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Wie ich lernte, der BrandEins nicht mehr zu vertrauen

Ich mag die BrandEins. Bereits seit langem ist das Magazin eines der wenigen Printprodukte, die ich, wenn auch in diesem Fall eher unregelmäßig, am Kiosk kaufe um mich zu informieren. Vor allem über Themen, von denen ich weniger verstehe und wo ich der Redaktion vertraue, mich gut zu informieren. Kurz: Ich schätzte bislang die journalistische Qualität des Magazins. Umso mehr bin ich etwas irritiert von der aktuellen Ausgabe. Unter der Überschrift „Wozu taugt ACTA“ findet sich ein Beitrag, bei dem mir unklar ist, ob es sich um einen Meinungsbeitrag ohne Recherche oder einen schlecht recherchierten journalistischen Beitrag handelt. Ein Ulf J. Froitzheim arbeitet sich dort irgendwie an ACTA-Kritik ab und dieses Blog und der Digitale Gesellschaft e.V. kommen auch prominent vor. Nur: Der Artikel liest sich nicht so, als ob der Autor unbefangen an die Sache herangegangen sei und Argumenten zugänglich sei. Und er verdreht auch bewusst oder unbewusst einige Fakten.

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„Wer Blogs wie netzpolitik.org liest, merkt indes schnell, dass nicht Plagiate und Produktpiraterie als Problem gelten, sondern das veralterte Urheberrecht in der Fassung von 2007.“


Durch die gewählte Sprache versucht der Autor zu suggerieren, die Kritik an einem veralterten Urheberrecht wäre ja vollkommen fehl am Platze, weil das ja 2007 reformiert worden sei. Dass das aktuelle Urheberrecht allerdings auf einer EU-Richtlinie besteht, die zehn Jahre alt ist, die wiederum die internationalen TRIPS-Verträge von 1994 als Basis hat und das Gesetz dementsprechend aus dem analogen Zeitalter stammt, wo man sich noch die digitale Zukunft Kabelfernsehen 2.0 mit tollen Settop-Boxen vorstellte, kommt nicht zur Sprache. Auch thematisieren wir hier die negativen Auswirkungen einer unverhältnißmäßgen Durchsetzung von Urheberrechten, die u.a. zu einer riesigen Abmahnindustrie führten, wo sich Anwaltskanzleien eine goldene Nase verdienen, aber Künstler nichts davon abbekommen, außer einem Liebesentzug ihrer abgemahnten Fans. Oder wir kritisieren, wenn in Form von ACTA einer Privatisierung der Rechtsdurchsetzung das Tor geöffnet werden soll, was zu Netzzensur, Echtzeitüberwachung des Datenverkehrs und 3-Strikes-Lösungen und damit einem Abbau von Grundrechten führen kann.

Aber das wird in dem Artikel nicht erklärt. Wobei es sich der Journalist einfach macht und nur die Kommunikationslinie der ACTA-Befürworter als WahrheitTM beschreibt. Die Kritik sei ungerechtfertigt, „Viel Aufregung um nichts“, dazu gibt es viel Anonymous-Bashing und der ACTA-Vertragstext sei ja schon länger bekannt. Daher alles total transparent. Und überhaupt:

„Ausdrücklich ausgeschlossen wird die Verpflichtung der Service-Provider, nach der „three-strikes-rule“ den Internetanschluß abzuklemmen, wenn der Nutzer zum dritten Mal eines illegalen Downloads beschuldigt wird.“

