Überwachung

Facebook checkt Identitäten

Facebook zeigt Nutzern seit kurzem stichprobenartig nach dem Einloggen ein Fenster mit dem Profilbild und Name eines Facebook-Freundes und bittet die Nutzer darum diese zu verifizieren. Die unverfängliche Frage lautet: „Bitte hilf uns dabei zu verstehen, wie Nutzer Facebook verwenden. Deine Antwort bleibt anonym und hat keinen Einfluss auf das Konto deines Freundes. Ist dies der echte Name deines Freundes?“

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Als Antwortmöglichkeiten werden „Ja“, „Nein“, „Ich kenne diese Person nicht.“ und „Ich möchte nicht antworten.“ vorgegeben. Darunter findet sich ein Link zu der Richtlinie für Namen. In dieser und den AGB heißt es: „Facebook-Nutzer geben ihre wahren Namen und Daten an und wir benötigen deine Hilfe, damit dies so bleibt.“

Facebook verfolgt eine Real-Name-Policy und versucht diese auch möglichst weitgehend durchzusetzen. Dabei ist den Facebookmachern selbst eine Gefährdung von Aktivisten egal.

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38 Kommentare
  1. Der Klarnamenzwang kann auch für Facebook zum Problem werden denn es gibt eine so grosse Anzahl von unechten Namen das das löschen dieser Profile zu einen Nutzerschwund im Millionenbereich führen kann des weiteren erlaubt Twitter Pseudonyme aucht weiterhin.

    1. Je nachdem, in welchem (politischen) Bereich du beispielsweise Aktivismus betreibst, kann es durchaus sein, dass du ohne Facebook einfach keinerlei oder um Größenordnungen geringere Relevanz erreichst.

      Für viel politische Arbeit ist der Verzicht auf Facebook unglaublich schwierig. So bitter das auch ist!

      1. Das ziehe ich pauschal in Zweifel, wenn man politische Arbeit leistet erstellt man in der Regel eine Kampagnen-Webseite.

        Warum sollte man nun Facebook benötigen um Größe oder Relevanz zu erreichen? Die Webseite kann von Benutzern dort ja dennoch geteilt und weitergesagt werden und wenn einzelne Teilnehmer der Kampagne dort Mitglied sind können sie das auch forcieren (im Falle von politisch gefährdenden Aktionen empfiehlt sich das natürlich nicht).

        und noch zwei Punkt:

        * Politische Arbeit hat im Netz auch prä-facebook stattgefunden und funktioniert
        * Teil der Anit-ACTA-Demonstrationen wurden in facebook organisiert, das war sehr anstrengend für mich, ich fand die Links stets in Wikis oder Etherpads oder ähnlichem… wenn man dann die Seiten besuchte konnte man nicht partizipieren (stattdessen werde ich beim reinen Lesen ständig aufgefordert Kunde zu werden) und Aufbau und Struktur waren unzulänglich (es ist in Ordnung dass facebook nicht unendliche Formatierungs-Freiheit gewährt, aber das schränkt natürlich die Möglichkeiten ein… eine OSM mit Koordinaten der Demo einzubinden z.B.). Kurzum: Der Umstand dass das zu großen Teilen binnen facebook gemacht wurde obwohl z.B. ein Wiki verfügbar war erschwerte es mir eher als dass es mir das erleichterte.

        Es erscheint mir daher insgesammt sinnig politische Arbeit in möglichst unabhängigen Umständen zu vollziehen, eine eigene (Sub)domain, ein eigener (v)Server etc. all das wird ja auch normalerweise nur gemietet und kann brechen (beschlagnahmt werden usw.), aber ein Teil der Infrastuktur bleibt erhalten und der gebrochene Teil muss dann ersetzt oder repariert werden.
        Auf Facebook macht man dann entsprechend Werbung für diese Seite/Kampagne, dabei nimmt facebook aber keine Sonderstellung ein, sondern funktioniert wie jede andere Kommunikations-Plattform auch, genauso kann man in Wikis, auf status.net/identi.ca in Foren in Diaspora, libertree, Friendika und sogar mit Ketten-Mails darauf aufmerksam machen. Bricht diese Infrastruktur (Facebook hat schon viel zensiert und war gelegentlich auch mal ein paar Stunden down) ficht mich das gar nicht an, es ist ja nur eine Werbeplattform.

        Im Übrigen heißt „möglichst unabhängig“ auch dass man möglichst nicht wordpress.com verwenden sollte XD Da stolpert man nämlich quasi in die gleichen Probleme.

