Kultur

Gefährden die neuen Medien die Demokratie?

Der Deutschlandfunk berichtete gestern in der Sendung „Kulturfragen“ über „Ende der schönen neuen Medienwelt – Gefährden die neuen Medien die Demokratie?„. Ich hab es noch nicht gehört, aber die Einleitung verspricht schon eine lustige Sendung: Doch besser als gedacht. Und die Einleitung hält nicht, was sie verspricht:


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Als am Mittwochabend Apple-Chef Steve Jobs den neuen Tablett-Computer seines Unternehmens mit Namen iPad vorstellte, überschlugen sich die Kritiker vor Begeisterung. Dies sei ein neuer Quantensprung in Richtung digitale Welt, hieß es einhellig. Nun sei es möglich, in vernünftiger Qualität überall jede Information zu erhalten, E-Mails zu schreiben, Filme zu sehen und am weltweiten Internet teilzuhaben. Diese Teilhabe sei durch das mobile Computer-Tablett so einfach und komfortabel möglich wie kaum jemals zuvor. Einige Medienjournalisten verstiegen sich gar zu der Behauptung, das neue 500-Dollar-Gerät werde die Demokratisierung der Welt vorantreiben. Darauf, dass die zunehmende Digitalisierung der Welt auch das Gegenteil – eine Gefahr für die Demokratie – bewirken kann, weist seit längerem die Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Politikwissenschaftlerin Professor Jutta Brückner hin. Seit sieben Jahren leitet sie als Direktorin die Abteilung Film- und Medienkunst an der Akademie der Künste in Berlin.

Hier ist die MP3.

12 Kommentare
  1. Entgegen der Headline geht es Frau Brückner nicht wirklich um die neuen Medien sondern das nicht mehr ganz so neue Medium Privatfernsehen und dessen Einfluss (Stichwort: Programmverflachung) auf die Inhalte und Gestaltung der Sendung im Programm der Öffentlich-Rechtlichen TV-Sender. Aber sie sieht das Ganze nicht einseitig kulturpessimistisch sondern betrachtet z.B. das Interesse am Kinofilm „Das weisse Band“ bei Jugendlichen als positives Signal einer Art „Gegenbewegung“.

  2. Leider machen die neuen Medien uns alle viel kontrollierbarer. Und Webseiten die sich selbst als Synergien des Internets deklarieren, wie Twitter führen zur Informationsignoranz und Informationskontrolle des 2ten Grades.

    Eine große Gefahr geht auch von Software aus, welche selbst mit Synergien werben. Alles auf einen Klicksoftware. Internet für Dummies. Das war jedenfalls war mein Gedanke, als ich Werbung für GoogleWave sah, welche das Programm als ein Super-Instant-Messenger-Social-Networking-Programm darstellt, für den hippen faulen Internetuser von morgen. Zentralisierung ist die Gefahr die das Internet am meisten bedroht. Denn ein zentralisiertes Internet ist leichter kontrollierbar und manipulierbar.

  3. Da glaube ich doch wohl eher, dass die Sendung „Kulturfragen“ vom Deutschlandfunk die Demokratie gefährdet in Anbetracht dieser einseitigen PR-lastig-platten Berichterstattung: „…überschlugen sich die Kritiker vor Begeisterung…“ „…neuer Quantensprung in Richtung digitale Welt, hieß es einhellig…“ etc. da sind mir aber ganz andere Dinge zu Ohren gekommen.

  4. Die Sendung kann man sich wirklich anhören ^^ – Anfangs dachte ich auch noch an Kultur- / Technikpessimismus aber mit nichten. Die Dame bekommt die Kurve und wirkt sympathisch und kompetent am Ende des Gesprächs.

    mfg Dirk :D

  5. Hui, hab aufgehört, zuzuhören, als der lustige Teil mit U- und E-Musik kam. Wollte die Lady wirklich erklären, dass es
    A) nen „Verfall“ der musikalischen Kultur gibt und dieser
    B)analog auf die TV- und sonstige Medienkultur zu übertragen sei?

