Öffentlichkeit

Meinungs- und Pressefreiheit, Zensur, Menschenrechte, Whistleblowing, Transparenz, Öffentlichkeitswandel, Datenjournalismus und Open Data.

  • : Heimlicher Zugriff auf IT-Systeme unter Einsatz technischer Mittel?
    Heimlicher Zugriff auf IT-Systeme unter Einsatz technischer Mittel?

    de.internet.com zitiert aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einen Passus aus der Dienstvorschrift zur Online-Durchsuchung. Dass daraus die Durchsuchung privater PCs verstanden sein soll, sollte ja lediglich ein Missverständnis gewesen sein. Das Zitat der HAZ, was aus Kreisen des Innenausschusses im Bundestag kommen soll, klingt aber nicht nach Missverständis:

    „das heimliche Beobachten und sonstige Aufklären des Internet, wie insbesondere die verdeckte Teilnahme an seinen Kommunikationseinrichtungen beziehungsweise. die Suche nach ihnen, sowie der heimliche Zugriff auf IT-Systeme unter Einsatz technischer Mittel“.

    *

    Der „heimliche Zugriff auf IT-Systeme unter Einsatz technischer Mittel“ klingt für mich nicht wirklich überzeugend als Missverständnis. Es zeigt höchstens von einer mangelnden Technikkompetenz der beteiligten Politiker und ihrer Mitarbeiter in der Verwaltung.

    * Das ergebe sich aus dem Wortlautprotokoll der Sitzung vom 25. April, in der der Geheimdienstkoordinator Klaus-Dieter Fritsche (CSU) aus der Dienstanweisung vorgelesen hat. Das Protokoll hab ich nicht gefunden, vielleicht weil es eine nicht-öffentliche Sitzung war.

    9. Mai 2007 2
  • : Blogcensus will die deutschsprachige Blogosphäre vermessen
    Blogcensus will die deutschsprachige Blogosphäre vermessen

    Jens Schröder (deutsche blogcharts) und Dirk Olbertz (Blogscout) haben das Blogcensus-Projekt vorgestellt. Mit Technik und Fleiss soll folgendes erreicht werden:

    Mit speziell konzipierten Suchmechanismen und redaktioneller Pflege der Datenbank sollen alle deutschsprachigen Blogs gefunden werden. Bei diesen Blogs wird regelmäßig per RSS-Feed überprüft, ob sie aktualisiert wurden. So soll kein riesiger Blog-Friedhof in unserer Datenbank entstehen, sondern eine stets aktuelle Liste von Blogs, die zur Zeit tatsächlich existieren. Nimmt die Zahl der Blogs ab, steigt sie? Auch diese Frage will blogcensus klären.

    In einer weiteren Phase soll herausgefunden werden, mit welchen Bloganbietern oder welcher Blogsoftware gebloggt wird, ob mehr Frauen oder Männer bloggen, in welchen Städten oder Bundesländern am meisten gebloggt wird, etc. Im Mittelpunkt von blogcensus stehen dabei nicht wenige populäre Blogs, im Mittelpunkt steht jedes einzelne Blog. Die Gesamtheit ist entscheidend.

    Aktueller Stand sind 45000 Blogs, die in den letzten acht Tagen aktualisiert wurden.

    9. Mai 2007 4
  • : IFPI-Wunschliste an Merkel
    IFPI-Wunschliste an Merkel

    Die Lobby-Show mit Udo Jürgens wird noch bunter. Während die deutsche IFPI eine eher belanglose Pressemitteilung veröffentlichte („Bundeskanzlerin trifft Vertreter der internationalen Musikindustrie“), gibts bei der internationalen IFPI inhaltliches zu lesen: “ International heads of recorded music industry raise crisis of recorded music market in Germany with Chancellor Angela Merkel“.

    Merkel ist momentan in drei verschiedenen Rollen interessant für die Musikindustrie. Sie ist als Bundeskanzlerin mit dem 2. Korb der Urheberrechtsrefom und der ersten Durchsetzungsrichtlinie involviert, hat die EU-Ratspräsidentschaft inne und ist Gastgeberin des kommenden G8-Gipfels. Bei letzteren beiden Funktionen ist einer ihrer Schwerpunkte, einen weiteren noch stärkeren Schutz von Geistigen Eigentumsrechten zu erreichen.

