Demokratie

Berichterstattung: Microsoft im Parlament

Ein Pinguin zwischen den Schlipsen!Am gestrigen Abend war die Lobby der Berliner Abgeordneten Hausen gut gefüllt: Microsoft lud zu Speis und Trank sowie einer Informationsveranstaltung über sich selbst. Geladen waren die Abgeordneten aller Fraktionen, wobei die Grünen geschloßen nicht erschienen, und ausgewählte Pressevertreter. Wir dachten uns, dass Lobbying auch mal etwas transparenter ablaufen kann: Und waren als Embedded Journalists dabei, u.a. mit einem Audio-Live-Stream der Lobbyveranstaltung via UMTS (Der gestern hier zu hören war).


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Guten Appetit, liebe Politiker!Dort, wo in früheren Zeiten die KPD gegründet wurde, im Feststaal des Berliner Abgeordnetenhauses, begrüßte Walter Momper (Präsident des Hauses, SPD) das größte Softwareunternehmen der Welt. Er bedankte sich mehrfach für das Kommen. Microsoft kostet der Abend ja auch genug an Miete.

Hier durften die Pinguine nicht reinDer Redner für Microsoft, Wolfgang Branoner „Director“ von Microsoft Deutschland für den „Public Sector“ und ehemaliger Wirtschaftssenator Berlins, sprach in seiner Rede oft davon, hier keine Produkte verkaufen zu wollen. Das macht man ja auch später und an einem anderen Ort. Eine Tupper-Party hatten wir auch nicht erwartet.

Bericht und Fotos von der Veranstaltung und der Aktion vor Ort …

Drei Pinguine vorm Abgeordnetenhaus demonstrieren ALT+F4 - Windows-abschalten!Schon am Nachmittag besuchten drei Pinguine das Berliner Abgeordnetenhaus und forderten künstlerisch dazu auf, die Fenster zu zu machen – mit der Tastenkombination „Alt+F4“ ist das leicht gemacht. Das proprietäre Betriebssystem kostet die Stadt immerhin hohe Lizenzgebühren, ist überhaupt nicht nachhaltig und auch nicht besonders sicher. Abgesehen davon, dass es nicht besonders schlau ist, sich bei der IT-Infrastruktur hauptsächlich von einem Monopolisten abhängig zu machen und auf Monokultur zu setzen. Die Berliner Polizei tolerierte die Kunstaktion übrigens auf ihre ganze symphatische Art und Weise: Noch ehe sie wusste, wie sie mit ihr umgehen solle, konnte sie den Pinguinen nur noch einen schönen Tag wünschen.

Zwei Pinguine in der LobbyNach der Plenarsitzung begrüßten im Foyer nebst Microsoft auch die drei Pinguine die Abgeordneten. Leider konnten sie ihnen keine Schnittchen anbieten.

Pinguine mit VeranstalterDie Kollegen des geschlossenen Betriebssystems zeigten sich ungewohnt nervös. Nach kurzer Besprechung entschloßen sie sich dazu, die Pinguine nicht hereinzulassen.

Im Eifer des Gefechtes versagte leider die eingesetzte proprietäre Software für den Audiostreams der Veranstaltung, womit leider keine kompletten Mitschnitte vorliegen. Der Kern der großen Worthülsen lässt sich allerdings ganz gut von den Folien ablesen: Microsoft schafft Arbeitsplätze!

Kennzeichnung von MonokulturenDer Nachtisch wurde von den Aktivisten noch mit dem dezenten Hinweis versehen, dass es sich hierbei um gesponsorte Lebensmittel einer Monokultur handelt. (Hier ist die Vorlage zum ausdrucken, ausschneiden und selber basteln.) Zum Abschluß verabschiedeten wir uns mit einer großen Ermahnung:

Der Chaos Computer Club lässt grüßen: Windows beenden, sofort!

Mehr Fotos von der Veranstaltung. Noch mehr Fotos gibts bei „Am Ende eines Tages„.

Mehr Informationen zu unserer Nachmittagsaktion und Pressemitteilung finden sich hier.

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53 Kommentare
  1. Ich finde es schon seltsam, dass mittlerweile schon Informationsveranstaltungen demonstrativ geschädigt werden. Es führt nur zu einer weiteren Aufspaltung der Linux- und der Windows-Gemeinden. Man sollte viel lieber mit eigenen Veranstaltungen reagieren, seine Vorteile propagieren, anstatt mit lästigen (wenn auch recht witzigen) Störungen aufzutreten. Das erhöht nicht grad die Akzeptanz von Linux, da ja Abgeordnete mehr auf „Seriösität“ als auf „Terrorismus“ setzen. (ich bitte die Anführungsstriche zu beachten und nicht gleich auszuflippen)

    Also meine Meinung ist, man sollte mit eigener effektiver Werbung vorgehen und solche Aktionen unterlassen. Eine Community, welche so stark und mächtig ist, wie diese von Linux, sollte dieses doch ohne Probleme realisieren können.

