Datenschutz

Ein Netizen entdeckt den Wunsch nach Privatsphäre

Für die ct haben Marcus Lindemann und Jan Schneider eine schöne Geschichte geschrieben, was man alles über einen relativ normalen Internetnutzer herausfinden kann, der gerne das Netz zur Kommunikation nutzt: Datenschutz-Fallrückzieher – Ein Netizen entdeckt den Wunsch nach Privatsphäre.

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Für diesen Artikel haben wir beispielhaft das Profil einer realen Person erstellt, indem wir frei verfügbare Informationen im Internet suchten und verknüpften. Als Protagonisten wählten wir einen Mitarbeiter eines Internet-Unternehmens. Der hatte damit zunächst kein Problem – bis er den fertigen Artikel sah. Dann bekam er kalte Füße.

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21 Kommentare
  1. Ich finde den Artikel eigentlich ziemlich trivial. Jeder Anbieter eines redaktionellen Angebots – aka Blog – muss in Deutschland ohnehin seine Adresse öffentlich machen. Mit ein wenig social engineering lassen sich dann viel intimere Details herausbekommen, als die Suchmaschinen hergeben. Kritisch ist von den persönlichen Daten noch das Geburtsdatum, weil das der Schlüssel für Identitätsdiebstahl ist. Um so mehr macht es Sinn, seine Onlineprofile prominent mit falschen Daten zu füttern. Was mich daran erinnert, dass ich meinen falschen Geburtstag bei Facebook auch mal mit falschen Fotos feiern sollte, der Glaubwürdigkeit wegen.

  2. Ich frage mich grad, wie lange es dauern wird, bis die Kritik an den Autoren des Artikels und damit den Überbringern der schlechten Nachricht laut wird. Sie hätten ja quasi geradezu dazu angeleitet und aufgefordert, die öffentlichen Daten anderer Personen „auszuspionieren“ und mit den „geklauten“ Daten Persönlichkeitsprofile zu erstellen.

    Und ich frage mich, was der personifizierte „Kontrollverlust“ aka mspro dazu meint. Post-Privacy? Das wäre ein hartes Erwachen für einige Personen, die darauf sicherlich nicht vorbereitet sind.

  3. Ein armselig geschriebener Artikel mit wenig neuen Fakten und dem unvermeidlichen „Streetview“-Schluß. Sowas Billiges hätte ich die Tage von der Funk Uhr oder irgendeinem anderen Revolverblatt aus dem Hause Springer erwartet, aber nicht von der c’t.
    Da war ja sogar der 5-Minüter auf NBC, der ähnlich aufgebaut war und die c’t-Redakteure wohl „inspiriert“ hat spannender.

  4. Naja, in der Funk-Uhr oder ähnlichen Blätter wäre der Artikel nicht abgedruckt worden, weil zu langer Artikel mit zu vielen und zu langen Sätzen ;)

    Was halt blöd ist, dass wir nicht wissen, wie der Text ursprünglich ausgesehen hat. Vielleicht war da ja mehr Substanz drin, die aber durch das Überarbeiten verloren gegangen ist.

    Eine Sache hat der Artikel aber imho deutlich gemacht hat: Es ist witzlos die eigene Hausfasade verpixeln zu lassen, wenn man gleichzeitig selbst ein Bild davon mit allen Daten ins Netz einspeist.
    Das sagt einem eigentlich der gesunde Menschenverstand, aber um den ist es bei Angst-Debatten halt nicht wirklich gut bestellt.

  5. … gab’s als pendant vor ein paar jahren schon in Frankreich und wurde dort entspr. publiziert (wenn leute nicht lernen/sich informieren wollen, ist es einzig ihr problem)

  6. @Volker

    In der aktuellen Funk Uhr steht dafür, dass das Internet an 40% der Scheidungen (mit)schuld ist.
    Ohne Studie, ohne Angabe von Quellen, aber hej, Internet-Bashing sieht halt mal so, mal so aus…

    @Tharben

    Du langweilst, aber wenigstens bist du pseudoglücklich und kannst noch lachen. Andere anonyme Erbärmlichkeiten aus dem tiefsten Nerdistan können noch nicht mal mehr das. Frohes Fest.

  7. @Jens: Tjo, hatte neulich ne lustige Diskussion mit nem Kollegen über das böse Google und was die angeblich alles wissen über einen. Der wollte sich gar nicht damit befassen, wie Google u.a. Suchmaschienen überhaubt funktionieren… (Unwissenheit scheint wirklich ein Segen zu sein.)

    Als ich ihm sagte, dass sein eigenes Einwohnermeldeamt mit seinen Addressdaten nen lustigen Reihbach macht, war er etwas sprachlos ^^

  8. @Volker

    Wahrscheinlich sollte dieser Artikel tatsächlich besser in der Funk Uhr statt in der c’t.

    Ich muss schon einsehen, dass der reale Informationstand über die Möglichkeit der Ausleuchtung durch Jedermann erschreckend gering(und die von dir erwähnte Realitätsverleugnung erschreckend groß) ist in der Bevölkerung.

    Mir ist auch klar, dass dieser „Kontrollverlust“ zu viel bösem Blut führen kann. Im Kleinen wie im Großen.
    Das Problem bleibt aber ein menschliches und kann durch eine wie auch immer geartete Restriktion der Technik nicht gelöst werden.

    Das Werkzeug Web stellt einen höheren sozialen Anspruch an die gemeinsame Lebenswelt. Der Respekt vor dem Geheimnis (auf privater Ebene, nicht staatlicher, Stichwort wikileaks) ist auf vielfältige Weise zu beleuchten.