    Konkret fordert die IFPI folgendes:

    * Introduce an obligation on ISPs to terminate service to subscribers abusing the service to make infringing content available
    * Permit CD burning only from own legally purchased original and prohibiting copying by third parties
    * Improve the German draft law implementing the EU Enforcement Directive to ensure proper tools to fight piracy
    * Ensure that the EU plays an active role in the WTO case against China on Intellectual Property enforcement and market access
    * Urge the Czech government to clean up the huge pirate markets on the Czech-German border
    * Support an improvement in the length of the EU term of protection on sound recordings to match the level of protection provided in the U.S.

    Hier mal eine Übersetzung:

    * Beim ersten Punkt ist mir unklar, ob Internet-Service-Provider dazu verpflichtet werden sollen, Internetzugänge zu kappen, (wenn darüber urheberrechtlich geschütztes Material ohne Erlaubnis zugänglich gemacht werden) oder nur die bestimmte Services (beispielsweise Bittorrent). Auf jeden Fall klingt das nach Zensurinfrastrukturen zum Wohle der Musikindustrie.
    * Kopieren soll nur von legal erworbenen Original-Medien erlaubt sein , alles andere soll verboten werden.
    * Die Staffelung einer Erstabmahnung im Rahmen der Durchsetzungsrichtlinie auf pauschal 50 Euro wird kritisiert und man wünscht sich härtere Werkzeuge zur Bekämpfung und Bestrafung von Filesharing und Kopieren.
    * Die Bundesregierung soll sich gefälligst darum kümmern, dass die tschechische Regierung „Piraterie“-Märkte an der deutsch-tschechischen Grenze aufräumt.
    * Die EU soll in der WTO stärker Druck auf China machen, um den Schutz von Geistigen EIgentumsrechten und Marktzugänge durchzusetzen.
    * Ausserdem sollen die Schutzlaufzeiten für Udo Jürgens & Co auf US-Niveau (Von 50 auf 95 Jahre) angepasst werden.

    John Kennedy, Vorsitzender der IFPI, verkündet den Erfolg der Lobby-Aktion:

    : “The international recording industry has now taken its concerns about the state of the German music market to the highest political level in Europe. We left the meeting appreciative of the fact that the Chancellor understood the nature of the problems we are facing and is willing to play a role in seeking a solution to them. If the German government acts now, we are confident that the German music industry could reverse the decline and be viable again in three to five years.”

    Wenn alle Wünsche umgesetzt werden, wird der Politik eine rosige Zukunft der deutschen Musikbranche in kurzer Zeit versprochen (Irgendwo muss dann ein Goldesel Geld ausspucken, so dass sich die veränderten Medienbudgets der Verbraucher dafür vergrössern, um CDs zu kaufen). Kostet ja auch fast nichts, ausser vielen Kollateralschäden für eine digitale Gesellschaft durch die Aufgabe von Verbraucherrechten und eine Kriminalisierung der digitalen Generation. Ironisch könnte man auch sagen, dass Merkel ihre Bürgern die Möglichkeit verschliesst, ihren Video-Podcast zu bewundern, wenn man durch falche Gesetzgebung für den Download eines Songs vom Netz ausgeschlossen wird. Wo sind wir dahin gekommen, dass die Musikindustrie sich wünscht, dass man vom Netz zur Strafe ausgeschlossen wird, wenn man Musik zu nicht-kommerziellen Zwecken tauscht, wie früher auf dem Schulhof? Kein Zugang mehr für Tauschbörsennutzer?

    Kann man vielleicht mal gebrauchen: Hier gibt es ein Gruppenfoto mit Angela Merkel und hier von Brigitte Zypries in Remix-kompatbler hoher Auflösung.

    Update: Bei Golem findet sich jetzt ein Nachbau dieser Meldung, aber ohne Verweis hierauf: Musikindustrie und Udo Jürgens setzen Kanzlerin unter Druck.

    9. Mai 2007 8
  • : Peter Schaar im Stern-Interview
    Peter Schaar im Stern-Interview

    Der Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar wurde vom Stern interviewt: „Jeder hat etwas zu verbergen“.