    Der Midd

    P.S.: Ich benutze auf meinem Rechner beide Systeme. Eine Installation von Mandrake 10 und eine von Windows. Man kann mir also kein Monopoldenken vorwerfen.

  2. @Midd:

    Eine Lobbyveranstaltung ist keine „Informationsveranstaltung“. Die Aufspaltung wird übrigens von Microsoft begünstigt durch deren Patentpolitik und vor allem durch ihr aggressives Marketing gegen Linux. Ich würde den Auftritt auch nicht als „Störung“ sondern als „Bereicherung für den Abend“ sehen. Ohne die Aktion wäre die gestrige Veranstaltung von der Öffentlichkeit unbemerkt geblieben und alle hätten sich gewundert, warum „ganz selbstverständlich“ die Lizenzverträge mit MS erneuert worden wären.
    Davon abgesehen hat MS einen Werbeetat von mehrern Millionen und OpenSource-Software hat naturgemäß keinen (Mal von der Firefox-Aktion abgesehen…).

  3. @franko

    Kennst Du den Standard-Browser der Abgeordneten des Deutschen Bundestages? Scheinbar nicht.
    Ist der Mozilla-Firefox (bzw. Netzcape Communicator bei alten Installationen). Hier wird also schon auf Open Source gesetzt.

    Man sollte nicht nur Hassdenken aufsetzen sondern sinnvoll reagieren. Ich wollte doch nur sagen, dass es kein seriöser Auftritt war und eine Gemeinde die zu unseriösen Mitteln greift, macht sich unattraktiv.

    Und wenn man will, dann findet man potente Sponsoren für eine Veranstaltung. Sie muss ja nicht im Abgeordnetenhaus stattfinden.
    Aber mit Hassdenken kommt man ja nicht auf solche Ideen und Gedanken, dass es eher schaden kann. Es ist einfach nur schädigend für Linux. Aber das wird niemand verstehen, was ich hier eigentlich zum Ausdruck bringen will.

    Und „Lobbyveranstaltungen“ gibt es überall. Ich sehe es als Informationsveranstaltung.

    Ach ja, wer aggressiv gegen wen vorgeht, das sei mal dahingestellt. Man braucht nur mal das Netz durchsuchen und findet massen an Beiträgen, die sich mit bösartigen Triaden gegen Microsoft richten. Es ist nur eine andere Plattform.

    Sinnvoll im Sinne der Softwarelandschaft kann aber nur eigene Werbung gezielt bei den Verantwortlichen sein. Und das gestern war keine Werbung, es war eine Störung.

    Tut mir leid, das ist meine Meinung. Open Source ist gut, ich nutze sie, aber das war keine Werbung.

  4. @Midd: Prima, wenn Du willst, schaffst Du sicherlich sofort potente Sponsoren für eine Linux-freundliche Lobbyveranstaltung an. Und sicherlich kommen auch viele Abgeordnete, wenn wir die Veranstaltung irgendwo anders machen, oder was war der Sinn von Microsoft, diese direkt im Haus zu machen? Das Argument mit dem „aggressiv“ gegen Microsoft im Netz vorgehen löst sich auf, wenn man sich mal die ganzen Trolle im Heise-Forum zu dem Artikel anschaut. Hassdenken hatte bei uns niemand, was wir mit dieser Aktion wollten, war mehr Aufmerksamkeit auf die derzeitige Situation in Berlin legen. Hätten wir nur annähernd ein zehntel des Werbe-Etats von Microsoft, könnten wir sicher auch andere, klassischere Wege gehen. Aber so findet das alles in unserer Freizeit statt, ohne Finanzierung. Und da hilft nur Kreativität.

  5. Ich sag besser nix mehr dazu … verstehen scheint hier eh keiner, was ich sagen will.

    Also psst … ihr seid toll. Superding. Find ich klasse. Linux rulez.

    Der Midd

  6. Kann franko nur voll zustimmen, ohne die fokussierende Wirkung der Aktionen wäre diese Veranstaltung völlig unbemerkt geblieben, wie es sich für ein Lobbytreffen für die Berliner Politik-Zombies in ihrem Schuldenturms auch gehört.

