Kultur

Al Jazeera veröffentlicht Palästina-Papiere

Al Jazeera hat heute Abend mit der Veröffentlichung der „Palestine Papers“ begonnen. Dazu gehören wohl 275 Protokolle, 690 interne Emails, 153 Berichte und Studien über die israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen aus den Jahren 1999-2010. Insgesamt über 1600 Papiere sollen in den kommenden drei Tagen veröffentlicht werden. Al Jazeera verspricht einen beispiellosen Einblick in die Nahost-Verhandlungen:

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The material is voluminous and detailed; it provides an unprecedented look inside the continuing negotiations involving high-level American, Israeli, and Palestinian Authority officials. Al Jazeera will release the documents between January 23-26th, 2011. They will reveal new details about:

* the Palestinian Authority’s willingness to concede illegal Israeli settlements in East Jerusalem, and to be “creative” about the status of the Haram al-Sharif/Temple Mount;
* the compromises the Palestinian Authority was prepared to make on refugees and the right of return;
* details of the PA’s security cooperation with Israel;
* and private exchanges between Palestinian and American negotiators in late 2009, when the Goldstone Report was being discussed at the United Nations.

Al Jazeera möchte keine Details nennen, woher die Quellen stammen. Man erfährt nur, dass sie anscheinend von palästinensischer Seite geleakt wurden. Das spricht dafür, dass dieses Leak nichts mit Wikileaks zu tun hat.

Al Jazeera hat nach Erhalt der Papiere eine Partnerschaft mit dem britischen Guardian gestartet, der ebenfalls die Papiere auf einer Extraseite auswertet. Hier ist ein erster Überblickartikel über die Erkenntnise aus der Auswertung: Secret papers reveal slow death of Middle East peace process.

Das kündigt der Guardian für die kommenden Tage an:

• The scale of confidential concessions offered by Palestinian negotiators, including on the highly sensitive issue of the right of return of Palestinian refugees.
• How Israeli leaders privately asked for some Arab citizens to be transferred to a new Palestinian state.
• The intimate level of covert co-operation between Israeli security forces and the Palestinian Authority.
• The central role of British intelligence in drawing up a secret plan to crush Hamas in the Palestinian territories.
• How Palestinian Authority (PA) leaders were privately tipped off about Israel’s 2008-9 war in Gaza.

Spannend.

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11 Kommentare
  1. Das ist wirklich ein Leak, das was Wikileaks momentan raushaut ist dagegen ein Witz.

    Ich bin unglaublich gespannt und kann es kaum erwarten. Das hat Sprengstoff und auch der Leak selber wird noch für Streit sorgen, da ja Interna raus gingen, wird Israel die Palästinenser dafür verantwortlich machen….

    Bis dann

  2. „the Palestinian Authority’s willingness to concede“; „the compromises the Palestinian Authority was prepared to make“; „The scale of confidential concessions offered by Palestinian negotiators“

    Das klingt ganz so, als ob ein feuchter Traum der Hamas wahr würde. Herzlichen Glückwunsch, Friedensprozeß. War schön, dich gekannt zu haben.

  3. Ich warte dann mal auf TV-Kommentatoren, die Al Jazeera und Guardian Unverantwortlichkeit, Geldmacherei und die Gefährdung von Menschenleben vorwerfen während sie gleichzeitig behaupten, es handele sich ja nur um Klatsch und Tratsch.

    Oh Moment, Wikileaks war nicht beteiligt? Dann ist es beispielhafter Investigativjournalismus und Pressefreiheit ist enorm wichtig und alles!

  4. Al Dschasira ist so subjektiv wie der Spiegel, informativ wie die Bild, und so journalistisch wertvoll, wie ein Haufen arabischer laienhafter Journalistchen sein kann. Eine von Religion und beschränkte Weltanschauung geprägte Mentalität und „investigativer Journalismus“, Leutz wohin mit euch?! Wieso denkt Ihr berichten die nicht ueber EU-Dioxinregelungen oder afrikanische Diktatoren? Der Haufen klopft einfach das Thema Glauben, Religion, etc. in die Breite bis die da unten vor Staub nichts mehr richtig sehen können.

    by (stamme aus dem Nahen Osten/asien, und lerne jeden Tag mehr die demokratische Bundesrepublik schätzen, danke Fortschritt, danke der denkenden Gesellschaft)

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