Interessant ist die Verdrehung der Tatsache. Dieser Passus mit dem Ausschluß ist nicht im Abkommen zu finden. ACTA-Befürworter erklären immer, dass die 3-Strikes-Forderung während der Verhandlungen lange im Raum stand, aber bei der finalen Versionen rausgeflogen ist und deshalb alles gut sei. Was aber nicht dazu führt, dass 3-Strikes-Verfahren nicht angewendet werden, wie die BrandEins suggeriert. Frankreich wird nach Unterzeichnung des ACTA-Abkommens nicht seine Hadopi-Überwachungsbehörde schließen. Und wenn in Irland nach einer freiwilligen Kooperation zwischen Rechteinhabern und Provider letztere genau dieses Verfahren anwenden, dann ist genau das eine unserer Hauptkritikpunkte an ACTA: Sowas soll gefördert und zur Norm erklärt werden. Es steht nur nicht fett drin, sondern man muss es zwischen den Zeilen, mit etwas Fachwissen und der Geschichte der Verhandlungen lesen. Was der Autor wahrscheinlich nicht wollte, weil es ihm nicht passte. Aber dafür meint der Autor verstanden zu haben, wie ich das Urheberrecht verändern möchte (ohne mich gefragt oder sich offensichtlich mit meinen Positionen beschäftigt zu haben).

Am deutschen Urheberrecht würde sich durch ACTA nichts ändern. Genau das stört Aktivisten wie Markus Beckedahl vom Verein Digitale Gesellschaft. Sie wollen einen Paradigmenwechsel: weg von einem Gesetz, das den Urheber in den Mittelpunkt stellt und seine Rechte dadurch einschränkt, dass es Privatkopien erlaubt, zu einem Gesetz für Nutzer, das den Urhebern ein paar Zugeständnisse macht.

Vielleicht kann mir ja jemand mal erklären, was der Autor damit meint, ich verstehe es nicht wirklich. Wenn ich mich für eine Reform des Urheberrecht in Richtung eines Kreativnutzerrecht einsetze, dann aus dem Grund, dass mittlerweile jeder zu einem Urheber geworden ist. Wenn ich eine weitere Schrankenregelung für transformative Werke fordere, analog zu den Fair-Use-Regeln, dann ist das genau vergleichbar mit der Privatkopie. Welches Gesetz das sein soll, was den Urhebern ein paar Zugeständnisse macht, weiß wohl nur der Autor. Ich wäre aber interessiert, mehr darüber zu erfahren, um mir eine Meinung zu bilden.

Vielleicht hätte die Redaktion auch einfach mal in ihr Archiv schauen können. Da findet sich ein nur wenige Monate altes und sehr lesenswerte Interview mit dem Rechtswissenschaftler und Richter Karl-Nikolaus Peifer über die Überforderung des Urheberrechts, das Unwesen von Abmahnungen und neue Finanzierungsmöglichkeiten. Dessen Meinung teile ich weitgehend: Das digitale Urheberrecht steht am Abgrund.

Der ACTA-Artikel endet mit den Worten:

Doch die Aufregung um ACTA hat auch für die Kreativen etwas Gutes: Soviel Interesse wie in den vergangenen Monaten hat es für das Urheberrecht und Patente nie gegeben. Darauf könnte man mit einem guten Willen vielleicht einen Dialog aufbauen.

Dialog schätze ich ja immer gerne, aber quasi die Einladung mit einem „Die haben alle keine Ahnung“ und falschen Unterstellungen zu beginnen, lässt einen guten Willen nicht erkennen. Um Patente geht es übrigens bei ACTA gar nicht, aber das ist eine andere Geschichte.

Was wäre das für eine Chance gewesen: Mit der üblichen journalistischen Qualität der BrandEins hätte die Redaktion auch einen der leider wenigen ausgewogenen Beiträge zur ACTA-Debatte bringen können, mit verschiedenen Perspektiven und Positionen und vor allem gut recherchiertem Hintergrund. Vertan. Was aber bleibt ist die Message der BrandEins: ACTA ist vollkommen ungefährlich und die Kritik daran vollkommen unberechtigt. Kritikpunkte, die auch von Nicht-Netzaktiviten wie Reporter ohne Grenzen, Oxfam oder Amnesty International formuliert werden, kommen überhaupt nicht vor. Es wird mir schwer fallen, zukünftig bei Beiträgen in der BrandEins darauf zu verlassen, dass das schon ordentlich recherchiert sei. Schade.

