Staatstrojaner

  • : Deutschland hält an widersprüchlicher Kryptopolitik fest und gefährdet vertrauliche Kommunikation für alle
    Staatstrojaner gefährden vertrauliche Kommunikation für alle Menschen. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/tirch/6135645886/">tirch</a>
    Deutschland hält an widersprüchlicher Kryptopolitik fest und gefährdet vertrauliche Kommunikation für alle

    Sowohl in Deutschland als auch in der EU konkretisieren sich die Bemühungen, verschlüsselte Kommunikation mitlesen zu können. Dabei ist ein Trend zu erkennen: Statt zu versuchen, Nachrichten und Daten im Nachhinein lesbar zu machen, sind Staatstrojaner im Vormarsch, um Informationen direkt am Rechner der Betroffenen abzugreifen.

    28. Oktober 2016 15
  • : Intelligente Videoüberwachung: Regierung will Folgen der Grundrechtseingriffe später reflektieren – vielleicht.
    Foto: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Überwachungskameras_Autohof_in_Thüringen_an_A9_03.06.2013_10-07-08.JPG">Wikipedia</a>, Lizenz: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de">CC BY 3.0</a>
    Intelligente Videoüberwachung: Regierung will Folgen der Grundrechtseingriffe später reflektieren – vielleicht.

    In Zukunft soll „intelligente Videotechnik“ auffälliges Verhalten erkennen und Gesichtserkennung leisten können. Das bedeutet einen noch tieferen Eingriff in die Privatsphäre durch Überwachungskameras. Aber die Regierung macht sich zu diesem Effekt bisher nur wenig Gedanken, zeigt ihre Antwort auf eine Kleine Anfrage von Konstantin von Notz.

    27. Oktober 2016 8
  • : Erweiterung des Trojaner-Programms: Staatliche Spionagesoftware auf dem Mobiltelefon
    Staatliche Trojaner drohen nun auch auf dem Mobiltelefon. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/143601516@N03/">Blogtrepreneur</a>.
    Erweiterung des Trojaner-Programms: Staatliche Spionagesoftware auf dem Mobiltelefon

    Das Bundeskriminalamt soll nun auch mit Trojanern für Mobiltelefone und für weitere informationstechnische Systeme ausgestattet werden. Diese neue „Produktlinie“ des Staatstrojaners wird mehrere Millionen Euro kosten. Ob und wie die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts dabei eingehalten werden, vermag bisher niemand zu prüfen.

    4. Oktober 2016 9
  • : Bundesregierung zieht keine Lehren aus der Veröffentlichung der NSA-Hacking-Tools
    Hintertüren in Soft- und Hardware lieber schließen als ausnutzen. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY-SA 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/142017514@N07/27732556010/">Vincent Truchseß</a>
    Bundesregierung zieht keine Lehren aus der Veröffentlichung der NSA-Hacking-Tools

    Die Veröffentlichung mehrerer NSA-Hacking-Tools durch eine Hackergruppe hat gezeigt, dass selbst die NSA nicht sicher vor Angriffen ist. Die Bundesregierung zieht daraus keine Lehren: Sie versteht nicht, dass in Deutschland das gleiche passieren könnte, wenn Sicherheitslücken von Behörden genutzt und nicht geschlossen werden.

    30. September 2016 21
  • : ePrivacy-Reform: Deutscher Anwaltverein weist auf mögliche Ausweitung staatlicher Überwachung hin
    ePrivacy-Reform: Deutscher Anwaltverein weist auf mögliche Ausweitung staatlicher Überwachung hin

    Der Deutsche Anwaltverein warnt in einer Stellungnahme, dass die ePrivacy-Richtlinie der Europäischen Union noch mehr staatliche Zugriffe auf vertrauliche Kommunikation zur Folge haben könnte: Es droht die Überwachung von Messengern. Die Juristen fordern in diesem Zusammenhang außerdem die Schaffung einer Rechtsgrundlage für den Staatstrojaner.

    20. September 2016 4
  • : Unionsfraktion vollendet Sicherheitsquartett mit neuem Zwölf-Punkte-Programm
    BKA-Chef Holger Münch und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union Dr. Stephan Harbarth bei der Vorstellung des Zwölf-Punkte-Programms.
    (Von rechts:) BKA-Chef Holger Münch und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union Dr. Stephan Harbarth bei der Vorstellung des Zwölf-Punkte-Programms. Foto: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Dv6Q3UjiwZ8">Youtube-Thumbnail</a>
    Unionsfraktion vollendet Sicherheitsquartett mit neuem Zwölf-Punkte-Programm

    Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat ein Zwölf-Punkte-Programm zur Terrorismusbekämpfung vorgelegt. Der Beschluss sieht unter anderem den Einsatz von Staatstrojanern, die Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung sowie privatisierte Zensurinfrastrukturen bei sozialen Netzwerken vor.