    Herr Schaar, macht Ihnen die derzeitige Debatte um die Verschärfung der Sicherheitsgesetze Angst?

    Ja. Ich fürchte um unseren Rechtsstaat. Er droht sich selbst die Grundlage zu entziehen, indem er seine Offenheit verliert und die Rechte seiner Bürger immer weiter einschränkt. Meine größte Sorge ist die Tendenz, immer stärker in die Privatsphäre einzugreifen. Gerade im Kampf gegen den Terrorismus werden die Grenzen immer mehr verlagert. Es geht um das in ihrer Summe Maßlose der Eingriffe, die diskutiert und teilweise auch realisiert werden.

    Und zur Vorratsdatenspeicherung:

    Ist denn nicht genau geregelt und beschränkt, wer an diese Daten herankommt?

    Allein dadurch, dass es diese Daten gibt, entstehen neue Begehrlichkeiten. So ist die Film- und Musikindustrie sehr daran interessiert, Raubkopierern auf die Spur zu kommen. Meine Vermutung ist: Wenn diese Daten später genutzt werden, wird es in den allerwenigsten Fällen um Terrorismus oder schwere Straftaten gehen, sondern vor allem um Urheberrechtsverletzungen, etwa in Onlinetauschbörsen.

    9. Mai 2007 2
  • : Razzien gegen G8-kritische Netzwerke
    Razzien gegen G8-kritische Netzwerke

    Heute haben in verschiedenen Städten verschiedene Razzien stattgefunden. Die relative „Wahrheit“ kann man sich in etwa aus den Artikeln bei SpON und Tageschau auf der einen Seite und auf der anderen Seite bei Indymedia zusammenbasteln. Ziel der Razzien soll die Zerschlagung von „terroristischen Aktivitäten“ im Vorfeld des G8-Gipfels sein. Warum dabei u.a. KanalB durchsucht wurde und wieso der SO36.net Server down ist, erschliesst sich mir dabei im Moment nicht. Auf dem SO36.net-Server liegen auch viele nicht-politische Projekte, darunter die Webseiten von IT-Pool.org, mit denen wir im Linux-Bereich zusammenarbeiten.

    Update: Telepolis berichtet jetzt auch: Erinnerung an Genua.

    Besonders die Abschaltung des Servers S036.net lässt die Kritik an den Polizeimaßnahmen plausibel erscheinen. Dadurch sind seit Montag morgen zahlreiche zivilgesellschaftliche Projekte der Stadt nicht mehr über Internet zu erreichen. Dazu gehört auch das Berliner Sozialforum, welches bisher unter www.sozialforum-berlin.de/ präsent war. Es kann wohl kaum mit irgendwelchen militanten Aktionen in Zusammenhang gebracht werden. Doch eine [extern] Arbeitsgruppe innerhalb des Sozialforums ruft zu zivilgesellschaftlichen Protesten gegen den G8-Gipfel auf. So sehen Gipfelkritiker in den Polizeimaßnahmen in erster Linie den Versuch, die Protestvorbereitungen kurz vor Beginn der Aktionen zu behindern. Schließlich nimmt das Internet dabei einen großen Stellenwert ein.

    9. Mai 2007 13
  • : Lobbyismus für Nerds
    Lobbyismus für Nerds

    Von Hanno per Mail: Lobbyismus für Nerds. Gute Aktion, redet mehr mit Politikern. Die brauchen echt Hilfe, um die digitale Welt zu verstehen. Fast Alle.

    9. Mai 2007
  • : „Freiheitsredner“ informieren über den Wert der Privatsphäre
    „Freiheitsredner“ informieren über den Wert der Privatsphäre

    Die kleine Plattform Freiheitsredner.de ist gestern nach etwas Vorlaufzeit offiziell online gegangen:

    Ab heute können Schulen, Universitäten und Vereine ein Netzwerk Freiwilliger in Anspruch nehmen, die ehrenamtliche Vorträge über den Wert der Privatsphäre anbieten. Die „Freiheitsredner“ wollen vermitteln, welche Bedeutung überwachungsfreie Räume für uns und unsere Gesellschaft haben, wie groß die „Bedrohung“ durch Kriminalität wirklich ist und wieviel Sicherheit Überwachung tatsächlich bewirken kann. Nähere Informationen finden sich auf der Internetseite Freiheitsredner.de.

