Kultur

Absurdistan: ARD startet Löschaktion für Online-Inhalte

Als Folge des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrags hat die ARD heute in einer Pressekonferenz umfangreiche Löschaktionen in den Online-Angeboten der Öffentlich-Rechtlichen Sender angekündigt bestätigt: Umfangreiche Löschungen in den Telemedienangeboten der ARD.

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Der ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust wird mit folgenden Worten zitiert:

„Seit einem Jahr sind mehr als 100.000 Dokumente aus den ARD-Onlineangeboten genommen worden. Die von einigen Verlegern und ihren Verbänden unterstellte Expansion der ARD im Internet ist daher ein unhaltbarer Vorwurf. Was die Nutzer derzeit erleben, ist das genaue Gegenteil: Beliebte Inhalte der ARD im Internet müssen von uns aus dem Netz genommen werden. Und die Möglichkeit, unsere Sendungen zeitlich unbegrenzt abzurufen, ist bereits jetzt vielfach eingeschränkt. Das ist schade, da unsere Angebote vor allem wegen der vielen Audios und Videos für die Gebührenzahler einen deutlichen Mehrwert im Netz bieten.“

Nach Angaben der ARD sind sie schon mitten in der Löschaktion. Tagesschau.de berichtet von zehntausenden Dokumenten, die gerade gelöscht werden.

Hier wird die absurde Regelung des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrags sichtbar. Statt einer Löschaktion sollte es anders herum sein: Die von uns finanzierten Beiträge sollten so lange wie möglich in einem offenen Format bereit gestellt werden. Wir haben schließlich dafür bezahlt!

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65 Kommentare
  1. Statt einer Löschaktion sollte es anders herum sein: Die von uns finanzierten Beiträge sollten so lange wie möglich in einem offenen Format bereit gestellt werden. Wir haben schließlich dafür bezahlt!

    +1.

  2. Die Regelung für die Tagesschau sieht vor, dass alle 20-Uhr-Ausgaben und alle Tagesthemen-Sendungen ever online bleiben. Auch kann die Redaktion jederzeit aus aktuellem Anlass jeglichen Tageschau-Film wieder für 12 Monate ins Netz einstellen.

    Darüber hinaus ist es der ARD möglich jegliche Doku und sonstigen Inhalt über Töchter werbefinanziert bis in alle Ewigket im Netz anbzubieten.

  3. Die von uns Finanzierten Inhalte sollten nicht nur Verfügbar sein sondern auch unter einer OpenAcces ähnlichen Lizenz stehen.

    Wenn wir also die Allgemeinheit diese Dienste finanzieren dann ist es doch selbstverständlich das diese hiernach nicht unter strengem Urheberschutz stehen sondern von jedem Bürger frei verwendbar sein sollten.

    Könnte man da mal nicht in die Initiative gehen ? Freie Lizenzen für den ÖR ?
    Dann könnten die Nutzer nämlich die Inhalte selbst weiterverbreiten wenn diese auf den Seiten des ÖR gelöscht werden müssen.

  4. Die Löschaktion wird nicht gestartet, sondern ist bereits zu großen Teilen abgeschlossen, um den staatsvertraglichen Verpflichtungen nachzukommen. Es handelt sich also um eine Wasserstandsmeldung.

    Beschwerden bitte an die Verlagslobby.

  5. Kann die ARD die Inhalte nicht erstmal sperren?

    Löschen klappt ja oft nicht so schnell und die Inhalte werden in der Zwischenzeit oft kopiert und weiterverbreitet. Hier sollte das Löschen der Inhalte etwaige Sperren nicht ausschließen… :D

  6. Statt einer Löschaktion sollte es anders herum sein: Die von uns finanzierten Beiträge sollten so lange wie möglich in einem offenen Format bereit gestellt werden. Wir haben schließlich dafür bezahlt!

    Du sagst es Markus. Und wisst ihr was? Ich habe final keinen Bock mehr auf diesen Mist, auf Verleger, auf Leute, die auch nur wagen, Begriffe wie „geistiges Eigentum“ in den Mund zu nehmen. Mir reicht es!

