Informationstechnologie

  • : Leicht wirres Dokument der EU-Projektgruppe zu Informations- und Kommunikationstechnologien
    Leicht wirres Dokument der EU-Projektgruppe zu Informations- und Kommunikationstechnologien

    Stefan Krempl berichtet auf Heise „EU-Task-Force kritisiert Pläne zur strafrechtlichen Durchsetzung geistigen Eigentums“.

    Die von der EU-Kommission einberufene Projektgruppe zu Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) konnte sich in ihrem am heutigen Dienstag veröffentlichen Abschlussbericht (PDF-Datei) nicht auf gemeinsame Vorschläge zu einer umfassenden Reform des Systems geistiger Eigentumsrechte einigen. „Gewisse Punkte sind zu diesem Zeitpunkt noch zu umstritten“, heißt es in dem 36-seitigen Report. Dennoch liebäugeln die Verfasser des Papiers, zu denen Vertreter großer Branchenfirmen wie Alcatel, Microsoft oder SAP genauso zählen wie Verbände, mit einem softwarepatentfreundlichen Kurs. So setzen sie sich etwa für die Einrichtung eines neuen, auf Patentstreitigkeiten spezialisierten EU-Gerichts ein. Kritiker fürchten, dass über diesen Weg eine Hintertür zur Sanktionierung von Patenten auf Computerprogramme geschaffen werden könnte.

    Der Report klingt ein wenig „zusammengeschustert“. Vermutlich durfte jeder „Stakeholder“ eigene Absätze beisteuern. Anders kann ich mir nicht erklären, dass z.B. die beiden folgenden Absätze dort zu finden sind. Klingt so, als ob man den beteiligten europäischen Verbraucherzentralen (BEUC) noch etwas Textraum zubilligen musste (Man mag mich auch gerne korrigieren, wenn es anders ist):

    Aus „Recommendations for the uptake of ICTs“:

    Foster consumer confidence by developing a charter of consumer rights in the digital environment including the development of labelling schemes designed to inform consumers about playability features in Digital Rights Management protected content.

    Abgesehen davon, dass man die unnötigen und nicht akzeptablen Einschränkungen durch DRM als „playability features“ bezeichnet, klingt das so, als ob man einen Warnhinweis fordert. Finde ich gut, sollte man dick kennzeichnen in dem Text.

    Oder Seite 24: „Recommodations for a single regulatory environment“:

    In the context of the 2007 Reviews of the Copyright and Consumer Acquis, take the opportunity to review the balance between the interests of the public and that of right holders, and strengthen and clarify consumer rights in the digital environment

    Finde ich auch prima, ganz meine Meinung. Aber das passt dann wiederum nicht zu einigen anderen Absätzen in dem Report, die eigentlich genau in die andere Richtung gehen und mehr DRM fordern.

    Lustig ist dann noch dieses:

    Insgesamt sei es eine „Herausforderung“, positiv eine direkte Verbindung zwischen dem Schutz etwa von Urheber- oder Patentrechten und der Innovationsstärkung nachzuweisen, schwächt der Gesamtbericht die Analyse eines vorläufigen Reports der Arbeitsgruppe zu geistigen Eigentumsrechten etwas ab. Man habe aber „empirische Daten“ für diese These gefunden.

    Das kann ich mir echt vorstellen, wie schwierig das sein dürfte, da eine „positive Verbindung“ zu Innovation herzustellen.

    28. November 2006 1
  • : Immer weniger Studienanfänger in Informatik
    Immer weniger Studienanfänger in Informatik

    Es gibt „Immer weniger Studienanfänger in Informatik“: In diesem Jahr liege die Zahl der Studienanfänger bei lediglich rund 27.000.