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58 Kommentare
  1. Och herrje… Da hat sich mal wieder jemand erdreistet nicht das was in ACTA NICHT drinsteht zum Thema der Debatte zu machen, sondern sich am Originaltext orientiert. INFAM!!! Um nicht zu sagen….
    Was fällt der Brandeins ein, nicht im Chor der Netz-Agitations-Propaganda von Kramm und Konsorten mitzusingen? Die hätten doch lieber Panikmache betreiben sollen, wie es sich für genehmen Journalismus gehört. Ruft den Shitstorm aus!!! DDoSt deren Onlineangebot!!! Tod dem besonnenen Umgang mit der Urheberrechtsdiskussion!!!

    1. Haha, danke Georg. Sowas in der Richtung dachte ich mir auch. Ein weiterer Grund, weswegen BrandEins in meiner Achtung steigt. Das dauernde Panikgemache geht mir eg schon auf die Nerven incl. einiger Leute die sich dazu immer groß aufspielen,

    2. Hoffentlich werden Sie in Ihrem sprühenden Optimismus nicht bei nächster Gelegenheit vor den Karren gespannt und ausgebeutet.
      Je nachdem wie erfahren Sie sind, sollten Sie wissen das Verträge je nach Standpunkt anders gelesen werden. Und die Sichtweise nachher vor Gericht geklärt wird.

      Bei ACTA gibt es kein Gericht sondern Firmen die nach den Verhandlungen sagen „Wir wollten das und das, konnten es nur nicht so schreiben“… Klingelts?

      Und was das Urheberrecht angeht, finden Sie dieses von 1886 wirklich noch zeitgemäß? Schauen Sie sich allein die Fotoapparate in Ihren Geräten an, überlegen Sie und Antworten Sie dann.

  2. > das aktuelle Urheberrecht [hat] allerdings […] die
    > internationalen TRIPS-Verträge von 1994 als Basis

    Und die haben wiederum die Berner Übereinkunft von 1886 als Basis. Alles andere als modern würde ich sagen. Diese veralteten Konzeptionen dürfen durch ACTA nicht noch mehr zementiert werden.

  3. Markus, da ist sicher ein ordentlicher Schuss Meinung enthalten, aber das Zitat „Am deutschen Urheberrecht würde sich durch ACTA nichts ändern. Genau das stört Aktivisten wie Markus Beckedahl …“ ist genau so gemeint, wie Ihr es auch sagt: ACTA zementiert als völkerrechtlicher Vertrag die aktuelle nationale Gesetzgebung, weil es nach aussen einen Mindest-Schutz-Standard gibt. Ich kann gerade an diesem Passus nichts erkennen, was falsch wäre.

    1. Man sollte die „brand eins“-Redaktion aber auch nicht vor Kritik schützen. Wie man in der Anmerkung der Redaktion unter dem Artikel lesen kann, kürzt sie sinnentstellend. Ich hatte mal in einer E-Mail an die Redaktion geschrieben, dass http://www.brandeins.de/magazin/transparenz/schilda-an-der-spree.html nicht Ergebnis einer Recherche sein kann und zeitliche Zusammenhänge verdreht (und das auch detailliert dargelegt). Die Antwort lautete dann, dass diese Verdrehung leider durch die Redaktion zu verantworten ist, aber man versucht hatte, einen kritischen Artikel zu schreiben. Seitdem lese ich die brand eins bestimmt nicht mehr. Erst recht nicht, um mich zu informieren.

    2. Vermisse leider die elementaren Regeln der Höflichkeit, wenn hier polemisiert wird:

      „ob es sich um einen Meinungsbeitrag ohne Recherche oder einen schlecht recherchierten journalistischen Beitrag handelt. Ein Ulf J. Froitzheim arbeitet sich dort irgendwie an ACTA-Kritik ab.:“ Froitzheim ist nicht etwa ein Nobody, sondern deshalb einer der profiliertesten Journalisten der Branche, weil er sein Handwerkzeug beherrrscht und den Mut besitzt, Stellung zu beziehen; auch bei unbequemen Themen

  4. Die Argumentation bzgl. der skandalisierenden Darstellung der Three Strikes-Regelung ist schwach, Herr Beckedahl. Es ist so: sie ist nicht (mehr) Inhalt das Vertragswerkes. Dass sie in einigen Staaten dennoch existiert und versucht wird umzusetzen, bedeutet eher: sie ist nicht auf ACTA angewiesen. Und das sollte doch Anlaß zur Sorge geben, oder?

