Kultur

Bank of America sperrt Wikileaks

Inzwischen sind Transaktionen zu Wikileaks bei so vielen Anbietern gesperrt, dass fast schon eher die eine Meldung Wert sind, die sie noch zulassen. Fast. Nun also springt die Bank of America auf die Welle der ‚patriotischen‘ Blockierer auf, und sperrt alle Transaktionen ihrer Kunden an Wikileaks, Begründung ist, wie immer, ein nicht näher bezeichneter Verdacht der Verletzung irgendeiner AGB-Klausel.

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Verwunderlich ist nur wie spät die Bank of America auf diese Idee kommt: Warum erst jetzt? Wollte man vorher seine Infrastruktu für die erwarteten Proteste ausbauen? Es wird nun natürlich spekuliert, ob sie die große amerikanische Bank ist, um die sich das angekündigte nächste Leak drehen wird.

Im Wikileaks-Twitter-Account heißt es

Does your business do business with Bank of America? Our advise is to place your funds somewhere safer.

Leere Drohungen oder Unsicherheitskampagnen gehörten bisher nur sehr selten zum Repertoire von Wikileaks.

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35 Kommentare
  1. >“Bank of America joins in the actions
    >previously announced by MasterCard, PayPal,
    >Visa Europe and others and will not process
    >transactions of any type that we have reason
    >to believe are intended for WikiLeaks,“ the
    >bank said in a statement.

    Ist das nicht anders als bei Visa, Paypall etc.? Die haben ja afaik „nur“ das Kundenkonto Wikileaks gesperrt. Wenn man das Statement der BoA liest, hört sich das an, als ob sie einfach Überweisungen nicht ausführen, von denen sie denken sie gingen an WL (also z.B. Zahlungen an die WHS). Das hat schon eine andere Qualität, ob ich einem Kunden kündige, weil ich nicht mit dem was er macht einverstanden bin, oder ob ich Millionen von Kunden vorschreibe wem sie ihr Geld schicken dürfen – oder nicht.

  2. Ich hoffe ja, dass sich die Yes-Men mittelfristig dem annehmen werden und für diese Unternehmen tun, was sie nicht von selber tun… das wäre auch sicher akzeptierter als dDoS

  3. Wenn ich Kunde bei der BoA wäre, könnte ich mir vorstellen auf jeden ausgestellten Scheck irgendwo das Wort Wikileaks draufzuschreiben. Und wenn dann irgendeine dieser harmlosen Zahlungen nicht ausgeführt würde, wäre eine saftige Schadensersatzklage fällig.

    1. Da fällt mir ein: Man kann sich die Scheckformulare in den USA ja nach eigenen Vorlagen für kleines Geld drucken lassen. Vielleicht sollte man da als Zeichen der Unterstützung das Wikileaks Logo draufmachen.

      1. Vielleicht kann das mal jemand an geeigneter Stelle twittern:

        After BoA, have checks printed with Wikileaks logo on it. As ‚bible verse‘ put ‚Nobel Peace Prize for Manning!‘

    1. @nowotny et all ist das machbar? ernst gemeinte Frage, was bräuchte man um ein Onlinebzahlsystem auf die Beine zu stellen, dass sicher ist und das ansonsten nur den Zweck hat, sich selbst zu tragen?

  4. Scheint grad „in Mode“ zu sein, unliebsamen Internet-Unternehmen den Geldhahn zuzudrehen, wenn man ihnen schon juristisch nix anhaben kann. Die RIAA verhandelt offenbar grad mit Mastercard, Sharehostern den Vertrag zu kündigen, weil über diese häufig auch Filesharing abgewickelt wird.

    siehe:

    http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_unternehmen_business_piraterie_mastercard_will_zahlungen_an_upload_dienste_verweigern_story-39001020-41542639-1.htm

  5. Wegen „Piraten-Bank“:

    Die Anforderungen an ein Online-Bezahlsystem sind weit geringer als die an eine Bank. Und als Basis würde ich in jedem Fall Deutschland nehmen, nach meinem Eindruck ist eine wie auch immer geartete Zensur hier rechtlich am schwersten durchzusetzen.

    Auf UK würde ich mich da lieber nicht verlassen. Frankreich mutiert auch zum Obrigkeitsstaat. Viele andere Länder erscheinen fast als Marionetten der USA.

    Mindestens das Bundesverfassungsgericht wird letztlich willkürliche Maßnahmen unterbinden. Und auf die Grünen kann man sich insoweit sicherlich auch noch verlassen (relativ…).

  6. Ich verstehe den Tweet von WikiLeaks nicht unbedingt als Ankündigung eines Leaks.

    Es könnte auch einfach nur eine Warnung sein, mit der Bank of America Geschäfte zu machen – denn man sieht jetzt ja wieder, wie schnell (bzw. in diesem Fall dann doch nicht ganz so schnell) die einem ein Konto sperren bzw. Überweisungen nicht ausführen würden.

    Da wählt man lieber einen verlässlicheren Anbieter (welchen?).

  7. die idee ist ziemlich hip.

    bei den assange-supportern gibts doch bestimmt einige mit näherem wissen über so was, ansonsten kann man ja micheal moore mal anticken…..

    das wäre der hammer, so lange gesichter können die yankee-faschos gar nicht haben……

  8. Das Prinzip von flattr ist für ein Online-Spenden-/Bezahlystem schon mal ein guter Ansatz. Und braucht auch keine Banklizenz. Hier müsste nur die Möglichkeit geschaffen werden, auch Sachleistungen abzurechnen. Problematisch ist ja immer nur der Geld Zu- und Abfluss in ein solches System.

