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Vom Untertitel zur Urheberrechtsverletzung

Telepolis berichtet über einen Studenten aus Norwegen der eine FanSub-Webseite, mit Untertiteln für Filme und Fernsehserien, betrieb.


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Filesharing hat vielen Menschen Filme und Serien aus Ländern erschlossen, die von der Verwerterindustrie ignoriert werden. Weil die Sprachen, in denen diese audiovisuellen Werke gedreht werden, häufig nur lokale Bedeutung haben, stellen fleißige Fans in unbezahlter Arbeit Untertitel her, die die Dialoge in Englisch und in anderen Sprachen verständlich machen. Der Anreiz ist meist alleine der, dass sie an ihren kulturellen Entdeckungen Freude haben und diese mit anderen Menschen teilen wollen.

Der norwegische Student wurde nun zu einer Geldstrafe von 15.000 Kronen (ca. 2’000 Euro) verurteilt. Die Staatsanwaltschaft wollte ihn sogar im Gefängnis sehen. Als Begründung diente u.a. das manche Untertitel von DVDs übernommen worden waren. Doch auch selbstgeschriebene Untertitel sind Urheberrechtsverletzungen.

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23 Kommentare
  1. Das ist leider ein altbekanntes Problem.

    Die ganze Anime und Manga Szene lebt von den Fansubs und Translations.
    80% wird leider nie aus dem Japanishen übersetzt und somit dem Grossteil der Leserschaft vorenthalten, wenn die Umsetzung des Urheberrechts hier konsequent durchgezogen wird… :(

    1. Wobei man sich gerade in der Anime-/Manga-Branche bisher ganz passabel zwischen Rechteinhabern und Fansubbern arrangiert hat. Bis auf einige ePenis-Witzbolde, die natürlich wieder die ganze Hand nehmen, wenn man ihnen den kleinen Finger reicht.

      1. In der Regel gibt es ja eine Art Gentlemen-Agreement, dass die Verteilung der Fan-Subs eingestellt wird, nachdem eine Lokalisierung zum Kaufen erscheint. Im prinzip eine gute Sache.

        Eine Urheberrechtsverletzung bleibt es aber leider trotzdem, daher setzt man sich als Subber auch dem Risiko aus, trotzdem abgemahnt oder gebüsst zu werden… :(

  2. „Doch auch selbstgeschriebene Untertitel sind Urheberrechtsverletzungen.“

    „sind“? wer behauptet das? als laie wuerde ich ja eher denken dass der urheber der untertitel rechte an ihnen hat?

    1. nö, das stimmt leider so.
      Wenn der neue Harry Potter auf englisch rauskommt, kannst Du nicht einfach eine deutsche Übersetzung schreiben und diesen veröffentlichen.

      Das Hässliche bei der Geschichte ist, dass oft bereits abgemahnt wird, obwohl in der Sprache der Fan-Subs gar keine Lokalisierung geplant ist…

      1. „Das Hässliche bei der Geschichte ist, dass oft bereits abgemahnt wird, obwohl in der Sprache der Fan-Subs gar keine Lokalisierung geplant ist…“

        Und das ist das eigentlich perverse. „Wir planen das zwar grade nicht, aber vielleicht irgendwann in 20 Jahren, also verbieten wir den Leuten jetzt, das selber zu machen.“

        Sowas kann ich mir echt nur noch mit Boshaftigkeit und purer Gier erklären.

      2. Nur zur Ergänzung: Das begründet sich darin, dass eben auch ein Urheberrecht an den Dialogen besteht. An der Übersetzung selbst hält der Übersetzer das Urheberrecht, am Inhalt die Dialogschreiber bzw. die Filmemacher. Da soll man als Normalsterblicher noch durchblicken.

    2. Hat er auch, aber nur das Bearbeiterurheberrecht an dem umgestalteten Werk, sofern die Bearbeitung die erforderliche Individualität besitzt, um ein solches zu begründen. Da das Bearbeitungsrecht dem Schöpfer des Originals zusteht, hat aber der Originalurheber in die Veröffentlichung oder Verwertung der Bearbeitung zunächst einzuwilligen.

  3. Manche Untertitel wurden von DVDs übernommen. Warum denn nur manche? Weil viele Label an Untertiteln sparen, zum Nachteil von Hörbehinderten und O-Ton-Schauer.
    Untertitel von DVDs nehmen, ist vielleicht nicht erlaubt, aber was ist schlimm daran Untertitel zu erstellen zu Filmen, die keine Untertitel haben?

