Datenschutz

Google-Chef findet Anonymität nicht gut

Das ist ja vollkommen überraschend: Der Google-Chef Erich Schmidt findet Anonymität nicht so gut: Google-CEO Schmidt: Mangelnde Reife für die „technologische Revolution“.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Laut Schmidt ist die Gesellschaft wegen der weitgehenden Anonymität im Internet derzeit nicht in der Lage, mit diesen benutzergetriebenen Entwicklung umzugehen. Seiner Meinung nach lässt sich der Missbrauch der technischen Möglichkeiten nur mit wesentlich mehr Transparenz und einem vollständigen Verzicht auf Anonymität verhindern. Die Nutzer müssten für ihre Aktivitäten im Netz auch verantwortlich gemacht werden können. In einer Welt asynchroner Bedrohungen sei es zu gefährlich, dass es keinen Weg gibt, Benutzer zu identifizieren, sagte Schmidt und forderte als Lösung eine Art DNS für Menschen.

Sicherlich ist es zur Einordnung des Zitates vollkommen unrelevant, wenn man bemerkt, dass Google mehr Geld mit ihren Werbemodellen verdienen würde, wenn es keine Anonymität mehr gibt. Kritische Menschen in politischen Systemen, wo Menschenrechte nicht respektiert werden, finden die Idee wahrscheinlich auch super.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
22 Kommentare
  1. vollständigen Verzicht auf Anonymität

    Widerlich!

    Wir leben in keiner Welt, in der alles toleriert wird, jede menschliche Schwäche, jedes schmutzige Geheimnis. In einer nicht perfekten Welt bleibt Anonymität unumgänglich. Perfekt werden Menschen nie sein. Deswegen wird Anonymität bis ans Ende aller Tage absolut nötig sein.

    Aber vielleicht will er auch nur für die breite Masse Anonymität aufheben. Ich möchte den Teil der Eliten sehen, der bereit ist, jedes schmutzige Geheimnis offenzulegen.

  2. Was ist denn das fuer’n Hoerensagen-Artikel, aus dem das stammt? Man sollte aufpasssen, nicht zuviel zu geben auf ein indirektes Zitat, das aus wer-weiss-wievielter Hand wiedergegeben und ner anderen Sprache uebersetzt ist.

    Tendenziell scheint das allerdings in eine zu undifferenzierte und mir sehr unsympatische Richtung zu gehen, was Herr Schmidt auch wirklich gesagt hat. (Und auch nicht zum ersten Mal.)

    Wer sich „don’t be evil“ vornimmt und schlau ist, der sollte kurz mal aufhorchen, wenn er sich selbst solche Statements abgeben hoert. Slippery slope und so…

  3. „Erich“, wie passend :-)

    Wie durchschaubar sein Anliegen ist, muss man eigentlich niemandem erklären. Trotzdem wird sich das CDU-Gesocks im eingeschlagenen Kurs bestärkt sehen…

  4. „asynchrone Bedrohung“ ist gar nicht so unzutreffend, die „Bedrohung“, die von anonymen Internetnutzern ausgeht ist winzig klein bis gleich null, die von Konzernen und Staaten ausgehende riesengroß.

  5. Google zeigt langsam sein wahres Gesicht.

    Netzneutralität ist denen genau wie die Anonymität und der Datenschutz ein großer Dorn im Auge. Werbung kann man eben besser ohne diesen drei unnötigen Regularien/Umständen an den Mann und die Frau bringen.

    DON’T BE EVIL!

    Oder doch besser:

    DON’T BE NAIVE!

  6. Mit dem Geschäftsmodel hat das nicht unbedingt was zu tun. Werbung allgemein basiert auf Statistiken. Und personalisiseren kann man die auch ohne den Nutzer genau zu kennen (Kennen im Sinne von Name, wohnort, alter etc.). Da reichen die infos die der brwoser sendet bzw die man im cookie hat. Und ja, ich fühle mich auch it cookies anynom; dennmein Name steht da nicht drinn. ;)

    Die wirkliche anonymität im netz hat neben den ganzen politisch wichtigen aspekten aber auch einige Kehrseiten die niemand leugnen kann. E-mail Spam, Forentrolle, Betrüger… Das reicht von nervig bis gefährlich. Die gefährlichen kriegt man schon irgendwie, da sich dann auch polizei und konsorten einschalten.

    Aber versuch mal den Typen zu kriegen der dir jeden zweiten Tag bullshit in dein Gästebuch schreibt. Solange das nicht strafrechtlich relevant ist wird man als normaler Serverbetreiber da nie mehr als ne IP haben die man selbst niemandem zuordnen kann.

    Und insofern ist da schon was drann.

    1. @Fieser Admin: Schlimm genug, dass jeder überall seine IP hinterlässt. Zum Vergleich: Wenn jemand dir im realen Leben jeden zweiten Tag Dreck in deinen Briefkasten wirft, hast du garnichts.

