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Neues von OpenStreetMap und OpenSignalMaps

Pascal Neis und Alexander Zipf von der Universität Heidelberg haben gemeinsam mit Dennis Zielstra von der University of Florida in einer Studie, die im Future Internet-Journal veröffentlicht wurde, das Potenzial von OpenStreetMap untersucht und das Kartenwerk in Deutschland mit einem proprietären Anbieter (TomTom Multinet 2011) verglichen. Sie kommen dabei zu ähnlichen Ergebnissen, wie vor Jahren mehrere Vergleichsstudien zwischen Wikipedia und verschiedenen herkömmlichen Lexika (vgl. 1, 2): Das Nutzer-generierte, offene und freie Projekt kann sich mit dem Kommerziellen durchaus messen und ist ihm in einigen Belangen bereits überlegen. Neben der Stärke bei Fußgänger-, Forst- und Feldwegen, bei denen OpenStreetMap schon heute ein deutlich umfangreicheres Netz umfasst, holt das Projekt auch beim Verkehrsnetz auf. Wenig überraschend ist dabei, dass die Erfassung des Straßennetzes durch OpenStreetMap mit der Bevölkerungsdichte in einer Region korreliert.

In den Niederlanden kann sich die OpenStreetMap-Community unterdessen über eingehaltene Versprechungen der Regierung freuen: Wie im Oktober letzten Jahres angekündigt, werden dort seit kurzem umfangreiche Geodaten kostenlos zur Verfügung gestellt, für die zuvor Gebühren von bis zu 50.000€ angefallen waren. Die Daten stehen unter der freien CC-BY 3.0-Lizenz. Laut webwereld.nl wurde ein 5 Gigabyte großer Datensatz zwei Tage nach Beantragung einem Mitglied der Community übermittelt. Die Niederlande zeigen damit erneut, dass sie beim Thema Open-Data ernst machen: Vor kurzem setzte sich die Regierung vor Gericht gegen Falkplan durch, nachdem das Unternehmen die Veröffentlichung der staatlichen Straßendaten verhindern wollte.


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Ein Anwendungsbeispiel für offene Karten hat die FAZ gerade vorgestellt: opensignalmaps.com ist ein Projekt zur Erfassung von Sendemasten, Mobilfunk-Netzstärke und WiFi-Signalen. Das Ganze gibt es als Android-App, erfasst werden die Daten global. Wie in der Studie zu OpenStreetMap gezeigt, dürfte die Karte allerdings nicht ausschließlich die Funkversorgung, sondern zum Teil auch die Bevölkerungsdichte bzw. Nutzungsdichte der App anzeigen. Wie immer bei nutzergeneriertem Content gilt: Je mehr mitmachen, desto besser.

Nachtrag: Wie in den Kommentaren zu Recht angemerkt, ist opensignalmaps zum einen nicht besonders offen und nutzt zum anderen Google-Karten und http://openbmap.org/ in diesen Punkten deutlich besser. Danke für die Hinweise!

Nachtrag: Gerade ging die Pressemitteilung von OpenStreeMap ein, in der auf einige wichtige Punkte eingegangen wird, die in der Zukunft noch im Fokus stehen werden:

Neben dem Wegenetz wurden auch die Gesamtzahlen der Abbiegevorschriften pro Straßenkategorie miteinander verglichen. Hier ist die Differenz zwischen Vergleichsdatensatz und OSM nicht gering. Es sind aktuell mehr als fünfmal so viele Abbiegevorschriften im Vergleichsdatensatz für Deutschland verfügbar im Vergleich zu OSM. Die Anzahl von Abbiegevorschriften steigt zwar stetig bei OSM, trotzdem dürfte es vermutlich nach jetzigem Stand und Zuwachs noch mehrere Jahre dauern bis OSM hier aufschließen kann. Wir hoffen dieses mit Hilfe der Community und durch einfachere Möglichkeiten zur Teilname (etwa www.osmbugs.org) jedoch in deutlich kürzerer Zeit zu schaffen.
Trotz dieser Analyse, möchten wir natürlich darauf hinweisen, dass man keinesfalls von einer vollständigen Fehlerfreiheit unserer Daten sprechen kann, wir jedoch probieren mit Qualitätssicherungs-Maßnahmen die Nutzer dabei zu unterstützen, diese zu finden und zu beseitigen, was die Studie ebenfalls bestätigt http://wiki.openstreetmap.org/wiki/QA

21 Kommentare
  1. ich sehe keine open-lizenz im opensignalmaps.com!
    ein echtes OPEN-projekt ist: http://openbmap.org/ dass das gleiche Ziel verfolgt und auch die gleiche datenbasis beinhaltet! auf ODbL-Lizenz basis! da gibts auch ein Android App! und die Statistik wird mit hilfe von OpenStreetMap gezeigt!