    Real Life“ hat dazu konkrete Verbesserungsvorschläge entwickelt:

    * Mehr Koffein. Clubmate in der Mensa, für Informatiker eine Koffeinflatrate
    * Geschichtsbewusstsein. Nethack-Seminare an der Uni und Leistungsscheine für die schönste Pong-Implementation.
    * Zukunftsorientierung: Brainfuck wird Lehrinhalt
    * Hörsäle in Second Life. Schließlich soll der Frauenanteil ja steigen

    28. November 2006
  • : Kosten und Nutzen der elektronischen Gesundheitskarte
    Kosten und Nutzen der elektronischen Gesundheitskarte

    Bei der Gesundheitskarte kann eigentlich nichts mehr schief gehen, da die Kanzlerin von den Lobbyisten darüber aufgeklärt wurde:

    Inmitten der weiter laufenden Auseinandersetzungen zur Gesundheitsreform hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am gestrigen Mittwochabend über die Fortschritte bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) informieren lassen. Spitzenvertreter der Ärzte, Krankenkassen und der Hersteller von IT-Lösungen versicherten Merkel, dass die Einführung der Karte die Qualität und Wirtschaftlichkeit des Gesundheitswesens verbessern werde. In der Mitteilung zum Informationsabend in kleiner Runde heißt es außerdem: „Mit der erfolgreichen Umsetzung des größten IT-Projektes im Gesundheitswesen werden für die deutschen Unternehmen im internationalen Wettbewerb Perspektiven geschaffen, die aktiv dazu beitragen, Arbeitsplätze zu sichern und auszubauen.“

    Oder etwa doch? Dem Chaos Computer Club ist eine interne Kosten-Nutzen-Analyse zur elektronischen Gesundheitskarte zugespielt worden. Erstellt wurde die Analyse von Booz-Allen-Hamilton im Auftrag der Firma gematik, die das Projekt durchführen wird.

    In bester Tradition staatlicher Software-Großprojekte wird hier sehenden Auges ein weiteres extrem kostenträchtiges Prestigeprojekt angegangen, dessen Nutzen in keinem sinnvollen Verhältnis zu den Risiken und absehbaren Problemen steht. Eine erste Sichtung der Daten deutet auf eine massive Kostenexplosion bei der Einführung der Gesundheitskarte und ein weiteres Technologie-Desaster hin. Die Sicherheits- und Zuverlässigkeitsauslegung der Software-Architektur der elektronischen Gesundheitskarte genügen den Anforderungen an ein bundesweit ganztägig im Einsatz befindliches System in keiner Weise. Im Ernstfall droht ein Totalausfall des Systems zu kritischen Zeiten, wie z. B. im Fall einer Grippeepidemie.

    Das Dokument findet sich hier als PDF.

    Siehe auch: Elektronische Gesundheitskarte: Fast kostenlose Karten?

    24. November 2006 4
  • : Nächste Woche: Chaosradio zu Instant Messaging
    Nächste Woche: Chaosradio zu Instant Messaging

    Nächste Woche Mittwoch gibt es wieder eine Chaosradio-Sendung auf Fritz-Radio: Instant Messaging – Realtime Kommunikation im Internet.

    Instant Messaging (IM) ist nichts neues, doch setzt es in dieser Zeit zum großen Sprung an. Zahlreiche Diensteanbieter wie Google, GMX oder Web.de liefern heute zur kostenlosen E‑Mail-Inbox auch Instant Messaging-Dienste dazu und treiben ein einheitliches Messaging-Netzwerk voran. IM wird zur SMS des Internets – ist aber deutlich billiger und vor allem deutlich flexibler.

    Als ICQ 1997 mit seinem Dienst an die Öffentlichkeit trat war vielen der daraus nachfolgende Erfolg des Konzeptes unvorstellbar. Viel zu sehr orientierte man sich an Web und E‑Mail. Doch während E‑Mail unter Dauerbeschuss durch Spam steht und Web das One-on-one-Kommunikationsbedürfnis nur beschränkt bedienen konnte wurde IM immer populärer und ist heute Ausgangspunkt für viele interessante neue Dienste und Anwendungen.

    Chaosradio erzählt die Geschichte von Instant Messaging und erläutert die technischen Details, die dahinterstehen. Ein großer Schwerpunkt wird das XMPP-Protokoll (auch als Jabber bekannt) sein, dass nach langer Zeit die Ablösung der technisch grundverschiedenen und proprietären Angebote von Yahoo, AOL, Microsoft und anderen verspricht. Dazu möchten wir auch die kulturellen Auswirkungen der IM-Nutzung diskutieren und hören, welche Bedeutung IM in Eurem Alltag spielt.

