In Grossbritanien ist die Diskussion um eine flächendeckende Videoüberwachung schon weiter als in Deutschland. Dort schaut man sich nach weiteren Nutzungsmöglichkeiten der Überwachungsinfrastruktur um und hat die Bekämpfung des „antisozialen Verhaltens“ entdeckt. Ja, richtig gelesen. Wahrlich eine grössere Herausforderung als der „War on Terror“. Und um beides zu bekämpfen und dabei grossartig „Synergieeffekte“ zu erzielen, sollen jetzt die Überwachungsinfrastrukturen zusätzlich einen Feedbackkanal bekommen – durch Laustsprecher: Überwachen und Befehlen. Das hat auch den positiven Effekt, dass man einen Terroristen durch gutes Zureden an seiner Tat hindern kann, wenn zufällig eine Kamera die Tat filmt.
Noch sind es wenige Überwachungskameras, die mit Lautsprechern ausgerüstet wurden. Von den 158 Kameras in Middlesbrough kann das Sicherheitspersonal nun in einem Test bei sieben Kameras im Stadtzentrum die beobachteten Menschen, wenn sie sich ungebührlich verhalten, ermahnen. Dabei geht es weniger um die Bekämpfung von Kriminalität, sondern um die während der Blair-Regierung immer höher geschraubte Eindämmung des sogenannten antisozialen Verhaltens, das mit den anti-social behaviour orders (ASBOs) belangt werden kann (Blair will „antisoziales Verhalten“ ausrotten). Wer nun betrunken des Nachts herumgrölt oder Abfall auf die Straße wirft, muss damit rechnen, öffentlich bloßgestellt zu werden. Die Kommune meldet stolz: „A new sound is hitting the streets of Middlesbrough…the sound of CCTV.“