    5. September 2016 23
  • : Berliner Erklärung: Innenminister der Union fordern drastische Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung
    Die Innenminister der CDU/CSU beim Gruppenfoto zur Berliner Erklärung. Foto: ressestelle Ministerium für Inneres und Sport M-V.
    Berliner Erklärung: Innenminister der Union fordern drastische Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung

    Angriffe auf den Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung für E‑Mail und soziale Netzwerke, mehr Personal und mehr Befugnisse für Geheimdienste, elektronische Fußfesseln für nicht verurteilte Personen, Videoüberwachung überall und die Militarisierung der Polizei. Die Union hat in ihrer Berliner Erklärung das Grundgesetz vollkommen aus den Augen verloren.

    19. August 2016 75
  • : Netzpolitische Regierungsbilanz der Großen Koalition Berlin: Überwachung top, IT der Verwaltung Flop
    Die IT der Verwaltung ist nicht ganz so alt, von den Zielen der Berliner großen Koalition aber noch weit entfernt - <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/">CC BY-NC 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/cochranlibrary/14092793126/">cochranlibrary</a>
    Netzpolitische Regierungsbilanz der Großen Koalition Berlin: Überwachung top, IT der Verwaltung Flop

    In ihrer Koalitionsvereinbarung aus dem Jahr 2011 haben die Berliner SPD und CDU allerhand netzpolitische Ziele formuliert. Fünf Jahre später und kurz vor den nächsten Wahlen haben wir zurückgeblickt: Was wurde umgesetzt und was ist gescheitert? Es bleibt noch viel zu tun, vor allem bei der Digitalisierung der Verwaltung.

    17. August 2016 4
  • : Stille SMS bei Bundesbehörden weiterhin beliebt: Nutzung bei der Bundespolizei hat sich mehr als verdoppelt
    Keine Post? Oder doch heimliche Nachrichten vom BKA? <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/">CC BY-ND 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/lennox_mcdough/6142810575/">Tobias Abel</a>
    Stille SMS bei Bundesbehörden weiterhin beliebt: Nutzung bei der Bundespolizei hat sich mehr als verdoppelt

    Stille SMS, IMSI-Catcher, Staatstrojaner – nur eine kleine Auswahl an Werkzeugen, aus denen sich Behörden regelmäßig zur Überwachung bedienen. Auf Bundesebene sind die Zahlen zu Stillen SMS wieder angestiegen: Verfassungsschutz, BKA und Bundespolizei nutzten die unbemerkten Ortungshelfer im ersten Halbjahr 2016 insgesamt über 210.000 Mal.

    16. August 2016 22
  • Kritik vom Bundesrechnungshof: Das Bundeskriminalamt will gleich zwei Staatstrojaner einsetzen
    Großer Trojaner, kleiner Trojaner (Symbolbild). Bild: <a href="https://www.flickr.com/people/w5nyv/">Abraxas3d</a>. Lizenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/">BY-NC 2.0</a>.
    Kritik vom Bundesrechnungshof Das Bundeskriminalamt will gleich zwei Staatstrojaner einsetzen

    Das Bundeskriminalamt will gleich zwei Staatstrojaner einsetzen: den selbst programmierten „RCIS“ und den kommerziellen „FinSpy“. Das sei notwendig, um alle Funktionen abzudecken und für eine erneute Enttarnung gewappnet zu sein. Der Bundesrechnungshof kritisiert hohe Kosten und mangelnde Erfolgskontrolle.

    15. August 2016 20
  • : Österreichs Innenminister will auch Überwachung von Messengern
    Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka. (Archivbild) Foto: <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/">CC-O</a> <a href)"https://www.flickr.com/photos/142675453@N02/28042460612/sizes/h/">eu2016sk</a>
    Österreichs Innenminister will auch Überwachung von Messengern

    Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) ist angetan von Thomas de Maizieres (CDU) Überwachungsoffensive. In einer von Selbstlob geprägten Pressemitteilung des Ministers heißt es:

    Auch wir müssen uns in Österreich der Diskussion stellen, ob die rechtliche Trennung von „Telekommunikationsdiensten“ und „Telemediendiensten“ noch zeitgerecht ist. Ich habe hier eine klare Meinung, und die lautet nein. Es kann nicht sein, dass jemand über´s Internet terroristische Taten plant und die Polizei schaut machtlos zu.