    Das Ziel Berlin ist ja auch nicht zufällig von den Lobbyisten und PR-Agenturen gewählt worden, es ist ein offenes Geheimnis, dass das total verschuldete Land Berlin für ein paar Cents alles mitmacht/tolleriert bzw. die Berliner Laientruppe des Abgeordnetenhauses größtenteils aus Leuten besteht, die dringend einen Ausstieg aus dem Desaster ihrer politischen Laufbahn suchen.

    Da kommt Wolfgang Branoner gerade recht, das lebende Beispiel, dass der Aussstieg möglich ist, der Silberstreif am Horizont des Politiksumpfes Berlin. Solange man sich mit Microsoft und Co. gut stellt, natürlich.

  7. @Midd: Vorbei die Zeiten, in denen sich „Aktivisten“ irgendwo anketten und ins Meer schubsen lassen. Das liegt aber sicher auch daran, dass sie gegen fuer Otto-Normalverbraucher unsichtbare Gegner antreten. Dieser Auftritt gestern Abend war keine Störung, bei der etwas kaputtgemacht oder jemand verschreckt oder der Veranstalter beschimpft wurde. Ich wuerde es denn eher als Aufschrei deuten. Als Versuch, dem „muendigen“ Buerger zu zeigen, wie Entscheidungen gefaellt werden.
    „Informationsveranstaltung“?? -> guckst du http://de.wikipedia.org/wiki/Lobbying

    Ich nutze auch beide BS, kann es mir aber aussuchen und zahle nicht regelmaessige Lizenz- und Supportkosten.

  8. Klar, Linux ist lizenzkostenfrei und kostet null Einrichtung und so. Wers glaubt! Meint ihr ernsthaft, die Installationen in München sind kostenlos? Meint ihr ernsthaft, der Wartungsaufwand und die daraus entstehenden Kosten sind nicht vorhanden? Meint ihr ernsthaft, es kostet den Steuerzahler kein Geld, wenn man auf Linux umsteigt?

    Glaubt es weiter!

    Ich bin wie gesagt absolut für die Entwicklung, die Open Source bereitstellt. Ich finde, OpenOffice ist sehr gut. Ich finde auch die BS sehr gut.

    Nur, der Wartungsaufwand ist riesig bei Linux. Jedenfalls am Anfang. Und derzeit kommen auch aller 5 Minuten neue Patches, neue Versionen auf den Markt.

    Und Sicherheit? Ist doch schon bezeichnend, dass bei unserem Provider letzte Woche 3 Linux und „nur“ 2 Windows-Server gehackt wurden. Komisch oder? Da entsteht auch ein neues Potential.

    Linux ist eine sehr gute Lösung, ein potenter Gegner, aber die meisten Argumente für einen Umstieg lösen sich im Zuge zunehmender Verbreitung in Wohlgefallen auf.

    Die Kosten bleiben ähnlich … sie werden nur anders verteilt. Bei dem einen bezahlt man Lizenzen, bei dem anderen die Administratoren, die das ganze warten … das Ergebnis bleibt nahezu gleich.

    Man sollte sinnvoll vergleichen, sinnvoll entscheiden und sinnvoll argumentieren. Nur auf Geld für Lizenzen hinzuweisen ist für mich zu wenig.

    Der Midd

  9. @Midd: Sorry, langsam muss ich dich als troll betrachten, auch wenn du teilweise sinnvolle sachen sagst. aber niemand hat bisher behauptet, dass die installationen in münchen kostenlos sind und es auch null euro einrichtung für berlin kosten würde.

    klar ist der umstieg teurer und aufwändiger am anfang. das gilt andersherum auch für migrationen von linux zu windows! dein argument mit deinem sicheren provider ist auch etwas weit hergeholt. und mir ist es auch lieber, wenn es regelmässig patches gibt als nur wenige alle paar monate von microsoft. viren, würmer, etc. zeigen ja immer ganz plastisch, wozu sowas führt.

    im übrigen braucht man für grössere netze unter linux weniger adminsitratoren als bei windows-monokulturen.

  10. Die MS-Feinde werden klatschten und sich gut und bestätigt fühlen, die Entscheider werden abrücken und sich doch lieber an das gewohnte halten als an Spontis im Pinguin-Outfit. Die Überzeugungsarbeit mit Sachargumenten wird unterlaufen und das Recht wird gebeugt. Das schadet der Sache mittelfristig nur und die Begeisterung von heute ist doch auch nur Schadenfreude. Die Stadt München hat am Ende kein Geld gespart bei der Umstellung, aus ökonomischer Sicht bringt dies also (noch!) wenig und das immer noch zu fehlerhafte OpenOffice ist MSOffice einfach (noch!) nicht geachsen. Das es Alternativen gegen ein zwefellos gut verdienendes Monopol gibt ist sehr gut! Aber Rechtsbeugung ist genauso wenig akzeptabel. Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel!!! Arbeitet hart an Linux und Co und macht es besser als MS (nein das ist es nicht!) und dann wird Euch die Geschichte Recht geben … so wird das nix.