    1. Nicht mehr. Genau das ist es.
      Lies zwischen den Zeilen.

      Verträge liest man so wie man sie lesen will. Und dieser Vertrag soll im 3-Strikes-Sinne gelesen werden.

    2. SIe ist eben doch enthalten. Und zwar gilt das jeder Staat „state-of-the-Art“ Methoden zur Verhinderung von Missbrauch nutzen soll. Wenn also de-facto 3-strik und co zum stand der Technik erhoben wird müssen die Staaten diese oder vergleichbare Methoden umsetzen.

  5. Vor kurzem gab es einen sehr ähnlich gelagerten Artikel zum Thema Netzneutralität. Der Stil des Artikels war ähnlich zu der obigen Beschreibung. Die Gegen der Netzneutralität wurden pauschal als Ewiggestrige ohne Ahnung beschimpft.

  6. Ja, der Artikel über Netzneutralität war auch nicht gerade berauschend.
    Immerhin rettet sich Froitzheim mit dem im der Printausgabe weggefallen letzten Absatz:

    „Für manchen hart, aber für alle fair wäre etwas anderes: Man schafft die Flatrates ab und kassiert nach Datenvolumen. Dann finanziert steigende Nachfrage den Netzausbau von selbst. Man könnte es „neutral“ nennen. Früher hieß das Verursacherprinzip.“

    1. Schade nur, das diese Annahme auf naivem Optimismus beruht.
      Datenvolumen bedeutet im Gegenteil das die Nachfrage sinkt, weil hohe Nachfrage zu teuer ist.
      So oder so, die Anbieter können sagen „wir brauchen keinen Ausbau.“

      Netzneutralitat ist leider die einzige Möglichkeit Ausbau zu beschleunigen. Siehe Mobilfunk: Flatrates + Nachfrage + Wettbewerb = Anbeiter bauen kräftig aus. Des ist keine Theorie sondern gerade nackte Realität.

    2. Aua, da sieht man, wie gespalten („schizoid“) das alles ist. Nach Volumen abzurechnen hilft beim Begrenzen des Konsums zweifelhafter Dinge überhaupt nicht. Eine TV-Folge wird heute nicht mehr als xvid, sondern mit x264 encoded. Das sind bestenfalls 200MB/Stunde. Die Provider wollen als Inhalteanbieter auftreten? Tja, Pech gehabt. Auch mit Volumenpreis.

      Da sich immer mehr Medienkonglomerate bilden, schneiden sie sich nur ins eigene Fleisch. Sobald die Masse bemerkt, wie das alles funktioniert, müsste man bitweise abrechnen. Wieso lassen sie es nicht einfach bleiben und kümmern sich um die Optimierung ihres Geschäftsfeldes? Mehr Aktien für Verwaltungsrat und Management, dicke Dividenden und dann wäre mir als Firmenelite diese Diskussion egal. Hauptsache das Geld fliesst.

  7. Mal so an Sie gerichtet, Mr. Beckedahl. Mich wundert das Sie davon ausgehen das ein Medium völlig neutral sein kann. Also im Sinne der Theorie.

    Also aus meiner Sicht war das klar, dass auch diese Zeitung keinen neutralen Artikel hinbekommt. Das wäre ja so als würde ein Ölkonzern für Elektroautos werben. (Besserer Vergleich ist mir gerade nicht eingefallen, aber Sie wissen sicher was ich meine)

  8. […] ein Beitrag, bei dem mir unklar ist, ob es sich um einen Meinungsbeitrag ohne Recherche oder einen schlecht recherchierten journalistischen Beitrag handelt.

    Ich hätte da noch eine dritte Möglichkeit anzubieten: Ein im Auftrag des Chefredakteurs für einen oder mehrere bedeutende Anzeigenkunden geschriebenen und deren Interessen wiederspiegelnder Beitrag…

    Wie ist eigentlich das journalistische Pendant zum „Mietmaul“?

