Generell

Anonymous und die real-life-DDoS

Gestern fand nach einiger Zeit mal wieder eine Freiluft-Aktion von Anonymous statt – und zwar in der U-Bahn San Franciscos. Obwohl nur sehr wenige Personen an der real-life-DDoS-Blockade der fahrenden Bahnen beteiligt waren, war das Medieninteresse enorm: Es waren mehr Pressevertreter als Demonstranten dort. Trotzdem konnte der U-Bahn-Verkehr empfindlich gestört werden. Man sieht: Auch mit wenigen Personen kann man erfolgreich protestieren.

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Ich finde die Aktion vor allem deshalb interessant, weil Anonymous und vor allem die Masken ja durchaus auch eine Real-Life-Protestgeschichte, die mehr als nur DDos umfasst haben: Die Scientology-Proteste (hier zum Beispiel in Berlin). Zu Entstehen und Entwicklung von Anonymous gibt es übrigens heute eine schöne Folge von Democracy Now! mit Anonymous-Forscherin Biella Coleman.

Was aber war eigentlich in der Hintergrund der Operation BART?

Anfang Juli wurde eine randalierende Person von Sicherheitskräften des Bay Area Rapid Transit erschossen. Das handelte den Betreibern einige Proteste ein, die sie, so viel hat ihnen die zeitgenössische Geschichte wohl gelehrt, durch Abschlaten des Mobilfunknetzes erschweren wollten. Begründung: Man muss ja schließlich den Betrieb aufrecht erhalten, und außerdem verliere man im Bereich der U-Bahn mit dem Durchschreiten ohnehin sein Recht auf freie Meinungsäußerung. Spätestens mit solchen Sprüchen hat man natürlich schnell mal ein Problem mit Anonymous.

So fand sich bald dieser folgende Aufruf, der überhaupt nicht so unkoordiniert und unüberlegt ist, wie es Anonymous manchmal unterstellt wird. Neben der U-Bahn-Blockade wurde dazu aufgerufen, die Mobilfunkabschaltung bei der Netzagentur FCC anzuzeigen, die den Vorfall nun auch prüft. Natürlich fielen auch wieder mal ein paar Dateien aus einem Server, dieses Mal BART-Kundendaten. Wie sagt man so schön? „Die volle Breite des Protests“

Die Debatten um die Legitimität der Proteste und ihr analoges Pendant sind damit auf jeden Fall um ein anschauliches Beispiel reicher.

Übrigens wurde gerade bei Wired ein Interview mit Linton Johnson veröffentlicht, dessen Idee die Abschaltung war.

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13 Kommentare
  1. 30 Leute.
    We Are Legion.

    Wunderschöne Geschichte die jeder auf genau seine Art interpretieren kann. Aber mach doch bitte „real-life-DDoS-Blockade“ weg, das wirkt so extrem bemüht.

  2. Der vermeintliche Erfolg solcher Aktionen liegt nicht im hervorragendem Konzept oder intelligenten Botschaft, sondern im Wohlwollen der Medien. Es wäre ein Leichtes diese Aktion mit Antifa (in den USA natürlich etwas entsprechendem) zu stören. Die Medien waren anscheinend bestens informiert.

  3. Hallo,
    ist es Absicht, dass „von Sicherheitskräften des Bay Area Rapid Transit erschossen“ und „verliere man im Bereich der U-Bahn mit dem Durchschreiten ohnehin sein Recht auf freie Meinungsäußerung“ den gleichen Link beinhalten? Ich kann in dem verwiesenen Artikel zumindest nicht direkt etwas über Meinungsäußerung entdecken ;)

  4. Ich finde es interessant, wie (hier) die Berichte über die Protestaktionen in San Francisco aufgebauscht werden. Ich war gerade für eine Woche dort und es war davon nichts zu sehen. Weder bei Zeitungen noch bei Einheimischen war das ein wirkliches Thema. Die Medien machen da eindeutig mehr draus als los ist.

    Zum eigentlichen Vorfall: Wer in den USA vor Polizisten eine Waffe zieht, egal welcher Art und egal wie betrunken, der muss damit rechnen, dass auf ihn geschossen wird. Das dies in Europa nicht passiert, liegt zum großen Teil sicherlich daran, dass hier Schusswaffen nicht so leicht und überall verfügbar sind. Dort sind Sicherheitskräfte einer ganz anderen Gefährdung ausgesetzt.

  5. „Auch mit wenigen Leuten kann man erfolgreich protestieren“. Das mag ja richtig sein, und zu Ende gedacht kann man mit einer DDoS-Attacke auch allein „erfolgreich“ protestieren. Ich frage mich nur, was das noch mit dem Grundrecht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu tun hat.

    Wenn jede noch so kleine Partikularinteressenvertretung die Wichtigkeit ihrer Meinung durch Sabotage der öffentlichen Infrastruktur unterstreicht, glaube ich nicht, dass wir am Ende eine bessere Welt haben werden.

  6. Nennt mich Korinthenkacker, aber: was hat der verlinkte Text „verliere man im Bereich der U-Bahn mit dem Durchschreiten ohnehin sein Recht auf freie Meinungsäußerung.“ mit dem darunter verlinkten Artikel zu tun?!

    Der Link (zur Sicherheit, so wie ich ihn jetzt sehe: http://www.sfexaminer.com/local/2011/07/bart-police-shoot-kill-man-platform-civic-center-station ) führt zu einer Tatsachenbeschreibung, die ich als relativ neutral einschätze und daher in keine Ecke stelle. Aber was zum Geier hat das mit dem reißerischen „ohnehin kein Recht auf freie Meinungsäußerung“, als das es verlinkt wurde, zu tun?

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass es für sämtliche Meinungen — und seien sie noch so seltsam, in die eine oder andere Richtung — Quellen gibt. Aber bitte, wenn ein Link schon derart tendenziös „untertitelt“ wird, sollte der/das Target es auch hergeben.

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