Kultur

Dezentrales Soziales Netzwerk: Diaspora-Gründer entlassen das Projekt in die Community

Die Gründer von Diaspora werden das Projekt nicht weiter in Vollzeit entwickeln. Das kündigten sie in einem Blog-Beitrag an. Sie übergeben die Leitung des Open Source Projekts an die Community, die es nun übernehmen soll.


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Vor zwei Jahren machten die vier Studenten Furore, als ihr als „Facebook-Alternative“ gehyptes Projekt innerhalb weniger Wochen 200.000 Dollar an Crowdfunding einnahm. Nach zwei Jahren wollen Grippi, Salzberg und Sofaer sich aus dem Job zurückziehen. Aus der Ankündigung:

As a Free Software social project, we have an obligation to take this project further, for the good of the community that revolves around it. Putting the decisions for the project’s future in the hands of the community is one of the highest benefits of any FOSS project, and we’d like to bring this benefit to our users and developers. We still will remain as an important part this community as the founders, but we want to make sure we are including all of the people who care about Diaspora and want to see it succeed well into the future.

Jenna Wortham kommentiert auf New York Times Bits:

Diaspora was always intended to be a free and open-source project, so in one regard, the move is not terribly surprising. But it is not yet clear what will happen to Diaspora and whether its small community of supporters will continue to keep the project running.

Es wird spannend sein, zu beobachten, ob die Community das Projekt erfolgreich übernehmen kann. Von den vielen dezentralen sozialen Netzwerken ist es das wohl bekannteste und größte.

Auf Hacker News gibt es eine lebhafte Diskussion über Sinn und Unsinn der Entwicklung.

11 Kommentare
  1. Wer genau diese „Community“ sein soll, ist mir auch nach Lektüre des Blogbeitrags unklar. Andere Projekte haben da ausgetüftelte Strukturen. Kindern sagt man auch, der Hund wäre nun im Hundehimmel.

    Aber auch wenn Diaspora* tot ist, WordPress lebt. Von den vielen dezentralen sozialen Netzwerken ist Letzteres das wohl bekannteste und größte – sicher auch mit größerer Community.

    1. Ja, WordPress lebt — aber mir fehlt immer noch eine ueberschaubare Liste an Plugins, die wenigstens einige der mittlerweile typischen Social-Networks-Annehmbarkeiten implementieren.
      Wie zum Beispiel, mal schnell einen Link zu teilen — Facebook und Co teasern an, waehlen ein Thumbnail aus, in wenigen Eingaben ist das erledigt. Fuer WordPress kenne ich nur das kostenpflichtige »Status« hierfuer.
      Wo bleiben vernuenftige Frontends fuer FOAF und sonstige offene, aber mangels einfacher Benutzbarkeit wie so oft in Schubladen vermodernde Standards?

      (Drin bevor: „Mach doch“. So gross ist der persoenliche Leidensdruck noch nicht.)

  2. Ich bezweifle dass Facebook ernsthaft Konkurrenz zu befürchten hat in den nächsten 5 Jahren. Es gibt einen starken Verdrängungsmechanismus welche bei Internetstartups beobachtet wird. Ein einmal sehr erfolgreiches Unternehmen tendiert über die Zeit dazu, all seine Konkurrenten vom Markt erfolgreich zu verdrängen. So kam es prinzipiell mit Amazon, Ebay, Facebook und Google.

    Ich sehe für Facebook nur momentan nur zwei erfolgreiche Konkurrenzszenarien. Die erste wäre, dass eine neue Form von Dienstleistung im Miteinbezug neuer Technologien mit einen starken Alternative/Exclusive-Touch ala‘ Apple. Die OpenSource-Community hat diesen Touch leider nicht. Die Zweite Möglichkeit ist möglicherweise nur die Ausformulierung der ersten: Ein SocialNetwork mit noch stärkeren Mitteln zur Personalisierung einer Web-Identiät und Schaffung einer Abstraktion der Realität als es Facebook derzeitig liefern kann. Diese BackupReality, oder sogar VirtualReality selbst, wäre etwa so vorzustellen als würde man eine extrem frisierte Version von HabboHotel und GoogleMaps in einen Topf stecken. Sollten die Datenbrillen in den nächsten 10 Jahren noch in Fahrt kommen sehe ich extrem viele Anwendungsmöglichkeiten für das VirtualReality-Facebook.

