehend... 2013-12-13 10-49-18

Update:

Das ZDF erklärt den Vorfall. Wobei man relativ sicher sein kann, dass eine männliche Brust eher weniger zu einem automatisierten Löschen geführt hätte.

Wir haben vorgestern einen Post zum Thema Brustimplantate-Skandal in Frankreich veröffentlicht und dabei ein Bild verwendet, das eine Brustoperations-Szene zeigt. Dieses Bild wurde von Facebook gelöscht, weil es gegen die Community-Regeln verstoße. Daraufhin wurde ZDFheute vorgeschlagen, die Seite inaktiv zu stellen, um mögliche weitere Community-Regelverletzungen zu entfernen. Durch ein Missverständnis in der Redaktion wurde die Seite tatsächlich inaktiv gestellt. Und dann – eine Panne kommt selten allein – wurde diese Inaktivstellung auch noch von uns selbst kritisiert. Wir bedauern dieses Missverständnis.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
28 Kommentare
  1. Typisch wieder mal die Amis. Gewalt geht wie bei Youtube immer durch, aber kaum sieht man ein Nippel wird ein Riegel vorgeschoben. Und hintenrum ist die US und A auch noch der größte Pornoproduzent.

  2. Gibt es zum Thema Sperrungen eigentlich verlässliche Informationen, nach welchem Verfahren die Sperrungen bei Facebook ablaufen? Ich glaube nämlich, dass diese Sperrungen eine Mischung aus Vorsicht, länderspezifischem Rechtskontext und Algorithmus sind.

    Angesichts der enormen Masse an Postings (Beiträge und Kommentare), die Facebook täglich verarbeitet, ist eine manuelle Prüfung durch Facebook aus meiner Sicht ausgeschlossen. Daher kann eine Sperrung von Seiten nur automatisch oder halbautomatisch erfolgen. Selbst eine halbautomatische Sperrung (Algorithmus ermittelt textlich oder bildlich problematische Beiträge und schlägt Sperrung vor, Mitarbeiter entscheidet über Sperrung) wäre mit einem enormen Aufwand verbunden, wenn man betrachtet, in wie vielen Ländern Facebook aktiv ist und welche unterschiedlichen Rechtsnormen zu betrachten sind.

    Weiterhin wäre die Aufregung noch viel größer, wenn Texte oder Bilder mit einem offensichtlich rassistischen oder extrem pornographischen Material lange sichtbar bleiben würden. Daher glaube ich, dass Facebook im Zweifelsfall erst einmal sperrt, wenn ein Algorithmus dies vorgibt und der Nutzer muss sich anschließend um Entsperrung bemühen.

  3. Das ZDF scheint an der Panne nicht ganz unbeteiligt zu sein, siehe „In eigener Sache“ (auf der FB-Seite von ZDFheute).

    Trotzdem: Allein die Tatsache, dass ein solches Unternehmen sich anschickt, die eigenen Moralvorstellungen dem Rest der Welt überzustreifen, ist schlichtweg nicht akzeptierbar. Hier handelt es sich um Zensur aus privater Hand.

  4. Moin!

    Es wundert mich, dass es bis jetzt noch niemandem aufgefallen zu sein scheint, aber lasst euch doch einfach ‚mal folgende Aussage auf der Zunge zergehen: (Zitat) „Bitte beachten Sie:Ungefiltert und unzensiert durch US-amerikanische Medienkonzerne gibt’s ZDF heute.de auf usw.“!

    Äh, ungefiltert und unzensiert?? Ja, nee, is‘ klar.

    Hat bei ARD oder ZDF bisher ‚mal jemand etwas von z.B. den Protesten in Italien gehört? Das könnte man jetzt natürlich beliebig weit ausweiten…

    Keine weiteren Fragen!

    Naja, wünsche trotzdem ein angenehmes Wochenende!

    1. Lies nochmal durch, was du dort zitiert hast. Da wird gesagt „ZDF heute.de gibt es ungefiltert auf…“ und das stimmt nunmal. Ob die schon vorher zensieren ist was anderes, aber macht die Aussage nicht falsch.

  5. „(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

    1. Was soll uns das jetzt sagen und was hat das Sperren von Inhalten auf Facebook DURCH Facebook mit Zensur zu tun?

      Hier für sie zwei Worte zum Kombinieren und Nachdenken: „Zensur“ und „Staat“. Los geht´s.

      Ansonsten kann ich über die Löschkriterien von FB nur den Kopf schütteln. Aber jeder hat halt das Recht, Inhalte die ihm nicht passen zu löschen.