    BTW: Was ist eigentlich bei Spiegel-Online los? Seit gestern nachmittag ist die gesamte Cablegate-Seite verschwunden.

  9. Also ich wollte schon immer Kunde bei moneybookers werden. Das sind afaik Briten, aber im Gegensatz zu PP ist mir da noch nichts zu Ohren gekommen.
    Ich war bisher nur zu faul die AGB zu lesen, daher bin ich da nie Kunde geworden (ich hatte den AGB-Tab mal 4 Wochen lang offen und kam nie dazu).

  10. Warum soll das eine Unsicherheitskampagne sein? Wenn eine Bank aufgrund sehr allgemein gehaltener AGB-Klauseln Transaktionen sperrt, dann ist auf dieser Bank das Geld nicht mehr sicher. Denn aufgrund der AGB-Klauseln können möglicherweise auch Konten eingefroren werden.

  11. Nicht ablenken lassen! Die Bank of America ist derzeit in viel viel größere Skandale verwickelt. Wenn die nun von Wikileaks-Supportern geDDoSed werden wäre das Nachrichtentechnisch das Beste was dieser Bank passieren könnte!

  12. Tja, die „freie US Amerikanische“ Wirtschaft agiert so, als ob es sich um gleichgeschaltete Kombinate in Nordkorea handeln würde.

    Dabei heißt es in der Nationalhymne doch:
    „O’er the land of the free. And the home of the brave!“

  13. > Leere Drohungen oder Unsicherheitskampagnen
    > gehörten bisher nur sehr selten zum Repertoire
    > von Wikileaks.

    Fehlinterpreationen gehörten auch seltener zum Reertoire von Netzwelt. Es ist doch wohl klar das es für ein Geschäft unsicher ist eine Bank zu nutzen die Konten oppurtunistisch sperrt / Überweisungen zurückgibt und in dem Zusammenhang auch die wahrscheinlichste Bedeutung dieses Tweets.
    Das dies eine Drohung sein soll ist alleine deine Interpetation die durch die Wirklichkeit kaum gedeckt ist.

  14. @Linus:

    Noch eine Anmerkung off topic:

    Ich finde es nicht gut, dass Du mit Kurz-URLs verlinkst. Es macht überhaupt keinen Sinn dort Kurz-URLs zu verwenden, wenn Du den Link eh in den Text einbaust. Ich benutze meine Browserstatusleiste noch und würde mich freuen wenn das auch noch weiterhin Sinn macht. Ich will nicht wegen jeder Mode ein extra Plugin in meinen Firefox einbauen müssen.

    Ich persönlich finde, dass gehört zu gutem HTML-Stil einfach dazu. Für mehr Benutzerfreundlichkeit. ;)

    Der Link ist eh etwas verkorkst, oder? :D

    PS: Ist bestimmt mit so nem neumodischen Smartphone entstanden, oder? *g*

  15. Der Tweet war imo bloß eine sarkastische Reaktion, maximal ein Vorschlag wie man protestieren könnte, aber keine Drohung.
    Und auch kein FUD, denn dass die nicht ganz \safe\ sind, haben sie ja gerade gezeigt.
    Zur Sicherheit einer Bank gehört nicht nur, dass dein Konto existieren darf, sondern auch, dass der Zahlungsfluss gewährleistet ist und man nicht willkürlicher Behandlung ausgesetzt ist.

    @Tom (25)
    Dann gib doch mal kurz ein paar Stichwörter, in welche Skandale die sonst grade verwickelt sind, dann fällt es gleich leichter sich nicht ablenken zu lassen.

  16. Es geht weiter, wieder verliert wikileaks eine Bankverbindung. Visa, Mastercard, Paypal und jetzt die Bank of America: Die Großbank reiht sich bei den Unternehmen ein, die Zahlungen an WikiLeaks sperren. Vielleicht liegt es daran, dass wikileaks als nächstes Ziel eine amerikanische Grossbank anvisierte. Auf der anderen Seite wird man an diesem Beispiel sehen, ob es auch auf Seiten der Banken monopolistische Strukturen gibt. Das wäre wirklich nicht gut.

  17. wegen der „pirate banking“ idee (übrigens: „private banking“ ist für die reichen kunden):

    ich würde euch anraten, falls ihr es wirklich durchziehen wollt, die firma in der schweiz zu eröffnen, da die schweiz sehr gute gesetze für banken hat und auch ein sehr gutes image. desweiteren hättet ihr dann die möglichkeit, euch SIC und euroSIC anzuschliessen, für die zahlungen im europäischen raum. auch wird SWIFT in der schweiz ein eigenes datacenter eröffnen, damit nicht-amerikanische zahlungen nicht mehr durch amerika laufen.

    ihr könntet euch auch überlegen, euch mit der idee an eine (schweizer) bank zu wenden, falls diese bank daran interessiert wäre, könnte sie evtl. zusammen mit euch unter einem neuen branding (oder gar unter ihrem eigenen) diese dienstleistung anzubieten (vgl. die „private banking“ sparten der (schweizer) banken).

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