      2. @Deus Figendi: +1
        Besonders schön war es bei der Kölner Anti-ACTA-Demo, wo die Pappnase, die das Facebook-Event eingerichtet hatte, dieses nicht öffentlich gemacht hatte. War man also nicht bei dem Verein, bekam man absolut nichts mit, der Wiki-Eintrag wurde nicht mit Informationen gefüttert.

      3. @Deus Figendi:

        Ich zweifle nicht an, dass das Aufsetzen eigener Infrastruktur für Campaigning immer sinnvoll ist.

        „Warum sollte man nun Facebook benötigen um Größe oder Relevanz zu erreichen? Die Webseite kann von Benutzern dort ja dennoch geteilt und weitergesagt werden…“

        Nichts anderes meine ich nicht. Darauf kannst du heutzutage nicht mehr verzichten. Ohne das erreichst du leider nicht die relevante Reichweite. Find ich auch blöd, ist aber so…

  2. Und warum werden unfreie Netzwerke, wie eben FB oder Google+ von Netzpolitk.org unterstützt? Je mehr Leute dort angemeldet sind, desto abhängiger wird die gesamte Menschheit von diesen Unternehmen.

    Da sie unfrei und zentral sind, ist dort ohne weiteres Zensur, Ausbeutung von Datensätzen, und Manipulation möglich;
    schließlich wird dies von FB bereits so betrieben.

    Es ist mir daher unverständlich, warum Netzpolitik.org Unternehmen unterstützt, deren Ziel es ist den Großteil der menschlichen Kommunikation zu kontrollieren, um somit die Macht zu haben, sie zu ihren eigenen Gunsten auszubeuten.

    1. Stimmt. Leider. Einige Leute habe es nicht einmal geschafft ohne facebook eine Anti-ACTA Demo oder eine Buch PR auf die Beine zustellen … Das faellt wohl unter pragmatische Heuchelei. Wer noch ohne gmail Account ist werfe den ersten Stein ;)

      Aber Spass bei Seite, ja die Facebooknutzung von NP nervt.

  3. Sorry, aber ich kann dieser Gejammer um jeden neuen Move bei Facebook und Co. nicht verstehen. Wenn euch deren Policies nicht passen – geht halt woanders spielen. Das Argument mit der Gefährdung von „Aktivisten“ (damit sind wohl ausschließlich altruistisch handelnde Revoluzzer im Nahen Osten gemeint) ist ja auch sowas von an den Haaren herbeigezogen. Wer eine Revolution organisieren will, sollte das eben nicht auf der Plattform eines gewinnorientierten, sich bei jedweden Regimen anbiedernden Unternehmen tun…oder? Und FB macht da ja kein Geheimnis draus.

    Es gibt genug andere Möglichkeiten, anonym zu sein und zu bleiben…

    1. Schade wenn man es nicht begreift, oder?
      Da FB eine entsprechende Marktdurchdringung hat reden wir von einer gewissen Reichweite.
      Stell Dir vor Du bekämpfst ein Folter-Regime und keiner bekommt es mit, weil alle auf FB abhängen?

      Probier es einfach mal mit weniger Reflexen.

      1. Stell Dir vor, Du bekaempfst ein Folterregime und Facebook gibt an das Regime die Daten aller Deiner Mitkaempfer heraus.
        Wer sich mit Regierungen (egal welcher Couleur) anlegt, der sollte dafuer sorgen, dass seine Infrastruktur nicht von Leute mit eigener Agenda kontrolliert wird.

  4. Wo liegt da jetzt das Problem? Wenn ich mit einem falschen Namen angemeldet bin kennen mich die Leute doch auch nur unter diesem Namen und werden wohl bestätigen das ich das bin.

    Wenn ich einen Spitznamen verwende habe ich in der Regel nur Freunde, die ich gut kenne und diese werden dann trotzdem auf ja klicken. Werde ich zumindest so machen.

    1. Es wird immer Leute geben die Fake-Accounts melden. Absichtlich und unabsichtlich.

      Facebook könnte diese Accounts dann irgendwann sperren oder Rechte einschränken. Bereits jetzt sind sie scharf auf Daten die die Person eindeutig identifizieren können – z.B. die Handynr.