    21. November 2006 1
  • : Das Jahrhundert der Denkmaschinen – Wo bleibt der Mensch?
    Das Jahrhundert der Denkmaschinen – Wo bleibt der Mensch?

    Sonntag Abend hab es im ZDF-nachtstudio eine spannende Diskussion zum Thema „Das Jahrhundert der Denkmaschinen – Wo bleibt der Mensch?“.

    Werden wir einst Szenarien wie in den einschlägigen Science-Fiction-Filmen erleben, wo Computer alles lahm legen und die Menschheit bedrohen, oder ist der Computer doch eher unser „Freund und Helfer“, auf den keiner verzichten will?

    Gäste im Studio waren u.a. Joseph Weizenbaum und Constanze Kurz. Hat zufällig jemand die Sendung digital aufgenommen und kann mir einen Link zur Verfügung zum Download schicken? Danke, das ging ja schnell.

    21. November 2006 6
  • : ITU immer noch für Zivilgesellschaft geschlossen
    ITU immer noch für Zivilgesellschaft geschlossen

    Die International Telecommunication Union (ITU) hat auf ihrer Mitgliederversammlung eine Entscheidung über die Einbeziehung von zivilgesellschaftlichen Akteuren auf 2010 vertagt: Eine Öffnung der ITU? Vielleicht …. Bisher dürfen nur Regierungen und Unternehmen bei der UN-Organisation mitspielen. Bezeichnend dafür ist das folgende Zitat bei Heise:

    Der syrische ITU-Vertreter, Nabil Kisrawi, konnte gar nicht einsehen, warum man „eine Menge Leute“ in die ITU holen wolle, „die wir gar nicht kennen“. Die Zivilgesellschaft, also die jenseits von staatlichen Institutionen, Parteien und Industrieverbänden organisierten Gruppen, diskutiere über Inhalte, Urheberrechtsfragen und Menschenrechte, warnte Kisrawi. Eine allgemein anerkannte Definition, wer eigentlich die Zivilgesellschaft sei, fehle. Seine arabischen Kollegen aus dem Iran und Saudi Arabien hatten sich gegenüber dem von Argentinien und der Schweiz eingebrachten Vorschlag dagegen kompromissbereiter gezeigt. Ein deutscher Vertreter sagte, auch er gehöre innerhalb der ITU nicht eben zu den Befürwortern einer Öffnung gegenüber den NGOs. Aber die ITU müsse sich wohl oder übel mit dem viel diskutierten Prinzip der Beteiligung aller Interessengruppen (Multistakeholder-Prinzip) befassen, „wenn sie beim Nachfolgeprozess des Weltgipfels der Informationsgesellschaft mitspielen will“.

    Das Syrien ein Problem mit dem Thema Menschenrechten hat, ist ja bekannt. Das mit dem Urheberrecht aus syrischem Mund irritiert mich allerdings. Etwas verwundert bin ich über den nicht namentlich zitierten deutschen Vertreter. Aber das spiegelt auch das aktuelle Verhalten der Bundesregierung wieder, wenn es um Multi-Stakeholder-Prozesse geht. Andere Nationen sind da schon viel weiter und offener. Schade eigentlich.

    21. November 2006
  • : Birmingham: Kompetenzzentrum für offene Standards gegründet
    Birmingham: Kompetenzzentrum für offene Standards gegründet

    In Ländern wie Finnland, Indien oder den USA gibt es bereits nationale Denkschmieden, die sich mit Open Source und offenen Standards befassen. Nun wurde auch in Großbritannien ein Kompetenzzentrum gegründet. Das „National Open Centre“ (NOC) soll der britischen Strategieentwicklung in den sich ergänzenden Bereichen Open Source und offene Standards eine Heimat bieten.

    Das NOC will mit Organisationen und Einzelnen zusammenarbeiten, um eine Expertengruppe zu schaffen, die regelmäßig auf Kernprobleme aufmerksam macht, als Ratgeber auf wichtige Informationsquellen hinweist und auch Veranstaltungen organisiert und anbietet.