    Ich gehe heute Abend in den nächsten Elektronikmarkt, kaufe 1000 DVD-Rohlinge, dupliziere mein gesamtes DVD+CD-Regal mehrfach und stelle mich am Samstag in die Fußgängerzone und verteile die Kopien kostenlos. Und das wird erst der Anfang sein.

    Ich habe genug von diesen „geistiges Eigentum“-Zombies! Lasst uns diese .. diese Geißel der Menschheit ausrotten, ein für alle Mal! Lasst und cracken und kopieren bis die Platten und Leitungen glühen, auf dass nie wieder auch nur eine Zeitschrift, eine DVD oder eine CD gekauft wird!

    (ich bin so angewidert, ich kann das nicht in Worte fassen, sorry)

  7. Könnte man nicht aufgrund dieses Vertrages die GEZ Gebühren kürzen. Dann müssten selbige sich mit den Verlegern anlegen. Frei nach dem Motto Feuer bekämpft man am Besten mit Feuer.

  8. Gelöscht wird bestimmt nicht, nur halt nicht mehr verfügbar gemacht. Das Resultat ist zwar für den gemeinen Nutzer das gleiche, aber ich sehe da schon einen fundamentalen Unterschied. Insofern finde ich das schon bedenklich, daß die Terminologie hier unreflektiert übernommen wird.

    Klaus

  9. Bevor es vergessen wird: Auch dieser Unfug ist, wie der Jugendmedienschutzstaatsvertrag, dem für Medien zuständigen Ministerpräsidenten Kurt Beck und seinem Staatssekretär Stadelmaier zu verdanken.

  10. Ich habe den Intendanten des NDR vor einigen Tagen schriftlich gebeten, alle zukünftigen Online Inhalte unter einer geeigneteren Lizenz zu veröffentlichen. Bin auf die Antwort gespannt.

  11. Ich habe das Gefühl, dass die Regierung seit einiger Zeit schon den falschen Schluss Demokratie = Marktwirtschaft zieht. Das hier ist mal wieder ein hervorragendes Beispiel dafür.

  12. Sicher ist die aktuelle Regelung unbefriedigend und unverständlich für die Gebührenzahler.

    Allerdings sollte man bei aller Kritik beachten, dass sie eher auf europarechtlichen Vorgaben beruht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk – besonders in D, weil er hier so stark ausgebaut ist – wird von der EU kritisch beobachtet, weil er eine Beihilfe ist und damit den Wettbewerb verzerrt.
    Die Löschung soll nicht die Nutzer ärgern, sondern größere Wettbewerbsbeeinträchtigungen verhindern.

  13. Ich arbeite für den ÖR, dazu noch als Online-Redakteur.

    1. Löschen ist übrigens der richtige Begriff, da die Inhalte von den Internetservern gelöscht werden müssen und nicht nur gesperrt.

    2. Wirklich schade ist, dass teilweise sehr wertvolle Inhalte, vor allem Dokus aus Radio und TV gelöscht werden, weil sie eine Konkurrenz zu Sendern darstellen, die sehr selten einen längeren Wortbeitrag senden.

    3. Das Löschen nimmt auch noch Manpower in Anspruch, die vorher für das Erstellen von Inhalten genutzt wurde.

  14. wäre es nicht spannend, wenn die ARD und ZDF
    alle ihre Sendungen 7 Tage zum download anbieten würden und die Beiträge zur Verbreitung freigeben? (cc)
    Dann würden sich schnell Torrent-Seiten mit diesem Content entwickeln, oder wäre das nicht legal?

  15. Grund dafür dürften meiner Meinung nach die privaten Sender sein. Die haben nat. Interesse daran, dass Sendungen generell nur eine Woche kostenlos online abrufbar sind. Denn danach können sie Geld für das Archiv verlangen.

  16. Ja die jetzige 7 Tage Regelung ist für alle Seiten nicht sehr befriedigend und bestimmt nicht die beste Lösung.
    Aber die ÖFR müssen stärker kontrolliert und eingeschränkt werden. Unsere ÖFR geben jährlich 3 Milliarden Euro mehr aus als z.B. die BBC bei (meiner Meinung nach) viel schlechteren Leistung.
    Auch muss gesagt werden dass die Onlineangebote natürlich nicht umsonst sind… die Onlineausgaben verdoppeln sich für die nächste Gebührenperiode auf fast 600 Millionen. (wenn die ÖFR nicht beschränkt würden währen die Kosten bestimmt noch höher)

    Die ÖFR haben in der Vergangenheit gezeigt das sie eben nicht verantwortungsvoll mit dem Gebührengeld umgegangen sind und vieles (auch online) gemacht haben was für eine Grundversorgung nicht nötig ist.
    Eine externe Kontrolle und Einschränkung ist bei den ÖFR dringen nötig.