    Gegenüber dem Standard sagte der Minister zudem: „Wenn Terroristen Messenger nutzen, müssen wir diese Kommunikation abhören können“.

    Da Sobotka keine Verschlüsselungsverbote in Gespräch brachte, könnte der Vorstoß des Ministers auch die Debatte um den Staatstrojaner wieder aufflammen lassen. Dieser wurde nach Protesten und zahlreichen parlamentarischen Eingaben vom zuständigen Justizminister auf Eis gelegt.

    12. August 2016 3
  • : Bayern stellt Überwachungspläne vor: Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung und mehr Internetpolizisten
    Pressekonferenz zur Kabinettsklausur in St. Quirin | Screenshot: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=vdMJHp2SLU4">YouTube</a>
    Bayern stellt Überwachungspläne vor: Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung und mehr Internetpolizisten

    Die bayerische Landesregierung stellt ihr neues Sicherheitskonzept für Bayern vor. Die Kernforderungen: Mehr Internetpolizisten, Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung und erweiterter Einsatz des Staatstrojaners.

    28. Juli 2016 25
  • : 50. Netzpolitischer Abend am 05. Juli in Berlin
    Jeden ersten Dienstag im Monat: Der Netzpolitische Abend der DigiGes in Berlin
    50. Netzpolitischer Abend am 05. Juli in Berlin

    Wie an jedem ersten Dienstag im Monat findet morgen, am 5. Juli, der Netzpolitische Abend des Vereins Digitale Gesellschaft in der c‑base Berlin statt.

    Die Themen diesmal:

    Die c‑base befindet sich in der Rungestraße 20, 10179 Berlin. Der Einlass ist ab 19:15 Uhr, los gehts um 20:15 Uhr. Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, gibt es einen Live-Stream auf c‑base.org. Der Eintritt ist frei.

    4. Juli 2016 7
  • : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 25: Bundesregierung auf Überwachungskurs
    Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/7914989@N06/11603535444/">Klaus</a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en">[CC BY-SA 2.0]</a>
    Netzpolitischer Wochenrückblick KW 25: Bundesregierung auf Überwachungskurs

    Die netzpolitische Woche zusammengefasst: Die Bundesregierung winkt das Anti-Terror-Paket durch den Bundestag und ist auch in anderen Bereichen auf einem Überwachungskurs. In Berlin kamen polizeiliche Videoüberwachung und auf EU-Ebene Netzsperren ins Gespräch. Fadenscheinige Abmahnanwälte gibt es nun auch für Creative-Commons-lizenzierte Werke.

    24. Juni 2016 11
  • Quellen-TKÜ: Konferenz der Justizminister fordert Ausweitung von Staatstrojaner-Einsätzen (Update: Koalitionskrach in Thüringen)
    Gruppenbild der Justizminister:innen auf ihrer Frühjahrskonferenz.
    Quellen-TKÜ Konferenz der Justizminister fordert Ausweitung von Staatstrojaner-Einsätzen (Update: Koalitionskrach in Thüringen)

    Der Einsatz von Staatstrojanern soll auf mehr Behörden und mehr Straftaten ausgeweitet werden. Dazu fordern die Justizminister der Bundesländer einstimmig eine Rechtsgrundlage vom Bundesjustizminister. Der Berliner Justizsenator freut sich über „weniger faktisch rechtsfreie Räume“.

    10. Juni 2016 7
  • : Protest gegen Staatstrojaner vor Justizministerium in Wien (Update)
    Trojaner vor dem Justizministerium in Wien. Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC-BY-SA 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/akvorrat_at/27521814415/sizes/l">Karola Riegeler / AKVorrat </a>
    Protest gegen Staatstrojaner vor Justizministerium in Wien (Update)

    Mit dem Holzpferd gegen Überwachung. In Wien protestieren Aktivisten gegen den Einsatz staatlicher Spionagesoftware – und plötzlich macht der Justizminister eine Kehrtwende.