    Die Gründungspartner des NOC sind das National Computing Centre, sowie der Stadtrat von Birmingham und die von ihm geleitete Digital-Birmingham-Initiative. Open-Source-Projektpartner sind OpenAdvantage, welche mit der University of Central England und Midland Open Source Technologies zusammenarbeitet.

    15. November 2006
  • : Einführung in den WIPO-Broadcast-Völkervertrag
    Einführung in den WIPO-Broadcast-Völkervertrag

    Vor zwei Wochen erschien bei Ars Technica der empfehlenswerte Artikel „Understanding the WIPO Broadcast Treaty“. Der Titel sagt schon einiges über den Inhalt aus.

    Your rights are in danger. That’s the message that activist groups have been spreading as the World Intellectual Property Organization moves tortoise-like towards the completion of a new broadcasting treaty that could curtail the ways that consumers use media and could create a broad new intellectual property right over electromagnetic transmissions that could last for 50 years.

    That’s a scary story, but it’s not the complete one. WIPO has been working on this treaty for almost a decade, but thanks to pressure from certain countries and from the activist groups who have worked tirelessly to alter a treaty that the public cared little about, significant new changes were made in the last few weeks that will affect the ultimate shape of the treaty.

    This is the story of where that treaty came from, what it says, how it has been altered, and where it’s going next. While it sounds esoteric, the treaty could have immediate real-world effects on everything from recording TV sitcoms to producing the Daily Show to limiting the public domain. So strap yourselves in, and let’s take a tour of WIPO.

    14. November 2006
  • : Chronologie der Wahlcomputer-Geschichte
    Chronologie der Wahlcomputer-Geschichte

    FH hat in seinem Blog eine Chronologie der aktuellen Wahlcomputer-Geschichte beginnend Anfang Oktober in Holland erstellt: “Der Wahlcomputer eröffnete mit d2-d4.” Sehr schön.

    Und Andreas widerspricht in seinem Blog die Darstellung der PTB, der Chaos Computer Club sei unkooperativ gewesen.

    14. November 2006 2
  • : Interview zu Wahlcomputern in der c´t
    Interview zu Wahlcomputern in der c´t

    Richard Sietmann hat für die c´ t den Direktor der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), Dieter Richter, zu den Wahlcomputern befragt. Die PTB ist für die Prüfung der Wahlcomputer zuständig. Und das Interview ist grossartig, die haben echt ein kleines grosses Problem: „Eine neue Situation“.

    c’t: Glauben Sie, dass das E‑Voting für politische Wahlen noch zu retten ist?

    Richter: Das geht jetzt über die Ebene hinaus, auf der ich aus Sicht der PTB antworten kann. Denn E‑Voting – in welchen Formen auch immer – ist nicht nur eine technische Frage, sondern auch eine Frage des Vertrauens in das, was für den Wähler nicht mehr transparent nachvollziehbar ist. Dieses Vertrauen muss vermittelt werden können. Es reicht nicht, ein von Spezialisten nachvollziehbares, sicheres technisches System zu haben. Wenn es nicht gelingt, dieses Vertrauen zu vermitteln, dann stellt sich in der Tat die grundsätzliche Frage der sozialen Akzeptanz und des politischen Willens, wo man hinwill.

    Im Moment gibt es noch nicht mal ein „von Spezialisten nachvollziehbares, sicheres technisches System“.

    12. November 2006 9
  • : Mogeln mit Wahlcomputern
    Mogeln mit Wahlcomputern

    Telepolis hat einen gut geschriebenen Artikel über die Wahlcomputerthematik: E‑Mogling – Warum Computer nicht das „Mittel der Wahl“ sind.

    Bei den US-Wahlen sind die Macken der Wahlcomputer bereits ein Running Gag, in Holland kann man darüber weit weniger lachen. Dass auch deutsche Wahlen bereits per Computer stattfinden, erstmals am 13. Juni 2004, ist den meisten Bundesbürgern dagegen gar nicht bewusst geworden. Doch sind die computerunterstützten Wahlen prinzipiell nicht gegen unbemerkt bleibende Manipulationen zu schützen.

