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Suchergebnisse von Anti-SOPA-Blogs von Rechteindustrie zensiert

Am vergangenen Wochenende wurden zwei  SOPA- und PIPA-kritische Blogbeiträge von Techdirt und Torrentfreak aus den Google-Suchergebnissen ausgeschlossen. Die Sperrung erfolgte aufgrund eines (falschen) Hinweises des US-Contentverwerters Armovore.

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Durch die im „Digital Millennium Copyright Act“ (DMCA) vorgeschriebene „Notice and Takedown“-Politik müssen in den Vereinigten Staaten Webseiten mit urheberrechtsverletzenden Inhalten von Suchmaschinenanbietern ohne weitere Überprüfung gesperrt werden. Die Inhaber der Seiten werden über die Streichung aus den Suchergebnissen nicht unterrichtet.

So ist es auch nur dem Zufall zu verdanken, dass ein TechDirt-Autor die Sperre bei einer Suche nach einem alten Artikel überhaupt entdeckte. Nach einer kurzen Recherche auf ChillingEffects.org wurde klar, dass die Sperrung der beiden Blogs im Auftrag von TeamSkeet.com, einem Pornoseiten-Hostingunternehmen, beantragt wurde. Im gleichen Vorgang wurden mehr als 500 andere Seiten gesperrt, von denen nur ein Teil mit Internetpornographie im Zusammenhang steht. Pikant: Auch die Homepage des Auftraggebers Teamskeet.com findet sich auf der Liste der nach DMCA zu sperrenden Websites (#533). Auch das Datum der Sperrung, das mit dem 20. Januar genau auf den Tag fällt, an dem die SOPA-Gesetzgebung auf Eis gelegt wurde, lässt nicht wirklich an einen Zufall glauben.

Nach einer Beschwerde seitens der Blogbetreiber sind beide Beiträge inzwischen wieder über Google zu finden und auch Contentverwerter Armovore ist um Schadensbegrenzung bemüht: Nebst einer Entschuldigung an die Blogger wurden in einem ersten Schritt $200 an die digitale Bürgerrechtsbewegung Electronic Frontier Foundation gespendet.

Ob die sogenannte Takedown-Notice für die Zensurkritischen Blogbeiträge nun Absicht – und damit der Versuch einer Zensur – waren oder lediglich ein schlecht programmiertes Suchscript die Seiten versehentlich aufnahm: Dieser Fall zeigt einmal wieder, was für Folgen es haben kann, wenn nicht Juristen und Richter sondern Lobbyisten und Geschäftemacher das Recht in die Hand nehmen.

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24 Kommentare
  1. Wenn wir nicht nachdrücklich diesem Treiben einhalt gebieten, dann wird es in Europpa genauso weit kommen.
    schon jetzt werden auf einigen Seiten manche Beiträge zu brisanten Themen zensiert, weil nicht erwünscht…

  2. Oha, müssen „normale Leute“ nicht sogar schwören, wenn sie so eine DMCA-Meldungen abgeben wollen? Ich Zitiere mal: „I swear, under penalty of perjury, that the information in the notification is accurate …““ Kein wunder, dass die sich so überschwänglich entschuldigen.

  3. Im Ostblock wurde Zensiert was der der diktatorisch regierenden Kommunistischen Partei nicht gefallen hat. Im Kapitalismus wird das zensiert was den Interessen der Konzerne nicht gefällt.

    Die einzige Medizin gegen beides ist eine Echte Demokratie welche den willen der Bevölkerung umsetzt und nicht die Herrschaft von irgendwelchen Eliten oder selbsternannten Stellvertretern des Volkes welche in Wahrheit nur ihre eigenen Interessen vertreten.

    Hier geht es um viel mehr also nur das Internet, wollen wir in einem Politischen System leben indem die Herrschaft von Banken und Großkonzernen ausgeht ? Wenn Nein dann müssen wir diese Bekämpfen denn nichts geringeres als unsere Freiheit steht auf dem Spiel.

  4. 200$ ???? So viel kostet eine Flasche Mineralwasser und ein Thunfischsandwich im Golfclub, oder?

    Danke für die Meldung, für sowas lese ich dieses Blog. Guter Journalismus :)

  5. Steht das 200, in Worten zweihundert Dollar???

    Diesen lächerlichen Betrag würde ich denen umgehend zurück überweisen – verbunden mit einem Vorschlag, wo sie das Geld zukünftig lichtgeschützt aufbewahren können!

