Datenschutz

RFID-Überwachung von Schülern für mehr Sicherheit

Wie die FAZ schreibt, wurden im Rahmen eines Versuchsprogramms in San Antonio (Texas) Schüler mit einem RFID-Chip (Radio Frequency Identification) ausgestattet. Sie können dadurch jederzeit von der Schule geortet werden. Zuvor wurden bereits Kameras in den Klassenzimmern, auf dem Schulgelände und im Schulbus angebracht. Nach Angaben der Schule sei dadurch auch eine Verbesserung der Sicherheit eingetreten. In Notfällen könne das sehr wichtig sein, auch die Anwesenheit im Unterricht soll es verbessern, und außerdem kommen die Kinder in der Schulcafeteria schneller an die Reihe. Kritik regt sich wenig gegen die Überwachung der Kinder – eine „Handvoll Eltern“ machen sich Sorgen – und das obwohl es keinen rechtlichen Rahmen für RFIDs gibt und die Chips problemlos auch von Dritten ausgelesen werden können.

Wir finanzieren uns zu fast 100 % aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Das Misstrauen gegen Datenmissbrauch sei in Amerika traditionell geringer ausgeprägt als in Europa, man misstraue eher der Regierung als Privatunternehmen. Private Daten wie Telefonnummern oder Adressen werden denn auch Einzelhändlern, Tankstellen und Dienstleistern bereitwillig zugänglich gemacht – solange die Erfassung der „Benutzerfreundlichkeit“ oder der „Sicherheit“ dient.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
17 Kommentare
  1. Erinnert ein bisschen an die Geschichten vom Kriegsende, als die Soldaten der Roten Armee auf dem Heimweg die RFID-Chips abgeschraubt haben und mitgenommen haben sollen, um sie dann zuhause in die Wand zu schrauben und einen Kinderstrahl zu erwarten :-) (Danke, Andrea)

  2. Krasses Ding,
    die Amis sind ja scheinbar komplett schmerzbefreit was lückenlose Überwachung angeht. In den USA ist es aber auch üblich seine Kinder mit Peilsendern auszustatten. Ob per Handy App oder Sendern in Plüschtieren etc.

    1. Vorerst nichts (derselbe Artikel):

      Andrea Hernandez, Zehntklässlerin an der John Jay High School, will den Anhänger nicht tragen, und sie glaubt, dass auch einige ihrer Mitschüler etwas dagegen haben, auf Schritt und Tritt überwacht zu werden. „Sie werden die Anhänger einfach in ihre Spinde stecken“, sagte sie dem örtlichen Nachrichtensender WOAI.

  3. Ich finde die „Komplettüberwachung“ Schüler/Innen per RFID mehr als bedenklich. Natürlich kann man dadurch die Anwesenheit verbessern u. Ä. aber muss man auch den Aspekt der Privatsphäre und Sicherheit gegenüber Drittzugriff beenken. Das amerikanische Eltern sich nicht zu einem Datenschutzverabnd zusammenschließen kann ich zudem auc nciht verstehen, denn auch wenn es sich um technische Aspekte des Lebens handeln, kann man sich informieren um die Vor- und Nachteile besser abwegen zu können. Ich hoffe stark, dass es in Deutschland nicht zu so einer Entwicklung kommt.

  4. Ist bestimmt auch super, wenn man einem ungeliebten Mitschüler mal ein wenig einschüchtern will. Man kann sich ja dann ein wenig absichern ob schnelle Hilfe in der nähe ist oder nicht.
    Oder ob die junge Dame gerade die letzte und einzige auf dem Schulgelände ist.
    Ein Traum von Anwendungsmöglichkeiten…

    1. Mein erster Gedanke war: Was wenn jemandem die Daten in die Hände fallen. Ich meine, bedeutet das nicht, dass man einen Schüler zumindest mal einige Meter weit orten kann. Wahrscheinlich auch auf dem Heimweg. Im Prinzip könnte man sogar etwas bauen was sagt „Achtung! Kind in der Nähe!“.

  5. Na das paßt doch! Letztes Jahr saßen in diesem Land 90000 Menschen unter 18 Jahren im Knast. Teilweise wegen völlig belangloser Dinge. Präventiv!

    „Kriminell by Design“ sozusagen

  6. Im Prinzip ok … wenns auch für alle Lehrer gilt und die Aufenthaltsorte in Echtzeit auf dem Campus veröffentlicht werden, das würde mit Sicherheit zu mehr Anwesenheit führen ;-

  7. Das Tragen von Anhängern mit implementiertem RFID-Chip ist
    sicher grundsätzlich eine gute Idee. Die Zahl der
    Amok-Aktionen in Schulen ist sich jährlich mehrfach
    wiederholende Grausamkeit geworden. Ein Segen,
    wenn Security oder Polizei dann zwischen
    Mittäter und Opfer unterscheiden kann. Wenn
    bei Feuer und Rauch trotz eingeschränkter Sicht
    Klarheit per RFID herrscht, ob sich noch ein Kind
    in den Flammen befindet. Ein Segen, wenn bei Entführung
    das Opfer geretttet werden kann, weil die Polizei
    es orten kann.
    Und es ist ein Irrsinn, ein so gites System zu missbrauchen.
    Es leichtfertig für Werbezwecke zu missbrauchen.
    Und damit alles Gute und alle sinvollen Möglichkeiten
    zu ruinieren. Es ist ein Jammer. Und dann ist das halt so. Dann
    lehnen die Kinder das Tragen verständlicherweise irgendwann ab.
    Und dann bleibt alles beim Alten. Was solls. Gestorben wird immer.

    1. Bei allen potentiellen Vorteilen: Der Missbrauch ist vorprogrammiert.

      Sowohl von „privaten“, wie Martin Nr.6 darstellte, oder durch staatliche Institutionen.

      Und insgesamt ein voller Fail: Sie möchten die Anwesenheitszahlen erhöhen. Aha. Bringt der Chip die Schüler zur Schule? Nein. Er teilt also einzig mit, das einer nicht da ist. Hat bei uns auch ohne Chip geklappt – Stichwort: Klassenbuch (habe noch einige zuhause ;-).

      Der einzige Nutzen ist also Überwachung – und das ich in der Cafeteria schneller drankomme. Na dafür lohnt es sich wirklich.

      Als nächstes wird die Schule wohl mit moderner Lagertechnik ausgestattet, welche die Schüler dann auch vollautomatisch an ihre Bestimmungsorte bringt …

  8. Schöne Neue Welt
    :-( Es ist so traurig…

    „Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“ – Benjamin Franklin –

  9. Artikel: „seitdem sei eine Sicherheitsverbesserung eingetreten.“

    Is klar, und das haben unabhängige Studien bestätigt, nehm‘ ich mal an. Keine Amokläufe mehr, keine Messerstechereien, keine Drogen?

    Arndt: „Ein Segen,wenn Security oder Polizei dann zwischen Mittäter und Opfer unterscheiden kann.“

    Das setzt voraus das die Amokläufer zu dumm sind um ihre RFID-Chips abzulegen, zu zerstören, zu manipulieren oder jemand anderem unterzuschieben. Und dass sofort klar ist wer der Täter ist. Das sind ein paar „wenns“ zuviel für meinen Geschmack, um da von einer Verbesserung zu reden. Auch für Geiselnehmer ist das super, kann man sich einfach den RFID-Chip vom Entführten umschnallen, schon gibt’s Verwirrung. Das ist ein System so voller Löcher, gruselig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.