    10. November 2006 2
  • : Was bedeuten die neuen Mehrheitsverhältnisse für US-Netzpolitik?
    Was bedeuten die neuen Mehrheitsverhältnisse für US-Netzpolitik?

    Bei CNet gibt es einen Report über die neuen Mehrheitsverhältnisse im US-Senat und Repräsentantenhaus nach den Wahlen in dieser Woche und was dies für Technologie-relevante Debatten bedeutet: What the Democrats’ win means for tech.

    But now that this week’s elections have switched control of the House back to the Democrats–and they appear to have seized the Senate as well–the outlook for technology-related legislation has changed dramatically overnight. On a wealth of topics–Net neutrality, digital copyright, merger approval, data retention, Internet censorship–a Capitol Hill controlled by Democrats should yield a shift in priorities on technology-related legislation.

    […]

    Hollywood tends to be solidly Democratic: Employees of companies like Viacom, Walt Disney and Vivendi Universal consistently write checks to Democratic politicians over Republicans, by a 2‑to‑1 margin. But in practice, Republican politicians have been nearly as enthusiastic about helping Hollywood. It was Sen. Ted Stevens, an Alaska Republican, who endorsed the so-called broadcast flag for television in January. It was a New Jersey Republican, Rep. Mike Ferguson, who introduced the legislation for digital radio two months later, and another from North Carolina, Rep. Howard Coble, who co-sponsored a plan in mid-2002 to let copyright holders disable PCs used for illicit file trading. And Sen. Orrin Hatch, a Republican, once called for remotely destroying pirates’ computers.

    10. November 2006
  • : Brasilien übertrifft China bei Klartextnamenszwang (fast)
    Brasilien übertrifft China bei Klartextnamenszwang (fast)

    Nicht nur bloggende Chinesen müssen sich im Internet bald mit Realnamen registrieren, auch in Brasilien wäre es beinahe so, oder noch einen Zacken schärfer gekommen:

    Die Kommission für Verfassung und Justiz des Senats in Brasilien hat am Mittwoch den umstrittenen Gesetzentwurf 124/06 noch vor seiner Debatte zurückgezogen. Er forderte die persönliche Identifizierung der Internetnutzer und drohte bei Nichtbeachtung mit Knaststrafen von einem bis zu vier Jahren. Das Projekt des Sozialdemokraten Eduardo Azeredo hatte Kritikstürme ausgelöst. […] Mit dem Gesetz wären alle Internetnutzer unter Generalverdacht gestellt worden. Unter Androhung von Haftstrafen bis zu drei Jahren hätte sich jeder gegenüber dem jeweiligen Provider mit Name und Adresse identifizieren müssen, bevor er eine Email verschicken, einen Chatroom besuchen oder einen Blog betreiben kann. Die Provider hätten die Daten zunächst prüfen müssen, bevor sie dem Nutzer ihren Service anbieten dürften. Diese Daten sollten mit den Verbindungsdaten drei Jahre für die Polizei vorgehalten werden. Die Provider sollten für die Echtheit der Daten haftbar sein und bestraft werden können, wenn der Gesetzesbrecher nicht ermittelbar wäre.

    Herb. Dabei sind die Brasilianer doch sonst viel besser drauf, so als Open Source Nation. Jetzt muss man da wohl differenzieren nach guten und bösen Abgeordneten. Oder nach Regierungen, die sowas rechtzeitig ablehnen und die Zivilgesellschaft an der unausweichlichen Debatte beteiligen wollen.

    [gesehen gestern bei Telepolis]

    10. November 2006 2
  • : Hacking Democracy
    Hacking Democracy

    Vor wenigen Tagen lief im US-Fernsehsender HBO eine Dokumentation zum Thema Wahlcomputer: Hacking Democracy. Diese findet sich jetzt bei Google-Video in gross und hier in klein:

    Hier klicken, um den Inhalt von video.google.com anzuzeigen.

    Bei Google-Video kann man auch gleich die ganze Dokumentation herunterladen.

