EU

  • : EU will mit der NATO „robuste und belastbare Fähigkeiten“ zur Cyberabwehr entwickeln
    Noch mehr Übungen, noch mehr zivil-militärische Zusammenarbeit und Kooperation mit "Drittländern". Wie oft kommt in dem EU-Konzept (und dem Artikel) das Wort "Cyber" vor?
    Noch mehr Übungen, noch mehr zivil-militärische Zusammenarbeit und Kooperation mit "Drittländern". Wie oft kommt in dem EU-Konzept (und dem Artikel) das Wort "Cyber" vor?
    EU will mit der NATO „robuste und belastbare Fähigkeiten“ zur Cyberabwehr entwickeln

    Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich darauf geeinigt, im Bereich der Cyberabwehr stärker mit der NATO zusammenzuarbeiten. Das geht aus einem Ratsdokument mit dem Titel „EU-Politikrahmen für die Cyberabwehr“ vom November hervor. Die Ausarbeitung des Konzepts war Ende vergangenen Jahres vom Europäischen Rat gefordert worden und knüpft an die „Cybersicherheitsstrategie“ der EU an. Demnach bestehe in der EU der „politische Wille“ zur gemeinsamen Entwicklung von „widerstandsfähigen Fähigkeiten“.

    Nach Land, See, Luft und Weltraum wird der „Cyberraum“ in dem Papier als der „fünfte Bereich für militärische Aktivitäten“ beschrieben. Daher sei es „immer stärker entscheidend“, dass ein sicherer „Cyberraum“ stets verfügbar und zugänglich ist. Hier seien „robuste und belastbare Fähigkeiten“ erforderlich. Der Terminus „robust“ wird gewöhnlich benutzt, um Einsätze ziviler Kräfte am Rande von Kriegshandlungen zu beschreiben.

    Zusammenarbeit mit „Drittländern“

    Zur Umsetzung sollen mehr gemeinsame Sitzungen von entsprechenden Gremien der NATO und der EU stattfinden. Dadurch soll eine „unnötige Doppelarbeit“ vermieden werden. Dies beträfe die Krisenbewältigung sowie militärische Operationen und zivile Missionen gleichermaßen. Genannt wird beispielsweise die Ratsarbeitsgruppe „Politisch-militärische Angelegenheiten“. Die Gruppe ist für die Ausgestaltung der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) zuständig und kontrolliert militärische und zivil-militärische EU-Operationen.

    Alle 28 EU-Mitgliedstaaten sollen bei der Entwicklung von Fähigkeiten zur Cyberabwehr unterstützt werden. Die „Cyberdimension“ soll mit weiteren Übungen „angemessen aufgegriffen“ werden, um die Reaktionsfähigkeit der EU bei einer Cyberkrise zu verbessern. Solche Übungen finden bereits regelmäßig statt. Mögliche Unterstützungsleistungen in den Mitgliedstaaten können auf Basis der neu beschlossenen Solidaritätsklausel vorgenommen werden.

    Als weitere Akteure werden der Auswärtige Dienst (EAD) und die Verteidigungsagentur (EDA) genannt. Die neuen „Cyberabwehrfähigkeiten“ sollen dazu dienen, die Kommunikations- und Informationsnetze des EAD zu schützen. Beide EU-Einrichtungen sollen aber auch vermehrt strategische Entwicklungen verfolgen und „Konsultationen“ zur Cyberabwehr mit internationalen Organisationen und solchen „Drittländern“ führen, die sich an EU-Operationen beteiligen. Konkrete Länder werden nicht genannt. Bekannt ist aber, dass die EU mit den USA im Bereich „Cybersicherheit“ auf vielen Ebenen, darunter auch gemeinsamen Übungen und einem „Cyberdialog“, kooperiert.

    Mehr Überwachung und Informationsaustausch

    Ziel ist aber auch die stärkere zivil-militärische Zusammenarbeit. In dem Papier heißt es, der „Cyberraum“ sei ein Bereich, in dem „Fähigkeiten mit doppeltem Verwendungszweck“ eine sehr wichtige Rolle spielten. Deshalb müssten Synergien mit „der übergreifenden Cyberpolitik der EU“ entwickelt werden. Genannt wird die Initiative „Single European Sky“, innerhalb derer auch die Integration von Drohnen in den allgemeinen Luftraum eine wichtige Rolle spielt.

    Zu den prioritären Bereichen der EU-Cyberabwehr heißt es in dem Konzept:

    • Überwachung, Lageeinschätzung, Prävention, Aufdeckung und Schutz, Informationsaustausch, forensische Fähigkeiten und Fähigkeiten in Bezug auf die Analyse von Schadsoftware, gewonnene Erkenntnisse, Eindämmung von Schäden, Fähigkeiten in Bezug auf die dynamische Datenwiederherstellung, verteilte Datenspeicherung und Sicherung von Daten;
    • Unterstützung bestehender und künftiger Projekte zur Bündelung und gemeinsamen Nutzung im Bereich der Cyberabwehr bei Militäroperationen (z.B. Forensik, Ausbau der Interoperabilität, Festlegung von Standards);
    • Verbesserung der freiwilligen Zusammenarbeit zwischen militärischen IT-Notfallteams (Computer Emergency Response Teams – CERTs) der Mitgliedstaaten, um die Prävention gegen Sicherheitsvorfälle und den Umgang mit ihnen zu verbessern;
    • Prüfung der Entwicklung von Ausbildungsmaßnahmen im Bereich der Cyberabwehr im Hinblick auf die Zertifizierung von Gefechtsverbänden der EU.

    Auch eigentlich zivile Akteure sollen mitmachen

    Ein besonderer Schwerpunkt soll in weiteren Forschungsprogrammen liegen. Hier kommt die Industrie ins Spiel, die in dem Papier als „Haupttriebfeder für Technologie und Innovation im Zusammenhang mit der Cyberabwehr“ bezeichnet wird. Private Firmen sollen insbesondere „in Bezug auf Kryptographie“, zur Erkennung von Schadprogrammen und mit Simulations- und Visualisierungstechniken aushelfen. Kein EU-Konzept kommt ohne die Förderung der Wirtschaft aus. So fordert „EU-Politikrahmen für die Cyberabwehr“, eine „gesicherte und wettbewerbsfähige europäische industrielle Lieferkette“ im Bereich der Cybersicherheit zu entwickeln.

    Auch die eigentlich zivilen Akteure der EU sollen ihre Zusammenarbeit „verstärken“. Explizit genannt werden die EU-Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) und das bei Europol angesiedelte Zentrum zur Bekämpfung der Cyberkriminalität (EC3). Allerdings ist unklar, welche Rolle die beiden Agenturen spielen sollen: Im Falle des vermutlich vom britischen Geheimdienst GCHQ vorgenommen Angriffs auf EU-Infrastrukturen hatte Europol beispielsweise nicht einmal einen Ermittlungsauftrag erhalten.

    23. Dezember 2014 1
  • : Günther Oettinger: Datenschutz ist vor allem Datensicherheit
    Günther Oettinger: Datenschutz ist vor allem Datensicherheit

    Günther Oettinger hat Spiegel-Online ein Interview gegeben: „Man braucht online ein dickes Fell“. Darin wird enthüllt, dass er internetaffin ist, weil er bis zu 6x am Tag Spiegel-Online ansurft. Um Politik geht es auch nebenbei, dabei findet man heraus, dass Oettinger Datenschutz vor allem unter dem Aspekt „Schutz von Betriebsgeheimnissen“ und Datensicherheit sieht. Vielleicht kann ihm ja jemand nochmal das mit den Grundrechten erklären.