    7. Juni 2016 2
  • : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 21: BND-Interna, Anti-Terror-Maßnahmen und ahnungslose Ministerien
    CC BY-SA 3.0
    Netzpolitischer Wochenrückblick KW 21: BND-Interna, Anti-Terror-Maßnahmen und ahnungslose Ministerien

    In Bad Aibling hört der Bundesnachrichtendienst Satellitenverkehr ab und teilt Erkenntnisse daraus mit der NSA. Da sich die entsprechenden Satelliten im Weltall befinden, müsse man sich dabei nicht an deutsches Recht halten, argumentierte die Behörde 2013 kurz nach den Snowden-Enthüllungen. Zu Beginn der Woche berichteten wir unter Berufung auf interne Dokumente, wie sich der BND vor einer „kaum zu bestehenden intensiven öffentlichen Diskussion“ über seine waghalsige Weltraumtheorie fürchtete – zu Recht.

    Jeden Freitag fassen wir in unserem Netzpolitischen Wochenrückblick die wichtigsten Themen der Woche zusammen. Ihr könnt ihn auch als Newsletter abonnieren.

    Schon bevor der Spiegel über die massenhafte Weitergabe von Metadaten an die NSA berichtete, hatten BND-Verantwortliche damit begonnen, in einem Kurzgutachten die „Datenweitergabe-Theorie“ zu entwickeln. Darin argumentierte man folgendermaßen: „Die Erhebung findet […] an ausländischen Satelliten statt, also ebenfalls außerhalb des Geltungsbereichs des BNDG.“ Das Bundeskanzleramt entgegnete, dass die „Auswertung, Speicherung, Übermittlung im Sinne datenschutzrechtlicher Verarbeitung“ in Bad Aibling, also im Inland geschehe. Zudem sei die Auffassung, Metadaten seien keine personenbezogenen Daten, „rechtlich nicht vertretbar“.

    Terrorismus-Richtlinie der EU: Netzsperren und mehr Überwachung befürchtet

    Die geplante Terrorismus-Richtlinie der EU könnte das offene Internet nachhaltig gefährden. Ein Beitrag von European Digital Rights (EDRi) mahnt vor Einschränkungen wie Netzsperren und dem Ausbau von Überwachung. Richtlinien müssen von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden und geben somit Handlungsspielraum bei der inhaltlichen Ausrichtung. Willkürliche Maßnahmen, deren Nutzen und Rechtsmäßigkeit nicht eindeutig ist, könnten zukünftig unter Berufung auf die unklare EU-Richtlinie beschlossen werden.

    Ausweitung der Befugnisse staatlicher Spähsoftware gefordert

    Der Einsatz von Staatstrojanern ist rechtlich umstritten. Die Spähsoftware darf momentan auf Bundesebene ausschließlich zur Gefahrenabwehr und bei internationalem Terrorismus zum Einsatz kommen. Die Landes-Justizminister fordern nun eine Ausweitung der Befugnisse und wollen in ihrer Frühjahrskonferenz die „Schaffung einer rechtlichen Grundlage für die Quellen-TKÜ“ erreichen. Ziel ist es, den Einsatz von Staatstrojanern auch bei einfachen Straftaten zu legalisieren. In dem Beschlussvorschlag fordern die Landes-Minister unter anderem „erhebliche finanzielle Mittel“, um die Pläne zu verwirklichen.

    Ahnungslosigkeit beim Verkehrsministerium

    Intelligente Software und elektronische Assistenzsysteme gehören zunehmend zur Standardausstattung moderner Automobile und beeinflussen die Sicherheit im Straßenverkehr. Wir haben staatliche Behörden und Ministerien gefragt, inwiefern sich Unfallhäufigkeiten durch den Einsatz dieser Technologien verändert haben und ob sich die Sicherheitslage messbar verbessert hat. Auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes haben wir entsprechende Fragen unter anderem an mehrere Landespolizeien, Bundesbehörden und Landesministerien sowie das Bundesministerium für Verkehr gestellt. Die Antworten zeigten eine dürftige Informationslage bei den staatlichen Stellen auf.

    Verkehrsminister Alexander Dobrindt forderte in einem Strategiepapier jüngst die Einrichtung einer Kommission, die „klare Leitlinien für Algorithmen entwickelt, welche die Fahrzeugreaktionen in Risikosituationen bestimmen“. Dass sein Ministerium allerdings keine Informationen zum jetzigen Stand beziehungsweise den Auswirkungen von Computersystemen in Fahrzeugen benennen konnte, lässt seinen Plan nicht sehr seriös erscheinen.