    Autsch sag ich da nur, vor allem de U- und E-Musik Diskussion ist ja schon von der Idee her lächerlich. Nach welchem System wird bitte bestimmt, was U und was E ist? Nach Willkür – nur weil sich rel wenig Leute gerne Opern anhören, kann doch nicht behauptet werden, dass das E-Musik ist.

    Dann werden C) gerade die Beatles als Beispiel-Band mit nur „3 Akkorden“ genannt. AUTSCH! Wer dieser Meinung ist, sollte mal die „Beatles-Best-of“ aus dem CD-Player nehmen und durch die Alben Sgt. Pepper oder Abbey Road ersetzen und hören. Dann soll man mir nochmal das mit U und E erklären…

  6. Ich fand es sehr interessant, dass Frau Professor Brückner zwar dauernd von neuen Medien sprach, aber damit vor allem Fernsehen (und Kino?) meinte. Auch schien ihr Medienbild sehr stark „sendungsorientiert“ zu sein. Dort sind die privaten und öffentlich-rechtlichen Medienanstalten, die Programme sende, die mit den Menschen Dinge tun. Die Idee, dass die neuen Medien gerade die Menschen befähigen, selbst zu senden, selbst Medienproduzent zu sein, scheint ihr recht fremd zu sein.

  7. Was mich hier mehr als nur verwirrt (abseits der eigentlichen Debatte um die es hier geht): Welche Art von schwerer psychischer Krankheit muss man eigentlich haben, um dem vergrößerten iPod touch namens iPad solch weltbewegenden Eigenschaften und Fähigkeiten zuzuschreiben? Das Teil gilt selbst unter den Apple-Verbelendeten als ziemlich sinnfrei. Und revolutionär oder innovativ ist daran auch nichts: Ein mittlemäßiger Ebook-Reader, digitaler Bilderrahmen und mobiles Internet. Das ist mal so gar nichts neues oder gar weltbewegendes, einfach nur ein Gadget für Nerds. Aber es soll die Demokratisierung der Welt vorantreiben. Ist klar… Und den Klimawandel wird das iPad auch stoppen, das Erdebeben auf Haiti ungeschehen machen, die NATO aus Afghanistan abziehen und Guantanamo schließen. Weil es ja einfach so Apple ist. Ganz ehrlich, die Leute die auf den Apple-Events regelmäßig fast einen Orgasmus erleben, weil ein Milliardär im Schlabberlook zu ihnen predigt dass seine Produkte das Tollste wären was die Menschheit je gesehen hätte, die brauchen entweder dringend ein „Real-Life“ samt sozialer Kontakte oder sollten dringend mal einen Therapeuten aufsuchen. Das ist einfach nicht mehr normal was da abgeht. In meinen Augen ist dieser Geltungskonsum/Warentfetisch noch beunruhigender als die zweifelhaften Aussagen des etablierten Journalismus zu den neuen Medien. Einfach nur noch krank, wie reine Lifestyle-Produkte in den Rang von Weltverbessserungsmaschinen erhoben werden.

  8. „Neue“ Medien? Unfassbar, wie weit die Gedankenwelt des Deutschlandfunks und die Akademie der Künste hinter der Entwicklung der Medien (besonders des Internets) her hängt. Für mich hört sich das Interview wie ein Gespräch zwischen zwei prätenziösen Dinosauriern an, die eine Entwicklung als etwas völlig „Neues“ entdecken, die schon 15 Jahre zurückliegt.
    Hinzu kommt das Schwadronieren über biotechnologische Science Fiction und Doping, was komplett vom Thema (wenn es denn eines gibt) wegführt.

    Unfassbar unstrukturiert und beliebig. Einzige Kernthese: Jeder muss selber sehen, wie er klar kommt.

  9. very nicer artikel @ topic

    http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~EE59A1D3A35D848BC99794C961B9F5D73~ATpl~Ecommon~Scontent.html


    Das iPad ist also kein Computer im Sinne einer Universalmaschine mehr, sondern eine Abspielplattform für die Inhalte der Medienkonzerne. Das iPad macht aus dem Two-Way-Web wieder eine Einbahnstraße und zwar eine, für deren Nutzung gezahlt werden muss.

    der topic des faz artikels klingt etwas ählich, nur das er deutlich besser recherchiert wurde :D

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