Öffentlichkeit

Internetfilter und Sendezeiten: Phantasien zum Safer Internet Day

Anlässlich des heutigen Safer Internet Days hat Kai Biermann für Zeit Online ein Twitter-Interview mit den Machern von Insafe geführt, die den Tag organisieren. Die Antworten sind ebenso erschreckend wie lächerlich. Nur einige Ausschnitte:

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Der Einsatz von providerseitigen Filtern und Sperrungen kann ein wirksames Instrument des Jugendschutzes sein.

Zudem sind Sendezeitbegrenzungen ab 20 Uhr in einem zeiteinheitlichen Europa sehr sinnvoll.

Sperrungen können nicht umgangen werden, wie das Beispiel China zeigt.

Dazu kommt die Forderung nach Deep Packet Inspection, die „wesentlich wirkungsvoller“ als die DNS-Sperren des „Zugangserschwerungsgesetzes“ sei. Da verwundert es auch nicht, wenn es dann heißt:

Wir können die Diskussionen um Sperrungen in Deutschland nicht nachvollziehen.

Update von Markus: Kann gut sein, dass Zeit-Online hier einem Fake aufgesessen ist. Der Twitter-Account @sid_2010 existiert nicht mehr.

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28 Kommentare
  1. Na dann wirds bald eine neue Software-Kategorie geben: den Web-Recorder mit zeitversetzem Aufnehmen ihrer Lieblingseiten.

    Aus der Beschreibung: Der Web-Recorder lässt sich einfach programmieren auch nach 20.00 Uhr komplette Webseiten zu speichern. Am nächsten Tag können Sie sich dann in Ruhe die heruntergeladenen Webseiten ansehen. Nur 1,99 € im AppStore

    Greetz,
    GHad

  2. Ein Twitter-Interview ist extrem peinlich für eine Zeitung wie die Zeit. Deren Journalisten sollten durchaus in der Lage sein, einfach mal bei den Veranstaltern anzurufen. So viel Geld für Telefongebühren sollten auch unsere geplagten Verleger noch haben.

    1. Ich schimpfe ja nur ungern über die Zeit, aber hier zeigt sich mal wieder sehr schön fehlgeleiteter Aktionismus der Kategorie „Medienkompetenz“ ;-)

    2. Ich weiß gar nicht, warum hier auf Die Zeit geschimpft wird. Ein Twitter-Interview ist doch ziemlich clever, verglichen mit dem einem Telefonat. Endlich können Interviewpartner nicht mehr herumschwadronieren, sondern müssen in 140 Zeichen auf den Punkt kommen.

      Wäre das Interview anders entstanden, hätten wir sicher nicht so knackige Antworten bekommen. Jetzt wissen wir wenigstens, woran wir sind. Und was für ein kranker Haufen diese Initiative ist.

  3. „Zudem sind Sendezeitbegrenzungen ab 20 Uhr in einem zeiteinheitlichen Europa sehr sinnvoll.“

    Huh?

    Habe ich da jetzt was verpasst und GMT ist abgeschafft und ich muss meine Uhr auf CET vorstellen?

    Und die Griechen muessen Ihre Uhren von EET auf CET zurueckdrehen?

    Da sind mindestens zwei Stunden Unterschied in der EU…

  4. Wow! Ich habe das zuerst für einen Scherz gehalten:

    * Filtern und Sperrungen kann ein wirksames Instrument […] sein
    * Über Erfahrung im digitalen Jugendschutz verfügen […] die Polizei
    * Sperrungen können nicht umgangen werden, wie das Beispiel China zeigt
    * große Fortschritte mit Sperrungen […] Deutschland verhält sich hier technikfeindlich
    * Deep Packet Inspection ist wesentlich wirkungsvoller

    Kein Demokrat würde so reden. Aber offenbar ist das _kein_ Scherz. Da hat wirklich jemand ganz feute Kontroll- und Überwachungsfantasien. Ekelhaft!

    @geheim (#2)

    Wenn dabei solch klare Absichten zum Vorschein kommen, hat das Interview doch seinen Zweck mit Bravour erfüllt.

