Datenschutz

Die Woche mit Peter Glaser (KW50)

Mehr oder weniger regelmässig gibt es hier zukünftig “Die Woche mit Peter Glaser”. Peter Glaser begleitet seit Anfang der 80er Jahre als Schriftsteller und Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs (CCC) die Entwicklung der digitalen Welt. Sein Blog “Glaserei – Bemerkenswertes aus der digitalen Welt” betreibt er bei der Stuttgarter Zeitung.

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Was war gut diese Woche?

Eine Coworking-Veranstaltung von Sebastian Sooth und Markus Albers unter dem Motto „Schöner arbeiten“ [1]. Ich saß auf der Bühne und konnte dem Publikum beim Arbeiten zusehen. So rum ist das wirklich großartig.

Datenklau und Nacktscanner sind unter den ersten zehn Wörtern den Jahres. Ist das ein Indiz, dass der Datenschutz mittlerweile im Maintream-Diskurs angekommen ist?

Ja, aber nicht aus Interesse, sondern ereignisgetrieben. Und was allein in den letzten Wochen an illegalem Datenhandel bekanntgeworden ist, veranlaßt zwar Journalisten zu starken Formulierungen („Neuer Skandal stellt alles in den Schatten“, „Unglaubliche Ausmaße“, „Drei Viertel aller Haushalte Opfer der Datendiebe“). Aber von einem Aufschrei der Datenberaubten ist nichts zu hören. Ich schätze, dass nicht so sehr der Datenschutz im Mainstream angekommen ist – der ist da schon länger – als vielmehr die Datenwurschtigkeit.

Das Familienministerium verschickt schlecht eingescannte Webseiten-Ausdrucke als PDF an interessierte Bürger. Ist das die versprochene Verwaltungsmodernisierung durch eGovernment?

Das war eine Antwort, genauer gesagt: eine Nicht-Antwort auf einen Brief von Alvar Freude [1], der die Familienministerin auf die fatalen Folgen von Internetsperren und Filtern aufmerksam gemacht hat. Ich möchte hierzu auch auf den iranischen Blogger FreeKeybord hinweisen – sein Blog ist gefiltert worden, aber er hat jetzt mehr Besucher als zuvor [2]. Eine Website als PDF zu verschicken zeugt einerseits von erstaunlicher Hilflosigkeit im Umgang mit dem Netz. Andererseits ist es aber auch eine geschickte, auch von Spammern gern benutzte Möglichkeit, Textfilter zu umgehen.

60 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte jährten sich diese Woche. Brauchen wir eine Anpassung der Menschenrechte für das digitale Zeitalter?

Ich bin der Auffassung, dass der Ausschaltknopf als ein bedeutendes Menschenrecht gewahrt bleiben muß. Sie psychische Belastung, die das Ausschalten vor allem von Kommunikationsgeräten nach sich zieht angesichts der Möglichkeiten, was man alles versäumen könnte, ist immens. Das Nichtrangehen, Nichteinloggen, Nichtmailchecken zu lernen ist schwierig wie ein Morphiumentzug, denn der Mensch ist ein großes, dummes Gefühlstier. Und es gibt diese fatale Entwicklung zu Standby-Gerätschaft und, wie ich glaube, zu Geräten, die man – wie mit einer Reißleine gestartet – bald nur noch wird einschalten können, aber nicht wieder ausschalten.

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