    Oettinger: Das gehört beides zusammen: Unternehmer und auch Privatpersonen tun gut daran, sich selber zu fragen, wie sie die Sicherheit ihrer Daten gewährleisten können. Und als Digitalkommissar will ich sicherstellen, dass wir EU-weit Gesetze haben, die den höchsten Datenschutz und die beste Internetsicherheit fest schreiben. Und daran müssen sich dann Provider, andere Firmen und Institutionen jeder Art halten.

    Gar nicht verstanden haben wir diesen Vergleich:

    SPIEGEL ONLINE: Der Vergleich hinkt gewaltig. Besagte Promis hatten ihre Daten in der vermeintlich sicheren iCloud von Apple hinterlegt – sie waren also gerade nicht leichtsinnig.

    Oettinger: Wenn ich 1000 Euro verwahren will, könnte ich sie auch in einen Hotelsafe tun. Hätte ich dagegen eine Million Euro, würde ich das nicht tun und sie stattdessen auf meinem Bankkonto einzahlen. Selbst eine iCloud bietet immer nur begrenzte Sicherheit.

    Vielleicht stehen wir nur auf dem Schlauch, oder kann es sein, dass der Vergleich hinkt?

    Ansonsten nutzt Oettinger Whatsapp für die private Kommunikation. Keine weiteren Fragen.

    22. Dezember 2014 8
  • : 2015 gibt es 1 Million Euro EU-Gelder für Freie Software Code-Reviews
    2015 gibt es 1 Million Euro EU-Gelder für Freie Software Code-Reviews

    Zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber trotzdem ein erster kleiner Erfolg von Julia Reda, EU-Abgeordnete der Piraten in der Grünen-Fraktion:

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    26 03 77 02 Pilot project — Governance and quality of software code – Auditing of free and opensource software

    Was sinnvoll wäre: Wenn es dafür viel mehr Geld von Regierungen und Wirtschaft geben würde, um die kritischsten Infrastrukturen zu reviewen. Davon hätten alle was und das Netz würde sicherer.

    Im Haushaltsentwurfdokument steht es wie folgt: (Seite 732)

    Recent discoveries of vulnerabilities in critical information infrastructure have drawn the broader public’s attention to the need to understand how governance and quality of the underlying software code relates to basic safety and public trust in applications that are used on a day-to-day basis. As both the general public and the EU institutions regularly use free and open-source software – from end- user device applications to server systems – the need for coordinated efforts to ensure and maintain the integrity and security of that software has been highlighted by the European Parliament itself. This pilot project will offer a systematic approach to achieving a goal to which the EU institutions themselves can contribute, namely ensuring that widely used critical software can be trusted.

    The pilot project has three parts:

    Part one comprises a comparative study and a feasibility study. The comparative study will analyse and compare the Debian Free
    Software Guidelines and social contract[0] compliance decisions in Debian[1] with current code sharing practices and compliance
    determinants within the activities of the Commission’s vulnerability test centre and CITnet’s Application Lifecycle management
    system relating to projects which are currently funded by ISA and published on JoinUp[2]. This study will also make a general
    assessment of the Commission’s current code governance models and identify processes similar to processes within Debian. The aim is to develop best practices with regard to code review and code quality assessment for the purpose of mitigating security threats, in particular in activities relating to free software and open standards funded by the European Union. The feasibility study will identify agents and stakeholders, estimate time frames and funding models, determine deliverables and long-term impacts in, of and for projects where such best practices could be applied.

    The second part of the pilot project will cover the development of a unified inventory methodology for the Commission and
    Parliament in particular and the compilation of a full inventory of free software and open standards in use within all the EU
    institutions. The inventory will provide a basis for determining where the results of the first part of the pilot project could be successfully applied.
    The third part will involve an exemplary code review of software and software libraries that are in active use both by the general European public and by EU institutions. This part of the pilot project will identify and focus in particular on software or software components whose exploitation could lead to a severe disruption of public or EU services and unauthorised access to personal data, forming the basis for a public tender on this matter.

    [0] https://www.debian.org/social_contract
    [1] http://cfnarede.com.br/sites/default/files/infographic_debian-v2.1.en.png
    [2] https://joinup.ec.europa.eu/
    Legal basis

    Pilot project within the meaning of Article 54(2) of Regulation (EU, Euratom) No 966/2012 of the European Parliament and of the
    Council of 25 October 2012 on the financial rules applicable to the general budget of the Union and repealing Council Regulation
    (EC, Euratom) No 1605/2002 (OJ L 298, 26.10.2012, p. 1).

    18. Dezember 2014 1
  • : Brüssel: Chronologie einiger Spionagefälle in der jüngeren Vergangenheit
    European Council CC BY-NC-ND 2.0
    Brüssel: Chronologie einiger Spionagefälle in der jüngeren Vergangenheit

    Dieser Beitrag ist Teil eines Security-Briefings des Europaparlaments. Übersetzung von Justin Hanney

    2014
    Im März 2014 wurde ein Telefongespräch zwischen der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und dem estnischen Außenminister Urmas Paet auf Youtube veröffentlicht (Vorsicht mit drastischen Bildern des Konflikts unterlegt). Die Tonaufnahme wurde in Brüssel mitgeschnitten – nicht in Tallinn. Es ist unklar, wer hinter dieser Operation steckt. Da es keine offizielle Beschwerde gab, strengte die belgische Strafverfolgung keine Ermittlungen zu dem Leak an.

    In einer Pressemitteilung im März 2014 gab Guy Verhofstadt, der ehemalige Premierminister Belgiens und heutige Präsident der ALDE-Fraktion im EU-Parlament, an, dass sein Treffen mit dem russischen Oppositionsführer Alexey Navalny verwanzt gewesen sei. Verhofstadt und Navalny hatten sich im Mai 2013 in einem Moskauer Hotel getroffen, um Geldwäsche und Korruption in Russland und der Europäischen Union zu diskutieren. Später wurden Aufzeichnungen des privaten Treffens auf dem russischen Fernsehsender NTV gesendet.

    2013
    Die Email-Accounts von Mitgliedern des EU-Parlaments wurden gehackt. Die Hacker zielten darauf ab, den Gewinner des Sacharow-Preises zu enthüllen.

    2012
    Laut der Nachrichtenagentur Belga wurde Karel Brus, ein ehemaliger EU-Beamter, in Belgien für die Weitergabe vertraulicher Informationen zur gemeinsamen Agrarpolitik an einen französischen Lobbyisten zu 40 Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 55.000€ verurteilt. Weitere 140.000€ seiner Vermögenswerte wurden beschlagnahmt.

    2011
    Wenige Tage vor dem EU-China-Gipfel stahlen Hackergruppen, bekannt unter den Namen „Comment“ und „Byzantine Candor“, Emails vom Computer des Chefs des Europarats Herman van Rompuy. Außerdem stahlen sie Emails und Anhänge vom Anti-Terror-Koordinator Gilles de Kerchove, von vier Beratern Van Rompuys und vier weiteren EU-Beamten, die für Entwicklung des Handels zuständig waren.
    Als der Hack ein Jahr später bekannt wurde, stritt China jegliche Beteiligung ab.