  5. …und bei der Safer Internetday Konferenz „Sicherheit und Datenschutz im Netz – Wer trägt welche Verantwortung?“ freute sich Gerd Billen vom VZBZ über De-Mail, E-Perso und die elektronische Gesundheitskarte…

  6. Das ist doch Satire. Muss es sein. Anders lassen sich so dämliche Ansichten nicht erklären. „Sendezeitbegrenzungen ab 20 Uhr“? „Internetsperren in China funktionieren“? Da erlaubt sich jemand einen Scherz.

  7. “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.” – W. Ulbricht 15. Juni 1961

    https://die-guten-partei.de/index.php/seite/Pressemitteilung_09.02.2010_%E2%80%9EWer_aus_der_Geschichte_nicht_lernt%E2%80%9C_-_Zur_Novelle_des_Jugendmedienschutz-Staatsvertrags_(JMStV)_

    „Die aktuelle Vorlage zu Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV)ist eine in keinster Weise zu Ende gedachte Einführung der Zensur unter vorgeblich edlen Motiven, diesmal mit Jugendlichen statt Opfern von Kinderpornographie, setzt wiederholt auf Restriktionen statt Aufklärung, korrumpiert geltendes Recht und zementiert die Ära der Grundrechtsbeschneidungen, während das Thema Zensur komplett totgeschwiegen wird und man mittels vorgetäuschter Argumente immer wieder davon abzulenken versucht.“

  8. << Wir können die Diskussionen um Sperrungen in Deutschland nicht nachvollziehen.

    Ich glaube, Dieter Nuhr hat sich zu dem Thema mal geäußert…

  9. @K99

    fehlgeleiteter Aktionismus? Warum? Interviews via Twitter haben Tücken und grobe Nachteile, aber einen entscheidenden Vorteil: Sie sind transparent.

    Wie sie an den Tweets sehen können, hat Insafe uns das Interview angeboten

    http://twitter.com/SID_2010/statuses/8818801662

    …und es dann von sich aus beendet, als ihnen die Fragen nicht mehr gefielen.

    http://twitter.com/SID_2010/statuses/8851298333

    Ich finde das interessant. Sie nicht?

  10. gab es da nicht zufällig ein zeit-plagiat von attac? wurde denn die identität, bzw die glaubwürdigkeit des interviepartners überprüft??
    sofern das bei einem twitterintervies überhuaupt möglich ist?
    wenn das kein hoax war ist das ende der demokratie wohl näher als ich dachte…

  11. Ich bezahle die GEZ-Gebühren für meine Internetbenutzung dafür, dass die einen Tag veranstalten, an dem sie den Politikern sagen, dass ich demnächst nur noch ab 22.00 Killerspiele spielen darf ?

    Wie heisst nochmal das Land, dass Leute hinrichtet und dann die Kugel den Angehörigen in Rechnung stellt ? ;)

    Ps.: Ich finde das nicht interessant, dass sie das Interview abgebrochen haben.. die Fragen waren halt zu einseitig und zu kritisch. Sie haben sich halt was anderes ausgedacht.

  12. Ein Dank an die Zeit für dieses Interview. Auch die Methode finde ich nicht sooo schlecht – jetzt kann sich der Interviewpartner nicht mehr heraus reden, daß er FÜR Zensur ist und anscheinend liebend gerne in China leben würde, wo das ja sooo toll funktioniert.
    Es muss nun massivst eine demokratischer Gegenpol entstehen, denn ICH will NICHT in China, Iran, oder der DDR wohnen!

  13. Leute, Leute, Leute!

    Lest euch mal das Update am Ende des Artikels durch, und den Kommentar von Kai Biermann auf Kommentarseite 3. Möglicherweise ist dieses ganze „Interview“ ein Fake.

    Aussagen wie „Sperrungen können nicht umgangen werden, wie das Beispiel China zeigt.“ sind doch auch dermaßen taktisch unklug — nur ein äußerst dummer Sperrbefürworter würde sowas sagen.

  14. Ich hatte gestern auch schon einen Fake vermutet. Das war doch alles sehr plump. Auf den Insafe-Webseiten jedenfalls habe ich keine Hinweise auf einen Twitteraccount gefunden und die Webadresse, die im Twitterprofil genannt wurde, verwies auf eine Webseite, die nur mit Login zugänglich war. Die Domain wurde erst vor 2 Wochen registriert. Ich habe leider vergessen, wie die hieß.

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