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Apple erklärt Logdatei auf iPhones

Berühmt für ihre Kommunikationspolitik ist Apple nur bei Produktvorstellungen. Ansonsten herrscht weitgehend Ebbe in Cupertinos Kommunikationsabteilung. Nachdem in den letzten Tagen die wildesten Spekulationen über die Herkunft gewisser Dateien mit Informationen über Standorte publik wurden, sah man sich heute aber doch zu einer Stellungnahme gezwungen: Das iPhone speichere selbst keine Daten der Benutzerbewegungen. Sondern das iPhone lade Daten aus dem Netz herunter, Daten aus einer Datenbank, die die Lokalisierung des Telefons über Triangulation und Drahtlosnetzwerke in der Nähe erlaube. Da die Datenbank insgesamt riesig wäre, würden nur solche Daten heruntergeladen, die auch benötigt würden – also entsprechend der Standorte, an denen sich der Nutzer aufhält.


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Was also laut Apple nicht stattfindet, ist, dass das Telefon als „Spionagewerkzeug“ mit eigenem Speicher fungiert. Es trackt nicht seinen eigenen Standort, so die Aussage. Was es aber macht: live melden die iPhones sehr wohl die Umgebungsdaten über Drahtlosnetzwerke und Funkzellmasten an die Zentrale. Und es trackt in seiner unverschlüsselten, heruntergeladenen Datenbankdatei indirekt mit, wo man sich aufhält – denn die Nutzungsspur ist quasi identisch mit einem Aufenthaltsprofil. Die Verschlüsselung will Apple mit dem nächsten Update nachrüsten. Das Bild passt gut zu den Nachforschungen, die heise online angestellt hat. Also alles halb so wild?

Man hat auf seinem iPhone jetzt eine mit geringem Aufwand anzusehende Datei, die zwar nicht zuverlässig sagt wann man wo war. Aber dass man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendwo war. Warum die Datei nicht einfach regelmäßig gelöscht wird (wer braucht schon die Wifi-Standortdaten seines letzten Urlaubsortes?) hat Apple trotzdem nicht gut erklärt.

Am vorläufigen Ende der Diskussion hat Steve Jobs Firma vor allem eines gezeigt: sie haben sich zu wenig Gedanken gemacht und wieder einmal miserabel kommuniziert. Vielleicht war es ja ein Weckruf. Es wäre uns allen zu wünschen.

19 Kommentare
      1. Ja, daher der Smiley. Was micht nervt, ist das Leute Apple ständig verzeihen, obwohl sie eine Menge für die Hardware zahlen. Hier ist es nicht wie bei Google oder Facebook, die von den massenhaft erhobenen Daten leben. Apple rühmt sich doch meist damit, eben dies nicht zu tun. Tut es dann aber meist doch. Natürlich nur im Interesse der Kunde für einen besseren iAd Service …

  1. Der Artikel wurde wohl etwas zu hastig geschrieben. Wo steht denn, dass die Daten live an Apple gesendet werden? Apple schreibt, dass es ein Bug ist, dass die Datei nicht ständig gelöscht wird.

    Generell merkt man, dass da etwas überhastet Informationen durcheinander gebracht wurden.

    1. Frage 3 – These calculations are performed live on the iPhone using a crowd-sourced database of Wi-Fi hotspot and cell tower data that is generated by tens of millions of iPhones sending the geo-tagged locations of nearby Wi-Fi hotspots and cell towers in an anonymous and encrypted form to Apple.

      Frage 5 – This data is sent to Apple in an anonymous and encrypted form.

  2. Wie wäre es mal mit ein paar drastischeren Forderungen? Statt immer nur auf Warnschüsse zu hoffen? Z. B. keine Opt-Outs mehr? Kein lächerlich machen von Leuten, die nicht mitmachen wollen, aber gerne eine Smartphone hätten, etc. Aigner könnte mal die Apple AGBs für ungültig erklären und Schadensersatz für die Kunden fordern, etc. pp.

    So etwas ist möglich, man muss nichts allen Quatschen mit seinen privaten Daten doppelt bezahlen, gerade bei Apple nicht, wo man eh schon eine Menge mehr zahlt.

  3. «8. What other location data is Apple collecting from the iPhone besides crowd-sourced Wi-Fi hotspot and cell tower data?

    Apple is now collecting anonymous traffic data to build a crowd-sourced traffic database with the goal of providing iPhone users an improved traffic service in the next couple of years. »

    Das klingt für mich nach Vorbereitung zur Aufgabe der Netzneutralität und zur entgenltabhängigen Priorisierung von Übertragungen …

      1. Ja, die gesammelten Daten werden dem User nachher wieder als Feature verkauft (Stau-App, etc.).

        Wenn das freiwillig abläuft (OpenData) eine nette Sache, so ist es hinterhältig. Nur weil man die Möglichkeit hat viel zu machen, weil eine Menge Leute mit einem Smartphone rumrennen, sollte man es nicht gleich machen.

        Man sollte die Leute vorher informieren, deren Zustimmung einholen und die Daten für alle (auch nicht Apple Nutzer) heraus geben. Dann haben da auch mehr Leute was von. Hier traue ich Google mit Android trotz aller Schnüffelei mehr zu.

  4. Vielleicht war es ja ein Weckruf. Es wäre uns allen zu wünschen.

    Uns allen? Es wäre den Verblendeten zu wünschen, die trotzdem weiterhin treu zu Apple stehen werden. Allen anderen dürfte es am A**** vorbei gehen, ob die Damen und Herren bei Apple einen Weckruf vernommen haben.

  5. Gäähn, krieg immer so nen fiesen gähner wenn ich 5 Meldungen zu dieser Locationgate blendgranate sehen muss. Tuts da nicht eine Meldung a la „Smartphones speichern geodaten“ ? Nee, wär ja kein bildniveau wenn nicht alle drüber reden würden und so.. Leute dass is
    a) nix neues, wirklich ne garnicht neu und so wirklich 2005
    b) „Telefon als „Spionagewerkzeug“ mit eigenem Speicher fungiert“ No shit sherlock!!
    Ja ich finds auch schlecht das apple/google/rim/cia/echelon/theactivity mitliest, mithört und weiß wo ich bin. Is aber realität und wie sich die meldungen hier an der typischen generischen empörung abarbeiten statt den gesamtkontext (smartphone=outgesourcte vollüberwachung) zu beleuchten naja, vielleicht einfach ne Pflichtübung ;)

  6. Fulminantes Marketing und miserable Kommunikation. Erst mal gar nichts sagen und zugucken, bis sich das Thema so weit aufgeschaukelt hat, dass man es nicht mehr ignorieren kann. Dann einen möglichst knappen Kommentar abgeben.
    Ein klassischer Ablauf, nur sollte man nicht meinen, dass von Apple die Rede ist.
    Ich bin selbst umzingelt von Apple-Produkten und lasse mich eigentlich ganz gerne umgarnen. Aber es ärgert mich, wenn Kundeninteressen keinen Platz in der Kommunikation finden, wenn sie nicht ins Drehbuch des fröhlichen Marketingmusicals passen.

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