  3. Das könnte ein guter Schritt sein, falls es nicht schon zu spät ist.
    Das Projekt ist schon lange festgefahren, da die Hauptentwickler versuchten über alle Aspekte des Projekts Kontrolle zu behalten und einen Löwenanteil der Arbeit selbst zu leisten. Mit der Zeit wurde das Vertrauen der Unterstützer verspielt, da geleisteten Versprechen nicht erfüllt werden konnten.
    Da wären zu nennen die Möglichkeit sein Profil auf einen anderen Server umzuziehen, eine einfache Serverinstallation und die, für das dezentrales System existenziell wichtige, Optimierung der Server-zu-Server-Kommunikation. Auch viele kleineren Wünsche, wie Beitragsvorschau, Chat und Editieren von Beiträgen stehen noch aus. Stattdessen wurde an der Optik verschlimmbessert.
    Als normaler Nutzer hatte man den Eindruck, dass die Hauptentwickler durch stärkere Integration der Community und Fokus auf Projektkoordination mehr hätten erreichen können. Ein großer Knackpunkt war dort zum Beispiel die Vernichtung der Arbeit von Pistos, dessen Fork-Code auf einer Reihe der populärsten Diaspora-Servern genutzt wurde, als zuvor nicht angekündigte Konzeptänderungen die Kompatibilität aussetzten.
    Schlußendlich verspielte man das letzte Wohlwollen der Unterstützer der ersten Stunde als die Entwickler ihren Fokus auf ein weiteres Projekt, den Meme-Generator verschoben.
    Der Schritt sich der Community zu öffnen ist also überfällig: Inzwischen sind viele potenzielle Mitentwickler und Early Adopters bereits zu anderen Projekten weitergezogen, zu
    , dem bekannteren und etwa zwei Dutzend kleineren Projekten.

  4. Anscheinend habe ich mich leider bei den Links vertan, könntet ihr das bitte korrigieren oder meinen Beitrag löschen (ich poste dann nochmal ohne Links)? Das wäre super. Dieser Kommentar könnte dann freilich gelöscht werden.
    Vielen Dank!

  5. Naja. Wenn man es als Facebook-konkurrenten ansieht, wird es diesen kampf niemals gewinnen.
    Als alternative für Leute, die nicht so auf totalüberwachung stehen ist es aber durchaus eine option.

  6. Man brauch ein einheitliches Protokoll für dezentrale Netzwerke, dann ist egal wie viel Plattformen es gibt, alle können miteinander kommunizieren. will social swarm das nicht erreichen?
    Zur Zeit sehen für mich friendica und libertree am besten aus.

    1. Es gibt bereits genug Protokolle, z.b. XMPP, ATOM-Feeds, PubSubHubbub und activitystrea.ms, meinetwegen kann man auch Email da mit zuzählen. Das Problem ist strukturell bedingt: Wer Geld mit Nutzerdaten verdienen möchte, mag keine Interoperabilität – die schadet schließlich dem Lock-In-Effekt.

  7. Obwohl es das mit Abstand am weitesten fortgeschrittene dezentrale soziale Netzwerk ist (wesentlich weiter als Diaspora es je war), ist Friendica leider wenig bekannt, wenn auch stetig am wachsen.

    Mit ganz wenigen Ausnahmen sind die „Facebook-Alternativen“ leider kaum je über das Planungsstadium hinausgekommen, zumindest, wenn man nur die Projekte betrachtet, bei denen man sich eigene Server aufsetzen kann – und nur die machen Sinn, denn die eigenen Daten dann wieder einem anderen Anbieter in den Rachen zu werfen ist so wenig zielführend wie ein Wechsel von Facebook zu Google+.

    Buddycloud wäre noch zu nennen, und das wars dann auch schon.

    Alles andere sind nur hochfliegende Pläne mit bislang nichts dahinter, und davon gab es bis heute schon viele.

    Wer mehr über Friendica wissen möchte, kann sich meinen (langen!) Blog-Artikel dazu ansehen: Friendica, das soziale Netzwerk der Zukunft

  8. Um mal zum Thema zurück zu kommen.
    Hier geht es nicht um Machtpotenzial oder Vormachtstellung !!!
    Sondern um die Wahrung der PRIVATSPHÄRE !!

    Der Mensch ist nun mal ein Gewohnheitstier und dem mainstream
    unterworfen.
    Deshalb wird fleißig geGoogelt und das gefundene auch gleich via Fratzenbuch gepostet.
    Gesunde Alternativen wie duckduckgo und eben Diaspora kennt das Gewohnheitstier nicht.

    Um mich zu Outen : Auch ich hatte mal einen Facebook account, welchen ich seit 2007 !! nicht mehr nutze.
    Facebook war halt was ganz was neues.
    Der Mainstream wusste damals noch nicht einmal nicht mal wie man Facebook schreibt.
    Anstatt einem so jungen Projekt wie Daisapora unter die Arme zu greifen, wird das ende von Diaspora voller Euphorie regelrecht gefeiert. So, als man von Zuckerberg PRÄMIE dafür bekommen würde.
    Wie verblödet muss man sein.
    Ich kann jdenfalls ohne Fratzenbuch und Datenkrake leben.

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