  17. Leider ging die Diskussion um diesen Staatsvertrag im Vorfeld der Beschlussfassung komplett an mir vorüber – oder gab es hier keine nennenswerten Kontroversen?

    Wie vermutlich viele Mitbürger und Mit-GEZahler halte ich das Zurückhalten von ö.-r. produzierten Inhalten zugunsten der privatfinanzierten Medien nicht für angemessen oder gerechtfertigt.

    Da sind wohl wieder Mails an Abgeordnete fällig :\

  18. # Piraten LSA
    Apr 21st, 2010 @ 13:47

    Absurdistan: ARD startet Löschaktion für Online-Inhalte : netzpolitik.org…

    Und dafür haben wir nun GEZahlt….
    —-
    Freiwillig?
    Bist du wirklich Pirat!

    Dann Beileid!
    Man wird genötigt für etwas zu bezahlen was man nicht will!
    Was willst du als nächstes,das jeder gezwungen wird jederzeit sein klartext id,bei jedem Kommentar zu veröffentlichen?

    Der ÖRR stehte den idealen der Piraten fundamental entgegen!

    Ich will nicht vergewaltigt werden,und genauso will ich nicht das meine fundamentalen rechte eingeschränkt werden,es darf nicht sein das ich unneutrale medien die staatlich gelenkt sind finanziell unterstützen muss!

    Und diese mich auch bedrohen dürfen!

    Ich schäme mich für leute wie euch,die hier unreflektiert genau das befürworten was sie in andern Bereichen kritisieren!

  19. @Björn: Ich hoffe, dem ÖR ist erlaubt geblieben, diese Beiträge in klassischen Archiven aufzubewahren. Dann wäre es doch möglich, die Inhalte unter einer geeigneten Lizenz einem unabhängigen Dritten zur Verfügung zu stellen, der sie dann online veröffentlicht.

  20. Stop!
    Hier läuft was schief!

    Es geht NICHT um den VIERZEHNTEN RfStV (JMSTV), in dem Sendezeiten, Zugangsvalidierung, Altersgrenzen eingeführt werden („Kindernetz“), sondern – wie hier ja auch steht, aber scheinbar nicht realisiert wird – um den ZWÖLFTEN. Das sind Auseinandersetzungen der Marke „tagesschau.de nimmt uns die Leser weg, weil sie ihr Geld aus den Rundfunktöpfen ins WWW pumpen, da fühlen wir uns als spiegel-online.de benachteiligt“.

    Der 12. RfStV hat nichts mit Jugendschutz zu tun. Der 14. hat nichts damit zu tun, was hier gerade von statten geht.

    Das wird im Artikel nicht klar und erklärt auch die Verwirrung in den Leserkommentaren.

  21. @#28 Volker

    Die ARD soll die Inhalte unter einer CC-Lizenz (CC-BY-SA, CC-BY-NC-SA oder CC-BY-NC-ND). in einem offenen Format online stellen.

    Zustimmung! Bislang gibt es meines Wissens nur zwei ÖR-Sendungen, die unter CC stehen: Extra 3 und Zapp. Es sollten alle Inhalte, die mit Gebührengeldern finanzierten wurden (insbesondere die Tagesschau) unter CC stehen.

  22. man muss auch mal festhalten, dass gez-kritiker wie zb die piraten daran schuld haben; die schlagen sich damit auf die seite der privatfernseh-lobby, die diese löschung angetrieben hat.

  23. Da braucht man sich nicht wundern, wenn illegale Angebote wie D***j*****.org florieren. Sehr vieles dort stammt bereits von den ÖR wie Arte. So wie dort wünsche ich mir auch die Medienangebote der öffentlich-rechtlichen:

    * Eine Seite, voll durchsuchbar.
    * Dokumentationen nach Kategorien geordnet.
    * Alles downloadbar, nicht nur streambar.
    * Sehr lange, im Prinzip unbegrenzte Verweildauer.

