Öffentlichkeit

Meinungs- und Pressefreiheit, Zensur, Menschenrechte, Whistleblowing, Transparenz, Öffentlichkeitswandel, Datenjournalismus und Open Data.

  • : Schäuble vs. Hirsch vs. Zypries
    Schäuble vs. Hirsch vs. Zypries

    Wolfgang Schäuble gab dem Handelsblatt ein Interview zum Bürgerrechtsabbau: „Fingerabdrücke auch bei Passämtern hinterlegen“.

    Wo sind denn die Grenzen?

    Die Grenzen gibt die Verfassung vor. Kein Mensch will die Verfassung verletzen. Es muss auch klar sein, dass solche Informationen auch nur dann verwertet werden dürfen, wenn sie ein Richter daraufhin vorher überprüft hat, ob sie nicht den unantastbaren Kernbereich privater Lebensgestaltung verletzen . An der Umsetzung dieser Vorgaben arbeiten wir jetzt und die Aufregung darüber ist völlig aufgeblasen. Der Verfassungsstaat hat eben die Aufgabe den Bürgern im Rahmen der Gesetze Sicherheit zu leisten.
    […]
    Können sie die Kritik nachvollziehen, dass sich die Innenminister immer mehr Kontrollmöglichkeiten zu Lasten der Bürgerrechte verschaffen?

    Diese Sicht ist naiv. Den schlimmsten Angriff auf die Persönlichkeitsrechte erfährt man durch einen Anschlag gegen Leib und Leben, oder wenn jemand die Daten und die Identität eines unbescholtenen Bürgers für kriminelle Zwecke missbraucht. Es ist doch meine Aufgabe, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Die große Mehrheit der Bevölkerung sieht das übrigens auch so.

    Ich sehe das nicht so und bin wohl auch tierisch naiv. Der ehemalige Innenminister Burkhard Hirsch sieht das auch nicht so und ist dann auch naiv. Er schreibt heute in der SZ, dass „Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Rechtsordnung dieses Landes verteidigen will, indem er sie abschafft“. Der Artikel heisst „Der Staat als Herrschaftsmaschine“ und kommt hoffentlich nochist online.

    Die Zeit freundlicher Kritik und ständiger Mahnung, bei der Terrorismusbekämpfung Augenmaß zu wahren, geht zu Ende. Nun ist Widerstand geboten. Unter der neuen „Sicherheitsarchitektur“, die der Innenminister Schäuble plant, verbirgt sich die Verwandlung der Bundesrepublik in einen Überwachungsstaat.

    […]

    Egon Bahr hat geschrieben, Staatsräson gehe vor Menschenwürde. Das ist falsch. Ohne Achtung vor der Menschenwürde verliert der Staat jede Räson. Er wird zur Herrschaftsmaschine, die man fürchten muss, aber nicht mehr achten kann. Wir, die Bürger dieses Landes, haben Anspruch auf ein Parlament, das der Regierung nicht blindlings gehorcht, sondern sie kontrolliert. Wir haben Anspruch darauf, dass unsere Verfassung nicht als Steinbruch zur gefälligen Benutzung freigegeben und nur ihre Belastbarkeit erprobt wird, anstatt sie zu verteidigen und zu achten. Wir haben Anspruch darauf, dass unsere Repräsentanten begreifen: Sie sind keine Obrigkeit, die das Recht hätte, uns in bester Absicht zu entmündigen. Wir erwarten von den Mitgliedern der Bundesregierung, dass sie in derselben Weise Haltung, Verstand und Augenmaß bewahren, wie die Richter des Bundesverfassungsgerichts es gezeigt haben. Unsere Bürgerrechte sind kein lästiger Bremsklotz, sondern der Kern unserer Rechtsordnung. Die Stärke eines Staates besteht nicht darin, dass der Bürger ihn fürchtet, sondern dass er ihn als seinen Staat begreift und darum bereit ist, in ihm Verantwortung zu übernehmen und ihn zu verteidigen. Niemand wird einen Staat achten und verteidigen, der ihn als potentiellen Straftäter behandelt. Wir, die wir so denken, lassen uns nicht als liberale Restposten aus diesem Staat von denen herausdrängen, die ihre Sicherheit mit unserer Freiheit bezahlen wollen. „Man bekämpft die Feinde des Rechtsstaats nicht mit dessen Abbau, und man verteidigt die Freiheit nicht mit deren Einschränkung“, hieß es in einem Aufruf der Humanistischen Union von 1978. So ist es, und so bleibt es.