    Bundesregierung will Zensur privatisieren

    Laut dem geplanten Anti-Terror-Paket der Bundesregierung sollen Betreiber von Online-Plattformen zukünftig selbständig gegen „terroristische Propaganda“ vorgehen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde zwar nicht beschlossen, in einem Maßnahmenkatalog heißt es allerdings: „Wir wollen eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen der Internetwirtschaft, zum selbstständigen und aktiven Vorgehen gegen terroristische Propaganda auf ihren Netzwerken.“ Der Staat zieht sich so aus der Affäre und lässt private Unternehmen bestimmen, wo legale Meinungsäußerung aufhört und terroristische Propaganda anfängt, anstatt selbst für eine entsprechende Rechtsgrundlage zu sorgen.

    Der Verband der Internetwirtschaft eco hat die Pläne kritisiert. Man befürchtet, das Paket führe „die Verpflichtung einer Inhaltskontrolle für die Provider durch die Hintertür“ ein.

    30. Mai 2016
  • Frühjahrskonferenz: Justizminister fordern Ausweitung von Staatstrojanern auf mehr Behörden und mehr Straftaten
    Staatstrojaner: Reinkommen oder draußen bleiben? Bild: <a href="https://www.flickr.com/people/maha-online/">Martin Haase</a>. Lizenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">BY-SA 2.0</a>.
    Frühjahrskonferenz Justizminister fordern Ausweitung von Staatstrojanern auf mehr Behörden und mehr Straftaten

    Die Landes-Justizminister fordern eine Legalisierung und Ausweitung von Staatstrojanern. Auf Vorschlag von Berlin soll die Frühjahrskonferenz eine gesetzliche Grundlage für die Quellen-TKÜ fordern. Bereits heute darf damit internationaler Terrorismus abgewehrt werden – jetzt folgt die Ausweitung.

    24. Mai 2016 9
  • : CCC-Stellungnahme zum Staatstrojaner in Österreich: „Überwachung von festgehaltenen Gedanken“
    CCC-Stellungnahme zum Staatstrojaner in Österreich: „Überwachung von festgehaltenen Gedanken“

    In Österreich wird über den Staatstrojaner diskutiert. Der Chaos Computer Club Wien (C3W) hat jetzt zusammen mit dem Chaos Computer Club e. V. (CCC) eine Stellungnahme zu Technik und rechtlichen Aspekten abgegeben.

    13. Mai 2016 4
  • : Überwachungs-Zentrum Nord: Blankoscheck für die Sammelwut
    Foto: CC-BY-NC 4.0 netzpolitik.org
    Überwachungs-Zentrum Nord: Blankoscheck für die Sammelwut

    Was machen Innenminister, die eine Nadel im Heuhaufen nicht finden können? Richtig – noch mehr Heu draufwerfen. Nachdem das Trennungsgebot zwischen Polizei und Geheimdiensten sowie Landespolizeien bereits durch zahlreiche Cyber- und Terrorabwehrzentren nach und nach ausgehöhlt wurde, setzt man nun noch einen drauf. Jetzt kommt heraus: Das erste sogenannte „Telekommunikations-Überwachungszentrum“ der Polizei soll schon bald in Niedersachsen entstehen. Für Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein soll hier ab dem Jahr 2020 Telefon und Internet überwacht, Unterstützung beim Abgreifen und Auswerten von „Inhalts‑, Verkehrs- und Bestandsdaten“ geleistet und „Forschung und Entwicklung“ auf dem Gebiet der Telekommunikationsüberwachung betrieben werden – sowohl zur Verfolgung als auch zur präventiven Verhinderung von Straftaten. Das alles und noch viel mehr sieht ein Staatsvertrag vor, den die fünf Länder letzte Woche unterzeichnet haben. Zwar müssen die jeweiligen Landesparlamente dem Vertrag noch zustimmen, dies wird allerdings nur als Formalie betrachtet.

    Dies ist ein Gastbeitrag von Katharina Nocun. Katharina ist Netzaktivistin und Bloggerin. Sie schreibt auf kattascha.de und twittert unter @kattascha.

