Wissen

Österreich: Filmindustrie will nicht mit Peter Sunde diskutieren

In Wien veranstalten die Grünen am 19.8. ein „Sommergespräch Kunst im digitalen Zeitalter“. Dazu hat man verschiedene Diskutanten eingeladen, darunter Dr. Werner Müller, Geschäftsführer vom Fachverband der Film- und Musikindistrie. Und als letzter Diskutant sagte dann Peter Sunde von Flattr zu, der in einem früheren Leben The Pirate Bay mit aufgebaut hat. Das findet aber wiederum Werner Müller inakzeptabel und er hat in einer lesenswerten Begründung per Mail ausführlich argumentiert, warum er sich weigert, mit Peter Sunde zu diskutieren. Hier sind nur ein paar Auszüge, die komplette Mail findet sich hinter dem Link:

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Sehr wohl habe ich ein Problem, dass die Grünen einen strafrechtlich verurteilten Mitbegründer eines Portals zu einer Diskussion einladen – Menschen also, die sich mithilfe dieses Portals professionell und gewerbsmäßig am kreativen Schaffen der Urheber unrechtmäßig bereichert haben und sich – wie man den Aussagen seither entnimmt – trotz Urteils zu diesem Tun weiterhin bekennen. Um es in der Sprache der Fabel zu sagen : der Bauer diskutiert mit dem Fuchs nicht über die Sinnhaftigkeit von Hühnerställen.[…]

Sollten Sie Flatrate-Modelle diskutieren wollen, (was im Übrigen mit dem Thema oben aber nur am Rande zu tun hat, weil Flatrate Modelle grundsätzlich ja auch im geltenden Urheberrecht unter bestimmten Umständen möglich wären), bin ich dazu gerne bereit und das auch gerne in einen kontroversiellen Rahmen und mit kontroversiellen Diskutanten das, wofür Herr Sunde steht, halte ich für kein Kavaliersdelikt und lehne daher eine Diskussion mit ihm ab.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
19 Kommentare
  1. Ich frage mich ja, ob Dr. Müller nicht eine freudsche Metapher rausgerutscht ist, und ob sich Verleger und Produzenten nicht tatsächlich gegenüber den Kreativen fühlen wie Bauern gegenüber ihrem Huhn. Zwar profitieren die Bauern schon vom Huhn und möchten sein Überleben. Aber welcher Bauer würde mit sich reden lassen, wenn das Huhn plötzlich auf Rechten besteht oder gar das Ei nicht komplett abtreten will.

    1. Soweit ich mich erinnere, ist das Urteil nicht rechtskräftig. Dafür spricht auch, dass Peter Sunde ohne Probleme derzeit zwischen Schweden und anderen Ländern pendelt. Wenn er rechtskräftig verurteilt wäre, müsste er gerade für ein Jahr im gefägnis sitzen.

  2. Wenn man sich anschaut, was (nicht nur) bei uns so alles rechtskräftig verurteilt in Regierung, Wirtschaft und Hochfinanz sitzt, dann sollte man seine Empörung ein wenig im Zaum halten.
    Im Gegensatz zu den durchaus umstrittenen Urteilen zu so genannten Urheberechtsverletzungen wird unsere „Elite“ wirklich nur dann strafrechtlich gemaßregelt wenn Sie wirklich bis zum Ellbogen in der Kasse erwischt wird.

  3. Warum laden die dann nicht einfach den Müller wieder aus und nehmen lieber Sunde? Würde mehr Quote und mehr Substanz bringen als diese Ich-will-nichts-abgeben-Phrasen, bei denen man nur noch wegzappt.

  4. Ist zwar Österreich, aber wieder einmal ziehen beim Lesen dieser Meldung folgende Gedanke durch meinen Kopf:

    Sollte sich Flattr in Zukunft als vielversprechendes Geschäftsmodell herausstellen und sollten dies die üblichen Lobbyverbände mitbekommen, ist es dann nur eine Frage der Zeit, bis Flattr in den Schmutz gezogen wird, weil es ja „ein Geschäftsmodell von Kriminellen“ ist?

