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„Deutscher Datenschutzrat Online-Werbung“ ist Datenschutz-Greenwashing

Der Zentralverband der Anzeigenwirtschaft und der Bundesverband Digitale Wirtschaft haben heute den „Datenschutzrat Online-Werbung“ vorgestellt. Das habe ich drüben bei der Digiges gepressebloggt: „Deutscher Datenschutzrat Online-Werbung“ ist Datenschutz-Greenwashing. „Solche Selbstregulierungsinitiativen sind nur der Angst vor Rechtsdurchsetzung geschuldet, man versucht damit die kommenden europäischen Datenschutzregeln möglichst stark zu verwässern. Mit Datenschutz hat das allerdings wenig zu…

  • Markus Beckedahl

Der Zentralverband der Anzeigenwirtschaft und der Bundesverband Digitale Wirtschaft haben heute den „Datenschutzrat Online-Werbung“ vorgestellt. Das habe ich drüben bei der Digiges gepressebloggt: „Deutscher Datenschutzrat Online-Werbung“ ist Datenschutz-Greenwashing.

„Solche Selbstregulierungsinitiativen sind nur der Angst vor Rechtsdurchsetzung geschuldet, man versucht damit die kommenden europäischen Datenschutzregeln möglichst stark zu verwässern. Mit Datenschutz hat das allerdings wenig zu tun – viel mehr mit knallharten Geschäftsinteressen. Dieser vorgebliche Datenschutzrat löst kein einziges Datenschutzproblem, er dient offensichtlich zu dem, was im Umweltbereich als Greenwashing bezeichnet wird. Die Onlinewerbewirtschaft speichert das Surfverhalten quer durch das Web und ignoriert dabei auch geltendes europäisches Datenschutzrecht.“

Der Digitale Gesellschaft e. V. sieht den europäischen und den Bundesgesetzgeber in der Pflicht, hier klare und eindeutige Rechtsnormen um- bzw. durchzusetzen. „Die Werbewirtschaft will den Nutzern nicht die Wahl lassen – sondern sie für dumm verkaufen“, so Beckedahl weiter. „Das haben sich Bundesregierung wie EU-Kommission nun wirklich lange genug angeschaut, die nun vorgestellte Selbstregulierungsinitiative ist seit drei Jahren überfällig und äußerst schwach.“ Angesichts dessen, was die Betreiber an Datenerfassung und Analysen durchführten, sei es kaum nennenswert, dass Nutzern nun Informationen und eine Möglichkeit zum Widerspruch gegeben werden soll.

„Stellen Sie sich vor, jemand würde immer aufzeichnen, vor welchem Geschäft Sie stehen, für welche Produkte, für was Sie sich in der Tageszeitung oder im Fernsehen interessiert haben“, erläutert Markus Beckedahl die Arbeitsweise der Onlinewerbewirtschaft. „Ein Großteil der Nutzer hat bis heute keine Ahnung, wie viele Informationen die Onlinewerbewirtschaft über sie sammelt und was daraus alles ableitbar ist. Das Ausmaß privater Überwachung zu Werbezwecken ist etwas, das lange Zeit unterschätzt wurde.“

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


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4 Kommentare zu „„Deutscher Datenschutzrat Online-Werbung“ ist Datenschutz-Greenwashing“


  1. Ghostery hilft...

    ,

    … und man sieht wo und wer einen da versucht zu tracken.

    https://addons.mozilla.org/en-us/firefox/addon/ghostery/

    Auf netzpolitik.org:

    DoubleClick
    INFonline
    Piwik Analytics

    Netzpolitik.org, fasst euch mal selber an die Nase.


    1. @Ghostery hilft…: Von mir aus können die Rahmenbedingungen gerne gesetzlich geändert werden, so dass auch Werbeunternehmen sich umstellen müssen. Wir haben ja das Problem, auf andere Vermarkter zurückgreifen zu müssen, um die Party hier einigermassen zu refinanzieren.


      1. Ghostery hilft

        ,

        Was die Rahmenbedingungen für die Werbeunternehmen angeht, da besteht tatsächlich dringend Handlungsbedarf.

        Allerdings, sich nur auf gesetzliche Rahmenbedingungen zu berufen, die man selbst als ungenügend anprangert, ist fadenscheinig.
        Beispiel: Wie sehen denn die AGBs aus zwischen euch und den Trackern?
        Oder: Macht doch netzpolitik.org zu einem gemeinnützigen Verein und versucht euch über Spenden zu finanzieren, die die Spender auch steuerlich absetzen könnten, und verzichtet vollkommen auf Tracker.

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