    Brigitte Zypries verweist dann auch darauf, dass Schäuble etwas zuw eit geht. Mal schauen, ob das der Wiefelpütz von der SPD auch so sieht.

    Spiegel-Online: Zypries weist Schäuble in die Schranken.

    Man solle den Menschen nicht „vorgaukeln, dass es diesen absoluten Schutz doch geben könnte, wenn man nur immer weiter die Gesetze verschärfe“. Zugleich wies sie Schäuble in die Schranken. „Die akustische Wohnraumüberwachung zur Strafverfolgung fällt in meine Zuständigkeit und nicht in die des Bundesinnenministeriums.“ Zypries sieht keinen Grund, die bestehenden Möglichkeiten zur Wohnraumüberwachung zu erweitern. Die Nutzung von gespeicherten Fingerabdrücken aller Bundesbürger zur Gefahrenabwehr wäre aus ihrer Sicht „verfassungsrechtlich höchst bedenklich“. Sie warnte davor, „öffentlich Debatten zu führen, die den Menschen Angst machen und die in die Irre führen“.

    5. April 2007 5
  • : J!Cast 30: Persoenlichkeitsrechte in Second Life
    J!Cast 30: Persoenlichkeitsrechte in Second Life

    Der J!Cast 30 behandelt „Persoenlichkeitsrechte in Second Life“.

    Die Geschichte von Anshe Chung, der Second Life-Millionärin, die bei einer Online-Konferenz von fliegenden Penissen belästigt wurde, ging durch die Nachrichten. Vergeblich versuchte ihr Ehemann, gegen das zugehörige Youtube-Video Urheberrechte geltend zu machen. Bestehen hier tatsächlich Urheberrechte? Wenn ja: woran und vor allem nach welchem Recht? Und kann nicht auch Persönlichkeitsrechte verletzen, wer eine Figur in der virtuellen Parallelwelt beleidigt? Diesen Fragen nach Persönlichkeitsrechten in dem Online-Spiel Second Life geht Dr. Ulf Müller, Mitarbeiter am ITM und Habilitand bei Prof. Hoeren mit mir nach.

    Die MP3 ist ca. 13 MB gross.

    5. April 2007
  • : CDU-Wunschliste für noch mehr Überwachung
    CDU-Wunschliste für noch mehr Überwachung

    Jetzt gibt es dann wohl den Wolfgang-Katalog I.

    Der Rabenhorst hat die Punkte mal zusammengefasst: Die Kriegserklärung der Großen Koalition der großen Brüder.

    * Präventive(?) Rasterfahndung für das BKA.
    * Präventive(?) Online-Durchsuchung für das BKA und nicht nur für die Geheimdienste.
    * Instrumentalisierung der LKW Maut-Daten für Fahndungszwecke bei schweren Straftaten und Terrorismus. Referentenentwurf dazu wird Mitte April aus der Schublade gezaubert, interne Absprachen zwischen Toll Collect und BKA bereits durchgeführt.
    * Änderung des Passgesetzes, damit die in den RFID-Chips der ID-Dokumente gespeicherten biometrischen Daten auch bei den Meldeämtern gespeichert werden.
    * Umgehung des Gebots der Achtung des Kernbereichs privater Lebensgestaltung beim Großen Lauschangriff über die Erfindung des „Richterbands“, so dass sichergestellt ist, dass zunächst und trotzdem komplette Gesprächsinhalte aufgezeichnet werden könnten.
    * Ausweitung der Telekommunikationsüberwachungsbefugnisse für Geheimdienste über Änderung des G‑10 Gesetzes.

    Heribert Prantl kommentiert in der SZ: Minister Dr. Wolfgang Maßlos.

    Es geht nicht um die üblichen Verschärfungen der Sicherheitsgesetze, wie sie seit dreißig Jahren zum Alltag gehören. Der Schäuble-Plan ist vielmehr ein Plan zum Umbau des Rechtsstaates in einen Präventions- und Sicherheitsstaat.

    Schäuble missachtet die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts. Er missbraucht ein von ihm propagiertes, ungeschriebenes „Grundrecht auf Sicherheit“ zur Banalisierung aller anderen Grundrechte. Schäuble hat ein Puzzle der rechts- und innenpolitischen Maßlosigkeit vorgelegt.

    Den gewünschten Zugriff auf die Mautdaten kommentiert Don Dahlmann.

    Heise: Schäubles lange Liste für weitere Ermittlungsbefugnisse.

    Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag hat am Donnerstag in einer Koalitionsrunde umfangreiche Forderungen zum Ausbau der Überwachung im Rahmen der Terrorismusbekämpfung gestellt, die von Präventivbefugnissen für das Bundeskriminalamt ( BKA) über Vereinfachungen beim großen Lauschangriff bis zu Rasterfahndungen reichen. Bereits aktuell verfolgte Gesetzesänderungen zum Zugriff der Ermittler auf die Maut-Daten im Lkw- Bereich sowie auf Festplatten privater PCs und Speicherplattformen im Internet über die heftig umstrittenen Online-Durchsuchungen durften auf der langen Wunschliste nicht fehlen.

    Heise: Polizeigewerkschaft kritisiert Schäuble-Katalog.

    Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, hat einen Vorstoß aus dem Bundesinnenministerium kritisiert, die ab dem November 2007 anfallenden Fingerabdruckdaten zunächst bei Reisepässen, dann bei Personalausweisen in den jeweiligen Meldeämtern für künftige Fahndungszwecke zu speichern. Eine Art erkennungsdienstliche Behandlung der Gesamtbevölkerung hält Freiberg der Arbeit seiner Kollegen nicht für zuträglich: Eine bundesweite Fingerabdruck-Datei lege den Grundstein zu einer umfassenden Datensammlung über jeden einzelnen Bürger, das sei keine vertrauensschaffende Maßnahme für die Arbeit der Polizei und überdies ungesetzlich, erklärte Freiberg in einer Mitteilung: „Das wäre der Einstieg in eine bundesweite Fingerabdruck-Kartei und damit nach Auffassung der GdP ein grober Verstoß gegen das verfassungsmäßige Recht jedes Einzelnen auf die so genannte informationelle Selbstbestimmung.“

    Heise: Bundesdatenschützer kritisiert Pläne für schärfere Sicherheitsgesetze.

    Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat die Vorschläge von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) für eine rasche Verschärfung zahlreicher Sicherheitsgesetze kritisiert. Größere Befugnisse des Bundeskriminalamtes (BKA) bei der Verbrechensvorbeugung sehe er „ziemlich kritisch“, sagte Schaar im WDR. „Denn gerade in diesem Vorfeld weiß man ja erst mal noch nicht so genau, wonach man sucht und nach wem man sucht.“ Er sei gespannt, „wie eine solche Regelung aussehen soll, die ganz gezielt terroristische Straftäter treffen soll und nicht etwa den normalen Bürger oder jemanden, der im Internet surft“.

    Taz: Schäuble braucht Goodwill der Länder.

    So gesehen, ist es ganz schön kühn, wie Schäuble nun vorgeht. Er will nicht nur, dass das BKA Gefährder beobachten oder befragen kann, das BKA soll auch Sonderbefugnisse erhalten, die derzeit nicht einmal den Landespolizisten zur Verfügung stehen, zum Beispiel die Nutzung der Mautdaten oder das heimliche Ausspähen von Computern. Schäuble muss sein Projekt nun politisch und rechtlich wasserdicht machen. Auf beiden Ebenen haben die Länder ein Wort mitzusprechen. Für die Änderung des BKA-Gesetzes ist nicht nur eine Mehrheit im Bundestag erforderlich, sondern auch im Bundesrat. Verlangt Schäuble zu viel, könnte er an den Ländern scheitern, die keine zentrale Super-Polizei wollen. Rechtlich wird es nicht nur um die Grundrechte der Bürger, sondern auch um die Rechte der Länder gehen. Die Grundgesetzänderung vom letzten September sieht nämlich enge Grenzen für die präventiven BKA-Befugnisse vor.

    Man darf ja gar nicht daran denken, was die noch alles machen, wenn tatsächlich mal ein Terroranschlag in Deutschland passiert. Und die Politiker Handlungsbereitschaft im medialen Gewitter zeigen wollen.

    2. April 2007 25
  • : re:publica – Programm in schön
    re:publica – Programm in schön

    Das re:publica – Programm gibt es jetzt auch in schön im Pentabarf-System zum rumklicken. Das kennen viele wahrscheinlich schon vom Chaos Communication Congress. Alle weiteren Infos zur Konferenz finden sich im re:publica – Blog. Mittlerweile gibt es noch mehr Workshops und Vorträge. Insgesamt schon über 70 Veranstaltungen in drei Tagen.

    2. April 2007
  • : Weg mit DRM – Heute EMI
    Weg mit DRM – Heute EMI

    Wenigstens schonmal ein Anfang: Online-Musik: Die digitale Mauer fällt bei EMI.