  9. Es ist doch völlig egal was die brand eins schreibt. Die sind längst über ihren Zenit hinas und haben die angestrebte Position nie erreicht. Lese ich schon lange nicht mehr. Und nach diesem coming out als Dinosaurier wird sich das auch nicht mehr ändern…

  10. @Markus: Äh, Medienkompetenz?

    Der Artikel (ich finde meine Printausgabe gerade nicht, daher aus dem Gedächtnis reproduziert) fängt an mit: Erklärung, der Autor lebt ganz gut von der VG Wort und wird deshalb von einigen anderen immer wieder zur Uhrheberrechtsmafia gezählt.

    Ich lese aus so etwas heraus: Nun folgt Standpunkt und daher Meinung.

    1. Dieser Satz ist noch Unsinniger, als andere in dem Artikel hier zitierten. Kein Mensch bezeichnet einen Autor als Contentmafia. Auch die Geräteabgabe spielt in der Diskussion um ACTA absolut kein Rolle und wird im allgemeinen akzeptiert. Um VG Wort geht es also am allerwenigsten.

      1. Wenn man dann mal genau sucht:

        Zitat
        Befangeheitserklärung:
        Der Urheber dieses Beitrags lebt von seinen Worten und hat kein schlechtes Gewissen deswegen. Das ganze brand eins wird von solchen Leuten gemacht. Dieses Magazin haben sich keine Verlagskaufleute ausgedacht, sondern Journalisten. Es ist ein Autorenblatt, verlegt von seiner Chefredakteurin. Der Verfasser wiederum gilt manchen Zeitgenossen als Repräsentant der Urheberrechtsmafia: Er vertritt seine Zunft ehrenamtlich im Verwaltungsrat der VG Wort, die jedem Bürger im Durchschnitt 0.4 Cent pro Tag aus der Tasche zieht, um sie Autoren un Verlegern zuzuschieben.

        Zitat ende.

  11. Das kommt davon, wenn man Zeitung liest, um die eigene Meinung bestätigt zu bekommen. Printerzeugnisse, die nicht auf der eigenen Linie liegen, heben mitunter aber den Blick und erweitertern den Horizont, sebst wenn man Zu anderen Schlüssen kommt.

    Jenseits des Gegreines, dass Mutti Euch nicht lieb hat, muss man sich der fundierten Kritik des Autors am Brand-Eins-Artikel allerdings anschliessen. Auf die ich übrigens gestossen bin weil ich regelmässig diese Seite lese, trotzdem ihr politischer Hintergrund meiner konterrevolutinären Gesinnung absolut nicht entspricht.

  12. Ulf J. Frotzheim sitzt für die Journalisten im Aufsichtsrat der VG Wort, oder? Können die Journalisten dorthin nicht jemand entsenden, der kompetenter ist? Mit derm Urheberrecht kennt er sich jedenfalls nicht aus. Er sieht es als reines Instrument fürs Geld machen, das Wohl der Allgemeinheit ist ihm dabei scheinbar egal.

  13. Ich habe mich auch über den Artikel in der BrandEins geärgert und hätte von dieser Zeitschrift etwas mehr recherchierten Tiefsinn erwartet.

    Das der Autor in eine bestimmte Richtung rudert, liegt vielleicht an seiner Verquickung mit der VG Wort. Andere Ansichten finde ich immer interessant und bereichernd – wenn sie denn fundiert und mit Wissen angefüllt sind. Das ist dem Artikel jedoch nicht so.

    Schade – vor allem für BrandEins.

  14. Tja, hier fällt einem ein wenig der ACTA-Alarmismus aus der Jung-Youtuber- und Anonymous-Riege getragen von der SOPA-Welle auf die Füße. Andererseits hat der wohl entscheidend dazu begetragen eine so große Zahl von Leuten für die Demonstrationen zu mobilisieren… In jedem Fall ist die Kenntnis darüber, was die Position der ACTA-Gegner genau ist und welche Differenzierungen es da gibt, ziemlich gering. Und dann trifft es jemanden wie dich, Markus, einfach weil du ein bekannter Vertreter dieser Gruppe bist.