    Ich hab mich schon eingetragen und Ralf dürfte für die Region Bremen drin stehen. Macht mit und vergrössert die Basis der Beteiligten.

    Dazu gibt es auch eine Pressemitteilung.

    8. Mai 2007 6
  • : Pop Up in Leipzig
    Pop Up in Leipzig

    Am Wochenende ist die POP UP in Leipzig. Praktischerweise bin ich für eine Diskussion eingeladen worden, und so schaffe ich es endlich mal, dabei zu sein.

    Pop Up und INTRO präsentieren „Alles nur gesaugt. Freiheit versus Recht? Status Quo versus Musik?“

    Moderation: Jan Simon (VUT)

    Gäste: Steffen Bennemann (1bit-wonder), Markus Beckedahl (Netzpolitik.org), Raik Hölzl (Kitty-Yo Digital), Vertreter GVL/GEMA
    12. Mai, 14.00, Werk II (Eintritt mit Messeticket)

    Gestern hat mich eine Redakteurin von MDR-Sputnik-Radio schon dazu befragt. Das wird wohl am Freitag gesendet.

    Freitag bin ich auch schon da und werde vermutlich zum „JackpotBaby! und Kitty-Go Abend“ gehen.

    8. Mai 2007 1
  • : Kollateralschäden der Vorratsdatenspeicherung
    Kollateralschäden der Vorratsdatenspeicherung

    Am Samstag kümmerte sich die Sendung „Markt und Medien“ des Deutschlandfunks um die Kollateralschäden der Vorratsdatenspeicherung: Medien befürchten löchrigen Informantenschutz.

    Um Anschläge islamistischer Terroristen zu verhindern werden in Deutschland immer neue Überwachungsmaßnahmen beschlossen und auch die Anti-Terror-Datei ermöglicht es Geheimdiensten und Polizei, Daten auszutauschen. Doch was mehr Sicherheit bringen soll, kann auf der anderen Seite auch Sicherheiten zerstören. Ein Bündnis von renommierten Medienverbänden fühlt sich durch die Änderung der Strafprozessordnung bedroht.

    Hier ist die MP3 des Beitrages.

    7. Mai 2007
  • : J!Cast 32: Online-Durchsuchungen
    J!Cast 32: Online-Durchsuchungen

    Der J!Cast 32 dreht sich um „Online-Durchsuchungen“:

    Der BGH hat entschieden, dass es für Online-Durchsuchungen keine Rechtsgrundlage gibt, und dass diese Ermittlungsmethode damit nicht zulässig ist. Vom Tisch sind Online-Durchsuchungen damit aber noch lange nicht. Wie so eine Durchsuchung eigentlich funktioniert, warum es aufwändig wäre, eine Ermächtigungsgrundlage in der Strafprozessordnung zu schaffen und warum das alles nicht besonders sinnvoll wäre, erläutern mit mir Eva Schröder, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ITM und Jan Remmer Siebels, Student der Uni Münster und mein Techniker.

    Hier ist die 12MB grosse MP3.

    7. Mai 2007 1
  • : Noch eine Blogger-Umfrage
    Noch eine Blogger-Umfrage

    Gerade gefunden: die Soziologin Tina Guenther hat Blogger Besucher und Leser ihres Blogs befragt, und die Ergebnisse in ihrem sozlog-Blog veröffentlicht (auf englisch):

    Of the 33 survey participants who completed sozlog sur­vey, 10 were female and 23 were male, and we have all age groups from 20 to 66 years of age, with the large majority in their 20s and 30s. Among the survey participants we have all levels of formal education no educational degree to the doctorate/Ph.D. level. The large majority of respondents, though, has been to university or applied university or is now in the process of studying.

    7. Mai 2007 2
  • : Datenspuren 2007 – Privatsphäre war gestern
    Datenspuren 2007 – Privatsphäre war gestern

    Der Chaos Computer Club Dresden lädt am kommenden Wochenende zum vierten Mal zum Symposium „Datenspuren“ ein. Der Eintritt ist frei und die Veranstaltung findet Samstag und Sonntag im Kulturzentrum Scheune, Alaunstr. 36–40 in Dresden statt. Der Fahrplan ist jetzt online gegangen. Thematisch dreht sich alles um Wahlcomputer, Videoüberwachung, Informationsfreiheit, Biometrie, Vorratsdatenspeicherung und noch einiges mehr.