    Am Abend des jährlichen Frühlingsgipfels der EU verkündete die EU-Kommission, dass sie einer raffinierten Cyberattacke zum Opfer gefallen war. Als Gegenmaßnahme wurden die Mitarbeiter der EU-Kommission und die externen Dienstleister dazu angewiesen, dienstliche Emails nicht mehr zu Hause zu lesen und ihre Passwörter zu ändern.

    2010
    Der belgische Nachrichtendienst VSSE gab an, dass die Aktivitäten der russischen Geheimdienste sich auf die Euro-Atlantische Verteidigungspolitik, politische Entscheidungen in der EU, insbesondere der Wirtschaftspolitik sowie auf die russischsprachige Gemeinschaft in Belgien konzentrierten.

    Die VSSE startete eine Untersuchung zu den Aktivitäten des kolumbianischen Geheimdienstes Departamento Administrativo de Seguridad (DAS) gegen Institutionen und NGOs auf belgischem Boden. Das DAS hat angeblich das Europaparlament und Mitglieder der NGOs „Broederlijk Delen” und “Oxfam Solidariteit” ausspioniert.

    2009
    Die digitale Attacke auf die Korrespondenz von Javier Solana, dem damaligen hohen Vertreter für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU, konnte zu Servern in Südostasien zurückverfolgt werden.

    Ein vertrauliches Memorandum von Stephen Hutchins, dem Sicherheitsdirektor der EU-Kommission, wurde der Frankfurter Allgemeine zugespielt.
    Huchins warnte, dass “die Bedrohung durch Spionage von Tag zu Tag größer werde. Einige Länder, Informationssuchende, Lobbyisten, Journalisten, private Agenturen und Dritte halten daran fest, nach sensiblen und klassifizierten Informationen zu suchen.”

    2008
    13 Jahre lang hat der frühere Chef des estnischen Verteidigungsministeriums, Herman Simm, Informationen an Russland weitergegeben. Am Ende seiner Karriere leitete Simm die nationale Sicherheitsbehörde in Estland. Er hatte Zugriff auf streng geheime Dokumente, die zwischen NATO-Mitgliedstaaten ausgetauscht wurden. Simm konnte außerdem EU-Verschlusssachen einsehen, da er an Sitzungen der Beratenden Gruppe für das Sicherheitskonzept der Kommission und dem Ausschuss des Sicherheitsrats teilnahm, zwei EU-Expertengruppen zur Informationssicherheit.
    Die estnische Sicherheitspolizei KaPo teilte der Onlinezeitung EUobserver mit, dass Simm “mindestens” 3294 interne estnische Dokumente an den russischen Auslandsgeheimdienst SVR weitergegeben hatte.
    Darin waren auf 386 EU- und Nato-relevante Dokumente enthalten, in denen Kommunikationssysteme, Geheimdienstabwehr und Verteidigungspolitik behandelt wurden. Manche von ihnen waren als vertraulich oder geheim eingestuft.
    Simm wurde wegen Verrats angeklagt und später zu zwölfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

    Das VSSE informierte den belgischen Justizminister Jo Vandeurzen über versuchte Hacks auf Emailadressen der Regierung, die wahrscheinlich von China ausgingen. Stichhaltige Beweise gab es allerdings keine.
    Die Angreifer nutzten Social Engineering – Sie erstellten Profile über die persönlichen Details einzelner Personen, indem sie frei zugängliche Informationen verwendeten, um belgische Beamte, die für Europa- und Energiepolitik zuständig waren, in die Irre zu führen, sodass diese kontaminierte Emails öffneten.

    2003
    Telefonstörungen im Justus-Lipsius-Gebäude, dem Hauptquartier des Rates der Europäischen Union in Brüssel, führten dazu, dass fünf schwarze Kisten mit Spionage-Ausrüstung entdeckt wurden, die in den Bentonwänden des Gebäudes versteckt und mit den Telefonleitungen der Räume der Delegierten von Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich verbunden waren.

    17. Dezember 2014 4
  • : Massenabmahnungen: EU-Kommission fordert Stellungnahme von Bundesregierung
    Massenabmahnungen: EU-Kommission fordert Stellungnahme von Bundesregierung

    Vor bald zwei Jahren habe ich als damaliger Vorsitzender des Digitale Gesellschaft e.V. einen Brief an die EU-Kommission geschrieben, damit die mal in Sachen Massenabmahnungen in Deutschland aktiv werden sollen. Knappe zwei Jahre später gibt es eine Antwort und es kommt Bewegung in die Sache:

    In unserem Schreiben machten wir darauf aufmerksam, dass seit dem Jahr 2008 rund 4,5 Millionen Menschen in Deutschland mit kostenpflichtigen Abmahnungen wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzungen überzogen wurden. Aus unserer Sicht ist diese bis heute andauernde Praxis, welche durch die deutsche Rechtslage ermöglicht wird, nicht verhältnismäßig und verstößt gegen die EU-Richtlinie zur Durchsetzung des geistigen Eigentums (IPRED). Wir baten die Kommission deshalb um Prüfung, ob in diesem Fall ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland vor dem EuGH eingeleitet werden muss. Nun, nach mehr als anderthalb Jahren, zahlreichen E‑Mails und persönlichen Gesprächen in Brüssel, kommt endlich Bewegung in die Sache. Gestern hat die Kommission die Bundesrepublik offiziell zu einer Stellungnahme bis Mitte Februar 2015 aufgefordert. Diese Anhörung ist ein notwendiger formaler Schritt, bevor gerichtliche Klage wegen Verletzung des EU-Rechts erhoben werden kann.

    Mehr gibt es drüben.

    12. Dezember 2014
  • Telecommunications Data Retention: EU Commission is working on new Data Retention Directive
    Arbeitet an neuer Vorratsdatensoeicherung: EU-Innenkommissar Avramopoulos.
    Telecommunications Data Retention EU Commission is working on new Data Retention Directive

    The new EU Commission plans to re-introduce Telecommunications Data Retention, as we learned in Brussels yesterday. A spokesperson of the Commissioner for Home Affairs confirms that it is no longer a question „if“ there will be a directive, only „how“. But the European Court of Justice ruled: suspicionless mass surveillance is disproportionate and violates fundamental rights.

    10. Dezember 2014 5
  • Anlasslose Massenüberwachung: EU-Kommission arbeitet an neuer Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung
    Arbeitet an neuer Vorratsdatensoeicherung: EU-Innenkommissar Avramopoulos.
    Anlasslose Massenüberwachung EU-Kommission arbeitet an neuer Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung

    Die EU-Kommission will die Vorratsdatenspeicherung wieder einführen. Das erfuhr netzpolitik.org in Brüssel. Eine Sprecherin des Innenkommissars bestätigt: es geht nicht mehr um das „ob“, nur noch um das „wie“. Der EuGH urteilte jedoch: die anlasslose Massenüberwachung ist unverhältnismäßig und grundrechtswidrig.

    9. Dezember 2014 29
  • : Meet the Pirate who wants to reform Europe’s copyright laws
    Meet the Pirate who wants to reform Europe’s copyright laws

    Bei ZDnet gibt es ein Portrait über die Piraten-MdEP Julia Reda: Meet the Pirate who wants to reform Europe’s copyright laws.