    Wobei ich mich schon sehr frage, wann auf Netzpolitik im Zusammenhang mit ACTA mal groß über Plagiate und Produktpiraterie (außer vielleicht Generika) diskutiert wurde, ich dachte es geht um illegale Kopien urheberrechtlich geschützter Werke. Also an der Stelle scheint mir der Artikel schon auseinanderzufallen.

  15. Puh, Herr Froitzheim nennt sich Journalist, aber besonders ausgewogen klingt das nicht, was er schreibt. Ich habe das Buch „Mashup“ von Dirk von Gehlen gelesen, und zwar jeden Satz und jede Fußnote. Was Froitzheim hier schreibt, klingt aber nicht danach – oder zumindest hatte er einen dicken Filter vorm Hirn: http://wp.ujf.biz/?p=6985#more-6985
    Außerdem schreiben Journalisten nicht unbedingt „nach dem Mund“ ihres Arbeitgebers und dass ein Papiermedium prinzipiell „old school“ sein soll ist auch derartig oberflächlich und blöd, dass es mir die Nackenhaare aufstellt. Dass man zum Kopieren nicht unbedingt ein Kopiergerät braucht, sollte man mit einem Grundwissen in Kunst- und Kultur-Geschichte wissen, und dass eine Reihe von Juristen sagt, dass ein Gesetz, das großteils nicht mehr ge- und beachtet wird, seine Legitimität verloren hat, hätte er auch schon wahrnehmen können. Im übrigen gilt das nicht nur für das Urheberrecht. Ich schäme mich wieder mal für einen Berufskollegen.

  16. Der königliche Hoflieferant, 1788:

    „Sicher mögen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit schöne Dinge sein, und auch diese neue sog. ‚Demokratie‘ wäre sicherlich logischer, angemessener und gerechter als eine Monarchie. Aber dann hätte ich ja viel weniger Einnahmen!“

  17. @Markus

    Ein normales Mittel des Journalismus ist es eine Gegendarstellung zu verlangen. Da DU hier offensichtlich nicht richtig (oder zumindest missverständlich) Zitiert wurdest hast du Anspruch auf eine Richtigstellung. Das gebräuchliche Mittel hierfür ist die Gegendarstellung welche BrandEins veröffentlichen muss.

      1. Das ist wohl wahr und richtig. Denn noch glaube ich das man diese möchte gern Journalisten nicht das Feld über lassen darf.

        Hier wäre mal wieder eine Möglichkeit Sie mit den Waffen der Journalistischen Kunst zu schlagen. Aber ich gebe auch gerne zu das so ein vorgehen ein Stück weit den Gegner als Diskussion würdig anerkennt. Eine Tatsache die ich bei diesem Herrn nicht als gegeben sehe.

      2. bitte denken sie bei ihrer entscheidung auch an die menschen, die die brandeins lesen. ich weiß nicht, ob die die charakterisierung ihres blogs dort als leseempfehlung auffassen.

        kostet es eigentlich viel geld, eine gegendarstellung zu erwirken?

        .~.

  18. Die Kritik an „der Kritik“, also dem, was im Frühjahr 2012 plötzlich hochgespielt wurde, das ist doch berechtigt. Die Medien erzählen durch die Bank Unsinn, und untergraben mein Vertrauen in ihre Berichterstattung. Es zeigt sich auch wie Gruppen Schwerpunkte und Interpretationsmuster setzen.

    Zum Beispiel handelt sich um keinen „Urheberrechtsvertrag“. Die 3 Strikes Regelung wird so prominent diskutiert, weil bestimmte französische Kollegen der Zivilgesellschaft frühzeitig sich auf das spezielle Thema eingeschossen haben, und es natürlich ein Aufreger war. Dennoch, von „raus“ kann keine Rede sein, und die Art und Weise wie die Kommission das Thema gespielt hat, erlaubt Lerneffekte, warum das Vertragswerk unmöglich ist.

    Froitzheim wurde auch von der Kritik am unsäglichen Anonymous-Video inspiriert.