    2. Mai 2007 2
  • : Markt für Nachrichten in China jetzt international konzessioniert
    Markt für Nachrichten in China jetzt international konzessioniert

    Im Rennen um die millionenschwere Erlaubnis, den chinesischen Markt mit finanziellen und anderen Nachrichten versorgen zu dürfen haben sich vier Bewerber durchgesetzt:

    The four agencies are Reuters Asia/Pacific Limited, part of the Reuters Group, JiJi Press of Japan, ET Net Limited of Hong Kong and NNA China Limited, which is affiliated to iNews Net Asia based in Japan.

    Man weiß ja, was da in etwa zu erwarten sein wird. Es haben ja nicht die Reporter ohne Grenzen oder andere kritische Organisationen ausgesucht… sondern Xinhua, der staatliche noch-Monopolist. Oder macht sich China auch hier vorübergehend für den Westmarkt und Olympia fit? Bei danwei.org waren schon letzten September die üblichen Beschwerden zu hören. Als Leckerli führt man dort ein Zitat an, das man sich auf der Zunge zergehen lassen will:

    From time immemorial Chinese newspapers … have been little more than mere official publications over which the Government has always exercised a rigid censorship. It is gratifying to notice, however, that the power of the Press is beginning to make itself felt even in China, and there can be no doubt that newspapers will become increasingly an important factor in … affairs, moral, religious and political…

    …What has been done is utterly insignificant compared with what will be accomplished when freedom of speech and of the Press are fully accorded. As a recent Chinese writer says, “a free Press would become the people’s most effective weapon against public outrages and political intrigues. It would be a deadly weapon against corruption, a guillotine over the heads of unscrupulous officials, the relentless foe of oppressors of the poor and a powerful factor for the proper administration of national affairs.”
    —North China Herald, July 26, 1907

    Es bleibt immer noch die Möglichkeit, dass auch der chinesische KommunismusStaatskapitalismus wie alle vorhergehenden Dynastien nur eine vorübergehene Zeit markiert.

    [via ABM]

    2. Mai 2007
  • : Chaosradio heute Abend: Biometrische Vollerfassung
    Chaosradio heute Abend: Biometrische Vollerfassung

    Heute Abend gibt es wieder mal ein Chaosradio auf Fritz. Das Thema ist diesmal die „Biometrische Vollerfassung“. Konkret geht es um Fotofahndung, zentrale Fingerabdruckdatei und die Personenkennziffer.

    Wenn es nach dem Willen unseres Innenministers geht, haben wir es bald geschafft. Willkommen im Überwachungsstaat. Nicht einmal anderthalb Jahre nach Einführung des elektronischen Reisepasses ist es soweit. Die Polizei soll automatisch auf die digital gespeicherten Fotos zugreifen können, um Verkehrssünder zu überführen, und in der CDU denkt man schon laut über eine zentrale Datei der Fingerabdrücke nach, noch bevor diese überhaupt im Pass gespeichert werden. Frühere anders lautende Versprechen gelten in Zeiten der allgegenwärtigen Terrorgefahr schon lange nichts mehr. Die noch 1984 vom Bundesverfassungsgericht verbotene Personenkennziffer ist so nah wie nie.

    Das nach den schlechten Erfahrungen während des Nationalsozialismus dezentralisierte Meldesystem wird Schritt für Schritt wieder zusammengeführt. Datensparsamkeit und stark begrenzter Zugriff anderer Behörden werden aufgeweicht. Was es mit diesem Zentralregister auf sich und warum damit unsere Bürgerrechte weiter beschnitten werden, möchten wir im Chaosradio mit euch diskutieren.

    2. Mai 2007 1
  • : I love your data
    I love your data

    Nico von Jackpotbaby hat eine weitere Schäublone produziert: Bundesinnenminister goes wild. Gefällt mir.

    Die Schäublone gibt es in den folgenden Formaten zum herunterladen, ausdrucken und ggf. weiterbearbeiten: JPG, EPS, AI, SVG

    2. Mai 2007 2
  • : Online-Durchsuchung durch Verfassungsschutz: Nur ein Missverständnis?
    Online-Durchsuchung durch Verfassungsschutz: Nur ein Missverständnis?