      Das hat mit einer allgemeinen Auswertung zu Werbezwecken nichts mehr zu tun. Vielleicht muss man bald die Personalausweis-Nr. eintragen…

    2. @Tiama, das Problem ist, das verifizierte Daten deutlich mehr wert sind. Wenn du z.B. bei FB schreibst, dass du bei deiner Bewerbung geflunkert hast, dann ist eine bestätigte ID dem Arbeitgeber deutlich mehr Geld wert, und auch dem Gericht bei der Verhandlung der fristlosen Kündigung wegen gefälschten Bewerbungsunterlagen ;) Ich glaube auch nicht dass du willst, dass per Gesichtserkennung Unternehmen und Staaten wissen, wo du dich zu jeder Sekunde deines Lebens aufgehalten hast, die Anfänge kannst du dir schon mal in London ansehen. Mal abgesehen davon denke ich solltest du deine Freunde und Bekannte doch vorher fragen, bevor du irgendeinem fremden Unternehmen so eine Aufkunft über andere Menschen gibst …

  5. Wie wäre es mal mit einem verlinkbaren Demo Guide der auf Facebook & Co verzichtet. Notwendigen Ressourcen (Pads, etc) können ja vertrauensvoll verlinkt werden (CCC, Piraten). Dazu sollte es noch eine HowTo geben wie man diese externen Dienste sicher nutzt. Fertig.

  6. „diese facebook leute sind doch alles diletanten – für ne revolution brauchts immer noch schläger“ sagte scholl-latour einst so schön über den arabischen frühling….der herbst wird ihm recht geben…

    löschts halt euren account wenn euch die regeln nicht passen, oder lebt mit den konsequenzen! wenn euer copy center nen namen haben will geht ihr auch in nen anderen laden oder kauft euch nen kopierer!

  7. Frage: Wie sieht es mit meinen persönlichen Datenschutz aus,wenn ich mit meiner virtuellen Maschine wo Ubuntu als Betriebssystem läuft plus TOR in ein unfreies, zentrales Netzwerk per Fake- Namen anmelde? Werden die Cookis innerhalb der virtuellen Maschine gespeichert ?

    1. der browser wird sie auch da speichern. das kannste ihm aber abgewöhnen! dafür brauchste keine vm. aber mit datenschutz hat das ja alles nix zu tun! wenn du deine daten sicher haben willst, gib sie keiner firma die davon lebt deine daten zu verscherbeln!

    1. hier!

      nur ist facebook kein staatliches unternehmen! sondern ne private unternehmung der keiner seine daten in den rachen werfen muss. is ja jetzt nicht so als würde fb bei mir klingeln und mich über die accounts meiner nachbarn ausfragen. im gegensatz zur ddr kannste einfach ‚fuck you‘ sagen und gehen.

      also – klarer fall von selber schuld wenn man sich diesen methoden aussetzt!

  8. Die Vergleiche mit der Stasi und Blockwarten hinken so lange, wie die Freunde tatsächlich zusammenhalten. Das Problem ist allerdings, dass der Begriff „Freundschaft“ auf Facebook deutlich überstrapaziert ist. Dadurch befinden sich unter z.B. 400 Facebook-Freunden ziemlich viele, denen es vollkommen egal ist, ob die wahre Identität ihres Facebook-Freundes geschützt wird, oder nicht.
    Mehr zu diesem und anderen Facebook-Themen findet ihr übrigens auf unserem Blog http://netzreflexion.wordpress.com/

  9. 1. Facebook ist wichtig weil soviele Leute sich dort tummeln
    2. aus 1. folgt: FB ist der Beobachtung würdig
    3. Es ist weder gut noch schlecht sich bei FB anzumelden
    4. Es ist schlecht dass FB datenschutz klein schreibt
    5. ich habe fertig weil Flasche leer

  10. Merkwürdig, dass noch niemand auf die gewaltige Lüge, die in der Verbindung von

    Deine Antwort bleibt anonym und hat keinen Einfluss auf das Konto deines Freundes.

    mit den Regeln von Facebook

    Facebook-Nutzer geben ihre wahren Namen und Daten an

    liegt. Wenn Facebook sich an seine eigenen Regeln hält, muss die Antwort “Nein” (bei gehäuftem Auftreten – Einzelfälle können schließlich auch auf einen missgestimmten “Freund” zurückzuführen sein) eine Auswirkung auf das betreffende Konto haben.
    Man sollte die Aktion auf jeden Fall zum Anlass nehmen, seine Freundesliste nochmal ein wenig aufzuräumen.

      1. Wenn ich diesen Satz lese, kommt mir die Galle hoch. Hier wird suggeriert, dass die Daten anonym sind. Aber übersetzt heißt das eigentlich:

        ‚Wir wissen wer Du bist und das Du gerne Deine Freunde denunzierst, aber natürlich sagen wir es Deinem Freund nicht. Natürlich kannst Du so nicht mehr bei z.B. der Polizei anfangen, da wir da ja keine Verräter brauchen können‘

    1. @AGISB: Warum kann die Polizei keine Verräter brauchen? Solche Leute haben erst recht eine Chance dort anzufangen – als Informanten oder V-Männer beispielsweise. *trolololo*

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