    1. Selbst wenn Untertitel drauf sind, gibt es Filme, bei denen man einfach nur den Kopf gegen die Wand schlagen möchte ob deren Qualität.
      Ging mir beispielsweise bei „Kung Fu Hustle“ so.
      Gesprochen: „Mit dem Profil bring ich dich auf die Leinwand, Süße. Auf Breitwand.“
      Untertitel: „Ich würde niemals ins Filmgeschäft einsteigen. Es ist Sonntag und kein Schwein geht ins Kino.“
      Kontrolliert das denn niemand?

    2. na weil na weil na weil du damit doch alles rui-iiiiii-niiiiierst! Maaaan! Da gehen irgendwem Billiarden-Beträge verloren!!! Billiarden! Ausserdem sind doch so viele in der analen Phase hängen geblieben und kriegen daher neurotische Schübe, wenn etwas, das sie für ihren eigenen Besitz halten, ihnen entgleitet. Und dann rennen die eben zum Papa (Richter) und sagen: „Hier guck mal, ruinier dem mal das Leben zurück, der hat meine Kaka geklaut!“.

      Maaaaaaan. Alles muss man erklären! ;)

  4. In Norwegen ist die „Kultur des Untertitelns“ nochmal eine ganz andere als hierzulande. Es gibt so wenige Bokmål- und besonders Nynorsk-Sprecher, dass ausländische Filme fast nur als OmU laufen, im Kino, im Fernsehen, generell. Klingt vielleicht abgehoben, aber Untertiteln ist da durchaus mehr Kulturtechnik als „special interest“. Das macht die Sache noch trauriger.

  5. Man bräuchte mal eine „Positivliste“ was denn nun erlaubt ist und wo. Die Recherche ist sicher aufwändig, allerdings wird die Liste nicht lang.

    1. Zumindest nach deutschem Urheberrecht ist das sehr einfach zu beantworten: Solange du’s nicht selbst gemacht hast und keine (am besten schriftliche) Erlaubnis des Machers (dessen Nationalität ist hierbei unerheblich) in der Tasche hast, darfst du prinzipiell erstmal gar nichts.
      Einzige Ausnahme: Privatkopie. Die aber widerum beschnitten durch die Tatsache, dass man keinen Kopierschutz umgehen darf.

  6. Wenn der Mensch von Anfang an auf Copyrigh gesetzt hätte würden wir heute noch zu Fuss laufen und mit den Händen in der Erde graben. Alles wurde schon gesagt, alles wurde schon gedacht. Der Glaube, ein Gedanken könnte einzigartig sein und nur einem Menschen gehören ist ebenso absurd wie schädlich für die Menschheit.

  7. richtig so. ab in den kanst dafür. bis er verschimmelt…..

    mann, mann….u-bahnschläger in berlin werden mit „Du, Du..mach das ja nie wieder“ frei gelassen und hinterlassen ein aufs leben gezeichnetes opfer und für diesen mist will man die leute einsperren.

    ist schon bezaubernd anzusehen, wie sich die leute die lächerlichen 70 jahre auf diesem planeten so schwer wie auch nur irgendmöglich machen….

    1. Das Paradoxe ist, dass gerade durch unsere technischen Errungenschaften, wir erstmals in der Lage wären, alle auf einem guten Standart zu leben, wenn wir das System ändern würden.
      Es sieht aber so aus, als wenn wir stattdessen, einer bleiernen eher stigmatischen Zeit entgegensehen, die von Korruption, Gier und Gewalt geprägt sein wird.

  8. Ich schätze mal wenn sich demnächst morgens in der U-Bahn Fahrgäste über den gestriegen Kinofilm unterhalten und die Überwachungskamera mit Mikrofon zeichnet dies auf , gibt es sofort eine Abmahnung.
    Sollten sie sich etwa noch Negativ über den Film , die Schauspieler oder das Kino geäußert haben zusätzlich eine Strafanzeige.

  9. Habe das gestern einer Freundin erzählt. Die hat sich direkt mal gewundert und gemeint: „Was? Ich würde die UT denen doch günstig abkaufen?! Für 90 Minuten Film vielleicht so 1000-2000€ oder so. Nirgends kriegt man für so viel Textarbeit ein so günstiges Angebot.“

    Jaja, Geschäftsmodelle…

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