    [Danke blogophob]

    8. November 2006 6
  • : Crashkurs Petitionsrecht
    Crashkurs Petitionsrecht

    Gestern Abend Letzte Woche las ich bei Don Dahlmann einen Hinweis, der mich doch ein wenig die Stirn runzeln ließ:

    Und wenn man möchte, dass man auch in Zukunft seine Wahl selber mittels Kugelschreiber ausfüllen kann, dann kann man bei einer Petition unterschreiben, die die Abschaffung von Wahlmaschinen fordert. Bekommt man 50.000 Unterschriften zusammen, geht die Sache vor den Petitionsausschuss.

    Es geht, der politisch interessierte Blogleser ahnt es bereits, um die durch den Chaos Computer Clubs unterstützte Petition von Tobias Hahn zur Streichung des § 35 Bundeswahlgesetz (Stimmabgabe mit Wahlgeräten) (Background hier, hier und hier. Kurzfassung: Ist sinnvoll, unterschreibt das bitte.).

    Allerdings braucht es keine 50.000 Unterschriften, damit eine Petition vom Petitionsausschuss des deutschen Bundestages berücksichtigt wird. Das ergibt sich bereits aus Artikel 17 des Grundgesetzes:

    8. November 2006 15
  • : Soziale Gründe für die Digitale Spaltung in Deutschland
    Soziale Gründe für die Digitale Spaltung in Deutschland

    Tagesschau.de hat den Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger gefragt, warum viele heute noch immer „offline“ sind: Wie lebt es sich ohne Internet?

    tagesschau.de: Für viele Menschen ist das Internet heute so selbstverständlich wie das Telefon oder der Fernseher. Laut Studien nutzen aber noch immer rund 40 Prozent der Deutschen das Internet gar nicht. Woran liegt das?

    Christoph Neuberger: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Die größte Gruppe der so genannten Offliner – etwa die Hälfte – entscheidet sich ausdrücklich gegen dieses Medium. Sie verbinden mit dem Internet eine ganze Reihe von Problemen und Gefahren, von denen sie gehört oder gelesen haben: So etwa das Suchtpotenzial oder das Problem der Pornografie oder der politisch extremen Inhalte, mit denen man im Internet konfrontiert werden kann. Vielen Offlinern fehlt auch einfach die Vorstellung davon, was man mit dem Medium anstellen kann, wo der Mehrwert gegenüber Presse und Rundfunk liegen soll.

    Es gibt sogar eine – wenn auch relativ kleine – Gruppe von Aussteigern. Das sind Leute, die das Internet mal genutzt haben, es jetzt aber nicht mehr tun. Häufig hängt das damit zusammen, dass sie in den Ruhestand gegangen sind und im Privatleben keine Verwendung für das Internet haben. Studien zeigen auch ganz klar, dass es immer noch überwiegend die Älteren und die Frauen sind, die keinen Internet-Anschluss haben.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die „ARD/ZDF-Offline-Studie 2006″ (pdf).

    7. November 2006 4
  • : Daily Show thematisiert Wahlcomputer
    Daily Show thematisiert Wahlcomputer

    Wahlcomputer haben es im Rahmen der US-Wahlen in die Daily Show geschafft. Da die Daily Show Mitschnitte vom Rechteinhaber Comedy Central aus Youtube entfernt wurden, gibts hier eine MP4-Datei damit.

    [via]

    6. November 2006 2
  • : Wahlcomputer – und kein Ende
    Wahlcomputer – und kein Ende

    Die Berichterstattung rund um die Wahlcomputer-Problematik scheint momentan stark zu steigen. In 35 Gemeinden, darunter Amsterdam, wurde jetzt beschlossen, bei der kommenden Wahl wieder auf transparentem Wege mittels Papier und Stift zu wählen. Zu stark waren die Vorbehalte wegen der Sicherheit. Kein Wunder – selbst Kommunalpolitiker dürften mittlerweile verstanden haben, dass Wahlcomputer mit Windows XP an Bord und über GPRS ans Internet angeschlossen nicht wirklich als sicher und vertrauenswürdig gelten dürften. Allerdings führt das wieder zu ganz neuen Problemen – wo bekommt man nur recht schnell genug Wahlurnen her?