    Es sind nicht die Beatles, wie manche Berichte seit der Ankündigung der Veranstaltung am gestrigen Sonntag spekulierten. Die Fab Four haben einmal die Musikbranche revolutioniert, heute sorgte dafür Eric Nicoli. Der CEO des Major Labels EMI läutete auf einer kurzfristig angekündigten Veranstaltung am heutigen Montagnachmittag das Ende des digitalen Rechtemanagements (DRM) ein. EMI, bisher in Sachen Kopierschutz und Piraterie-Bekämpfung eine feste Stimme im Chor der Big Four, der vier großen Musikkonzerne, weicht von der bisher eisern verfolgten Linie ab und will das digitale EMI-Repertoire online künftig ohne digitale Kopierschutztechniken verkaufen. Das kündigte EMI-Chef Eric Nicoli am heutigen Montagnachmittag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Steve Jobs in der umdekorierten EMI-Kantine London an. Welches Format die Songs haben, soll der jeweilige Betreiber eines Online-Musikshops selbst entscheiden können, laut EMI ist MP3, WMA, ACC und „jedes andere Format“ möglich. Das Angebot soll die bislang verfügbaren digitalen EMI-Angebote, die auf DRM setzen, ergänzen; dazu gehören auch die Abo-Dienste.

    Ich warte erstmal die Taten ab. Bisher sind es ja nur Ankündigungen. Und spannend bleibt, wieviel Backkatalog ohne DRM veröffentlicht wird und was nicht. Dann wird es interessant sein zu schauen, wann die anderen drei Majors kippen. Und wie die IFPI den Sinneswandel kommuniziert. Letzteres dürfte sogar lustig werden. Gibts Wasserzeichen statt Kopierschutz? Dann sind wir in der nächsten Debatte. Bleibt noch die Filmindustrie. Während die „Musikindustrie„TM relativ klein ist, ist Hollywood eine ganz andere Grösse. Und bei denen ist der DRM-Zug gerade erst angefahren, der bei der Musikindustrie vor langem schon aus den Schienen gesprungen ist.

    Hie rist die PM von EMI: EMI Music launches DRM-free superior sound quality downloads across its entire digital repertoire.

    Bei Nicorola gabs ein Live-Blogging: Das Ende von DRM? Live-Blogging von der EMI/Apple-Pressekonferenz.

    Golem: DRM ade.

    2. April 2007 12
  • : Worum gehts bei Digital Rights Management?
    Worum gehts bei Digital Rights Management?

    Da ja heute vermutlich die Begriffe „DRM / Digital Rights Management / Digital Restriction Management“ bis kurz vors letzte Blog und via Presseagenturen bis ins letzte Lokalblättchen gesendet werden, sei hier nochmal auf eine Übersicht verwiesen, worum es bei der Debatte überhaupt geht.

    2. April 2007 2
  • : Privatisierte Zensur: Virtuelle Hausrechte
    Privatisierte Zensur: Virtuelle Hausrechte

    In Teil 4 der Telepolis-Reihe „Zensur zwischen öffentlich und privat.“ geht es heute um privatisierte Zensur: „Virtuelle Hausrechte“.

    Angesichts der Verflechtung von staatlichen Zertifizierungsstellen, Branchenorganen und großen Medienunternehmen stellt sich die Frage, ob es nicht angebracht wäre, Zensur nicht mehr nur als öffentliche Regulierung zu betrachten, sondern als Bestandteil der Kulturindustrie, als „letzten Schliff“ den Medienkonzerne ihren Produkten geben und mit dem sie potentielle Konkurrenz aussperren können. Auch und vor allem weil schon Gesetzgebungskonsultationen immer mehr von Industrie und Branchenverbänden bestimmt sind – wie sich besonders gut am mittlerweile ausgesprochen zensurrelevanten Urheberrecht feststellen lässt.

    2. April 2007
  • : Bundestag tritt für ein modernes Datenschutzrecht ein
    Bundestag tritt für ein modernes Datenschutzrecht ein

    Mal schauen, wieviel Eifer das Innenministerium und die Sicherheitspolitiker zulassen: Bundestag tritt für ein modernes Datenschutzrecht ein.

    Der Deutsche Bundestag hat in seiner gestrigen Sitzung (PDF-Datei) mit Stimmen aller Fraktionen eine Entschließung verabschiedet, in der ein modernes Datenschutzrecht gefordert wird. Auch tritt das Parlament für gesetzliche Bestimmungen zum Datenschutzaudit, zum Arbeitnehmerdatenschutz und zur Genomanalyse ein. Weitere Punkte sind der Datenschutz in der dritten Säule der EU, beim internationalen Zahlungsverkehr, bei der Fluggastdatenübermittlung, beim Einsatz von RFID-Chips, bei der Tätigkeit von Auskunfteien und der elektronischen Gesundheitskarte. Der Beschluss geht auf eine Empfehlung (PDF-Datei) des Innenausschusses zurück, der sich vorgestern mit dem 20. Tätigkeitsbericht des Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Peter Schaar, befasst hat.