  11. Midd: Das ein Umstieg auf Linux keine Kosten verursacht, wird niemand mehr behaupten können und wollen, klar.

    Allerdings macht es wirtschaftlich wesentlich mehr Sinn, dass Berlin ein paar Linux-Admins einstellt und bezahlt, als dass das Geld für Lizenzen in die USA zu Microsoft fliesst. Oder?

  12. Ich sage doch nicht, das Linux schlecht ist. Ich sage nur, man sollte sinnvoll argumentieren und das nicht auf die Art machen „Windows ist Schrott“. Man sollte auf seine eigenen Vorteile hinweisen.

    Und Lizenzgebühren (hier immer wieder das Hauptargument) sind für mich kein Argument. Im Vergleich zum Arbeitsaufwand sind die Lizenzgebühren vergleichsweise gering.

    Und noch ein kleines aber feines Argument für Windows. Ich kann ein Netz betreiben, in dem verschiedene Windows-Versionen laufen. Und das fast ohne Probleme.
    Ein Netzwerk mit Linux bereitet da mehr Probleme. Alleine die Kompatibilität zwischen Mandrake, Redhat und Suse ist erschreckend. Und dann noch bei verschiedenen Versionen. Lassen wir das.

    Es ist unbestreitbar, dass die Kompatibilität der Windows-Versionen einen Einschnitt bei der Sicherheit bieten. Da sag ich nix gegen. Aber immerhin sind sie so gut wie vollständig kompatibel. Und das kann in seeeeeeehr großen Netzen wahnsinnig wichtig sein (allein die verschiedenen Fraktionen haben über 1000 Rechner …)

    Sagen wir es so. Mit sinnvollen Mitteln werbend steh ich gern hinter Linux und Open Source.

    Ach ja, Administratoren in großen Windows-Netzen. Dank SUS-Server hat sich das ja zum Glück auch wahnsinnig verringert.

  13. @Salzadi

    Microsoft sitzt auch in Deutschland und zahlt hier Steuern. Also denk ich mal, das würde an Microsoft Deutschland gehen und nicht in die USA … sollte mich zumindest wundern.

  14. Ich denke mal, dass sich Lobbyarbeit grundsätzlich nicht verhindern lässt. Dabei gibt es immer diejenigen mit grossen finanziellen Mitteln und Druck (z.B. Microsoft) einerseits und andererseits die, die mangels finanzieller Macht auf die Öffentlichkeit bauen müssen (z.B. die Pinguin-Aktivisten).
    Für mich ist aber der Stein des Anstosses der Ort, an dem das stattfindet. Wenn Microsoft ein Hotel mietet und Limo-Shuttle zur Verfügung stellt, ist das ihre Sache, aber die Räume des Abgeordnetenhauses sollten sich nicht von irgendeinem Konzern vereinnahmen lassen. Und auch nicht von anderen Gruppen.

    Just my 2 cents

  15. Daß hier immer auf rein ökonomischen/finanziellen Aspekten herumgeritten wird, von wegen was denn nun kostengünstiger sei. :/
    Natürlich ist das *ein* Punkt, leider auch ein relativ entscheidender, weil vertrauter. Über Geld kann halt jeder mitreden.
    Allerdings sollte bei der Debatte um ein komplexes Thema nicht alles auf die scheinbar einfachen Punkte reduziert werden.
    Im Artikel stehen durchaus auch (mehr oder weniger direkte) Hinweise auf solche, wie z.B. die Nachhaltigkeit (auch wenn mir das Wort etwas unangenehm ist) offener Systeme/Schnittstellen, das Lösen von einer monopolistischen Abhängigkeit mit dem Potential, eine auf die eigenen Bedürfnisse maßgeschneiderte und damit effiziente Lösung zu entwickeln.
    Diese und andere Argumente lassen sich nur schwerlich in Zahlen darstellen und damit kaum in die Gewinn-Verlust-Rechnung einbeziehen, um zu sehen, was „unterm Strich“ rauskommt.

    Zur Aktion selbst kann man stehen wie man will, Verkleidungen lächerlich finden oder nicht. Grundsätzlich ist die Einmischung aber (mehr als zu) begrüßen, die Form halte ich einfach wegen ihres Aufmerksamkeitsfaktors für OK, auch wenn ich natürlich das Argument sehe, daß Seriösität in der allgemeinen Auffassung anders (Anzug und Krawatte?) aussehen mag.