  7. @Ein Mensch
    Das ist aber ein ziemlich schwaches Argument. Spätestens nach dem zweiten Mal stellt man dann eine Kamera in einer sicheren Umgebung auf, weist mit einem schönen Schild darauf hin und dann ergibt sich der Rest von selbst.

    So ganz neu ist die Überlegung nebenbei nicht. Das hat schon der werte Herr Schily anno 2000 gefordert. Aber die meisten, die auf CDU/CSU verbal einprügeln, sind wohl noch zu jung, um sich an den Herrn zu erinnern. (Reisepässe mit biometrischen Merkmalen, die ‚Otto-Kataloge‘ gehen auch noch auf sein Konto [Wikipedia sollte da weiterhelfen])

    Solange die Lobbyisten soviel Druck ausüben können,
    1. wird es irgendwann mit der Anonymität und dem Datenschutz – der sich allmählich immer mehr zum Totschlagargument entwickelt – vorbei sein,
    und 2. würde selbst die allseits beliebte (höhö) Piratenpartei einknicken, wie sie es derzeit eh schon von alleine macht.

    1. @U: Danke, dass du so lieb in meine Falle getappt bist. Erstens tut man das mit der Kamera als Normalmensch in der Regel nicht, da das viel zu aufwendig und teuer ist. Digital macht man es, weil man kann.

      Im realen Leben macht man klassisch eben keinen Generalverdacht (überall präventiv Kameras hinstellen), sondern bleibt anlassbezogen und auf wirklich schwere Fälle beschränkt. Der hohe Aufwand wirkt da als Regulativ. Entsprechend: Keine Vorratsdatenspeicherung, sondern Quick Freeze. Im Falle des Gästebuches wäre dieses im Regelfall anonym, aber wenn wirklich mal jemand regelmässig und erheblichen Mist baut, dann fordert man die Speicherung der IP beim Provider ausnahmsweise mal an. Deshalb gab es beim Telefon die sogenannte „Fangschaltung“.

      Wieder zurück zu Eric Schmidt: Das Gegenteil ist also der Fall. Wir brauchen auch im Internet (bzw. im Web) grundsätzlich volkommene Anonymität, aber dann anlassbezogen, und abgestuft, eine Möglichkeit der Identifizierung, so wie sich das auch im realen Leben seit Jahrhunderten etabliert hat.

  8. … wieso muss ich bei »DNS für Menschen« auch an IPv6 denken? Jedem Menschen seine persönliche, ein Leben lang gleiche IP-Adresse. Der Adressraum wäre für so eine Idee tatsächlich groß genug. Nicht auszudenken, wenn die Politik auf so eine Idee käme.

  9. @ einMensch:

    Irgendwie verstehe ich dich nicht. Irgendwas an deiner Argumentation ist mir unheimlich.

    Entweder anonym oder nicht anonym. Entweder kann man identifizieren oder nicht.

    Und was bitte ist das reale Leben?

    1. @cervo: Sorry, wenn ich unheimlich argumentiere. ;-)

      Das „reale Leben“ soll ein Begriff sein, um zu unterscheiden zwischen Handlungen mit direkter physischer Interaktion zwischen einem Menschen und anderen Menschen oder Gegenständen, und Handlungen, die über Kommunikationsnetze vermittelt werden. Wenn ich Dreck in einen Hausbriefkasten werfe falle das unter „reales Leben“, wenn ich die Einlieferung von Spam in eine emailbox veranlasse nicht.

      Für das so definierte „reale Leben“ haben wir über Jahrhunderte eine Rechtstradition entwickelt, die Abwägungen vorgenommen hat. Die Erkenntnisse sind sicher nicht immer in die virtuelle Welt übertragbar, aber können oft daran erinnern, dass man nicht alles machen sollte, was technisch möglich ist.

      Oft zeigen Vergleiche der gut gemeinten Vorschläge für das „virtuelle Leben“ mit analogen Situationen des realen Lebens das krasse Missverhältnis bei der Abwägung, nur weil man virtuell vieles kann.

      Wenn ich im realen Leben durch die Stadt gehe, bin ich praktisch anonym. Das gilt auch für den Besuch im Supermarkt, aber prinzipiell auch wenn ich in die Bank gehe. Erst wenn ich bestimmte Transaktionen ausführen lassen will, muss ich mich legitimieren. Je nach den Umständen und dem Risiko reicht da die Kontonummer und übereinstimmende Unterschrift. Manchmal ist ein Ausweis erforderlich. Manchmal muss ich vorher zum Notar.