    Der erste Reflex ist sicherlichbei einer solchen Meldung, zuerst auf alle Politiker einzuschlagen und sie als unglaubwürdig zu bezeichnen. Aber ich mag Verallgemeinerungen a la „Die Politiker„TM überhaupt nicht und für solche Initiativen kann man sie auch mal loben. Sicherlich gibt es viel mehr zu fordern, aber gleichzeitig gibt es auch die Front der Sicherheitspolitiker, die seit Jahren unsere Bürgerrechte beschneidet. Und jede politische Initative, die den Datenschutz und damit unsere Rechte wieder stärken will, und sei es erstmal durch nette Worte, ist in heutigen Zeiten zu begrüssen.

    Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar erklärte dazu auch in einer Meldung:

    Die Unterstützung aller Fraktionen des Deutschen Bundestages unterstreicht die Bedeutung, die dem Datenschutz in einer immer umfassenderen Informationsgesellschaft zukommt. Ich freue mich, dass es bei allen Meinungsverschiedenheiten im Einzelfall möglich war, eine so breite Übereinstimmung in vielen wichtigen Bereichen des Datenschutzes zu erzielen. Das stärkt das Grundrecht aller Bürgerinnen und Bürger auf informationelle Selbstbestimmung und macht Mut, weiter entschieden dafür einzutreten. Ich gehe davon aus, dass die Bundesregierung die Forderungen des Parlaments aufgreift und bei ihrer Arbeit berücksichtigt.

    30. März 2007 1
  • : Tätigkeitsbericht 2007 des ULD
    Tätigkeitsbericht 2007 des ULD

    Anlässlich der Vorstellung der Tätigkeitsberichtes 2007 des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) erklärt dessen Leiter Dr. Thilo Weichert: „Der präventive Datenschutz startet durch“.

    Die Politik ist stolz auf erste Plätze in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Sport. Keine derartige Resonanz fand dagegen eine Rangliste, die im November 2006 veröffentlicht wurde. Bei einem internationalen Ranking der renommierten Bürgerrechtsorganisation „Privacy International“ zum Datenschutz landete Deutschland auf Platz 1, während andere fortgeschrittene Informationsgesellschaften wie z.B. Großbritannien und die USA weit abgeschlagen im hinteren Mittelfeld landeten. Dieser Platz 1 ist wohl weniger den Politikern zuzuschreiben, die immer wieder neue Befugnisse für heimliche Ermittlungen, weit im Vorfeld von Gefahren und Straftaten, fordern, als den Kräften in unserer Gesellschaft, die einen vernünftigen Ausgleich zwischen Bürgerrechten und Kontrollbedarf anstreben.

    Das Land Schleswig-Holstein ist nach Überzeugung des ULD an dem positiven internationalen Ranking Deutschlands nicht ganz unbeteiligt. Wir sehen keine Veranlassung, angesichts der rasanten Entwicklung der Überwachungstechnologien resigniert den Kopf in den Sand zu stecken. Daher beginnt der Tätigkeitsbericht 2007 des ULD mit der optimistischen Überschrift: „Der präventive Datenschutz startet durch“ (1.1). Dass diese Überschrift mehr als lautes Pfeifen im finsteren Wald ist, ergibt sich aus den im Tätigkeitsbericht für das letzte Jahr dokumentierten Umstände:

    Der 29. Tätigkeitsberichts im Volltext.

    30. März 2007
  • : „Alltag Überwachung“ zum Download
    „Alltag Überwachung“ zum Download

    Der Dokumentarfilm „Alltag Überwachung“ von Fiete Stegers und Roman Mischel steht jetzt endlich zum Download bereit. Um die Weihnachtszeit gabs den Film in vier Teilen auf den Seiten von Tagesschau.de zu sehen. Jetzt gibts die vier Teile einzeln zum Download als MP4 oder die 350 MB Version komplett.

    Herunterladen und weiterverteilen.

    [via]

    30. März 2007 7
  • : CDU Sachsen fordert Zensur-Infrastrukturen gegen Killerspiele
    CDU Sachsen fordert Zensur-Infrastrukturen gegen Killerspiele

    Während in China Zensur-Infrastrukturen gegen freie Meinungsäusserungen aufgebaut und durchgesetzt werden, kommt die CDU Sachsen mit einer tollen Idee um die Ecke: Die wollen jetzt auch elektronische Filter, um erstmal Killerspiele aus dem Netz zu verbannen: CDU Sachsen will mit elektronischen Filtern gegen „Killerspiele“ vorgehen.