    Alles in allem aber herzlichen Dank für das Engagement!

  16. Ich fand die Aktion gegen Microsofts subversives Geschäftsgebahren gut. Lobbying ist ja in den USA gang und gäbe, aber das ist ja auch schon längst keine reine Demokratie mehr die sie da haben. In Europa muss man den Monopolisten (nicht nur M$) die Stirn bieten.

    Weiter so :D
    Es lebe die freie Wahl….!

  17. Klasse. Einfach großartig! Die schmierigen Lobbyveranstaltungen, die Staat und Bevölkerung nachhaltig schädigen, ins Flutlicht der Öffentlichkeit zerren ist die einzig richtige Antwort auf dieses schändliche Treiben. Wenn ich mehr Zeit und Geld zur Verfügung hätte, würde ich gar soweit gehen, über jeden Politiker in Deutschland eine öffentlich im Internet abrufbare Kartei anzulegen, wann er auf welchen Lobbyveranstaltungen zugegen war, welche Geschäfte er mit den Konzernen später abgeschlossen hat, etc. DAS wäre die Transparenz, die einer bereits übermäßig mit Abgaben gebeutelten Bevölkerung zustehen würde. Das große Bild, für jeden schnell und einfach zugänglich! Politiker sollten es sich zehnmal überlegen müssen, bevor sie auf solche Veranstaltungen gehen. Denn der Effekt der Steuergeldverschwendung und Hinterziehung ist doch letzten Endes das Gleiche: das Geld fehlt in den Kassen. Allein, nur letzteres ist strafbar .. und dass muss sich ändern. Wenn es schon auf gesetzlicher Ebene illusorisch ist (keine Krähe hackt einer anderen ein Auge aus), dann sollte es doch wenigstens auf einer gesellschaftlichen Ebene Realität werden.

    So long und macht weiter so!
    Felix

  18. Nur mal so an einige Kommentareschreiber: Ich lösche Kommentare (bzw. werden diese erst gar nicht freigeschaltet), die z.B. beleidigend sind oder nur blöd rumpöbeln. Und nein, dies ist kein Angruff auf die Meinungsfreiheit, der passende Ort ist nur woanders -> im Heise-Forum bei den anderen Trolls. Also spart Euch lieber die Zeit zum tippen hier. Oder argumentiert, das soll helfen.

  19. Sehr schön ;)
    Microsoft schafft Arbeitsplätze und macht in Deutschland (deutlich) weniger Umsatz…. Merkt ihr was ?
    Willst du einen Politiker fangen, musst du das mit seinen eigenen Mitteln tun.
    Abgesehen davon, das MS mittlerweile der frische Linux Wind die Fenster eindrückt, ist eine Monopolstellung und eine derartige Lobbyveranstaltung untragbar. Hoch lebe der freie Verstand und diese wirklich gelungene Aktion.
    ciao

  20. Ob die Aktion nun gut oder schlecht in Punkto Plusspunkte fuer Linux war, sei mal dahingestellt. Neben dem politischen Ansinnen der Aktion, fand ich es einfach witzig. Wieso sind denn nicht die Microsoft Leute so locker und sucht den Dialog? Nein — da wird ausgesperrt. Es ist halt leichter sich die unliebsamen Dinge schnell vom Aermel zu schuetteln, als sich mit Ihnen auseinander zu setzen. Ich denke naemlich, bei einer wirklichen Informationsveranstaltung haette man nicht so verkrampft reagiert — hier war es sicherlich schaedlich fuer das *Geschaeft*.

    Find die Aktion persoenlich gut. Dezent. wirkungsvoll und lustig.

  21. Ich finde es unglaublich, wie sich die Politiker der Hauptstadt von Microsoft einschmieren lassen. Es ist doch wohl klar, dass diese Veranstaltung nichts mit Information zu tun hat, sondern ein Sympathie-Einkaufsprogramm von Micro$oft ist. Wer das zulässt und dann auch noch verteidigt, dem sollten öffentliche Gelder besser nicht anvertraut werden.

    Gute Aktion, Danke!

  22. Super Aktion!

    Wirklich Mutig so etwas aufzuziehen! Es hat auf jeden Fall die Presse angezogen und es wurde den Massen mal wieder gezeigt wie Politiker sich für einen netten Abend gerne einwickeln lassen.