    Überwachungs-Zentrum ohne Datenschutzkonzept

    Wo Daten sind, da entstehen schnell Begehrlichkeiten. Doch im Tagesgeschäft des politischen Aktionismus wird dies als Nebensächlichkeit abgetan. Ein konkreter Auftragsvertrag und ein Datenschutzkonzept für das Zentrum liegen bis heute nicht vor. Die Datenschutzbeauftragten der beteiligten Länder ziehen sich darauf zurück, dass „eine datenschutzrechtliche Bewertung erst nach dessen Fertigstellung bzw. Umsetzung erfolgen kann“. Das ist paradox, denn entscheiden müssen die Parlamentarier jetzt. Stimmen sie dem Staatsvertrag zu, können Auftragsvertrag und Datenschutzkonzept komplett an den demokratisch gewählten Parlamenten vorbei festgelegt werden. Darüber sollen dann alleine die jeweiligen Landeskriminalämter entscheiden dürfen. Selbst eine nachträgliche Offenlegung der Details ist fraglich. Laut Hamburger Senat seien diese nur für den Dienstgebrauch bestimmt. Die Parlamente sollen also einen Blankoscheck für das Überwachungs-Zentrum ausstellen. Toller Plan.

    Dabei gibt es schon jetzt konkrete Belege für Daten-Misswirtschaft im Überwachungsgeschäft. Schon die aktuell von Niedersachsen und Bremen gemeinsam betriebene Telekommunikationsüberwachungsanlage weist laut niedersächsischer Datenschutzbeauftragter ganze 44 offene Mängel auf. Dieser Mut zur Lücke wird mit den neuen Plänen nicht etwa abgestraft, sondern belohnt, wenn ausgerechnet in Niedersachsen das 5‑Länder-Überwachungszentrum entsteht. Der als großer Freund diverser Überwachungsmaßnahmen und harscher Aussagen auffällig gewordene niedersächsische Ex-Innenminister Uwe Schünemann hätte es nicht schlimmer einfädeln können.

    Aufgabenkatalog mit Add-on Modulen

    Nicht nur im Norden sondern auch in den ostdeutschen Bundesländern soll ein ähnlicher Überwachungs-Verbund entstehen. Einen Blankoscheck wie beim Überwachungszentrum-Nord stellt man allerdings dort nicht aus. Der Nord-Staatsvertrag soll zentralen Fragen dem Gutdünken der Exekutive überlassen: Dürfen andere Behörden direkt auf Überwachungsdaten zugreifen? Darf das Überwachungs-Zentrum über „Unterauftragsverhältnisse“ private Anbieter oder gar ausländische Behörden einschalten? Welche Aufgaben darf das Überwachungszentrum überhaupt wahrnehmen – Verkehrsdatenabfragen, Versand stiller SMS, Quellen-Telekommunikationsüberwachung durch Infiltration von Privatrechnern (Staatstrojaner)?

    Bei dem Überwachungszentrum geht es keineswegs nur um eine Konzentration schon bisher erledigter Aufgaben: Das Überwachungszentrum soll sich auch mit „Forschung und Entwicklung“ auf dem Gebiet der Telekommunikationsüberwachung befassen. Kommt nach dem Bundes- jetzt auch der Landestrojaner? Ein Ethikbeirat für diese Überwachungsforschung ist nicht vorgesehen.

    Der kalkulierte Kontrollverlust

    Nicken die Landesparlamenten diesen Blankoscheck ab, kann die Verwaltung in Zukunft ohne Zustimmung der Parlamente in vielen wichtigen Punkten alleine entscheiden. Und zwar im Zweifel sogar gegen die Stimme eines einzelnen Bundeslandes. Möglich machen das die vorgesehenen Abstimmungen nach Mehrheitsprinzip unter den beteiligten Ländern. Das bedeutet: Selbst wenn durch Neuwahlen oder Proteste in der Bevölkerung ein Bundesland mehr Datenschutz fordern würde, wäre man chancenlos. Die Zusicherung der schleswig-holsteinischen Landesregierung, man habe „nicht die Absicht, das RDZ auch für die Erhebung von Verkehrsdaten in Anspruch zu nehmen“, ist unter diesen Umständen wertlos, weil sie jederzeit ohne Zustimmung des Landtags einkassiert werden kann. Möglicher politischer Vorteil: Man ist in Zukunft nicht zuständig und kann auch nichts mehr ändern. Ein demokratietheoretisch fragwürdiges Konzept.

    In Schleswig-Holstein wird am Donnerstag ab 11 Uhr immerhin eine Aussprache über das Vorhaben in Landtag stattfinden (Livestream). An kritischen Fragen, die es lohnt zu stellen, mangelt es nicht. Ein Teil der Antworten wird die Bevölkerung mit Sicherheit verunsichern. Hoffentlich auch den einen oder anderen Parlamentarier.

    27. April 2016 9