Die französische Webseite pcinpact.com hat einige interne Dokumente einer von der EU-Kommission angeleierten Diskussion innerhalb der „Generaldirektion Binnenmarkt und Dienstleistungen“ veröffentlicht. Zu den Diskussionsgesprächen wurden Vertreter der Rechteindustrie und der Provider eingeladen, um weitere Durchsetzungsmaßnahmen gegen Urheberrechtsvergehen im Rahmen der IPR-Enforcement-Directive und eine freiwillige Kooperation zwischen ISPs und Rechteindustrie zu diskutieren.
Hier ist ein Protokoll einer Sitzung im Juni (Doc), wo die Provider die Ineffektivität von Filtern ansprechen, vor zuviel Kontrolle im Netz warnen und als Lösungsansatz bessere Angebotes für Verbraucher vorschlagen. Die Rechteindustrie argumentiert, dass doch viele Provider bereits Deep-Packet-Inspection-Lösungen für Traffic-Management und Netzwerk-Sicherheit einsetzen und man damit doch prima Urheberrechtsverletzungen verhindern könnten.
Die französische Verwertungsgesellschaft SCPP erklärte in dem Meeting, dass man in Frankreich im Rahmen der Hadopi-Diskussionen in Zusammenarbeit mit Providern schon verschiedene Filtertechnologien getestet habe und man ohne nennenswerte Performanceprobleme viel p2p-Traffic einfach rausfiltern und blocken konnte. Hier gibt es eine aufschlußreiche Präsentation als PPT, wie das in Frankreich getestet wurde und was man sich vorstellt.
Interessanterweise wurden die ganzen Tests anscheinend von der Berliner Firma EANTC durchgeführt.
Die Firma Vedicis präsentierte gleichzeitig ihre „Network Copyright Protection“-Lösung, die an zentralen Knotenpunkte im Netz eingesetzt werden könnte, um die notwendige Zensurinfrastruktur zu errichten, um p2p-Traffic zu filtern und zu blocken. Hier gibt es eine Präsentation als PDF.. Die Lösung soll das können:
« Based on its technology of Deep Content Inspection, Vedicis has developed a Content Smart Switch to provide advanced content analysis and control within broadband networks and create smart pipes with content awareness. Its fine grained traffic analysis enables precise monitoring and control over protocols, applications and content within High Speed Internet, while empowering telecom operators to achieve real time content billing and add behavioural targeting. »
Bei den Tests in Frankreich habe man 99,91% des p2p-Traffics identifiziert (Verschlüsselt und unverschlüsselt), 99,98% der „illegalen Inhalte“ geblockt und das habt keine Auswirkungen auf „legale Inhalte“ gehabt.
In einem weiteren Meeting im Juli (Doc) wurden verschiedene Szenarien diskutiert, wie die Arbeitsgruppe weiter zusammenarbeiten könnte:
The Chair explained possible options, concerning the future of the Dialogue:
These were:
to wrap-up the current Dialogue and consolidate its results in a concise synthesis report;
to continue with the Stakeholders’ Dialogue and focus on the IPR Enforcement Directive, in the context of illegal up- and downloading;
to continue with the Stakeholders’ Dialogue and focus on preparing an MoU on cooperation between rights holders and Internet Service Providers in a limited number of areas.
In der anschließenden Diskussion erklärten die Provdiervertreter, dass es doch sinnvoll sei, wenn man den Dialog auch mal öffnen und transparenter machen würde. Auch sollte man mal Daten- und Verbraucherschützer einladen, die wurden bisher nicht beteiligt. Ein angesprochenes Memorandum of Understanding, also eine Vereinbarung zwichen ISPs und Rechteindustrie zur gemeinsamen Bekämpfung von Urheberrechtsvergehen, wurde nicht ausgeschlossen. Eine gemeinsame Vereinbarung wurde hingegegen von der Rechteindustrie sehr begrüsst.
Die nächste Sitzung soll am 10. September in Brüssel stattfinden. Davon findet sich auch schon eine Tagesordnung im Netz.