    However, though these tools have proved effective for the Pirate Party, which is made up of a lot of technologically-engaged, passionate members, Reda does not think that liquid democracy – which relies on volunteers to work – will ever replace the EU’s parliamentary decision-making process, which can be subject to influence by lobbyists. „You need to have people doing this full-time. If you try to outsource [the decision-making process] entirely to volunteers, I feel there would be a huge structural advantage to companies or other organizations that manage to pay people to do that kind of thing,“ she said. „Companies are not going to stop having full-time lobbyists.“

    2. Dezember 2014
  • : Netzneutralität spaltet EU-Kommission und Rat
    Netzneutralität spaltet EU-Kommission und Rat

    Erich Moechel fasst bei FM4 den aktuellen Diskussionsstand im EU-Rat zu Netzneutralität zusammen: Netzneutralität spaltet EU-Kommission und Rat.

    Hier sieht das Ratspapier breite Ausnahmeregelungen von der Gleichbehandlung vor. Internetprovider sollen in den Verkehr nach eigenem Dafürhalten eingreifen und Websites selbst oder auf behördliche Aufforderung, jedenfalls aber ohne Gerichtsurteil blockieren können. Der Text ist dabei so breit und allgemein gehalten, dass aus diesen Notfallsmaßnahmen sozusagen die allgemeinen Regeln für die Behandlung der Daten abgeleitet werden.

    Widerstand gibt es von den kleinen Mitgliedsstaaten, u.a. von Slowenien und den Niederlanden, die bereits eigene Gesetze zum Schutz der Netzneutralität haben. Aber keine Panik, unser Digitalkommissar hat alles unter Kontrolle, oder?

    Die großen Differenzen im Ministerrat stehen einer baldigen Regelung für den digitalen EU-Binnenmarkt im Wege, immer fraglicher wird dabei, ob der für 2015 angestrebte Abschluss überhaupt noch realistisch ist. Viel einfacher ist es hingegen vorauszusagen, dass der Druck auf Kommissar Günther Oettinger wachsen wird, endlich klare Aussagen zum Thema Netzneutralität in irgendeine Richtung zu treffen. Bei Beobachtern des Geschehens mehren sich nämlich die Zweifel, ob der Energieexperte Oettinger seinem neuen Fachbereich digitale Kommunikation überhaupt gewachsen ist.

    Erich Moechel bezieht sich vor allem auf die Analyse von Monica Horten auf Iptegrity: EU Council divided over net neutrality law .

    The Council of Ministers is sharply divided over the net neutrality provisions in the new Telecoms Regulation. The split within the Council emerged today in a meeting of the Telecoms Council, where all 28 EU member governments gave their view on the Council’s new proposals for net neutrality. Broadly, the positions line up with the Dutch and Slovenians who are not happy with the Council’s text, and (sadly) the Brits at the diametrically opposite position, who support it.

    30. November 2014 2
  • : Protokoll des EU-Rates zur Diskussion über Netzneutralität
    Protokoll des EU-Rates zur Diskussion über Netzneutralität

    Der EU-Rat hat gestern über das Thema Netzneutralität diskutiert, von deutscher Seite war Staatssekretär Matthias Machnig (BMWE) dabei. Das Protokoll fasst die Debatte knapp zusammen:

    – Most member states considered that the presidency text was a good basis for further work but that more discussion was needed also on net neutrality. A large number of delegations said it
    was important to have open and non-discriminatory access to the Internet, but that it was
    likewise important to avoid curtailing innovation and investment.
    – Several delegations expressed support for banning price discrimination in any rules on net
    neutrality.

    The presidency concluded that more technical work was needed with a view to defining a Council
    position on roaming and net neutrality – issues in which the citizen has a central position. The
    presidency will continue to work on the proposal until the end of the year, based on the guidance
    given by ministers. Talks with the European Parliament would only start when the time is ripe.

    The adoption of the regulation requires the approval of both the Council and the European
    Parliament. The Parliament adopted its first-reading amendments in April.

    Der erste Punkt erinnert an das Schreiben unserer Internetminister an die EU-Kommission, wo die deutsche Position mit „Dabei ist wichtig, das offene Internet zu erhalten, zugleich aber Spielraum für Qualitätsinnovationen zu wahren.“ zusammengefasst war.

    Über die aktuellen Entwicklungen und eine Einordnung hatten wir gestern berichtet: EU: Parlament fordert Rat erneut auf, sich für Netzneutralität einzusetzen. Wo steht Kommission?

    28. November 2014
  • : Unsere drei Internetminister +1 schreiben der EU-Kommission
    Bundeswirtschaftsminister Gabriel, Bundesinnenminister de Maizière und Bundesverkehrsminister Dobrindt. Bild: © BMWi/Susanne Eriksson.
    Unsere drei Internetminister +1 schreiben der EU-Kommission

    Vor zwei Wochen berichtete Spiegel-Online über einen Brief unserer drei Internetminister plus dem Justiz- und Verbraucherminister an die Eu-Kommission mit Wünschen zu netzpolitischen Themen. Wir haben eine IFG-Anfrage gestellt, aber nichts gehört. Jetzt hat man den Brief von selbst online gestellt (PDF).

    Das Papier ist voller Buzzword-Bingo und der üblichen DE-Mail-Werbung. Ab und an kann man aber zwischen den Zeilen lesen, was gemeint ist, wie zum Punkt Netzneutralität. Die ist wichtig, aber.…:

    In diesem Zusammenhang sollte es uns gelingen, uns auf gemeinsame Prinzipien zur Netzneutralität zu verständigen und diese auf europäischer Ebene zu verankern. Dabei ist wichtig, das offene Internet zu erhalten, zugleich aber Spielraum für Qualitätsinnovationen zu wahren. In Bezug auf den für nächstes Jahr vorgesehenen Gesamt-Review des Telekommunikations-Pakets stehen wir kurzfristig mit unseren Experten für einen Austausch zu den relevanten Themen etwa im Rahmen eines Workshops zur Verfügung.

    „Offenes Internet erhalten“ plus „Spielraum für Qualitätsinnovationen zu wahren“, kennen wir doch alles von der Drosselkom-Debatte.

    Es gibt aber auch interessante Vorschläge, über die mal mehr nachgedacht werden müsste wie:

    Die 19 Mrd. US-Dollar teure Übernahme von WhatsApp durch Facebook wäre aufgrund der aktuell noch geringen Umsätze von WhatsApp nicht unter die europäische Fusionskontrolle gefallen. Daher sollte geprüft werden, ob die Aufgreifschwellen in der europäischen Fusionskontrollverordnung für die Datenökonomie ergänzt werden. In Betracht kommt eine Klausel, die nicht nur aktuelle Umsätze berücksichtigt, sondern auch den Wert der Transaktion, der maßgeblich von der Zahl der Nutzer und dem Wert der Daten abhängen kann.

    Und es gibt eine Äußerung zum Urheberrecht, die möglicherweise auch ein Recht auf Remix meinen könnte:

    Soweit das Urheberrecht modernen Nutzungsformen nicht mehr ausreichend gerecht wird, müssen wir die notwendigen Aktualisierungen vornehmen. Nach unserer Überzeugung bleibt das Vertragsrecht wichtig zum Ausgleich der Interessen zwischen Rechteinhabern und Nutzern, allerdings können im Urheberrecht nicht sämtliche Probleme durch vertragliche Lösungen zwischen Rechteinhabern und Nutzern gelöst werden. Dabei gilt jedoch immer: Zeitgemäße Erleichterungen für Endnutzer sind sinnvoll, die faire Vergütung der Kreativen darf dabei jedoch nicht auf der Strecke bleiben.