  6. Ja meine Güte, denkt denn keiner an die Kinder, die ihr Leben lang mit einen psychischen Schaden behandelt werden müssen wen sie nackte menschliche Körperteile sehen. Da ist der Am*klauf ja schon vorprogrammiert, denn den Umgang mit Waffen habe sie ja schon im Vorschulalter gelernt.

  7. Dann sollte man noch die Wörter „Monopolist“ und „Infrastruktur“ in die Wagschale werfen. Eigentlich müsste die Regulierungsbehörde Regeln für solche Quasi-Monopolisten im Bereich der öffentlichen Infrastruktur „soziale Netzwerke“ festlegen.

  8. Facebook hat auf seiner eigenen Seite Hausrecht. Und das ZDF auf heute.de. Das ist eher das, was klarer werden muss: wir befinden uns auf einer einzelnen Website nicht im öffentlichen Raum.
    Das hat dann auch wenig mit dem Grundgesetzt zu tun. Sondern damit, dass wir nicht zulassen dürfen, dass die Öffentlichkeit privatisiert wird. Und damit nicht abhängig werden dürfen von Facebook und Co.

  9. Jeder Content-Anbieter muss Herr seiner Inhallte sein dürfen!

    Trennen wir einmal zwischen dem konkreten Vorgang, bei dem der Nutzer „ZDFheute“ einen gehörigen Teil Mitschuld zu tragen scheint und der abstrakten Methode der Filterung:
    Weder Google, Facebook, Twitter oder wer auch immer sind stastliche Unternehmen, sondern
    privatrechtliche Firmen/Organisationen. Es ist deren gutes Recht zu veröffentlichen, was immer ihnen angemessen oder unangemessen erscheint. Bei einer Zeitung oder (privaten) Rundfunkanstalten stünde das auch nicht zur Debatte. Dem User ist es völlig unbenommen, die Angebote in Anspruch zu nehmen oder nicht.
    Kein Mensch hindert jemanden daran, ein eigenes soziales Netzwerk zu gründen. Doch dies scheitert regelmäßig an mangelndem Interesse. Die Welt wird weder daran zugrundegehen, dass halbnackte Frauen gezeigt noch dass sie nicht gezeigt werden.
    Es gilt zurecht das Prinzip: „Wer bestellt, bezahlt“ oder andersherum: „Wer eine Plattform zur Verfügung stellt, entscheidet auch über deren Inhalt“.

    Wenn in den angelsächsischen und muslimischen Ländern andere Moralvorstellungen herrschen als in Europa, so ist das deren gutes Recht. Auch das ist Toleranz: Die Akzeptanz, dass andere Länder andere Vorstellungen von Moral haben!
    Man verfolge nur die aktuelle Debatte über Prostitution: In Deutschland ist sie im Sinne einer höchstpersönlichen Dienstleistung auf gegenseitiger Freiwilligkeit seit 2002 quasi jedem Gewerbe gleichgestellt, in Frankreich komplett (!) verboten.
    Mithin wird es in Frankreich auch keine legale Werbung für Prostitution geben können.
    Wer also social networking nach deutschen Moralvorstellungen will, muss ein solches gründen oder wiederbeleben. Die VZ-Netzwerke oder Wer-Kennt-Wen sind Schatten ihrer selbst, weil das hochvolatile Medium Internet und speziell die sozialen Netzwerke diese Diskussionen als theoretisch betrachten.
    Jeder Content-Anbieter, ob Peter Meier mit seinem Homepagebaukasten und Blog oder „facebook“ hat im Rahmen der bestehenden Rechtsordnung die Möglichkeit, Inhalte zu veröffentlichen oder auch nicht. Die Kriterien obliegen Gott sei Dank ebenso seiner höchstpersönlichen Entscheidung wie die Frage, ob ein Benutzer ein Angebot konsumiert oder daran mitwirkt.
    Also kein Grund zu Katzenjammer,
    denn es handelt sich eben nicht, wie gerne suggeriert wird, um staatliche Inhaltskontrolle, sondern um das genaue Gegenteil: die (hier passiv vorgenommene) Wahrnahme des Rechtes auf private Meinungsäußerung.

    1. Ja, die rein rechtlichen Belange sin ja bekannt.
      Nur sollte endlich jedem mal klar werden, das eine wenn auch sehr subtile Kontrolle stattfindet, und darum geht es nämlich, das nämlich ganz gezielt in fast allen Netzwerken der Bürger kontrolliert und eben auch zensiert wird.
      Raus aus Facebook, Twitter und Konsorten..kann ich dazu nur sagen..!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.