      1. Alternativ auch noch http://www.opencellid.org
        Das Thema ist schon sehr alt (erste Tools gab es für JavaME), aber da die Handyhersteller es alles (wenn überhaupt) unterschiedlich gestalten wie man die ZellIDs und Signalstärken rauskriegt, gab es nie ein wirklich flächendeckendes Projekt, sondern X kleine, die sich spezialisiert hatten :(

        Sorry aber man sollte kein Open Projekt starten, wenn man nicht weiß welche Lizenz man wählen möchte und wie man an die Daten kommt
        http://opensignalmaps.com/forum/topic/license-and-dumps

  2. Die Studie hat m.E. einen Mangel: es wird OpenStreetMaps mit einem esoterischen Nischenanbieter TomTom vergleichen, der nur auf esoterischer Hardware verfügbar ist. Schwerpunkt scheint auch wie in Bayern der Wanderweg in GPX zu sein. Das ist mit Verlaub Pille-Palle. Ich bin begeisterter Google-Anhänger (siehe http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/2011/08/14/die-welt-mit-google-earth-erforschen/). Bei wikipedias Vergleich hat man sich mit dem Marktführer verglichen (Brockhaus, Encyklopedia Britannica). Und just dem dem Vergleich mit dem Marktführer Google-Maps kann OpenStreetMaps beileibe nicht mithalten. Wobei Google in zahlreichen Bereichen Crowdsourcing integriert hat (Panoramino, YouTube, GoogleSketchup für Google Earth, Verkehrsnachrichten über Android-Handys für deutsche Straßen, …). Ein Vergleich mit dem Marktführer wäre also fairer gewesen, als mit einem, dem gerade das Geschäft wegbricht, weil man Navi-Hardware immer weniger braucht.

    Aufhorchen lässt einen andere Nachricht: Dass die öffentliche Hand für Geodaten, deren Produktion die Bürger mit Steuern bezahlt haben, Lizenzgebühren bezahlen sollten. Diese Dreistigkeit der Doppelabzocken bei Minderleistung scheint endlich ein Ende zu finden. Bei Google sind neuerdings auch Geodaten von BKG eingearbeitet.

    Meiner Meinung nach ist Google als Geodatendienstleister wesentlich interessanter als OpenStreetMaps und für kleine Anwender ist das auch kostenneutral. (Ich werde nicht von Google bezahlt), aber sehe mit Schrecken auf die GDI-DI, die seit Jahren nicht aus dem Knick kommt, während man bei Google fantatsisceh Sachen machen kann (z.B. die Kathedrale des Meeres in Barcelona in Googel maps in der Karte oder Satellitenbild finden, sich in Streetview das Ding von aussen ansehen oder in der 3D-Version von Google Earth aus beliebigen Perspektiven oberhalb der Strasse und zu guter letzt auch noch reingehen und in einem 3D-Foto diesen prächtigen gotischen Bau ( siehe Blog;-) auch noch von innen bewundern. Da pfeif ich auf Radwanderwege mit Navis im Brandenburger Fläming, die schon vom Berliner Tagesspiegel nicht an den Mann und die Frau gebracht werden konnten. Salopp formuliert.

    Das Verwenden von Open in Opensignalmap ist so eine Art von Prospekt betrug. Man missbraucht kostenlos Ehrenamtliche und stellt deren Ergebnis unter Copyright. Widerlich.

    1. Äpfel mir Birnen, echt!

      Openstreetmap (sigular) ist ja gerade kein freies Konkurrenzprodukt zu Google Maps sondern ein crowdsourcing Projekt zur Erfassung freier Geodaten. Die Daten von Google sind nicht proprietär sondern gehören der Firma teilweise nicht einmal. TomTom ist hier kein Nischenanbieter sondern einer der Großen auf dem Markt (Stichwort Teleatlas).

      1. „Da habe ich aufgehört zu lesen“.
        Bei Heise kann man sich auch die Nachrichten vorlesen lassen.