    Sachsens CDU-Landtagsfraktion hat sich für ein härteres Vorgehen gegen so genannte Killerspiele ausgesprochen. Neben Produktion und Vertrieb solle auch der Besitz solcher Video- und Computerspiele verboten werden, hieß es am heutigen Donnerstag auf der Klausurtagung der Fraktion in Glauchau. „Die Verbreitung brutaler Video- und Computerspiele muss effektiv unterbunden werden. Die CDU-Fraktion schlägt dazu geeignete technische Maßnahmen wie beispielsweise elektronische Filter vor. Die Staatsregierung wird aufgefordert, sich im Bundesrat für notwendige Gesetzesänderungen einzusetzen. Der Besitz der so genannten Killer-Spiele muss verboten werden“, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Fritz Hähle.

    29. März 2007 9
  • : Video-Plattformen und das Urheberrecht
    Video-Plattformen und das Urheberrecht

    Bei tagesschau.de gibt es ein Interview mit Till Kreutzer zum Thema Video-Plattformen und dem Urheberrecht: „Nicht verbieten, was sich nicht verbieten lässt“.

    tagesschau.de: Der Medienkonzern Viacom hat kürzlich YouTube verklagt, weil auf der Plattform Ausschnitte aus Viacom-Produktionen laufen. Leitet das das Ende der wilden Zeit des Internet-Videos ein?

    Kreutzer: Wahrscheinlich nicht. Viacom wird möglicherweise wie angekündigt gegen Google vorgehen, aber ob YouTube-Besitzer Google haftet, ist eine ganz andere Frage. Das ist bei solchen User-Generated-Content-Plattformen noch ungeklärt und hängt im Einzelfall von sehr vielen Faktoren ab. Nach deutschem Recht gibt es etwa nur eine sehr eingeschränkte Haftung für Plattformanbieter, die grundsätzlich nicht verpflichtet sind, alles zu überprüfen, was die Nutzer einstellen. Die Rechtsprechung zu dieser Frage ist noch sehr uneinheitlich. Die Nutzer können sich allerdings strafbar machen, wenn sie etwas hochladen, für das sie nicht die Rechte besitzen.

    Und:

    tagesschau.de: Was könnten Politik und Medienindustrie besser machen?

    Kreutzer: Für die Medienkonzerne wäre es viel besser, den Leute auf positive Weise den Wert von kreativen Inhalten näher zu bringen und zu zeigen, dass es sinnvoll ist, wenn Künstler an ihren Werken verdienen. Stattdessen veranstalten die Unternehmen Abschreckungskampagnen, bei denen es sinngemäß heißt: Jeder, der eine CD brennt, ist ein Verbrecher. Dafür haben die Nutzer aber kein Verständnis. Der Gesetzgeber sollte meiner Ansicht nach prüfen, ob es nicht sinnvoller wäre, ein Modell mit erweiterten Vergütungspflichten wie die Abgaben auf Kopierer und CD-Brenner einzuführen, statt etwas zu verbieten, was sich nicht verbieten lässt.

    29. März 2007
  • : Bundestag bekommt den ePass erklärt
    Bundestag bekommt den ePass erklärt

    Der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages erklärt den ePass im „Aktuellen Begriff“.

    Seit dem 1. November 2005 werden in der Bundesrepublik Deutschland elektronische Reisepässe ausgegeben. Diese sind mit einem Chip versehen, auf dem neben den Personendaten auch ein Lichtbild des Ausweisinhabers gespeichert sind. Derzeit wird erprobt, weitere biometrische Daten, wie z.B. Fingerabdrücke, auf den Chip zu speichern. Dieser Aktuelle Begriff beschreibt die Funktionsweise des E‑Passes und die dazu notwendigen Ausleseverfahren und Abgleichmöglichkeiten mit bestehenden oder noch …

    Der Zeitpunkt für die Erklärung eines „Aktuellen Begriffes“ scheint mir perfekt gewählt.