      In der Bank besteht in der Regel die Gefahr, dass ich nicht mehr ganz anonym bin, da dort eine Videoaufzeichnung gemacht wird. Dort wird aber, analog zur IP bei der Webseite, zwar mein Gesicht aufgezeichnet, aber es ist nicht automatisch ein Name dran. Die Umsetzung von Gesicht in Person ist relativ aufwendig. Genauso sollte also die Umsetzung von IP (wenn sie denn überhaupt gespeichert wird) und Person relativ aufwendig ausgestaltet sein.

      In der Regel wird man die Videoaufzeichnung in der Bank als verhältnismässig betrachten. Für die Videoaufzeichnung im Supermarkt, die leider auch immer mehr zunimmt, bin ich mir da nicht sicher. Die Frage ist, zu welchem Zweck da aufgezeichnet wird, und ob die Massnahme für diesen Zweck geeignet, erforderlich und angemessen ist.

      Ebenso muss man untersuchen, ob im Regelfall die Speicherung der IP bei einem Besuch einer Webseite verhältnismässig ist. Dort gibt es ein einschlägiges Urteil (gegen das Bundesministerium der Justiz!), dass sie das NICHT ist.

      Davon unbenommen sollte aber sein, dass man z.B. zur Verfolgung einer Straftat bei einem konkreten Verdacht eine solche Aufzeichnung, sei es eine Videoaufzeichnung oder ein Quick Freeze, anfertigen lassen kann. Durch richterlichen Beschluss kann dann ggf. die Anonymitat aufgehoben werden, ausnahmsweise und so eng wie möglich begrenzt.

      Das soll aber nicht heissen, dass man jede Webseite verpflichten sollte, im Zweifel IPs aufzuzeichnen, genauso wie man nicht jeden Laden verpflichten sollte, eine Kamera für den Fall der Fälle anzubringen.

      Ebenso sollte es möglich sein, dass jemand der unbedingt über das Web eine Transaktion, z.B. einen Vertragsabschluss, ausführen will, sich auf eine rechtliche Grundlage verlassen kann, unter welchen Umständen eine Identifikation als rechtsgültig gelten soll. Diese sollte dann möglichst ebenfalls pragmatisch abgewägt dem Risiko entsprechen, so wie heute eine Unterschrift, Unterschrift mit vorgezeigtem Ausweis, oder eine notariell beglaubigte Unterschrift usw. verschiedene abgestufte Grade von gefühlter und juristischer Sicherheit ermöglicht.

      So, das war jetzt ein Schnellschuss aus der Hüfte, wie ich mir die Welt vorstelle, mag nicht in allen Aspekten durchddacht sein, aber die Richtung zeigen, wie meiner Ansicht nach Anonymität und Identifizierbarkeit unter einen Hut gebracht werden könnten, und, nein, ich bin kein Jurist.

  10. Verzicht auf Anonymität bedeutet Verzicht auf Individualität. Wie man eine entindividualisierte Bevölkerung nutzen kann, wusste schon Adolf Hitler.

  11. @ein Mensch in der realen Welt bist du zwar anonym aber eben nicht unbeobachtet. Damit meine ich gar nicht irgendwelche Kameras oder Polizisten. Im Geschäft, auf der Strasse und eigentlich überall ausserhalb deiner eigenen 4 Wände besteht die Möglichkeit dass dich jemand sieht bei dem was du tust. Solange du nichts besonderes machst interessiert das 98% der Leute auch gar nicht.

    Aber eben in dem Moment wo du anfängst Dinge zu tun die man eigentlich nicht tun sollte ist die Warscheinlichkeit gross, dass dir jemand dabei zusieht. Das hilft dann entweder dich später ausfindig zu machen oder dich gleich vor Ort aufzuhalten, anzumeckern etc.

    Und so funktioniert der Erhalt der Ordnung von fast alleine. Bei allem was du tust wirst du dich höchstwarscheinlich verantworten müssen weil du es nicht tun kannst ohne, dass man es auf dich zurückführen kann. Irgendwer schaut vermutlich immer gerade zu.

    Und so was gibt es bei Delikten die von zu hause aus über das Netz begangen werden quasi gar nicht. Da schaut keiner zu (meint man zumindest), da kann man seine Spuren recht leicht verwischen(meint man). Bis einem da mal einer auf die Finger schaut muss man schon ordentlich was angestellt haben.

    Und dementsprechend verhalten sich manche eben in Anonymität wie die letzte Sau.

    Ich möchte gar nicht sagen, dass ich einen Verzicht auf anonymität fordere. Blos nicht!
    Menschen die mich irgendwo sehen vergessen meine pure Existenz nach 2 Minuten. Daten die über mich gespeichert sind existierenn im Zweifel für immer.

    Aber ich kann den Gedankengang schon nachvollziehen. Denn das Gefühl sich irgendwie für den Mist den man verzapft verantworten zu müssen haben viele im Netz nicht.

    Mag sein, dass ich jetzt ein wenig abgedriftet bin. ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.