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Das ist doch verboten!

Johny Haeusler von Spreeblick.com kommentiert bei Spex.de den Trend unter Künstlern, mit Offenen Briefen gegen eine vermeintliche Abschaffung des Urheberrechts zu fabulieren. Und das ist mehr als lesenswert: Das ist doch verboten!

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Stattdessen lassen sich Tausende von Urhebern, denen kein halbwegs klar denkender Mensch ihre Rechte oder Einkommensmöglichkeiten absprechen will, gegen ihr Publikum aufhetzen, lassen sich von der Verwertungsindustrie Gefahren einreden, die keine sind, und vor den Karren einer Anwaltsmaschinerie spannen, die konstant die Unmöglichkeit der Rechtsdurchsetzung im Internet behauptet und dabei mit Hilfe technischer und juristischer Möglichkeiten jedes Jahr hunderttausende von Abmahnungen an Privatpersonen verschickt. […] Man kann nur hoffen, dass Urheber weiterhin 90% ihrer Einnahmen an Verwerter und Anwälte abgeben, damit sie sich allein auf ihre Kunst konzentrieren können und nicht auf die Idee kommen, noch mehr offene Briefe zu schreiben. ansonsten müssten wir nämlich weiterhin dabei zusehen, wie ehemalige Punkrocker mit erhobenem Zeigefinger vor jungen Menschen stehen und etwas von Recht und Ordnung faseln, als hätten sie sich in ihrer Blütezeit erst einmal eine Arbeitsgenehmigung für ihre Gigs geholt und nicht gesoffen und gekifft, weil es in ihrem damaligen Alter schließlich verboten war.

11 Kommentare
  1. Recht hat er ,
    es ist schon Lustig das die GEMA heute
    für Titel wie „The Sex Pistols – Anarchy In The U.K“ kassiert oder Bands die damals gegen den Kommerz und das System sangen und No Future wollten ;-)
    Aber andererseits haben ja in Deutschland „Naziverbrecher“ oder „Stasiverbrecher“ auch immer ihre (Staats) Renten bekommen auch für ihre Dienste in Verbrecherorganisationen.

    1. Autsch. Das hört sich so an als wenn man sich damit abzufinden habe. Aber wäre es nicht richtig und besser gegen solche Missstände anzugehen? Ist jenes, das dies damals nicht der Fall war, nicht auch die Ursache dafür dass es soweit kommen musste/konnte?
      „Wir sind das Volk“ war ein guter Anfang. Man hätte nur niemals damit aufhören dürfen. Allerdings zeigt dies auch dass der Pöbel der schrie selbst nicht anders war es als das was er bekämpfte. Ziemlich enttäuschend.

  2. Guter Artikel von Johny Haeusler, aber wäre es nicht mal an der Zeit, die Debatte anders zu führen, d.h. statt der – zweifellos zahlreich vorhandenen – Negativbeispiele mal ein paar Leute und Projekte anzuführen, die sich mit ihrer Kunst an einem zeitgtemäßen Urheberrecht probiere? Ich denke da an Aktionen wie 366 days of music (http://phlow.de/366daysofmusic/), wo es jeden Tag ein freies MP3-Lied gibt (keine Frage, es existieren noch viele weitere Projekte in diese Richtung, auch wenn die mitunter eine andere Veröffentlichungsfrequenz haben, wie z.B. digitalkunstrasen.net).
    Literarisch interessant finde ich Bücher wie den Roman „XO“ von Francis Nenik. Der ist nicht nur formal innovativ, sondern wurde auch unter einer CC-Lizenz veröffentlicht und schon in zahlreichen Medien positiv besprochen.
    http://www.ed-cetera.de/ed-ition/fiction/francis-nenik-xo-roman/

    Also, ich denke, es wäre besser, sein (Wort-)Pulver auch mal für die innovativen Ansätze zu verschießen, schließlich bekommen nur so Leute mit, was da abseits von (ehemaligen) Punkrockern mit erhobenem Zeigefinger aktuell geht.

    1. Ich bezeichne mich jetzt auch mal als Künstler auch wenn ich von solchen Dingen oder Leuten, die nur aufgrund dessen dass deren Begabung eben in der Fanatasie liegt sich so bezeichnen oder herausstellen, nichts halte. Ich bin auch für ein Urheberrecht und hätte mir dies vor jahrzehnten schon gewünscht. Allerdings habe ich auch festgestellt das Position und Geld jeden Glauben daran schnell zunichte machen können. Womit ich nicht einverstanden bin ist die zeitliche Auslegung. 25 Jahre sollten reichen, damit nachfolgende Generationen auch noch Spaß an der Fanatasie und Entwicklung haben und sich nicht ständig mit Assgeier der Justiz herumschlagen müssen. Das sind nämlich die eigentlichen die aus dem was SIE geschaffen haben, Gesetze, profitieren und die auch solche privaten Vereine wie die GEMA usw… vertreten.
      Selbst heute sollte man am besten gleich neben dem was man machen möchte auch noch gleich ein Jura-Studium abschließen. Hat das schon irgendwie etwas pervides.