    Der Vertrag muss aus ganz anderen Gründen abgelehnt werden und ist aus ganz anderen Gründen skandalös. Der 3 Strikes „Ausschluss“ ist nur ein Sahnehäubchen.

    Ich möchte dieses Sahnehäubchen mal erläutern:
    1. Die Verhandler bei der Kommission haben 3S selbst öffentlich ins Spiel gebracht, zum Beispiel im Interview mit dem US Parlamentsfernsehen CSPAN, aber behauptet, es sei nie Gegenstand der Verhandlungen gewesen. (Propaganda)
    2. Die entprechende Content-Lobby, die am Katzentisch saß, hat 3S gefordert.
    3. Die Kommission kommuniziert eine Option als einen Ausschluss. Das ist irreführend. Es gibt verschiedene Arten in internationalen Verträgen etwas festzuhalten. Die Kommission hat die engste Methode der Kodifikation gewählt. (Propaganda)

    Fall 3 ist wie der Fall Wulff. Kein Kredit vom Unternehmer, sondern seiner Frau. Solche Aussagen funktionieren in der mathematischen Logik aber nicht in der Politik. Die ACTA-Verhandler sind professionell darin externe Verhandlungspartner der EU über den Tisch zu ziehen. Mit diesen Bandagen, in denen sie im Handelsdialog mit Drittstaaten geschult sind, wird aber nicht intern gekämpft. Wenn man sagt „ist nicht drin“, dann heisst das für einen Politiker „ist nicht drin“, und so erzählt er das dem Wähler. Normalerweise reagiert die Kommission auf „Anregungen“ des Parlaments. Die Leute im Handelsdirektorat spielen dagegen alles bis zum Maximum aus.

    Eine Regelung mit „may“ ist keine rechtliche Verpflichtung, aber sie ist nicht gegenstandslos, und erkennt zum Beispiel dieses Instrument an. Eine Fussnote, die daraurf verweist, ist auch kein Ausschluss.

    Wie anders ausschliessen, z.B. 1. Keine Erwähnung im Vertragstext
    2. Expliziter Ausschluss a) von der Regelung („Vom Gegenstand dieses Abkommen sind … ausgenommen“) b) von der Anwedung (Nichts in diesem Abkommen… ) etc.

  19. Hej Markus,

    vorweg: wenn es um ACTA geht, gehören Dein Blog und die Digitale Gesellschaft zu meinen präferierten Informationsquellen. Ich bin aber auch seit 2004 Abonnent der brand eins.

    Ich finde es nicht gut wenn Du zwar sagst, dass Du die brand eins magst und Dich hin und wieder darüber informierst, dem Magazin dann aber wegen einem Artikel sowohl die Kompetenz als auch die Seriosität absprichst. Damit wirst Du der Redaktion, ihrer Art der Berichterstattung und letztlich der selbstauferlegten – und gelebten – Philosophie der brand eins nicht gerecht. Vielleicht ist das der Grund, warum sich Dein Post für mich anfühlt, als ginge Dir der Artikel ein wenig ans Ego, was Du mit dem Kommentar „Ich hab hier mein eigenes Blog, das lesen wahrscheinlich mehr Menschen als eine BrandEins.“ nur noch verstärkst. Aber mal ehrlich, was sagt das aus? Würden Dir knapp 100.000 Menschen jeden Monat 7,60 Euro bezahlen, damit sie Deine Inhalte lesen können?