    29. März 2007 1
  • : Chinesische Blogger gestalten Blog-Digest-Magazin
    Chinesische Blogger gestalten Blog-Digest-Magazin

    Bei virtual china gefunden:

    Check out the new Chinese weekly online magazine, Memedia, a cooperative effort among over 100 (and counting) prominent Chinese bloggers. It looks like a blog but at present is a weekly, with hopes to eventually become a daily. So far, issues no. 1 and 2 offer super condensed, link-heavy news about web, tech, media, and international events–it’s a mirror of the collective wisdom of the participants, with links leading back to blog posts on their own sites. Memedia describes itself as follows:

    Coming from the combination of three terms, Me/Meme/Media. Memeda will provide interesting things, important things, diverse things, for us to enjoy together.…

    This is an open, collaborative project. Each person has the opportunity to contribute, and you can participate in our public Skype channel, providing clues to news or introducing your latest discovery.

    Klingt nach bookmarken/abonnieren und regelmäßig lesen. Notiz für mich: Ob Politik da ausgespart bleibt? (Und wann wird mein chinesisch endlich gut genug sein, dass ich die Texte in Kurzzeichen flüssig lesen kann?)

    28. März 2007
  • : Teste deine IT-Skillz mit dem BITKOM
    Teste deine IT-Skillz mit dem BITKOM

    Anfang der Woche im Radio, im Nachlauf zu Cebit: ein Sprecher der bitkom preist den it-fitness-Test an, mit dem man, so schien es, seine IT-Fertigkeiten prüfen kann. Sinngemäße Pointe: Wenn man nicht weiß was Internet ist braucht man den Test auch nicht. Wenn man das Multiple Choice-Verfahren durchsteht winkt eine Urkunde zum Ausdrucken und an die Wand hängen.

    Zu den Initiatoren jedenfalls gehören, wen wunderts, Microsoft Deutschland und andere Größen, die einen neutralen, vielseitigen und aussagekräftigen Test versprechen könnten, dabei aber versagen. Hier ein Auszug:

    Das Internet steht grundsätzlich ALLEN zur Verfügung.

    [ ] WAHR
    [ ] FALSCH

    Für die 42 Fragen hat man geschlagene 90 Minuten Zeit, so niedrigschwellig ist das gedacht. Und man darf anhand von Screenshots die Bedienoberflächen von allzu bekannten Office-Produkten kennenlernen – teilweise. Auf meinem Bildschirm blieben manche Fragestellungen einfach auch einfach unsichtbar, wenn man „auf die richtige Stelle auf der Grafik“ klicken sollte (wohl eher krudes JavaScript im Hintergrund). Zum Gück liegt das Kompetenzmonopol für Computerwissen nicht alleine beim Bitkom.

    UPDATE: Hihi, ich hab mich mal launisch durch die sichtbaren Fragen durchgeklickt und absichtlich manches falsch beantwortet – und lande dennoch „ganz oben“:

    Siegerpodest

    (Klick für Originalgröße)

    28. März 2007 13
  • : Die politische Bedeutung drahtloser Community-Netzwerke
    Die politische Bedeutung drahtloser Community-Netzwerke

    Bei Golem gibt es einen Artikel zu der politischen Bedeutung drahtloser Community-Netzwerke: Freie Netze zwischen Anarchie und Hierarchie.

    In den wenigen Jahren, in denen die Free-Networks-Bewegung nun aktiv ist, ist die technische Entwicklung extrem schnell vorangeschritten, was zu deutlich mehr Stabilität und geringeren Zutrittsbarrieren für technisch weniger versierte User geführt hat. Damit besteht nun das Potenzial für eine Erweiterung um einige neue, nicht technische Aspekte, was sich einerseits bereits jetzt durch großes Engagement der Community im Bereich der Entwicklungshilfe abzeichnet und andererseits durch spezifische lokale Anwendungen und Inhalte (Local Content), die innerhalb der Netze angeboten werden, noch gestärkt werden kann.

    28. März 2007 2
  • : Wisdom of Crowds, Citizen Journalism und US-Wahl 2008
    Wisdom of Crowds, Citizen Journalism und US-Wahl 2008

    Arianna Huffington verkündet in der Huffington-Post ein Gemeinschaftsprojekt mit der Citizen Journalism-Plattform NewAssignment.Net zur US-Wahl 2008: New HuffPost Project: The Wisdom of the Crowd Hits the ’08 Campaign Trail. Ziel ist, jedem US-Präsidentschaftskandidaten ein eigenes Blog zu widmen, wo viele Menschen zusammen jeweils mitschreiben können. Damit soll ausprobiert werden, ob das mit den „Wisdom of Crowds“ übertragbar ist.