        „Umsatzrückgang bei TomTom
        Der niederländische Navigationsgerätehersteller TomTom hat für das vergangene Quartal einen Umsatzrückgang um 10 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres auf 336 Millionen Euro vermeldet. “
        http://www.heise.de/mobil/meldung/Umsatzrueckgang-bei-TomTom-1365591.html
        (see also http://ar2010.tomtom.com/key_figures_overview.html, der Höhepunkt war 2007, 2008.)
        Ja, man kann der Realität sich entziehen und auf Fahrradwegen seinen Tomtom fröhnen :-) Der Fakt des Umsatzrückgangs bleibt. Google hatte einen Halbjahresumsatz 1H2011 von 17,6 Mrd $. Entsprechend besser sehen die Karten aus.

        @Sven Geggus
        Wikipedia mit Enc. Brit und Brockhaus zu vergleichen ist auch Crowdsourcing vs. proprietär. Als Produkt muss man m.E. das Preis-Leistungsverhältnis vergleichen und nicht den Spass, den die Crowd beim Sammeln hatte.

        Bei Tom Tom kommt niemand auf die Idee, deren Karten als Grundlage für Internetanwendungen zu nutzen, bei Google, Microsoft Bing Maps und OpenStreetMaps dagegen schon.

        Ansonsten kann ja die genannnte Hochschule gleich weiter forschen, wie man die wunderschönen GPX-Dateien der Wanderwege der bayerischen Landesregierung auf ein TomTom-Device bekommt.
        http://www.egovernment-computing.de/projekte/articles/325048/

        Vielleicht hilft es, den Niedergang zu vermeiden. Ich lauf derweilen lieber mit Flatrate und iPhone durch die Landschaft. Natürlich nur da, wo mir der stundenaktuelle Feldstärkenwegweiser Conncetivity verspricht :-) Aber jeder ist anders.

        Wikipedia sagt übrigens zu TomTom: „Im April 2011 wurde bekannt, dass von TomTom in den Niederlanden Geschwindigkeitsdaten der Nutzer unter anderem an die niederländische Polizei verkauft wurden. Diese Daten wurden im Rahmen der PC-Synchronisation des Navigationsgerätes an TomTom übertragen und anonymisiert weitervertrieben. Die Polizei der Niederlande soll mit den Daten geplant haben, an entsprechenden Punkten Radarfallen zu installieren.“ Das riecht schwer nach VZ. Soll ich jetzt einen Vergleich von einem Deutschen Social Media Open Source Produkt zu den VZs preisen, wie schön die Welt ist udn Facebook und G+ aussen vorlassen? Dass sind dann m.E. faule Äpfel und Birnen :-)

      2. Du kannst Di rauch den Aktienkurs von TomTom ansehen:
        http://www.google.com/finance?q=TomTom
        2007 war er im Maximum auf 64,80 US-$, heute ist er auf 2,94 $ gefallen.
        Am 8.12.2011 hiess es, dass man 10% der Mannschaft freisetze:
        http://www.marketwatch.com/story/tomtom-revamps-rd-will-cut-10-of-total-staff-2011-12-08

        Es ist unseriös, eine Crowdsourcing mit willigen Arbeitern ohne Lohn mit einem sterbenden Pferd zu vergleichen, aber den Marktführer ausser acht zu lassen. Some kind of bullshit-bingo.
        See also:
        http://files.shareholder.com/downloads/TOMTOM/1610144913x0x511023/1c202b89-635b-4a51-9dee-3d57e304de8f/111024%20Third%20Quarter%202011%20results%20-FINAL.pdf

        1. Was sollen die ganzen Ablenkungsmanöver? Mir geht es nur um die Bezeichnung eines Unternehmens mit neunstelligem Jahresumsatz als „Esoterischer Nischenanbieter“. Da sehe ich erhebliche Defizite in einer plausiblen Weltvorstellung.