    Die Dienstvorschrift zur Erlaubnis der Online-Durchsuchungen durch den Verfassungsschutz dreht weiter muntere Kreise. Aktuell hat die TAZ ein paar News: Online-Schnüffeln ohne Freibrief?

    Eigentlich war alles gar nicht so gemeint, sagt Staatssekretär Lutz Diwell (SPD), eine Schlüsselfigur des jüngsten deutschen Geheimdienstskandals. Diwell hat im Sommer 2005 als Innenstaatssekretär die Dienstvorschrift unterzeichnet, die dem Verfassungsschutz den Zugriff auf private Festplatten erlaubte. Er habe dabei aber geglaubt, dass es nur um die Beobachtung geschlossener Internet-Foren gehe. Dass der Verfassungsschutz auf dieser Grundlage auch den Inhalt privater Computer ausspähen könnte, sei ihm überhaupt nicht bewusst gewesen, erklärte er jetzt über seine Sprecherin der taz.

    Die Sache mit der Technik.…

    […]

    Hat der Geheimdienst eigenmächtig mehr getan, als ihm das Innenministerium erlaubte? Der Verfassungsschutz wollte gestern auf taz-Anfrage nicht erläutern, welche Befugnisse er konkret gegenüber dem Innenministerium angefordert hat und wann er mit dem Zugriff auf private Festplatten begann. Dies unterliege der Geheimhaltung, hieß es zur Begründung. Auch der konkrete Wortlaut der geänderten Dienstvorschrift ist noch unbekannt. Das Innenministerium beruft sich ebenfalls auf Geheimhaltungspflichten.

    Schade, dass es soviele Ausnahmeregelungen beim Informationsfreiheitsgesetz gibt. Aber vielleicht gibts ja demnächst doch mal die Dienstvorschrift zum lesen. Würde mich ja interessieren, wie man sowas in diesem Fall formuliert.

    Passend dazu auch der Kommentar von Christian Rath in der TAZ: Geheimdienst außer Kontrolle.

    Wer trägt die Verantwortung für den jüngsten Verfassungsschutz-Skandal? Otto Schily und die frühere rot-grüne Bundesregierung oder doch der amtierende Innenminister Wolfgang Schäuble? Oder hat der Verfassungsschutz die Politiker aller Couleur hinters Licht geführt? Fest steht: Das Bundesamt für Verfassungsschutz fühlte sich von der Politik ermächtigt, mit Spionagesoftware auf die Festplatten von Privatcomputern zuzugreifen. Zwar hat es wohl nur wenige derartige Online-Durchsuchungen durch den Verfassungsschutz gegeben. Der Vorgang ist also weniger ein Beleg für Tendenzen zum Überwachungsstaat, sondern eher dafür, wie schnell sich Dienste und Sicherheitsbehörden verselbständigen, wenn sie nicht öffentlich und nachvollziehbar kontrolliert werden.

    2. Mai 2007 2
  • : Warner Music Wake Up Call
    Warner Music Wake Up Call

    Die Anti-DRM – Kampagne DefectivebyDesign hat eine kleine Aktion gestartet, um den Musik-Major Warner Brothers davon zu überzeugen, zukünftig auch DRM-freie Musik zum Verkauf anzubieten. Passenderweise finden sich die Telefonnummern von verschiedenen WB-Managern auf der Webseite zum bequemen kontaktieren.

    30. April 2007 1
  • : Frankreich: Gesetz für das Vertrauen in die digitale Wirtschaft
    Frankreich: Gesetz für das Vertrauen in die digitale Wirtschaft

    Über ein französisches Überwachungsgesetz mit dem blumigen Namen „Gesetz für das Vertrauen in die digitale Wirtschaft“ berichtet Heise: Französische Provider sollen Nutzer-Identifikationsdaten auf Vorrat speichern.