  24. Die Öffis hätten ganz einfach ihre Online-Angebote hinter einer Paywall verschwinden lassen und die Zugangsdaten mit der Abrechnung versenden können. Dann wäre die NEG-Debatte auch nicht nötig geworden. Haben sie nicht. Sie sind selber schuld und Rumheulen zählt nicht.

  25. Das Projekt „GEZ-Anderkonto“ ist – soweit ich weiss – immer noch vakant. Eine Initiative vom Januar ist im Sande verlaufen.

    Wer die Möglichkeit hat, beispielsweise einen (zB. befreundeten) Anwalt zu befragen … ich würde mich auf alle Fälle an der Aktion, ggf. sogar am Projekt beteiligen, wenn die Realisierbarkeit und die Kosten geklärt wären.

    Näheres zur Idee in einem Beitrag von Frieder Wagner hier:
    http://www.youtube.com/watch?v=IYpm0TAvVsQ#t=21m08s
    (Direkter Sprung zu Minute 21 in der Diskussion).

  26. Oh man, wie stupide so eine Aktion doch ist. Gibt es nichts was man dagegen tun kann? Bin ich da richtig informiert? Muss man dieses Rundfunkgesetz sogar ändern lassen damit die ihre Inhalte länger publizieren können?!

    mfg

  27. Es geht doch nichts ueber gute Kommentare. Aus diesem Grund gibt es wahrscheinlich bei der Pressemitteilung nur die Moeglichkeit „Gefaellt mir“ und nicht „Gefaellt mir nicht“.

  28. Ich finde diese Löschaktion irgendwie auch nicht gut. Ich mein andere Medien dürfen ihre Sachen online solange stehen lassen, wie sie wollen. Die ARD darf es bloß deswegen nicht, weil andere Medien Angst vor einer Übermacht haben. Aber die privaten Medien übersehen dabei eins: Es kommt immer auf die Qualität an. Würden sie bessere Qualität liefern hätten sie auch wesentlich mehr Zulauf.

  29. Alles himmelschreiender Unsinn, wie hier gedacht wird, sorry! Den Leuten sitzt das Geld noch immer zu locker! Was halten wir denn davon, anstatt zu löschen die Inhalte kostenpflichtig zu machen?? Und im Falle von Einnahmen dann mal gründlich die Rundfunk- und Fernsehgebühr zu senken??? Und sollte sich dann heraus stellen, das dafür direkt niemand zahlen will, dann frage ich mich, welche Berechtigung die fetten Gebühren noch haben!

  30. Um es mal mir Radio Eriwan zu sagen: Im Prinzip ja. Eure Empörung ist logisch, verständlich, nachvollziehbar u.s.w. Aber leuchtet denn hier niemandem ein, dass Online-Anbieter (Schreiber, Journalisten, Blogger, Verlage, egal…), die keine GEZ im Rücken haben, einfach gar keine Chance haben mit sowas wie der ARD in den Wettbewerb um Leser zu treten, weil die Sender mit

    a) ihrer Marktmacht (mehr zu den Nachrichten des Tages finden Sie im Internet unter tagesschau.de)

    b) ihrem Geld GEZ eben und

    c) ihrer Manpower

    einfach alles überrollen können?

    Die Löschaktion ist natürlich so schwachsinnig wie das massenhafte Vernichten von EU-Milchseen etc.Die Einschränkung der Öffentlich-rechtlichen auf ihren eigentlichen Auftrag nicht unbedingt.

  31. „Warum sie nicht mehr finden, was sie suchen“ mit diesen Worten betitelte ARD die Löschaktion.
    Verrückt…einige Sender mussten 60% ihrer Online-Angebote vom Netz nehmen. Eine unverschämtheit, wenn man bedenkt, dass man mit der GEZ eigentlich dafür bezahlt hat.
    Und das alles, weil keine Konkurrenz zu den privaten Sendern entstehen soll und die Privaten Sender bislang keinen vernünftigen Online-Auftritt aufgebaut haben.

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