    2. „es wird OpenStreetMaps mit einem esoterischen Nischenanbieter TomTom“, Aha! Aber als Zitat: „begeisterter Google-Anhänger“ sollte man wissen das Google Maps in Deutschland bis Ende des Jahres 2011 die Geodaten von TomTom bzw. TeleAtlas verwendet hat. Inzwischen werden die Daten vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie verwendet. (Vgl. http://google-latlong.blogspot.com/2011/12/updating-maps-of-united-kingdom-germany.html) Also ist Google damit in Deutschalnd wohl eher kein „Geodatendienstleister“ …

    3. Bzgl „esoterischer Nischenanbieter Tom Tom“:

      Bis November/Dezember 2011 hat Google für Deutschland in Earth/Maps zugekaufte TeleAtlas-Daten für die „Hybrid“-Darstellung der Luftbilder von GeoBase zusammen mit den überlagerten Straßendaten (= farbige Kantenzüge mit Straßennummern und Straßennamen) verwendet.
      TeleAtlas gehört Tom Tom und Google musste bis dato Lizenzgebühren für die Nutzung der Kartendaten bezahlen und man sah auf der Kartendarstellung einen entsprechenden Copyright-Vermerk.

      Seit Dezember verwendet Google nun von den Landes- und Bundesvermessungsämtern zugekaufte und zusammengeführte Straßen- und Wege-Daten. Seitdem findet man auch für die Straßenkarte keinen Copyright-Vermerk mehr auf der Google-Karte.
      (Siehe hierzu: http://google-latlong.blogspot.com/2011/12/updating-maps-of-united-kingdom-germany.html)

      Pferdefuß: Die Google-Karte nicht frei verwendbar, d.h. es ist erlaubt, innerhalb der Google-API Daten zusammenzuführen, aber es nicht erlaubt, Daten aus der Karte zu extrahieren, sie mit anderen Dingen zusammenzuführen und das Ergebnis in einer Nicht-Google-Form zu veröffentlchen. Dies galt für die TomTom/TeleAtlas-Daten wegen deren Lizenz und dies gilt auch für die durch Google bearbeiteten/zusammengeführten Vermessungsamts-Daten, auch wenn wir alle diese Vermessungsamt-Daten letzlich mit unseren Steuergeldern finanziert haben.

      Im Unterschied dazu sind die OpenStreetMap-Daten komplett frei verwendbar, d.h. man darf diese verwenden, extrahieren, kopieren, mit anderen Daten zusammenführen (deren Verwendungsbeschränkungen man dann aber beachten muss!) und öffentlich in beliebiger Form präsentieren/zur Verfügung stellen.

    4. Ja, die historischen Diskurse sind interessant, wie toll früher TomTom war. der Solarhersteller Solon in Berlin war bis Ende 2011 auch ganz toll interessant. Auch mit 9-stelligen Umsätzen. Derzeit sind die allerdings insolvent und suchen händeringend einen Käufer.

      Im Klartext heisst das, dass TomTom eine unsichere Zukunft hat, während die Ausbeutung von Freiwilligen bei OpenStreetMap offenbar noch funktioniert.

      Dennoch finde ich, dass man das Angebot nicht nur an der Lizenz messen kann, sondern auch an der Funktionalität messen muss. Da ist allerdings meiner bescheidenen Meinung nach Google um Lichtjahre voraus. Es gibt vielleicht bei OpenStreetMaps bessere Wanderwege, Radwege und Linksabbiegervorschriften, aber Satelliten, crowdgesourcete Fotos, 3D-Darstellungen (auch als usercontentgenerierte Sketches) sind einfach nicht da. Auch die unzähligen Layer von Google-Earth fehlen.

      Es kann ja jeder machen was er will: wenn jemand bescheidene Landkarten braucht und den Rest nicht, dann wird er sicherlich mit OSM glücklich. Hat man mehr Anforderungen, wird man sich Google ansehen müssen.

      Aber die historischen Betrachtungen, wie schön TomTom früher war, sind sicherlich gut. Vor 20 Jahren haben wir auch intensiv diskutiert wie toll Novell-Netware ist. Wer aber den Vergleich zu Google scheut und sich statt dessen als schwächeren TomTom aussucht, hat nur begrenzte Überzeugungskraft.

  3. „Abbiegevorschriften […]“

    Ich hatte neulich ein TomTom im Mietwagen, sowohl am Ausgangsort als auch am Zielort hatte das Ding falsche Positive und falsche Negative, Ortsunkundige hätten große Umwege in Kauf nehmen müssen.

  4. Bei OpenStreetBugs schaut doch keine Sau rein. Hab da auch schon öfters Fehler eingetragen – die sind heute noch nicht behoben. Und Abbiegevorschriften oder sonstiges sieht man dort sowieso nicht…

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