    Die Tageszeitung De Volkskrant startete unterdessen eine eigene Wahlurnen-Suchaktion. Bürger, die von den städtischen Behörden damals eine Urne gekauft hatten – und sie in der Zwischenzeit zum Beispiel zum Pflanzenkübel umfunktioniert haben –, wurden aufgefordert, sich zu melden. Die schönsten und originellsten Urnen-Umgestaltungen will De Volkskrant in einer Foto-Serie veröffentlichen.

    Währenddessen stehen in den USA zuerst Wahlen an. Die USA sind schon etwas erfahrener im Umgang mit diesen neuen Technologien und die Bürger vertrauen Wahlcomputern spätestens seit der letzten Bush-Wahl nicht mehr. Etwas bizarr sind allerdings aktuelle Verschwörungstheorien, dass der Präsident von Venezuela, Hugo Chavez, irgendwas mit kommenden Manipulationen zu tun haben könnte. Telepolis berichtet darüber etwas ausführlicher: Hat sich Chavez in einen Hersteller von US-Wahlcomputern eingekauft?

    Spiegel-Online geht näher auf die US-Erfahrungen mit den Maschinen ein, die für einen „reibungslosen Ablauf der Demokratie“ sorgen sollen: Defekt, unzuverlässig und manipulierbar.

    Auch andere Komplikationen finden sich zuhauf. Im kalifornischen Bezirk Yolo wurden neue Wahlcomputer ausgeliefert, die extra für Sehbehinderte „sprechen“ können. Allerdings sprachen sie nur Vietnamesisch. Bei kürzlichen Vorwahlen in einem Bezirk im texanischen Fort Worth tabulierten die Automaten kürzlich 150.000 Stimmen – obwohl dort nur 50.000 Leute gewählt hatten. Und in Pottawattamie in Iowa zählten die Computer plötzlich rückwärts.

    Richtig moderne Ideen hat man nun auch in den USA: Dort sollen Wahlcomputer zukünftig vom „National Institute of Standards and Technology“ zentral geprüft werden, das ist vergleichbar mit dem deutschen „Physikalisch-Technischen Bundesanstalt“.

    Man kann einfach etwas gegen Wahlcomputer tun, z.B. diese Petition an den deutschen Bundestag unterstützen. Argumentationen gibt es mittlerweile über die freundliche URL : www.ccc.de/petition. Bei mehr als 50000 Unterstützern ist die Chance hoch, dass der Bundestag sich mindestens formal in einem Ausschuss mit der Fragestellung befassen muss. Dazu fehlen nur noch ca. 35000 Stimmen.

    Beim Chaosradio Express gibt es jetzt auch mit der Nummer 039 einen Podcast nach dem „NEDAP-Hack“. Frank Rieger erzählt Tim Pritlove, wie der Wahlcomputer Hack abgelaufen ist und welche Erfahrungen die CCC-Wahlbeobachter-Truppe vor kurzem bei einer Wahl mit Wahlcomputern in Cottbus gemacht hat. Das Gespräch ist etwa slänger als eine Stunde und als MP3 verfügbar.

    Update:

    In den USA gibt es das sogenannte „Early Voting“. Dies ist unserer Briefwahl ähnlich, nur dass unsere Briefe in einem extra Umschlag eingesandt und erst am Wahlabend geöffnet werden. In den USA stehen beim Early Voting Wahlurnen oder halt Wahlcomputer irgendwo über einen längeren Zeitraum herum und im Moment scheint das den Maschinen nicht gut zu tun: Floridas Wahlcomputer führen erneut Eigenleben.