  6. Der erste Regentropfen eines richtig großen Unwetters. Willkommen in der Welt von morgen.

    Aber es geht hier nicht nur um Unternehmen wie Armovore. Was glaubt Ihr, warum sich (fast) alle Regierungen und politischen Parteien der westlichen Welt hinter ACTA und Co. stellen? Nur wegen der Postenversprechungen nach der politischen Karriere, oder der paar Kröten Parteispenden? Klar, das nimmt man natürlich auch gerne mit.

    Aber es ist doch so: Google und Facebook greifen unsere Daten ab wie ein schwarzes Loch, und die US-Geheimdienste reiben sich die Hände, weil sie dann per Subpoena unglaublich detaillierte Profile abrufen können, ohne vorher auch nur einen Cent oder auch nur eine Arbeitsstunde investiert, oder sich politisch irgendwie exponiert zu haben. Nicht so wie in China oder dem Iran, wo man wenigstens offen und ehrlich überwacht wird …

    Bei uns im Westen hingegen ist es die Internetindustrie, die Orwells Überwachungsstaat vorbaut, und wenn das System mal steht, bucht sich der Staat bei Bedarf mit einer komfortablen Benutzeroberfläche ein und nutzt das System für seine Zwecke. Und das Beste ist: keiner erfährt was davon. In den USA kommen Mitarbeiter des Providers sogar ins Gefängnis, wenn sie Kunden über eine staatlichen Datenanforderung informieren. Und zwar deftig und lange!

    Worauf ich raus will: dieses Wechselspiel zwischen staatlich und privat wird auch bei der Zensur bestens funktionieren. Vor allem deshalb, denke ich, finden ACTA, SOPA, PIPA & po. staatlicherseits soviel Unterstützung. Und das hier war schon mal der erste Regentropfen.

    Ich würde übrigens mal drauf tippen, dass diese Aktion seitens Armovore kein Versehen, sondern ein Testballon war, um zu sehen, ob das jemand merkt und drauf reagiert. Ob, und wie sehr. Und gut, diesmal hat man es bemerkt. Mit den anderen 20 Dingern, von denen keiner weiß, sind sie hingegen durchgekommen.

    1. Es fehlt eigentlich nur noch die rechtliche Grundlage um zukünftig jede Kritik zu unterbinden.
      Das soll z.B.über die Panikmache terroristischer Aktivitäten. oder wegen ein paar Pädophilen, die im Internet Bilder austauschen erreicht werden.
      Geplant ist, daß sich das Volk selbst erhebt und die Regierungen bittet, regelnd einzugreifen.
      Das glaubt ihr nicht?
      In der USA funktioniert das bestens….

  7. Hoert sich lustig an, dass es keiner Ueberpruefung bedarf, etwas zu sperren. Wenn ein Irrtum dabei noch nicht mal was kostet, koennen sich Lobbyisten und Gegenlobbyisten ja nach Belieben gegenseitig denunzieren, bis das Web komplett gesperrt ist. Way to go!

  8. Hat schon wer angefangen die Seiten von allen Parteien, Banken und Konzernen zu melden? Oh und Nachrichten Seiten bitte nicht vergessen.

    Und das schöne ist, das fällt bestimmt sehr schnell auf, da ja viele Leute das Eingabefeld für die Suche als Adressleiste benutzen. :)

  9. http://www.ig-geschaedigter-mueller-risch.de ist über Google D nicht mehr zu erreichen jedoch über dem Bodensee drüben, also über Google CH besteht diese Zensur nicht. Google D behauptet dafür nicht zuständig zu sein und verweist an Google USA als Betreiber – von dort allerdings nur Schweigen!