    Hätte es wirklich eine Informationsveranstalltung sein sollen, währe ein so großer Rahmen überhaupt nicht nötig und es hätte eine Vorstellung und Diskussion der verschiedenen Seiten geben müssen. Umsonst hat keiner etwas zu geben. Der teure Rahmen den die Politiker genießen wird indirekt wieder über Steuergelder finanziert – auch wenn Microsoft das Geld bis zum nächsten Vertrag erst einmal vorstreckt.

    Bessere Werbung für Linux währe natürlich eine vergleichbare Veranstalltung gewesen – aber wer soll das bezahlen?

    Gruß
    Klaus

  23. Eine schöne Aktion. Habe gelacht! Eine Anmerkung: „ALT F4“ ist lustig, aber außer Computerfreaks versteht das keiner. Und Zweck der Aktionen war doch, die Leute zu informieren. Und was nützt es, wenn die Linux-Leute lachen? Wir wissen doch sowieso schon Bescheid.

  24. Markus: Ich habe die BlingBling-Kettchen vermisst ,)

    Ansonsten und überhaupt natürlich Gratulation zur gelungenen Aktion.

    Midd: Eine Argumenation auf der Sachebene war von Microsoft gestern Abend verständlicherweise nicht gewünscht, wie du ja sicherlich gelesen hast. Gleichwohl wissen die Abgeordneten nun, wo sie fragen können, wenn sie an detallierten Informationen zu sinnvollen Alternativen interessiert sind. Nur Schnittchen und Sekt sind bei OS leider nicht drin.

  25. @Der Midd

    „Microsoft sitzt auch in Deutschland und zahlt hier Steuern. Also denk ich mal, das würde an Microsoft Deutschland gehen und nicht in die USA … sollte mich zumindest wundern.“

    Selbstverständlich zahlt Microsoft in Deutschland Steuern, aber nicht für die Lizenzen, die sie hier verkaufen.

    Florian Müller hat im Rahmen der NoSoftwarePatents-Iniziative darüber berichtet wie das Microsoft-Prinzip funktioniert:

    Auszug:

    Und so funktioniert dieses miese Spiel:
    – Kauft man z. B. ein Windows-Exemplar in Deutschland, so ist dieses normalerweise aus Irland geliefert worden.
    – Der Umsatz und der Gewinn fallen somit prinzipiell in Irland an und werden dort zum Niedrigsatz versteuert.
    – Die deutsche Microsoft-Niederlassung wird gegenüber den Finanzbehörden als Marketingagentur ausgewiesen. Sie ist sozusagen nur dafür da, Dienstleistungen (Marketing, Verkaufsförderung, Vermittlung von Geschäften etc.) für ihre irische Muttergesellschaft zu erbringen. Die Muttergesellschaft hat natürlich kein Interesse, diese konzerninternen Leistungen zu einem so hohen Preis einzukaufen, dass Microsoft Deutschland einen erheblichen Gewinn erzielen und darauf die hohen deutschen Steuern zahlen würde. Also wird die Tochtergesellschaft aus steuerlichen Erwägungen möglichst nur im Bereich einer „schwarzen Null“ gehalten.

    http://www.nosoftwarepatents.com/phpBB2/viewtopic.php?t=390

  26. Gratulation, habe gut gelacht!

    Ich denke uebrigens nicht dass solche Aktionen dem Ansehen von Linux schaden. Die Gemeinschaft macht eben die OSS Bewegung aus. Es geht letztendlich nicht um Profite und political correctness sondern um Spass und Vernunft. – Vielleicht sollten einige noch lernen dass Vernunft nicht unbedingt an Ernstheit und professionelles Auftreten gebunden ist.

  27. @ Rene: Das war ein Audiostream. Wir überlegen uns gerade noch, was wir damit anstellen sollen. Vielleicht eine „Remix den Momper“-Aktion oder so?

  28. hi.
    Also dass sich die microsoftleute auf keine diskussion einlassen, ist schon verständlich. Es ist einfach eine Werbeveranstaltung für ihre Produkte. Wer will bei sowas schon schwächen aufzeigen lassen.
    Zu dem oben genannten aspekt, man könnte sich die system so anpassen, wie man sie braucht. Dies wird seltenst getan, selbst in größeren unternehmen nicht, zumindest stand bei heise mal sowas als ergebnis einer umfrage. Es wäre allerdings bei solch sich rapide bewegenden zielen wie dem kernel oder einigen anderen großen projekten eher ressourcenverschwendung.
    Ich denke, dass ms gerade auf desktops noch weit vor linux liegt, und für den unbedarften privatanwender sicher die bessere wahl ist, solange er das autoupdate aktiviert etc.
    Allerdings kann man in so großen umgebungen davon ausgehen, dass die user selbst kaum zugriff auf das system haben, und von daher auch nciht die einfachen dialoge aus ms-produkten benutzen müssen, die halt häufiger mal nicht die einstellmöglichkeiten bieten, die man sich wünscht.
    Ich bin eingefleischter linux- und bsduser, aber als ich letztens mal mit winxp-pro hantiert habe, war ich doch schon überrascht, wieviel man doch damit machen kann.