    27. November 2014 7
  • : EU: Parlament fordert Rat erneut auf, sich für Netzneutralität einzusetzen. Wo steht Kommission?
    EU: Parlament fordert Rat erneut auf, sich für Netzneutralität einzusetzen. Wo steht Kommission?

    Save the Internet 2014-11-27 15-41-28Das EU-Parlament hat in einem nichtbindenden „Entschließungsantrag zur Stärkung der Verbraucherrechte im digitalen Binnenmarkt“ (2014/2973(RSP)) neben den gerade in den Medien hochgehypten Wünschen nach einer Google-Regulierung auch Wünsche zur Netzneutralität an die EU-Kommission artikuliert. Konkret geht es um diese beiden Punkte:

    8. fordert den Rat eindringlich auf, rasche Fortschritte zu erzielen und Verhandlungen über den Vorschlag für eine Verordnung über Maßnahmen zum europäischen Binnenmarkt der elektronischen Kommunikation und zur Verwirklichung des vernetzten Kontinents mit dem Parlament aufzunehmen, da dadurch konkret die Roaminggebühren innerhalb der EU abgeschafft würden, mehr Rechtssicherheit mit Blick auf die Netzneutralität geschaffen und der Verbraucherschutz im digitalen Binnenmarkt verbessert würde; ist der Ansicht, dass diese Verordnung ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung eines europäischen Binnenmarkts für Mobilfunkdienste sein könnte;

    9. betont, dass der gesamte Internetverkehr unabhängig von dessen Absender, Empfänger, Art, Inhalt, Gerät, Dienst oder Anwendung in gleicher Weise, diskriminierungsfrei und ohne Beschränkungen oder Eingriffe behandelt werden sollte;

    Bei EDRi gibt es eine erste Analyse: European Parliament fights back hard on net neutrality.

    “Treated equally” goes beyond a simple ban on blocking or throttling of services. It also covers, for example, price discrimination, where some online monopolies can be accessed without additional download charges, while users have to pay to access every other service.

    Hintergrund ist, dass heute auch der EU-Rat tagt, wo die Regierungen der Mitgliedsstaaten zusammensitzen und dort u.a. auch über Positionen zur Netzneutralität diskutiert wird. Vergangene Woche hatten wir berichtet, dass unter der derzeitigen italienischen Ratspräsidenschaft Pläne verfolgt werden, die strengen Netzneutralitätsregeln, die das EU-Parlament im Frohjahr abgestimmt hatte, durch nicht bindende Wunschregeln zu ersetzen. Die Folgen wären weitgehende Narrenfreiheit für Telekommunikationsunternehmen und die Schaffung eines 2‑Klassen-Netzes.

    Offener Brief an den Rat der Europäischen Union

    Gegen diese Pläne hat das Bündnis um SavetheInternet.eu gestern einen offenen Brief an die EU-Regierungen geschrieben und abgeschickt. Bei der Digitalen Gesellschaft findet sich eine deutsche Version:

    wir, die unterzeichnenden Organisationen, bitten Sie eindringlich, den jüngsten Vorschlag des italienischen Ratsvorsitzes zur Netzneutralität abzulehnen und stattdessen verbindliche Regelungen zur Sicherung der Netzneutralität zu erlassen. Ohne klare Vorschriften zur Netzneutralität werden die großen Zugangsanbieter zu Türstehern, die die Macht haben, nur denen Zugang zu ihren Kunden zu gewähren, die dafür zahlen können und alle anderen auszuschließen.

    Mit dem italienischen Vorschlag vom 14. November gelingt es nicht, das Versprechen eines offenen Internets glaubhaft zu vermitteln. Er enthält weder eine klare Definition von Netzneutralität noch eine klare Absage an alle Formen der Online-Diskriminierung wie zum Beispiel Preisdiskriminierung. Die Annahme eines solchen Vorschlags würde auf die Abschaffung der Netzneutralität hinauslaufen und somit ernsthafte Konsequenzen für die Innovationskraft und Kommunikationsfreiheit in Europa sowie auf der ganzen Welt zur Folge haben.

    Der weitere Text findet sich drüben. Savetheinternet.eu wurde auch neu gebaut und konzentriert sich jetzt auf die Verhandlungen im EU-Rat. Eine deutsche Version gibt es auch bald. Geht dahin, informiert Euch und werdet aktiv!

    Und wo steht die EU-Kommission?

    Und wo steht gerade die EU-Kommission? Das bleibt etwas unklar. Während sich EU-Digitalkommissar Günther Oettinger immer weiter in die Richtung äußert, wie wir sie von den Telekom-Lobbyisten kennen, versucht sich sein Kollege und Vize-Präsident Andrus Ansip als Verfechter der Netzneutralität zu inszenieren. Die Frage bleibt: Meint Ansip das Ernst oder spielt er dasselbe Spiel wie wir das von der ehemaligen Digitalkommissarin Neelie Kroes gewohnt sind: Sich ständig als Verfechter der Netzneutralität zu inszenieren und wenn es drauf ankommt, das Gegenteil zu machen?

    Positiv ist zumindest derzeit, dass Ansip sich nicht eindeutig wie Oettinger in Richtung Telekommunikationslobby positionieren möchte. Aber tief ins Detail, welche Netzneutralität er genau meint, ist Ansip auch noch nicht gegangen. Dafür war aber Tim Berners-Lee schon zum Internet und Netzneutralität erklären da:

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    27. November 2014 3
  • : Arbeitsprogramm der EU-Kommission 2015: Große Herausforderungen für digitale Grundrechte
    Jean-Claude Juncker.
    Arbeitsprogramm der EU-Kommission 2015: Große Herausforderungen für digitale Grundrechte

    EDRi hat eine Kopie des Entwurfs zum Arbeitsprogramm der EU-Kommission für 2015 erhalten und veröffentlicht: Arbeitsprogramm der EU-Kommission 2015. Für diejenigen, die die Anhörungen der Kandidaten im EU-Parlament verfolgt haben, enthält dieser Entwurf keine großen Überraschungen. Allerdings zeigt er die große Anzahl an Vorschlägen und Initiativen, die in den kommenden Jahren einen direkten Einfluss auf unsere Grundrechte und ‑freiheiten haben werden. Juncker hat das Ziel, das Arbeitsprogramm am 16. Dezember in Straßburg zu verabschieden.

    Dieser Gastbeitrag von European Digital Rights (EDRi) erschien zunächst auf edri.org. Übersetzung von Justin Hanney und Andre Meister.

    Vorhabendokumentation der EU-Kommission

    In einem Brief an die Kommissare erklärt er, dass der Programmentwurf aus neuen Initiativen, anhängigen Vorschlägen und Aufhebungen existierender Gesetze besteht – alles mit dem Ziel, seinen Zehn-Punkte-Plan für Europa durchzusetzen.

    Neben der Bekanntgabe einer Liste bedeutsamer Initiativen und Vorschläge, lädt er alle Kommissare ein, zusätzliche Elemente vorzuschlagen – oder die Notwendigkeit der derzeit vorliegenden Vorschläge zu überprüfen – vor dem Hintergrund der „Mission Letters“, die zusammen mit den Nominierungen im September geschickt wurden.