    Arianna Huffington schreibt dazu:

    In addition, our strength-in-numbers approach will make it possible for our contributors to stake out specialized beats, taking advantage of their specific expertise and/or connections. For instance, we might have a former speechwriter reviewing all of Barack Obama’s speeches, an award-winning TV commercial director analyzing Hillary Clinton’s ads, a netroots activist reporting on John Edwards’ online outreach efforts, or an experienced political fundraiser following John McCain’s campaign donors.

    The end result will be more sources of information, more eyes and ears focused on a wider variety of subjects, more outside-the-mainstream voices given a platform. All in all, a fresh and innovative way of covering the road to the White House.

    Jay Rosen (u.a. NewAssignment.net) schreibt dazu: Participate in Politics by Covering the Campaign.

    Our idea is not complicated: it’s campaign reporting by a great many more people than would ever fit on the bus that the boys (and girls) of the press have famously gotten on and off every four years, as they try to cover the race for president.

    So instead of one well-placed reporter trailing John Edwards wherever he goes (which is one way of doing it) some 40 or 50 differently-placed people tracking different parts of the Edwards campaign, all with peculiar beats and personal blogs linked together by virtue of having a common editor and a page through which the best and most original stuff filters out to the greater readership of the Web, especially via the Huffington Post.

    Klingt interessant. Ich bin mal gespannt, wie sich die einzelnen Blogs von der Vielzahl an interessanten Blogs unterscheidet, die auch schon über die US-Wahl berichten. Und wie die Spannungsverhältnisse zwischen den Bloggern selbst ablaufen werden. Immerhin kann man davon ausgehen, dass sowohl Fans als auch Gegener von Kandidaten in denselben Blogs mitschreiben wollen und werden.

    27. März 2007
  • : Dürfen die das?
    Dürfen die das?

    Onlinejournalismus.de hat Thomas Hoeren und Till Kreutzer zu verschiedenen rechtlichen Fragestellungen rund ums Publizieren im Netz befragt: Weblogs, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Und die Fragen sind mal nicht die üblichen Verdächtigen, sondern durchweg interessant. Bei der re:publica wird es auch ein Panel zu diesem Thema geben, dazu eine „Law-Lounge“.

    Wie sieht es im Einzelnen aus? Darf ein Blogger etwa einen Brief veröffentlichen, den er von einer Behörde erhalten hat?

    Kreutzer: Bestimmte Briefe wie etwa reine Verwaltungsakte haben keinen oder nur schwachen Persönlichkeitsbezug, was bedeutet, dass deren Veröffentlichung auch keine Persönlichkeitsrechtsverletzung darstellt. Jedenfalls hat das BVerfG beim Brief eines Amtswalters einen geschwächten Persönlichkeitsschutz angenommen

    Hoeren: Soweit der Datenschutz beachtet wird – ja. Wichtig ist, dass Namen von Beamten, die den Brief unterzeichnet haben, geschwärzt werden. Das ist wie bei der Veröffentlichung von Urteilen. Schauen Sie sich dazu einmal die unzähligen Jura-Weblogs an. Dort werden eine Vielzahl von Urteilen im Volltext ins Web gestellt. Dabei sind fast immer die Namen der Parteien und der Richter unkenntlich gemacht worden. Soweit sich dort doch Namen finden, ist bei den juristischen Blogs davon auszugehen, dass vorher die Zustimmung eingeholt wurde.

    27. März 2007
  • : Dokumentation: Suspect Nation
    Dokumentation: Suspect Nation

    Bei Google-Video findet sich eine Dokumentation über Videoüberwachung vom britischen Channel 4: „Suspect Nation“. Wurde im November wohl zum ersten Mal ausgestrahlt und ist 47 Minten lang. Kann man sich auch bei Google-Video herunterladen.

    Hier klicken, um den Inhalt von video.google.com anzuzeigen.

    [via]

    26. März 2007 4
  • : Grünes Fachgespräch zu „Bürgerrechtsschutz im digitalen Zeitalter“
    Grünes Fachgespräch zu „Bürgerrechtsschutz im digitalen Zeitalter“

    Heute fand im Bundestag ein Fachgespräch der Grünen Fraktion zum Thema „Bürgerrechtsschutz im digitalen Zeitalter“ statt. Eingeladen hatten die Abgeordneten Silke Stokar, Wolfgang Wieland und Jerzy Montag. Referenten waren vielfältig vorhanden, vom Chaos Computer Club über BKA-Chef Ziercke bis hin zu verschiedenen Professoren aus verschiedenen Bereichen. Hier sind mal meine ausführlichen Mitschriften der Diskussion, die ich schon weitgehend in Prosa-Text umgewandelt habe. Der Rest folgt vielleicht auch noch.

    26. März 2007 10