    Ein weiteres wichtiges argument, dass ich bei open source sehe, ist, dass es bei einer größeren verbreitung evtl. auch zu mehr 0-day exploits kommen kann, weil es einfacher ist, in einem quelltext nach lücken zu suchen, als im assembler von ms. Hier greifen dann natürlich die hardening-versuche aller größeren distributionen in letzter zeit an, die selbst schlechten code nahezu unexploitable machen sollen.

    Ok, hatte nciht soviel bock zu schreiben, dementsprechend unausgereift erscheinen die argumente mir jetzt auch.
    Vielleciht sieht man sich aufm 22c3 und kann mal richtig diskutieren :) Ich tue auch freiwillig so, als wäre ich für windoze :-P

  29. Ich würde doch gerne die Kritiker der Aktion doch fragen, wie es denn sonst überhaupt eine Marktpenetration des Begriffs „Linux“ erfolgen sein. Schnittchen, schicke Hugo-Bossa anzüge und leckere Desserts kann man mal nicht einfach eben so bezahlen – und auch würden die Leute, die „Linux“ für ein Brettspiel halten erst gar nicht kommen.
    D.h. unterm Strich ist dann die Grünen-Fraktion zu 90% da und der Rest is zu Hause.

    IMHO ging es nicht anders und man sollte die Aktion ja auch mit einem Augenzwinkern betrachten.

    d/b.

  30. Generell finde ich die Aktion sehr gut. Wird doch das Lobbieng (korrigiert mich,
    wenn man es anders schreibt) mal an das Licht der Öffentlichkeit gebracht. Ohne die
    Aktion hätte doch niemand davon Wind bekommen. Ich kann mir denken, dass diese
    Veranstaltung nur die Spitze des Eisbergs ist…

    @Der Midd

    >Und Sicherheit? Ist doch schon bezeichnend, dass bei unserem Provider
    >letzte Woche 3 Linux und “nur” 2 Windows-Server gehackt wurden.
    >Komisch oder? Da entsteht auch ein neues Potential.

    Ein Server ist immer nur so sicher wie sein Administrator. Ein professionell
    abgesichertes Windows-System ist bestimmt sicherer, als ein Linux-System, das
    von einem Deppen betreut wird. Das gilt natürlich auch im umgekehrten Fall
    genau so. Weiterhin gibt es auch Unterschiede in den verschiedenen
    Linux-Derivaten, da sollte man aufpassen nicht alle über einen Kamm zu scheren.

    Überhaupt sollte man nicht nur die geglückten Hackversuche betrachten, sondern
    auch die gescheiterten. Wenn ein System 100 mal angegriffen wird und drei mal
    erfolgreich gehackt wird, ist es ggf. sicherer als eines, bei dem zwei Hacks
    bei 20 Angriffen durch kamen. Weiterhin kommt es auch darauf an, was der Hacker
    bei einem Angriff zu sehen bekommt bzw. was er anrichten kann. – Es gibt Systeme,
    die lassen sich scheinbar leicht hacken, gaukeln dem Angreifer aber in einer
    Sandbox eine erfundene Datenumgebung vor… ;))

  31. Die Aktion hat auch hier in den USA gefallen gefunden. Das so manche Microsoftler das nicht gerne sehen ist verstaendlich. Interessanterweise wird von manchen zuerst von friedlicher Co-existenz geredet und dann vom Gegner (Linux). Naja, ich glaube zu verstehen wie der Author wirklich denkt …

    Apropo, ganz nebenbei, mit Linux und Open Source kann man ganz ohne Microsoft seine eigenen Ideen verwirklichen – das kommt dem Fischen lehren damit man sich selber versorgen anstatt immer nur Fisch ausgeben Prinzip sehr nahe, wie ich meine.

    Gibt es eine Anleitung um die Pinguin Kostueme zu entwickeln? (Ein Lob an den/die Schneider)

  32. @ Wespj: Die Pinguinköpfe haben wir aus Luftballons, Kleeister und Papier gebastelt. Wir schauen mal, ob wir noch eine bebilderte Bauanleitung hinbekommen zum selber basteln.