    Unter den neuen Initiativen im Entwurf finden sich im Arbeitsfeld „Digitaler Binnenmarkts“ der „Cybersicherheitsplan“ und die bereits angekündigte Reform der E‑Privacy-Richtlinie (sobald es eine Einigung zur Datenschutzreform gibt).

    Netzneutralität, Urheberrecht, Datenschutz

    Zu den wichtigen neuen Initiativen, die zunächst vom Generalsekretariat vorgeschlagen wurden, verkündet die Kommission ein Paket für den digitalen Binnenmarkt (Q2 2015) und einen Vorschlag für eine Urheberrechtsreform (2015). Wie wir immer wieder betont haben, sind die derzeitigen Copyright-Regeln nicht mehr fit für das digitale Zeitalter. Eine Abkehr weg von den gescheiterten repressiven Maßnahmen hin zu einer umfassenden Reform wäre sehr zu begrüßen.

    Darüber hinaus erwähnt das Dokument einen „möglichen geänderten Vorschlag für das Telekom-Paket“ – das könnte ein weiterer Anlauf sein, Regeln zur Netzneutralität zu untergraben. Derzeit diskutieren die EU-Mitgliedstaaten (im Rat) die „Verordnung zum europäischen Binnenmarkt der elektronischen Kommunikation“ und könnten einige Regeln für Netzneutralität streichen, die das Europäischen Parlament aufgestellt hat. Wenn die Verordnung geändert wird, um diese Regeln zu schwächen, werden wir hart arbeiten müssen, um sicherzustellen, dass das Europäische Parlament hinter seiner Entscheidung steht, das offene Internet zu schützen.

    Internationaler Freihandel und Digitaler Binnenmarkt

    Außerdem kündigt die Kommission an, an einem „vernünftigen und ausgewogenen“ Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) zu arbeiten – eine bemerkenswert defensive Wortwahl. Warum sollte man betonen, dass TTIP „vernünftig und ausgewogen“ sein soll? Das macht natürlich nur Sinn, wenn die Gefahr besteht, dass genau das eben nicht der Fall ist. TTIP wird sicherlich eins der wichtigsten Dossiers für digitale Bürgerrechte, mit denen EDRi im kommenden Jahr zu tun haben wird. Das gilt nicht nur für die generellen Bedenken zur Transparenz der Verhandlungen, sondern auch für eine etwaige Aufnahme von Bestimmungen zu Datenschutz, Selbstjustiz von Internet-Unternehmen und Urheberrecht.

    Im Bereich Justiz und Grundrechte, kündigt die Kommission den lang ersehnten Beitritt zur Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) und den Abschluss von Verhandlungen über ein umfassendes Datenschutzabkommen mit den USA an. Ein Abschluss dieser beiden Verhandlungs-Stränge würde das Ende eines langen Prozesses bedeuten. Der Beitritt der Europäischen Kommission zur Europäischen Menschenrechtskonvention wäre ein historischer Schritt, und ist eine wichtige, erneute Bestätigung, dass jede Art von Grundrechts-Einschränkung „gesetzlich vorgesehen“ sein muss (Artikel 10 EMRK).

    Menschenrechtskonvention und Transparenzregister

    Schließlich begrüßen wir die Ankündigung der Kommission, die Arbeit ihrer einzelnen Institutionen transparenter zu machen. Der Programmentwurf erwähnt die Einführung einer inter-institutionellen Vereinbarung, ein verpflichtendes Lobbyregister für Parlament, Rat und Kommission einzurichten. Dieser Schritt ist längst überfällig. Die vorherige Kommission hat einige grauenhafte Gewohnheiten über Transparenz entwickelt und den Zugang zu Dokumenten unnötig bürokratisch und schwer gestaltet – wir begrüßen alle Versuche, diesen Ansatz zur Geschichte zu machen.

    Es gibt mehr als genug Arbeit für European Digital Rights (EDRi) in dieser neuen Legislaturperiode. Während die Kommission ihr Arbeitsprogramm fertigstellt, arbeitet EDRi an einer Spendenkampagne, die in den nächsten Wochen gestartet wird. Mehr als je zuvor braucht EDRi eure Unterstützung, um eure Rechte und Freiheiten auf EU-Ebene weiterhin zu verteidigen.

    26. November 2014 2
  • : #dpaLiveChat: Günther Oettinger versucht zu chatten
    #dpaLiveChat: Günther Oettinger versucht zu chatten

    Annotate Your Screenshot 2014-11-20 15-17-14Unser EU-Digitalkommissar Günther Oettinger war heute im #dpaLiveChat zu Gast. Auf Twitter konnte man mit dem Hashtag fragen stellen, die dann Günther Oettinger beantworten sollte, was auf diversen Regional-Zeitungs-Seiten angezeigt wurde. Bei manchen durfte man sogar Geld reinschmeißen, um das live zu verfolgen. Das Format war neu für Oettinger und sein Vorgesetzter Andrus Ansip hatte mit #askansip vor Wochen die niedrige Latte der Beteiligungssimulation vorgelegt.

    Was soll man sagen, auf Günther Oettinger ist Verlass. Ganze zwölf Fragen konnte er in einer gut dreiviertel Stunde beantworten, zumindest formal mit Worten. Inhaltlich gab es wenig zu lesen, dafür viele Allgmeinplätze. Wie z.B. zum Urheberrecht, wo er es gekonnt schaffte, nicht auf konkrete Fragen zum Leistungsschutzrecht auf EU-Ebene einzugehen.

    Interessant war dann auch, wie er auf einzelne Fragen einging. Am Anfang wurde er gefragt, ob er von Lobbyisten eingearbeitet wurde. Ist es Zufall, dass er konkret nur das Hearing nennt und damit davon ablenkt, dass dieses Wochen vorüber ist und er seitdem zahlreiche Lobbyisten getroffen haben wird?

    „#dpaLiveChat Stimmt es, dass sie von Lobbyisten eingearbeitet wurden? https://t.co/3QTEOLtNnm“

    „Und: Ich wurde nur von den Mitarbeitern meiner beiden Generaldirektionen auf das Hearing im Europäischen Parlament vorbereitet, nicht von Lobbyisten. Einzige Ausnahme: Mein 16-jähriger Sohn. :-) Im Übrigen ist meine Arbeit und sind meine Gesprächspartner öffentlich. Die Kommission legt auf Transparenz großen Wert. “

    Hier die Frage zum LSR:

    Wollen Sie Google durch europ. LSR international genauso bevorteilen wie bereits in Deutschland? #dpaLiveChat @GOettingerEU @dpa_live

    Wir wollen ein europäisches Urheberrecht. Und wir wollen, dass Unternehmen wie Google unsere europäischen Wettbewerbsregeln beachten. Dafür haben wir die rechtlichen Zuständigkeiten und wollen so das Verhältnis von Google und anderen zu Nutzern und zu Mitbewerbern in eine faire Relation bringen.

    Frage zu Netzneutralität Teil 1, bestätigt unseren heutigen Artikel, dass EU-Rat gerade auf „Transparenz statt Netzneutralität“ wechselt, eine Linie, die seit Jahren von der Telko-Lobby gefordert wird und das Gegenteil von Netzneutralität darstellt.

    #dpaLiveChat @GOettingerEU: Was muss ein Provider bieten um sein Angebot Flatrate nennen zu dürfen? Viele beinhalten Drosselungen!