    Das Geschrei von wegen „informationeller Selbstbestimmung“ und „Konformitätszwang durch Verlust der Privatsphäre durch Technik“ bringt uns aber keinen Deut weiter. Auch Artikel wie der diskutierte erheischen nur Aufmerksamkeit, aber leisten keine konstruktive Arbeit am Problem.

    Was soll den passieren, wenn alle das „Bewusstsein erreicht haben, dass es voll krass keine Privatsphäre gibt im Web, wenn man nicht total aufpasst“?

    Schalten wir dann das Web ab? Finden wir schnell noch unsere Emails gegenseitig raus und entschuldigen uns für eventuelle Grenzüberschreitungen? Stürmen wir die Büros von Schober und AZ-Direkt und zünden deren Rechenzentren an? Wird die hinsichtlich Privatsphäre zugespitzte Netiquette das neue Klugscheisser-Tool für den Biedermann 2.0?

    Ich hoffe, dass es in dieser aktuell lausig geführten Daten-„Schutz“-Debatte in 2011 etwas Konstruktiver zugeht.

    1. Ach, Herr Best, wir hatten ja an anderer Stelle schon das Vergnügen. Ich bin sozusagen eine Person des öffentlichen Lebens und über meine öffentliche Person ist im Web auch einiges zu finden. Über mich als Privatperson wird man aber relativ wenig finden. Mit etwas Gespür findet man im wesentlichen Sachen aus den späten 1980er und frühen 1990er Jahren. Die bekomme ich auch nicht mehr gelöscht, selbst wenn ich das wollte. Das war sozusagen meine „Beste“ Phase, aber da bin ich zum Glück drüber weg. Trotzdem können mich die Leute, die mich kennen, sehr gut privat erreichen. Die die mich nicht kennen, können meine öffentliche Person ebenfalls gut erreichen. Das Web muss nicht abgeschaltet werden. Das wäre schon alles gut so, wie es ist, wenn nicht einige Postprivate ständig versuchen würden, die beiden Sphären zu vermischen. Die sind sozusagen das digitale Äquivalent der Schmeissfliegen von der Yellow Press. Google Streetview (ha, da war es wieder das böse Wort) ist da in der Tat nur das geringste Übel.

  9. Bald wird es eine neue Art von Dienstleistung geben: eine Art Internet-Privatdetektiv, der von seinem Auftraggeber den Auftrag bekommt, über ihn selbst im Netz zu recherchieren, damit der Auftraggeber herausbekommt, was er über sich selbst wissen müsste.

    Und wahrscheinlich kommt auch dieser Spott schon zu spät?
    http://bit.ly/eoItOK

  10. @14
    Diese Dienstleistung gibt es schon lange. Ist Teil der Headhunter-Beratungsleistungen, wenn Unternehmen ihren „Ex-Mitarbeitern“ aus dem Management den Wechsel durch ein professionelles Coaching zur Stellensuche erleichtern.

  11. @13 (jens best):

    entschuldigen sie bitte meine ironie. ich wollte ihnen nahelegen, sich mal zu beruhigen. wo sie doch eine verbesserung der diskussion anregen wollten.

    mit joop und kaulitz hätte ich sehr gerne noch über die auratische dimension ihrer künste gesprochen. über cad, asiatische näherinnen, antares autotune, nonlineares audioediting und so weiter.

    vielleicht wären wir auch noch zu partizipativem kulturschaffen gekommen. ich vertrage zuweilen eine menge alkohol.

    und die epauletten von herrn k. sind grandios. der hätte den ganzen abend nix sagen brauchen, so eindrucksvoll finde ich die.

    ich versuche in zukunft weniger ironisch zu sein, falls meine stimmung das erlaubt. auf jeden fall arbeite ich dran.

    .~.

  12. Die geschätzte c’t hätte ihrem Artikel vielleicht ein Zitat des ehrenwerten Herrn Schmidt voranstellen sollen. Der hat schon vor einem Jahr eigentlich alles dazu gesagt, warum „das Internet“ nicht der richtige Ort ist, „Geheimnisse“ aufzubewahren:

    Eric Schmidt (CEO Google), 3. Dezember 2009
    http://www.cnbc.com/id/33831099?__source=vty|insidegoogle|&par=vty

    „I think judgment matters. If you have something that you don’t want anyone to know, maybe you shouldn’t be doing it in the first place. If you really need that kind of privacy, the reality is that search engines — including Google — do retain this information for some time and it’s important, for example, that we are all subject in the United States to the Patriot Act and it is possible that all that information could be made available to the authorities.“

  13. @mithos
    „Ich frage mich grad, wie lange es dauern wird, bis die Kritik an den Autoren des Artikels und damit den Überbringern der schlechten Nachricht laut wird.“

    Die Kritik gibt es, aber bislang nur von „Mario R.“ der bis heute glaubt, ich und nicht er sei für den Schutz seiner Privatsphäre verantwortlich. ;-)

    1. @Marcus: Natürlich ist primär Mario R. für den Schutz seiner Privatsphäre verantwortlich und auf keinen Fall der Überbringer. Eine Teilverantwortung trifft aber schon die „Infrastruktur“.

      Ich kann schon dem Hund eine Teilschuld daran geben, dass er ständig die Knochen wieder ausgräbt, die ich zugegebenermassen fahrlässig nur 2cm unter die Erde gelegt habe.

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