  33. Die Umstellung auf Linux stellt erwiesenermassen vor allem bezgl. der Wartungkosten ein finanzielles Risiko dar, das wurde hier auch schon geschrieben. Viele OS-Programme besitzen einfach (noch) nicht die Qualität, um damit sorgenlos drauflosarbeiten zu können. Die Politiker brauchen doch eh nur Office-Software , die dafür ziemlich intensiv. Das sind keine Hacker. Also ruft Apple an und veranstaltet einen gemeinsamen Lobbying-Event unter dem Stichwort „Stabile Betriebssysteme, Office für den, der’s nicht anders will und die Welt der OS-Software. Ich persönlich benutze Mac OS X, Tiger, Firefox, AbiWord , Gimp und co. seit einem Jahr und bin den MS-Mief ohne Hackerei losgeworden.

  34. Moin, erstmal von meiner Seite ein großes Lob. Tolle Aktion! So zu dem ewigen Streit zwischen Windows und Linux: Ich benutze beides (Windows auffer Workstation und Linux auf den Servern). Ich nutzte auch mal Linux aufm Desktop, wechsel aber recht periodisch. Allerdings muss ich sagen, dass auch unter Windows die OpenSource Programme immer noch besser sind, als die Windows Pendante. Wer will denn bitte nach einem falschen Klick bei Google fünf Dialer/Viren/etc. auf dem Rechner haben (Internet Explorer). Klar, ich geb’s zu: Firefox HATTE! auch Sicherheitlöcher und es kann sich immer mal wieder eins einschleichen, aber ich finde es wichtig, wenn dieses gefixt wird und nicht, während die Existens einen ausnutzenden Virus/etc. bekannt ist, stillschweigend ignoriert. Und zu dem Argument, dass es für Linux alle 5min Updates gibt: Na und? Ich kann bei debian „mal eben“ ein Update einspielen ohne den Rechner tausend Mal neustarten zu müssen (Windows Update). Ausserdem beweist das nur, dass die OpenSource Welt mehr auf Sicherheit bedacht ist, als die Leute von Microsoft. Und wenn bei einem Provider auch Linux Maschinen gehackt wurden, lag das entweder an nicht eingespielten Updates oder einem fehlerhaften Script oder ähnlichem, aber keinesfalls an dem Linux Kern selbst. Und wenn gesagt wird, die Linux Versionen wären unter sich inkompatibel, wie kommt es dann, dass ich in einem Netz RedHat, Windows, debian und SuSE einsetzen kann? Und das ohne viel rumzufummeln. Ich bin dafür, dass der Staat OpenSource fördert und nicht blind auf einen Konzern vertraut, der auch vor kriminellen Maßnahmen nicht halt macht. Soviel von meiner Seite.

  35. Komme zwar etwas spät aber noch nicht zu spät. Grundsätzlich finde ich die Aktion mit den Pinguinen eine tolle Sache und ich sehe auch überhhaupt nichts schlechtes daran. Es handelt sich hier im einen Denkanstoss.

    Ich finde allerdings auch, dass man MS ist nich komplett in der Luft zerreissen sollte, hat dieses Betriebssystem seinen Benutzern doch einen relativ simplen und einfachen Einstieg in die Welt der Datenverarbeitung ermöglichte.

    Mein Tipp, back to to the old days! Ich finde das Leben war mit meinem Schneider CPC 664 viel schöner und sorgloser ;)

  36. Monokultur ist keine Innovation!

    Wir fordern von Berlins regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und Innensenator Dr. Erhart Körting mehr Mut zu Alternativen: Freie Software ist nicht nur preisgünstiger, sondern fördert auch regionale Unternehmen und ist nachhaltig innovativ. Die Umstellung erfordert zwar zunächst mehr Aufwand, ist aber langfristig günstiger, da keine laufenden Lizenzkosten anfallen. Bereits jetzt laufen in einigen Bereichen der Berliner IT wichtige System unter Linux – ein Beweis für die Praxistauglichkeit. Die Stadt München hat die Umstellung zur Chefsache gemacht.

    In den Schulen müssen Alternativen zu Microsoft zumindest aufgezeigt werden anstelle blind das Monopol zu festigen. SchülerInnen sollen die Software im ITG- oder Informatik-Unterricht im Prinzip verstehen und nicht auf einen Hersteller konditioniert werden. In Zeiten leerer Kassen fällt es zwar schwer, freundliche Geschenke vom Monopolisten abzulehnen, doch ist das Ziel dieser Präsente offensichtlich.

    Chaos Computer Club
    http://www.ccc.de
    Quelle: http://www.ccc.de/updates/2005/microsoft-im-abgeordnetenhaus?language=de

    is auch richtig so

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