    Mit unserem Vorschlag einer Telekom-Binnenmarktgesetzgebung wollen wir klare Vorgaben für die Netzneutralität machen. Auf dieser Grundlage schaffen wir für den Vertrag zwischen einem Telekom-Unternehmen und dem Nutzer mit Rechten und Pflichten für beide Seiten erhöhte Transparenz, die für alle wichtig ist.

    In der zweiten Antwort zum Thema gab es dann etwas mehr Aussage und zwar, dass man Specialized Services wie die Drosselkom-Pläne legalisieren möchte:

    Wie stehen Sie zu der Tatsache, dass nicht jeder Netztraffic die gleiche Priorität braucht? Realtime Anwendungen vs statische #dpaLiveChat

    Jeder Nutzer braucht einen stabilen Leistungsstandard. Den wollen wir durch das Gebot der Netzneutralität sicherstellen. Daneben können klar begrenzte Dienste gegen höheres Entgelt auch mit einer besseren Leistung angeboten werden. Dies darf jedoch nicht diskriminieren und nicht zu Lasten des allgemeinen Internet-Standards gehen.

    Wenigstens für einen Beteiligten war es spannend:

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    Am Ende hin gab es dann noch eine konkrete Antwort:

    Frage an @GOettingerEU: Wie viele Apps sind auf Ihrem Smartphone und welche ist Ihre liebste? #dpalivechat

    Etwa 40. Und die liebste ist mir die Wetter-App, weil ich durch meinen Beruf in ganz Europa oder auch außerhalb sein muss und einen Mantel nicht unnötig mitnehmen will.

    Mitten drin passierte zehn Minuten lang nichts. Und plötzlich war alles beendet.

    Liebe Leserinnen und Leser, das war es für heute. Der Kommissar muss weiter. Unser Live-Chat mit Günther Oettinger endet an dieser Stelle. Vielen Dank fürs Mitlesen und für die zahlreichen Fragen. Bis zum nächsten Mal.

    Ich weiß nicht, ob es an dem Format lag oder am Ende der Tastatur. Aber zwölf Antworten auf hunderte Fragen innerhalb einer dreiviertel Stunde sind nicht nur wenig, das ist fast gar nichts. Und den Aufwand nicht wert. Man sollte mal den Schaden für das EU-Bruttosozialprodukt ausrechnen.

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    20. November 2014
  • : Neues Papier aus dem EU-Rat beerdigt Netzneutralität und fördert 2‑Klassen-Netz (Update)
    Neues Papier aus dem EU-Rat beerdigt Netzneutralität und fördert 2‑Klassen-Netz (Update)

    plakat_03Nachdem im Frühjahr das Europaparlament überraschend eindeutig für klare Netzneutralitätsregeln in der EU gestimmt hat, steckt die Reform des Telekom-Pakets im EU-Rat fest. Dort spielt Deutschland eine bedeutende Rolle. Anhand von Aussagen unserer Spitzenpolitiker in letzter Zeit können wir aber eine Tendenz erkennen, was denn nun die Position der Bundesregierung dort ist. Und die sieht gar nicht gut aus: Netzneutralität ja, aber mit vielen Ausnahmen – das ist in etwa so konsequent wie „nur ein bißchen schwanger werden“. Die Zitate unserer Spitzenpolitiker klingen dabei so wie die Aussagen der Lobbyisten und Repräsentanten der Telekommunikationsindustrie abgeschrieben. Und sind es wahrscheinlich auch. Das klingt alles etwas traurig, vor allem in Zeiten, wo US-Präsident Barack Obama klar Stellung für klare Regeln zur Netzneutralität bezieht und das EU-Parlament einen guten Aufschlag gemacht hat. Könnte man hier auch mal, tut man aber nicht.

    Neues Papier im EU-Rat beerdigt Netzneutralität

    netzneutralitaetJetzt wurde ein neuer Diskussionsstand im EU-Rat bekannt, hinter dem wohl auch Deutschland neben Großbritannien stecken soll. Der neue Text ist in entscheidenden Stellen anders als die letzte uns vorliegende Version. Es gibt keine Definition von Netzneutralität oder sogenannten Specialized Services mehr, sondern nur noch „Prinzipien“. Die sind so offen, dass Telekommunikationsunternehmen in die Rolle versetzt werden sollen, einfach mal in ihre Kundenverträge schreiben zu dürfen, was sie wollen. Hauptsache, es ist irgendwie „transparent“. Optimistisch gesprochen können Kunden damit entscheiden, welche Dienste sie priorisieren wollen. Realistisch gesprochen wird das dann wie gehabt in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt und in Pakete verpackt, so dass die Verletzung der Netzneutralität noch als Service verkauft wird. Das führt zu noch mehr Tarifen,über die man keinen Überblick mehr hat und noch mehr Fake-Transparenz.

    Wenn das durchkommt, wird das 2‑Klassen-Netz real.

    Sollte dieser Vorschlag so durchkommen würde es auch keinen Raum für nationale Lösnugen zur Sicherung der Netzneutralität geben. Das ist nicht die Netzneutralität, die wir meinen. Wenn das durchkommt, wird das 2‑Klassen-Netz real. Das wäre der Worst-Case, sponsored by Deutsche Telekom und ihren Wettbewerbern. Verkauft von unserer Bundesregierung.

    Update: Bei European Digital Rights gibts jetzt die Dokumente und eine tiefere Analyse zu lesen.

    In sum, this last proposal of the Italian Presidency would weaken citizens’ rights and annul the strong provisions adopted by the European Parliament in April 2014. If adopted, the text would lack the much needed protections to prevent internet access providers from creating a new monopoly – access to their customers. With all of the talk of the need for a single digital market in Europe, we would have new barriers and new monopolies.

    20. November 2014 15
  • : EU veröffentlicht „Politikrahmen für die Cyberabwehr“, Fähigkeiten könnten auch außerhalb Europas eingesetzt werden
    Nach US-Vorbild sollen auch in der EU zivil-militärische "Cyberübungen" abgehalten werden.
    Nach US-Vorbild sollen auch in der EU zivil-militärische "Cyberübungen" abgehalten werden.
    EU veröffentlicht „Politikrahmen für die Cyberabwehr“, Fähigkeiten könnten auch außerhalb Europas eingesetzt werden

    In mehreren Initiativen hat sich die Europäische Union bereits mit Maßnahmen zur „Cybersicherheit“ befasst und entsprechende Schlussfolgerungen verfasst. Hierzu gehört etwa die „Cybersicherheitsstrategie der Europäischen Union“, die vor fast zwei Jahren eine „Verbesserung der Möglichkeiten der militärischen Seite“ forderte und hierfür mehr „Koordinierung zwischen zivilen und militärischen Beteiligten in der EU“ vorschlug. Behauptet wurde, sicherheitskritische Vorfälle im „Cyberraum“ würden Synergien beim Schutz „kritischer Cyberanlagen und –daten“ erforderlich machen.