    1. Ich kenne dutzende Bands, die umsonst (oder wenn sie von weiter weg kommen: gegen Spritgeld) auf Straßenfesten, Partys, selbstorganisierten Open Airs etc. spielen – wo dann, obwohl da keiner Mitglied ist, trotzdem das Gema-Schutzgeld fällig wird, weil der Aufwand, das zu beweisen, nicht zu bewältigen ist.

    2. Das bringt es auf den Punkt! Auftritte in Kneipen, auf Hochzeiten, Beerdigungen, Lesungen, Vernissagen … Ok, ist natürlich unbequemer als sich von seinem Zuhält mit ein paar Euro aushalten zu lassen und auf das Internet zu schimpfen.

      Btw, handelt es sich bei Künstlern mit Exclusivverträgen eigentlich nicht um Scheinselbständige ;)

    3. ich arbeite ehrenamtlich in einem Verein (pengland) und bei uns spielen Künstler ausschließlich, wenn sie keinen Eintritt und keine Gage verlangen (gilt auch für bildende Künstler, Maler, Theater, einfach alle). Spendenhut ist kein Problem Spritgeld ist möglich, CDs/Kunstwerke verkaufen ebenso, es gibt noch ein bisschen was für Werbung oben drauf, aber das wars. Wir stellen die Räume, Technik, Bar und Knowhow und die Gratisarbeitskraft nebst Reputation, dass wir rocken. Daher lehnen wir auch Anfragen von Agenturen grundsätzlich ab, denn die Künster sollen sich schon selbst bemühen, wenigstens ihre Auftritte selbsttätig zu organisieren!

      Was wir machen, ist einfach nur den Raum zu bieten, damit irgendwo Kultur stattfinden kann, die nicht davon abhängt, ob du gerade arbeitslos bist oder Milionär. Selbst unsere Getränke werden verspendet, nicht verkauft. Wenn da ein jemand mit Knapp-bei-Kasse nur 50 cent für eine Cola gibt…es wird schon einer kommen und 3,00 dafür geben. Das gleicht sich aus.

      Und man soll es nicht glauben, die Kultur begrüßt das offenbar ganz außerordentlich und geht tatsächlich nicht laut krachend unter! Und wer gut genug ist, kriegt auch genügend in den Spendenhut oder muss seine Bilder nicht unter Wert verkaufen.

  3. @ B.Schneider-Mohel-Stimmt…. aber es gibt immer noch genug Bands diesseits von SONY, die ihre Musik im Netz kostenlos zur Verfügung stellen. Natürlich können sich solche Künstler nicht über Musik finanzieren und müssen deshalb in anderen Branchen hart arbeiten um es sich leisten zu können ihr geistiges Eigentum einer breitenMasse zugänglich zu machen. Und es gibt immer noch eine Menge Bands die sich vor einem Publikum von zwanzig Leuten den Arsch aufreißen müssen um zu überzeugen (nach einer 40 Stunden Arbeits – Woche), die ihre CD Produktionen in kompletter Eigenleistung finanzieren, anstatt von irgendwelchen abgehalfterten B- Promis durch das Pro 7 Vorabendprogramm vertrieben zu werden. DAS sind die Künstler die es verdient hätten ein wenig vom großen Kuchen abzubekommen Aber es ist halt wie immer… Die GEMA kümmert sich hauptsächlich darum , dass einem Herrn Mc Cartney kein Cent seiner nächsten Milliarde verloren geht… Und ich verstehe jeden der sagt: „Von mir bekommen SONY, GEMA und Konsorten keinen Cent mehr“ …

  4. Also wie man auf die Idee kommen kann, dass wegen dem Internet Gruppen, die bei Hochzeiten, Beerdigungen, Vereinsfeiern, Firmenfeiern usw. kein Geld bekommen erschließt sich mir irgendwie nicht. Auch nicht wie man irgendwie auf die Idee kommen kann, dass wegen dem Internet Künstler nicht mehr mit Konzerten, Lesungen, Vernissagen, Verkauf ihrer Bilder etwa als Poster usw. Geld verdienen könnten …

  5. Hier geht es eher darum das die „Rock/Pop Kultur“ , als reine Gelddruckmaschine genauso ihren Sinn verloren hat , so wie die kommunistische StaatsPartei im kapitalistischem China.

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