    In Florida zeigt sich beim „Early Voting“ allerdings, dass die im Vorfeld der Wahlen befürchtete Unzuverlässigkeit von Wahlcomputern nackte Realität ist. Die Tageszeitung Miami Herald berichtet von teilweise haarsträubenden Verhältnissen bei der Stimmabgabe an eVoting-Maschinen im Sonnen-Staat. Auffallend häufig wollen die Geräte demnach Stimmen, die eigentlich für demokratische Kandidaten abgegeben wurden, den republikanischen Kontrahenten zuordnen. „Ich bin schockiert“, zitiert der Miami Herald einen Wähler, der erst unter Mithilfe eines Wahlhelfers und nach mehreren Versuchen seine Stimme für den von ihm präferierten Kandidaten abgeben konnte.

    Hier gibts auch noch weitere Infos über Unregelmässigkeiten beim Early Voting: Jefferson County Voters Continue To Raise Concerns About Voting Machines.

    Tagesschau.de berichtet jetzt auch über die Wahlcomputer-Petition und der allgemeinen Kritik: Experten misstrauen Technik – Wahlcomputer – unsicher und undemokratisch?

    Die misstrauischen Computerexperten des CCC sehen die derzeitigen Wahlcomputer nicht nur als manipuliationsanfällig an, sondern unterstellen auch, dass es tatsächlich zu Missbräuchen kommen könnte. Vorteile habe die elektronische Stimmabgabe dagegen nicht, meint Holzhauer: „Denn je sicherer Sie die Wahlcomputer machen wollen, desto teurer wird es. Das lohnt sich nicht, um vielleicht ein oder zwei Stunden schneller als bei der normalen Wahl ein Ergebnis zu haben. Und bereits jetzt gibt es relativ schnell exakte Hochrechnungen.“

    Die Electronic Frontier Foundation bietet den „Electronic Voting Machine Quick Reference Guides – 2006

    With our partners in the Election Protection Coalition, EFF will gather critical data during the November 2006 elections about technology performance and will provide assistance to voters and election officials who are confronted with machine-related problems. We hope to ensure that everything runs smoothly on election day – and if anything goes awry, we’re ready to file legal challenges or take other action to make sure every vote counts.

    Nochmal Update:

    Heise: E‑Voting: Hamburg führt den digitalen Wahlstift ein. Die Daten sollen anschliessend übers Internet versendet werden.

    31. Oktober 2006
  • : Greenpeace von Apple-Messe ausgeschlossen
    Greenpeace von Apple-Messe ausgeschlossen

    In London findet gerade die MacExpo statt und Greenpeace war mit einem eigenen Stand für die „Green my Apple“-Kampagne vertreten. Allerdings wurden sie wieder rausgeschmissen, was die Medienwirkung sicherlich deutlich erhöht hat. Jetzt stehen sie vor der Tür und verteilen dort Flyer, aber auch damit scheint es Probleme zu geben. Hier sind Bilder auf Flickr.

    Mehr dazu gibts auch bei Mac-Essentials und bei Ars Technica.

    28. Oktober 2006 4
  • : Wir fürchten uns noch zu Tode*
    Wir fürchten uns noch zu Tode*

    Vielleicht fehlt mir hier in ostwestfälischen Provinz einfach der Maßstab, um endlich den Ernst der Lage zu erkennen. Spätestens, seit der internationale Terrorismus auch deutsche Bahnhöfe ins Visier genommen hat, hätte ich mich fragen müssen, was mein Staat für mich tun kann. Und bitte, er tut eine ganze Menge, wie Detlef Borchers bei Heise Online schreibt.

    Mit 132 Millionen zusätzlich beispielsweise will Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die „innere Sicherheit stärken und der „andauernden Terror-Gefährdungslage“ begegnen“:

    Den größten Batzen soll indessen der Verfassungsschutz mit 64,7 Millionen Euro kassieren, gefolgt von 34,7 Millionen für das Bundeskriminalamt (BKA). Beide Organisationen sollen technisch und personell im Cyberspace auftreten. Im Unterpunkt „Online-Durchsuchung“ wird der Ausbau der „Internet Monitoring und Analysestelle“ (IMAS) skizziert, beim dem die Sicherheitsbehörden mit neuer Technik entfernte PC durchsuchen können, „ohne tatsächlich am Standort des Gerätes anwesend zu sein“. Für diese Arbeit sollen Islamwissenschaftler und Übersetzer eingestellt werden. […]

    26. Oktober 2006 1