    Was ich eigentlich sagen will ist, dass ich es schade finde, dass Du so auf einen Artikel mit anderem Standpunkt reagierst. Das hast Du nicht nötig! Anstatt Du den Ball des Autors einen Dialog aufzubauen aufnimmst und einen Dialog mit dem Autor oder dem Magazin versuchst, bashst Du fast nur, was ich aber für grundlegend falsch halte. Denn am Ende eint Dich mit dem Autor des Artikels die Frage, wie Künstler und Kopfarbeiter auch weiterhin von ihrer Kunst und der Kopfarbeit leben können. Das U. Froitzheim seinen Standpunkt vertritt kann ich gut verstehen, geht es doch auch um seine Existenz. Ob er ordentlich recherchiert hat oder seine Wünsche legitim sind vermag ich nicht zu sagen, dazu fehlt mir einfach die Kompetenz. Aber ich finde, er hat das gleiche recht wie Du und ich, seine Meinung und zu tun und wen er falsch liegt, dann hast Du die Chance zur Korrektur. und auf sowas reagiert die Redaktion der brand eins. Bisher hat man dort immer auf Kritik reagiert, falsche Informationen richtig gestellt (oder noch klarer Position bezogen) oder einen anderen Blickwinkel ausprobiert. Mehrfach schon habe ich als Leser an die Redaktion und die Chefredakteurin geschrieben. Ich hatte Lob, ich hatte Kritik, ich hatte Vorschläge. Und immer habe ich eine Antwort bekommen. Probiere es einfach aus. Es würde mich sehr wundern, wenn es bei Dir anders wäre.

    1. „Aber ich finde, er hat das gleiche recht wie Du und ich, seine Meinung und zu tun und wen er falsch liegt, dann hast Du die Chance zur Korrektur.“

      Ohne den Artikel gelesen zu haben muss ich aber dennoch darauf bestehen das eine Meinung auch als solche kenntlich gemacht wird (Sollte das im Artikel der Fall sein so bitte ich mich zu entschuldigen). Und im Bezug auf dein Argument der Korrektur, ich habe oben Markus ja aufmerksam gemacht das er meines Erachtens diesen Weg gehen sollte, daher stimme ich dir hier bei zu.

      Wo ich ein echtes Problem allerdings sehe ist die reflexions-freiheit der Argumente im Artikel von U. Froitzheim. Die Argumente sind zusammenhanglos und wie Markus zurecht aufzeigt, koloriert. Daher ist eine Gegendarstellung schwierig. Markus hat ja nur ein Anrecht zur Gegendarstellung im Bezug auf seine Person oder durch ihn vertretene Organisationen. Er kann zwar probieren die Anderen offensichtlichen Fehler in der Argumentationskette auch anzusprechen, dies muss aber leider nicht veröffentlicht werden.

      1. @ Prometheus

        „Er kann zwar probieren die Anderen offensichtlichen Fehler in der Argumentationskette auch anzusprechen, dies muss aber leider nicht veröffentlicht werden.“

        Muss nicht, kann aber. Ich denke, Markus sollte es versuchen, weil ich glaube, dass er bei der brand eins Erfolg damit haben könnte. Vielleicht – ich träume jetzt mal – gelingt es ihm zusammen mit dem Magazin eine Diskussion auf die Beine zu stellen, die endlich mal diese vollkommen verhärteten Fronten ein wenig auflöst und sich auch nicht scheut, die eigenen Motive bzw. Interessen offen zu legen. Die gibt es ja nunmal und können nicht weggeredet werden. Aber Fakt ist für mich, dass Markus nirgendwo sonst mehr „Entscheider“ erreichen kann, als bei der brand eins. Ich finde, das sieht aus wie eine Chance. ;o)

  20. Damals, als ich noch jung war, damals, da habe ich noch Brandeins gelesen.

    Heute waehle ich die Piraten und lese das Web – so aendern sich die Zeiten :)

  21. Gell, deshalb lesen wir brandeins so gern, weil auch dort Fehler gemacht werden und Irren nur menschlich ist. Wie fürchterlich wäre es, wenn dort alles richtig gemacht würde? Soviel Perfektionismus kann niemand ertragen, aber wenn hier einer ehrlich der Ansicht ist, die dürfen das nicht, dann muss er sich wirklich das schöne Magazin nicht mehr gönnen. Es gibt immer Artikel oder Sentenzen, die mal nicht Hundertpro passen oder die eigene Ansicht widerspiegeln, na und? Ich fische mir immer heraus, was gut für mich ist und der Rest wird gleich wieder vergessen. Für Pedaten und Rechthaber, klar be gibt die Möglichkeit einer Gegendarstellung und die sind sich auch nicht zu fein, sich einfach zu entschuldigen. Wer das dann nicht annehmen mag, hat mein ehrliches Mitleid, so menschlich gesehen!

    Josephine

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