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WSIS: Biometrie auf dem Gipfel

Wie schon auf dem WSIS 1 vor zwei Jahren in Genf, gibt es auch diesmal wieder die „bewährte“ RFID-Technik für die Einlasskontrolle. Vor zwei Jahren klappte die so gut, dass es kein Problem war, über Nacht die Chips zu fälschen und mit einer gefälschten Identität an tausenden Soldaten vorbei auf das Gelände zu kommen. Sein…

  • Markus Beckedahl

Wie schon auf dem WSIS 1 vor zwei Jahren in Genf, gibt es auch diesmal wieder die „bewährte“ RFID-Technik für die Einlasskontrolle. Vor zwei Jahren klappte die so gut, dass es kein Problem war, über Nacht die Chips zu fälschen und mit einer gefälschten Identität an tausenden Soldaten vorbei auf das Gelände zu kommen.

Sein „Badge“ erhält man im „Badging-Center“. Dieses befindet sich nicht auf dem WSIS-Gelände, sondern in Nähe des Flughafens. Shuttle-Busse fahren ständig die verschiedenen Orte an. Als ich mein Badge abholen wollte, gab es einige Verwirrung, weil die deutsche Botschaft das schon für ich erledigt hatte. Da mein „Betreuer“ gerade ratlos verschwunden war,machte ich einfach mal Fotos. Später stellte sich heraus, dass ich damit Glück hatte, andere wurden beinahe verhaftet, als sie Fotos im Bading-Center machten.

Hier sieht man die Geräte, wo die Badges hergestellt werden:

Neben verschiedenen persönlichen Daten darf auch ein Passfoto (Vermutlich JPG) nicht fehlen. Dies wird mit der folgenden Kamera aufgenommen:

Wenn man das Gelände betreten will, muss man das Badge gegen eine kleine Scheibe halten. Der RFID-Chip wird dabei ausgelesen und das Foto erscheint auf einem Bildschirm. So wird eine Verifizierung vorgenommen. Was mit den personenbezogenen Daten gemacht wird, die hier massenhaft erhoben werden, ist vollkommen unklar. Befinden diese sich im Besitz der ITU oder der tunesischen Regierung? Wer hat Zugriff auf die Daten? Auskunft erhält man nicht und eine Privacy-Policy hab ich auch noch nicht zu Gesicht bekommen. Eigentlich eine Frechheit.

Vollkommen unklar ist derzeit, wie stark die RFID-Chips sind und ob hier auf dem Gelände Bewegungsprofile erstellt werden. Technisch wäre dies problemlos möglich. Ich versuche mal, hier noch einen überflüssigen Badge zu bekommen, den man dann in Berlin genauer untersuchen kann.

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


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3 Kommentare zu „WSIS: Biometrie auf dem Gipfel“


  1. Tjaja…die Informationsgesellschaft.

    Wird man wenigstens verhaftet, wenn man sein „Preisschild“ geschützt aufbewahrt ?

    So sorgt man doch nur dafür, daß die digitale Spaltung zu- statt abnimmt!


  2. darf man eigentlich damit rechnen, dass diese chips und damit die badges unbrauchbar werden, wenn sie zu heiß werden? also wenn der tunesische sommer ausbricht und die sonne draufknallt.. hmm…


  3. Statt Wasser, Strom & Bildung

    Seit heute treffen sich 17.000 Menschen aus allen möglichen Ländern zum Weltgipfel der Informationsgesellschaft in Tunis. Von dort bloggt auch Markus Beckedahl von Lautgeben.de, der schon fast verhaftet worden wäre. Eines der großen Themen des Gip…

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