    In Frankreich sorgt der Regierungsvorschlag zur technischen Umsetzung der einjährigen Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten bei Providern und Bürgerrechtlern für Unmut, da er weit über die EU-Vorgaben hinausgeht. Der Entwurf für ein Dekret zur Anwendung des bereits beschlossenen „Gesetzes für das Vertrauen in die digitale Wirtschaft“ sieht laut der zivilgesellschaftlichen Organisation Imaginons un Réseau Internet Solidaire (IRIS) unter anderem vor, dass die Netzanbieter über die gängigen Verbindungs- und Standortdaten auch die Identifikationsdaten, Login-Informationen, Pseudonyme und Passwörter für sämtliche Nutzungsvorgänge im Internet aufbewahren müssen. Einträge, Änderungen oder Kommentare in Weblogs oder Foren wären davon genauso erfasst wie etwa die Beantragung und Anwendung eines E‑Mail-Kontos. Eine anonyme Internetnutzung wäre damit in Frankreich nicht mehr möglich.

    KLingt ja echt vertrauenswürdig für die Verbraucher und die gesamte Wirtschaft, wenn solche Daten irgendwo gespeichert werden. Mal schauen, wie lange es dauert, bis Schäuble mit der Idee um die Ecke biegt.

    30. April 2007 2
  • : UN akzeptiert Blogger als Pressevertreter
    UN akzeptiert Blogger als Pressevertreter

    Mit Verweis auf die NYT berichtet Silicon.de vom ersten bei der UN akkreditierten Blogger: UNO lässt ihren eigenen Blogger als Pressevertreter zu.

    Lee ist somit der einzige Blogger, der in einer internationalen Organisation dieser Größe zugelassen ist, dort einen Pressearbeitsplatz für seine Berichte erhält und sich hinter den Kulissen bewegen darf. Er hatte sich 2005 den Vereinten Nationen zugewandt und um eine Akkreditierung ersucht. Sein Newsletter bestand zu dem Zeitpunkt 18 Jahre. Lee betrachte sich, so hieß es, als einen Vorreiter für weitere Blogger, die sich als unabhängige, selbständige Vertreter der Öffentlichkeit verstünden. Die UNO feilt, dem Bericht zufolge, derzeit an Richtlinien für die offizielle Pressearbeit von Bloggern auf UNO-Veranstaltungen.

    Es gab noch einen zweiten akzeptierten Blogger, aber den haben sie wohl wieder rausgeschmissen, weil er zuviele Fragen stellte, die mit der Sache nichts zu tun hatten.

    30. April 2007 2
  • : Aktuell: a2k – Konferenz
    Aktuell: a2k – Konferenz

    Wolfgnag Kleinwächter berichtet für Heise von der a2k-Konferenz, die gerade an der Yale-University in den USA stattfindet: Zensur als Handelshemmnis?

    Nach Auffassung von Andrew McLaughlin, Chief Policy Adviser von Google, sollten Einschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung im Rahmen der laufenden Verhandlungen der „Doha Round“ der World Trade Organization (WTO) als Handelshemmnis qualifiziert werden. McLaughlin kritisierte auf der Jahreskonferenz „Zugang zu Wissen“ (A2K2) der Yale University in New Haven indirekt die US-Regierung, die bei bilateralen Verhandlungen zu so genannten Freihandelsabkommen (Free Trade Agreements) zwar sehr nachdrücklich darauf dränge, den mangelnder Schutz von geistigem Eigentum zu beseitigen, aber weit weniger die Respektierung des Informations- und Meinungsfreiheit an Handelserleichterungen binde.

    Heise: Ein Internet „des Volkes, durch das Volk und für das Volk“

    In weniger als fünf Jahren wird jeder Bewohner Pekings freien drahtlosen Zugang zum breitbandigen Internet haben. Dies prophezeite Kai-Li Kan, Direktor des Instituts für Informationsindustrie der Pekinger Universität für Post und Telekommunikation auf der 2. Konferenz „Zugang zu Wissen“ (A2K2) der Yale University in New Haven. Das vor kurzem gestartete Projekt „Wireless Peking Commune“ (WBC) ziele darauf, aus der 15-Millionen-Metropole eine „Wireless City“ zu machen. Demnach werden zunächst 3000 Zugangspunkte auf der Basis des WLAN-Standards 802.11g mit 54 MBit/s eingerichtet.

    Interessant sind hier auch die Beschreibungen aus anderen Ländern und Kontinenten. Alle bekommen offenes WLAN, und wann reagiert Berlin endlich mal?

    30. April 2007