  5. Möchte gerne wissen inwieweit Pirate-Bay eine Bereicherung im monetären Sinne für die Betreiber gewesen sein soll!?

    Mal abgesehen davon, dass die Diskussion nicht über Torrent Dienste gehen soll und Herr Sunde mittlerweile für ein anderes Projekt steht.

    Die Ablehnende Haltung von Herrn Müller lässt mich vermuten das es weniger um die noch nicht rechtskräftige Verurteilung geht, als vielmehr darum, dass Flattr eine potentielle Bedrohung für althergebrachte Geschäftsmodelle darstellt, die Herr Müller ja vertritt. Wenn er nicht so scheinheilig wäre, hätte er das als Begründung genannt.

  6. Er demonstriert damit schön den Unflexibilität und Engstirnigkeit seiner Industrie, dank der sie wohl im digitalen Zeitalter nicht lange bestand haben wird.

    Tja, dann soll er halt nicht kommen. Wenn er bei dem Gespräch nur die selbe Sichtweise und sein „kein-Kavaliersdelikt“-Geschwurbel präsentieren will, ist es ohnehin besser so. Solche Gespräche sind die Einzelschritte zur Gestaltung eines zeitgemäßen Urheberrechts, bremsende und längst nicht mehr relevante Altlasten wird da niemand vermissen.

  7. Vielleicht sollte man künftig bei Anhörungen zu Gesetzesvorhaben für diesen Bereich den Sunde zusammen mit den ganzen CI-Leuten einladen. Die sagen dann alle ab, sodass am Ende niemand übrig bleibt, der die CI-Positionen vertritt. Das wär doch was….. :)

  8. Findet die Veranstaltung ohne Werner Müller, aber mit Peter Sunde statt, oder nicht? Weiß das jemand?

    Wäre das nicht ein Gewinn für das Niveau der Veranstaltung, wenn Peter Sunde anstatt Wener Müller teilnähme?

  9. Ausbeuter vs. Rückausbeuter = Altes Spiel. U.a. Kapitalisten vs. Kommunisten, wenn man will Manchester-FDP vs. SED-Fortsetzungspartei. Kapitalistische Ausbeuter vs. Linksausbeuter. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Alter Wein in neuen Schlächen. Materialistische Rationalisten allesamt, unkreativ, raubbauend Abschöpfende, wie schön eine Welt ohne dieses Dauerpestübel, verantwortlich für alle neueren, neuesten, modernistischen, aber auch alten Weltübel und Schrecken, also die ausgehende Gedankenlage, Haltung, die anschließende Handlungen und Ergebnisse ermöglicht oder legitimiert. Meine Verachtung könnte nicht größer sein, wenn auch mit leichter Linksfreundlichkeit: Widerlich, sowohl, als auch.

  10. Was wäre wohl geschehen, wenn die Müllers der FM-Industrie (Film und Musik) vor Jahren mal auf die Sundes dieser Welt zugegangen und mit denen über neue Ideen oder Ansätze gesprochen hätten, oder wenigstens deren Konzepte gleich übernommen hätten. Ich glaube die Medienwelt sähe dann heute etwas anders aus.

  11. @ markus
    nope – man gilt in Schweden erst nach den Berufungen (sprich abgeschlossenem Prozess) als strafrechtlich verurteilt. Man könnte dem Hrn Müller also getrost Verleumndung vorwerfen, wie bereits in Marco Schreuders* Kommentarteil getan…
    Einen ernsthafteren Dialog will Müller ohnehin nicht, wenn man sich seine 4 Punkte ansieht: Unterstellungen, fehlende Quellen, Denkfehler.

    @ Thomas
    Gerade deswegen finde ich seine Bauer, Henne, Fuchs-Metapher so nett. Nach dieser stellt er sich eh selbst als den ausbeuterischen Bauern dar, der die Künsteler (=Hennen) gefangen hält & deren Produkte abzweigt.

    *) http://www.marco-schreuder.at/2010/08/warum-sich-der-fachverband-der-film-und.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.