    Nun haben sich die EU-Mitgliedstaaten auf einen „EU-Politikrahmen für die Cyberabwehr“ geeinigt. Das vorgestern veröffentlichte Papier war bereits in früheren Schlussfolgerungen angekündigt worden. Wieder geht es um die Mitarbeit militärischer Behörden bei zivilen Maßnahmen. In der EU bestehe demnach „der politische Wille“, im Bereich der Cyberabwehr stärker mit der NATO oder den militärischen EU-Strukturen zu kooperieren. Durch die Bündelung von „Fähigkeiten mit doppeltem Verwendungszweck“ würde „unnötige Doppelarbeit“ vermieden. Der „Politikrahmen“ startet mit einer Einordnung:

    Der Cyberraum wird häufig als der fünfte Bereich für militärische Aktivitäten beschrieben, der für die Umsetzung der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) der Europäischen Union (EU) gleichermaßen wichtig ist wie die Bereiche Land, See, Luft und Weltraum. Für die erfolgreiche Umsetzung der GSVP [Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik] ist es immer stärker entscheidend, dass ein sicherer Cyberraum verfügbar und zugänglich ist. Robuste und belastbare Fähigkeiten im Bereich der Cyberabwehr sind jetzt erforderlich, um die GSVP-Strukturen und die GSVP-Missionen und –Operationen unterstützen zu können.

    Zu den Prioritäten der „Cyberabwehr“ gehören

    […] Überwachung, Lageeinschätzung, Prävention, Aufdeckung und Schutz, Informationsaustausch, forensische Fähigkeiten und Fähigkeiten in Bezug auf die Analyse von Schadsoftware, gewonnene Erkenntnisse, Eindämmung von Schäden, Fähigkeiten in Bezug auf die dynamische Datenwiederherstellung, verteilte Datenspeicherung und Sicherung von Daten […]; Nutzung im Bereich der Cyberabwehr bei Militäroperationen (z.B. Forensik, Ausbau der Interoperabilität, Festlegung von Standards); […] Ausbildungsmaßnahmen im Bereich der Cyberabwehr im Hinblick auf die Zertifizierung von Gefechtsverbänden der EU.

    Zuständig sind der Europäische Auswärtige Dienst und die Verteidigungsagentur. Die Zusammenarbeit mit weiteren internationalen Organisationen und „einschlägigen internationalen Partnern“ der EU ist angestrebt. Hierzu gehören Organisationen, Drittländer oder Firmen als „Haupttriebfeder für Technologie und Innovation“. Auf ausländische Technik soll möglichst verzichtet werden. Beworben wird dies als „gesicherte und wettbewerbsfähige europäische industrielle Lieferkette im Bereich der Cybersicherheit“, womit vor allem kleine und mittlere Unternehmen gefördert würden.

    Die Zusammenarbeit mit den (zivilen) Agenturen für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) und dem Europol-Zentrum zur Bekämpfung der Cyberkriminalität (EC3) soll verstärkt werden. Langfristig ist die Verzahnung mit anderen Politikbereichen angestrebt. Genannt werden die Raumfahrtpolitik und die Politik im Bereich der maritimen Sicherheit.

    Der „Politikrahmen für die Cyberabwehr“ fordert mehr Gelder für Forschung und Technologie. Die EU will auch mehr Mitsprache bei der Ausarbeitung internationaler Normen im Bereich Cybersicherheit. Auch hier steht das Militärische im Vordergrund: So sollen die „organisatorischen und technischen Standards der Cybersicherheit und ‑Abwehr im öffentlichen Sektor“ derart angepasst werden, dass diese „für den Verteidigungs- und Sicherheitssektor tauglich sind“.

    Entsprechende Kenntnisse in der „Cyberdimension“ sollen dann in Übungen „angemessen aufgegriffen“ werden. Derartige „Cyberübungen“ nehmen in ihrem Umfang zu. Mit dem Beschluss der sogenannten Solidaritätsklausel werden die EU-Organe ermächtigt, einzelnen Mitgliedstaaten auch bei einer „Cyberstörung“ zu Hilfe zu eilen – notfalls militärisch. Auch dies wird nächsten Monat in einer Übung geprobt. Laut dem Dokument wird derzeit eine eigene „Cyberabwehrübung“ im Rahmen der militärischen GSVP entwickelt.

    Die entwickelten Mittel könnten nicht nur auf dem Gebiet der Europäischen Union eingesetzt werden. Ausdrücklich sollen die neuen „wirksamen Fähigkeiten im Bereich der Cyberabwehr“ auch in militärischen GSVP-Missionen zur Anwendung kommen. Darüber, dass entsprechende Kenntnisse zur „Cyberabwehr“ auch für Angriffe auf IT-Infrastrukturen genutzt werden können, schweigt sich das Papier aber aus.

    20. November 2014 3
  • : Lobbyismus-Verdacht: Günther Oettinger, der aufgescheuchte Kommissar der Unternehmen.
    Lobbyismus-Verdacht: Günther Oettinger, der aufgescheuchte Kommissar der Unternehmen.

    Selbst das Manager-Magazin sieht schon einen Lobbyismus-Verdacht bei unserem Digitalkommissar: Günther Oettinger, der aufgescheuchte Kommissar der Unternehmen.

    Jedem Politiker muss man zugestehen, dass er sich in sein neues Amt ordentlich einarbeiten darf. Das kann nicht in wenigen Tagen geschehen und binnen Wochen ist es auch schon schwierig. Günther Oettinger war vor seiner Auswahl zum EU-Digitalkommissar nicht als Digitalfuchs aufgefallen. Das Thema ist für ihn Neuland. Zeit, sich ordentlich einzuarbeiten, sollte er also haben. Das Problem bei Oettinger ist allerdings folgendes: Er lässt sich vor allem von Lobbyisten einarbeiten. Und haben sie ihm einmal etwas souffliert, kann man relativ schnell erahnen, wer soeben bei ihm war oder wer ein Briefchen geschrieben hat.

    19. November 2014
  • : USA Freedom Act: Sogar das kleinstmögliche Geheimdienst-Reförmchen fällt durch
    USA Freedom Act: Sogar das kleinstmögliche Geheimdienst-Reförmchen fällt durch

    Der amerikanische Senat hat den Gesetzentwurf zur Reform der Massenüberwachung durch Geheimdienste abgelehnt und verschoben. Dabei hatten Internet-Firmen und Aktivisten den „USA Freedom Act“ allenfalls als ersten Schritt gesehen. Der demokratische Parteiführer des Senats versuchte sogar, eine Kriminalisierung von Online-Streams einzubauen.

    19. November 2014 2
  • : USA Freedom Act: Kleiner Schritt zur Einschränkung der Überwachung oder zahnloser Tiger?
    USA Freedom Act: Kleiner Schritt zur Einschränkung der Überwachung oder zahnloser Tiger?

    Diese Woche entscheidet der US-Senat über die Zukunft des USA Freedom Act, ein Gesetzesvorschlag zur Beschränkung der Geheimdienst-Überwachung. Die EFF ruft Amerikaner dazu auf, ihre Abgeordneten zu kontaktieren, und den Freedom Act zu unterstützen. Andere kritisieren den Entwurf als zahnlos – oder Zementierung des Status Quo.

    18. November 2014
  • : Günther Oettinger bloggt jetzt auch
    Günther Oettinger bloggt jetzt auch

    Blog by Günther Oettinger - European Commission 2014-11-14 15-11-46Günther Oettinger hat jetzt auch ein Blog für seine Arbeit als Digitalkommissar bekommen. Im ersten Posting schreibt er darüber, dass es beim Breitbandausbau keine Tabus geben dürfte und mehr Geld notwendig ist: Connected Europe? Broadband for all is the answer.

    Vielleicht ist es auch nur ein Content-Management-System, wo man Blog drauf geschrieben hat. Ich hab noch keinen RSS-Feed gefunden, dafür kann man ihm Kommentare hinterlassen.

    14. November 2014 10