    Und weil der Fisch bekanntlich am Kopf zu stinken beginnt, ist es nach der – zumindest versuchten – Mediengängelung und schlussendlichem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff kaum noch verwunderlich, was bundesdeutsche Praxis zur Pressefreiheit darstellt und vor der sich auch sein designierter Nachfolger und Kandidat der Herzen bei allen bisherigen Direktanfragen weggeduckt hat, obwohl der Bürgerrechtler beim bevorstehenden Tag der Pressefreiheit Gastredner des Presseclub Nürnberg sein wird:

    4 deutsche Journalisten, wegen ihrer Recherchen von Behörden und Justiz bedrängt, teils sogar körperlich und damit dauerhaft gesundheitlich geschädigt sowie insgesamt in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht benötigen das Wunder der breiten öffentlichen Unterstützung, denn die Attacken gegen sie und die Pressefreiheit erfolgen nicht in China, Iran, Nordkorea oder Russland, sondern mitten in Deutschland!

    http://www.ethik-in-der-wirtschaft.de und http://www.justizversagen.de benötigen bitte dringend mehr Öffentlichkeit und breite Unterstützung!

    Dazu unsere Bitte an VIP’s, KünstlerInnen und Intellektuelle um weitere Statements auf unserer home page sowie auch deren Fans und Umfeld, sowie alle Engagierten um ein individuelles Occupy!

    1. Sie benötigen also mehr Öffentlichkeit, Herr Neumann? Also ich wurschtel mich jetzt schon seit über einer Stunde durch Ihre Homepage und werde einfach nicht schlauer. Ist diese überaus unübersichtliche Darstellungsweise diverser Geschehnisse etwa Absicht?

      Und wer ist dieser Hans Georg Müller Risch? Gibt es über ihn denn keine brauchbaren Informationen?

      1. …versuch es damit, kurzer besuch auf der hp, liefert dieses ergebnis:
        Diese von der IG (Interessengemeinschaft) Geschädigter (bundesweit über 35 Unternehmen / UnternehmerInnen mit aktuell überblickbar mehr als € 100 Mio. Schaden) initiierte Internet-Präsenz dient:
        – zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch
        – Sammeln von Informationen zur Effizienzsteigerung
        des weiteren gemeinsamen Vorgehens, sowie als
        – Appell an die Behörden und
        – Quelle für Medien

        Hans Georg Müller Risch ist der hier: (PDF) http://www.ethik-in-der-wirtschaft.de/images/stories/SZ_Juli2011.pdf

        Alles in allem ist die Seite nicht wirklich übersichtlich. Eine Stunde ist aber auch eine massige zeit infos zu suchen/finden.

  10. „Am vergangenen Wochenende wurden zwei SOPA- und PIPA-kritische Blogbeiträge von Techdirt und Torrentfreak aus den Google-Suchergebnissen ausgeschlossen. Die Sperrung erfolgte aufgrund eines (falschen) Hinweises des US-Contentverwerters Armovore.“

    Was kein Problem wäre, wenn die Webber dem Monopolisten endlich durch Ignoranz den Boden der Macht entziehen würden. Nutzt andere Dienste, dann ist es nicht weiter tragisch, wenn Google was nicht anzeigt. Aber dazu ist die Gemeinde zu träge und dumm. Da gibt es keinen Aufschrei der Robin Hoods. Selber schuld.

    Von mir weiß Google nichts, und ich möchte von Google auch nichts wissen.

  11. Wenn jemand mit Copy&Paste über eine andere Seite zieht, finde ich nichts dagegen einzuwenden, aber in diesen beiden Fällen sieht man eindeutig die Gefahren.
    Zudem sollte der Betroffene in jedem Fall schriftlich informiert werden, bzw. stellt sich so oder so die Frage, wie weit das zum Missbrauch einlädt. Entweder wurden Rechte verletzt, dann dann wäre das gerichtlich zu klären oder man kickt einfach alles was einem nicht passt so einfach aus dem Index.

    So oder so, letztendlich einfach eine Sauerei.

    Gruß

    Marc

  12. $200 und eine Entschuldigung? Wow! Billig wenn man bedenkt dass eine „False DMCA Takedown notice“ einem Meineid gleich kommt und daher mit bis zu 5 Jahren Gefängnis honoriert werden kann. Eben damit nicht Hinz und Kunz den DMCA als Mittel der Wahl misbraucht, um Unliebsames aus dem Internet zu verbannen. Natürlich misbrauchen Fundie-Christen dieses Gesetz nahezu täglich um Aufklärungsvideos auf Youtube loszuwerden. Risiko dabei? In der Realität praktisch Null!

    Nett, dass Armovore der Arsch auf Grundeis geht, hoffentlich kriegen sie selbigen bis zum Anschlag aufgerissen.

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