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Forschungsministerium fordert mehr Open Access im „Zweiten Korb“

Wolf-Michael Catenhusen, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) kritisiert in einem Artikel von Christiane Schultzki Haddouti aus Heise den „Zweiten Korb“ der Urheberrechtsnovelle. Dabei verweist er auf das Aktionsprogramm „Informationsgesellschaft Deutschland 2006“, wo die Bundesregierung sich verpflichtet hat, „den Zugang zu wissenschaftlichen Informationen zu fairen Bedingungen sicherzustellen“. Allerdings garantiert dies der „2. Korb“ in der derzeitigen Fassung überhaupt nicht und übervorteilt nur die einflussreichen Verleger. Damit bleiben der Bibliotheksversand Subito, Schulen und Bibliotheken auf der Strecke. Übrigens gerade in Zeiten von PISA eine sehr gute Idee, um Deutschland wieder „wettbewerbsfähig“ zu machen.


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Angesichts dieser von den Verlagen durchgesetzten Restriktionen kritisierte Catenhusen, dass es nicht angehe, dass dem Staat von jenen „das Wächteramt für Wertschöpfungsketten“ angedient werde, die „bei jeder Gelegenheit zum einen eine überbordende staatliche Regulierungswut kritisieren und die andererseits ihre eigene Wertschöpfung angesichts des technischen Fortschritts nicht auf die Reihe kriegen“.

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Er fordert, dass „die Möglichkeiten einer digitalen Werknutzung und eines schnelleren und einfacheren Informationszugangs ausgeweitet werden sollen“. Gleichwohl unterstütze das BMBF zwar die Open-Access-Aktivitäten der Wissenschaft, es könne aber „nicht stellvertretend für die Wissenschaft quasi als digitale Zentralbibliothek fungieren“.

Auch Gabriele Beger, Vorsitzende der Rechtskommission des Deutschen Bibliotheksverbands wurde dazu von Heise befragt:

„Die großen weltumspannenden Verlage werfen gerne in die Diskussion das Argument ein, dass Arbeitsplätze verloren gehen könnten, obgleich die Urheber von den Erlösen längst nicht mehr leben können.“ Mit der Novelle des Urheberrechts würden Instrumente abgeschafft, die für ausgeglichene Interessenlage sorgen. „Wenn alle vernünftigen Argumente ausgetauscht sind“, empfiehlt Beger daher, „müssen leistungsstarke Bibliotheken wohl in andere Länder ausweichen, um die Grundversorgung aufrechtzuerhalten.“