Generell

Allgemeine Berichte aus der Welt, in der wir leben, der Politik und der Kultur Deutschlands und des Internets.

  • : Piraten in der Politik – 100 Tage einer Aufsteigerpartei
    Piraten in der Politik – 100 Tage einer Aufsteigerpartei

    Gestern Abend lief in der ARD die 45 Minuten lange Dokumentation „Piraten in der Politik – 100 Tage einer Aufsteigerpartei“. Diese findet sich in der ARD-Mediathek und auf Youtube:

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    Von Null auf 15 – Fünfzehn Abgeordnete der Piratenpartei wurden am 18. September 2011 ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Ein Erfolg, der seit den Grünen keiner anderen Partei-Neugründung in Deutschland mehr gelungen ist. Innerhalb weniger Wochen liegen sie in den Umfragen bundesweit zwischen 8 und 10 %. Nicola Graef und Torsten Mandalka begleiten vier Abgeordnete während ihrer ersten 100 Tage im Berliner Parlament: Andreas Baum, den Fraktionsvorsitzenden und besonnenen Vermittler zwischen den parteiinternen Strömungen; Susanne Graf, die einzige Frau und die mit 19 Jahren jüngste Abgeordnete; Christopher Lauer, enfant terrible und „Medien-Rampensau’; Schließlich: Martin Delius, der redegewandte parlamentarische Geschäftsführer der Piratenfraktion in Berlin.

    24. Januar 2012 28
  • : Funkzellenabfrage in Berlin: Und noch ein Fall
    Funkzellenabfrage in Berlin: Und noch ein Fall

    Netzpolitik.org hat erneut Akten erhalten, die auf eine weitere Funkzellenabfrage in Berlin-Friedrichshain hinweisen. Laut den auch auf Indymedia linksunten veröffentlichten Papieren wollte die Berliner Polizei bereits einen Monat vor dem bisher bekannten Fall massenhaft Verkehrsdaten von den vier Mobilfunkbetreibern haben. Sachschaden diesmal: 4.000 Euro. Dafür sollten die liebevoll „Turmdaten“ genannten Datenberge sogar einen Zeitraum von acht Stunden umfassen: von 17 Uhr am 17. Juni 2009 bis 1 Uhr am darauf folgenden Tag. Wir haben das ungefähre Gebiet erneut visualisiert, mit den bereits beschriebenen Einschränkungen. Der aktuelle Fall ist rot, der bisherige Fall blau:



    22. Januar 2012 12
  • Funkzellenabfrage in Berlin: „Natürlich erheben wir Daten unbescholtener Bürger“
    Funkzellenabfrage in Berlin „Natürlich erheben wir Daten unbescholtener Bürger“

    Die Nachlese zur Funkzellenabfrage geht weiter. Nachdem es auch bei bild.de und Spiegel Online gelandet ist, hat mir die Berliner Polizei endlich geantwortet. Die Fragen hatte ich hier veröffentlicht.

    Antworten der Polizei

    Die ersten vier Fragen zu Umfang der Daten und Betroffenen des konkreten Falls kann die Berliner Polizei jetzt immer noch nicht beantworten:

    Aufgrund des hohen Rechercheaufwands ist eine Beantwortung dieser Frage nicht vor Montag, dem 23. Januar 2012 möglich. Die Polizei wird sich – soweit möglich – im Ausschuss für Inneres, Sicherheit und Ordnung des Abgeordnetenhauses umfassend äußern.

    Informiert wurden ist keine einzige betroffene Person:

    Nein, weil eine Namhaftmachung und Ermittlung der Beteiligten eine Vertiefung des Grundrechtseingriffs bedeutet hätte.

    Ich glaube ja, wenn man alle Betroffenen aller Funkzellenabfragen darüber mal informieren würde, wäre die Mehrheit der Bevölkerung sofort gegen eine Vorratsdatenspeicherung.

    Weiterhin hat die Polizei bestätigt, dass das Verfahren eingestellt wurde und die Ermittlungen nicht erfolgreich waren.

    Aber kein Problem: Die Daten sind über ein Jahr später auchmal gelöscht worden:

    Ja, am 20. April 2011. Die Löschung ist dokumentiert worden.

    21. Januar 2012 22
  • : CSU will von 2D- zur 3D-Demokratie
    CSU will von 2D- zur 3D-Demokratie

    Die CSU-Fraktion aus Bayern war wohl zur Klausur in Wildbad Kreuth und jeder MdL durfte mal ins Internet sprechen. Und weil am Mittwoch Blackout-Day war, sollte der medienpolitische Sprecher, Eberhard Sinner, das mit der schwarzen Wikipedia erklären („manche Anbieter wie die Wikipedia lassen einen Tag eine schwarze Scheibe im Internet erscheinen“). Als Spiel gab aber eine kleine Herausforderung: Er musste in unter einer Minute soviele irgendwie-themenbezogene Buzzwörter wie möglich ohne richtigen Zusammenhang in ordentliche Sätze packen. Das ist Sinner gelungen:

    „Das Internet bietet die Chance, von der 2D zur 3D-Demokratie zu kommen, das heißt den Dialog in einer Open-Source-Gesellschaft mit den Bürgern zu führen. Deswegen gilt unser Wahlspruch, dass wir die Piraten im Internet stoppen aber die Freiheit des Internets schützen.“

    21. Januar 2012 83
  • : API.Leipzig kooperiert mit Ipoque
    API.Leipzig kooperiert mit Ipoque

    Beim Thema Open Data denkt man zuerst einmal an Offenheit, Transparenz, Beteiligung usw. In dem Kontext gibt es eine Reihe von Projekten, die sehr interessant und unterstützenswert sind. Eines dieser Projekte ist eigentlich API.Leipzig, das eine standardisierte Schnittstelle für den Zugriff auf öffentliche Daten der Stadt Leipzig bietet. Deshalb ist die Information sehr irritierend, dass ausgerechnet ein auf Offenheit ausgerichtetes Projekt wie API.Leipzig im Rahmen eines Wettbewerbs mit Ipoque kooperiert.

    Die Firma Ipoque, hier in einer merkwürdigen Selbstdarstellung auf Youtube, taucht sowohl in den Wikileaks-Spyfiles als auch bei BuggedPlanet auf, bei dem offenbar wird, dass es sich dabei um eine Tochterfirma von Rohde & Schwarz (Kurzinfos bei BuggedPlanet) zu handeln scheint. Im Zentrum des Ipoque-Geschäfts sind, wie Erich Möchel schon vor einiger Zeit bereits dokumentiert hat, einerseits sogenannte „Lawful Interception“-Anwendungen, womit die Firma u.a. auf der ISS in Dubai durch Vorträge und Workshops zum Thema auftrat. Aber auch andere fragwürdige Geschäftszweige sorgen offensichtlich für Umsätze, wie beispielsweise das Geschäft mit Abmahnungen von Filesharern, bei dem Ipoque Daten zu liefern scheint, oder auch die Arbeit an Exploitation von Filesharing-Protokollen und Angriffen auf Nutzer (siehe ein Whitepaper der Firma).

    So ist es eben sehr verwunderlich, dass ein im Kern gutes Open Data-Projekt einen Kooperationspartner wählt, der in einem derart fragwürdigen Umfeld agiert und so nachhaltig Vertrauen verspielt.

    Update: API.Leipzig hat sich in einer sehr deutlichen Stellungnahme zum Veranstaltungsort geäussert:

    Im Ergebnis der Diskussion und Recherche steht für uns fest, dass wir uns mit dem API Leipzig klar für den freien Austausch von Informationen und Wissen positionieren möchten und deshalb einen anderen Ort für die Preisverleihung finden müssen.

    Damit besteht aber nun das Problem, dass dringend ein neuer Veranstaltungsort für die Preisverleihung am 6. Februar für etwa 60 bis 80 Personen gefunden werden muss. Wer Vorschläge hat, möge sich bitte über wettbewerb@apileipzig.de bei dem Projekt melden.

    20. Januar 2012 8
  • : Review: Der #SOPA – Blackout-Day
    Review: Der #SOPA – Blackout-Day

    Der Blackout-Day gegen die Internetfeindlichen US-Gesetzesinitiativen #SOPA und #PIPA war eine eindrucksvolle Demonstration der neuen Öffentlichkeiten im Netz.

    Die Webseite sopastrike.com hat einige Zahlen veröffentlicht. Mehr als zehn Millionen Menschen haben Onlinepetitionen unterzeichnet, mehr als drei Millionen Mails wurden über Kampagnensysteme an Politiker verschickt (Nicht eingerechnet sind unzählige weitere individuelle Mails), mehr als 115.000 Webseiten haben beim Streik mitgemacht, davon alleine rund 45.000 Blogs bei WordPress.com. Die geschwärzte englischsprachige Wikipedia wurde rund 162 Millionen Mal in den 24 Stunden aufgerufen. Weitere Zahlen hat die Electronic Frontier Foundation:

    20. Januar 2012 17
  • : Was noch übrig blieb
    Was noch übrig blieb

    Zahlen zur stillen SMS gibt’s jetzt auch in Hamburg: Pressemitteilung der Linksfraktion, Hamburger Morgenpost, Golem.

    Polizei und Verfassungsschutz haben im Jahr 2010 insgesamt 134.706 heimliche „Ortungsimpulse“ zur Überwachung von Verdächtigen via SMS versendet.

    Eine Sonderausgabe des sozialwissenschaftlichen Journals kommunikation@gesellschaft widmet sich dem Phänomen Facebook, u.a. mit Beiträgen zu Parteien und politischer Kommunikation auf Facebook und Zur Selbstdarstellungslogik bei Facebook.

    Annika Kremer berichtet auf Gulli über Twitter: US-Behörden fragen Nutzerdaten zu ganzem Hashtag ab:

    Die US-Behörden stellten offenbar eine Anfrage an den Kurznachrichten-Dienst Twitter, eine große Menge an Informationen im Zusammenhang mit der Occupy-Bewegung herauszugeben. Im Zentrum der Ermittlungen steht die australische Transparenz-Aktivistin Asher Wolf. Problematisch ist dabei der Umfang der erhobenen Informationen; so wird jeder erfasst, der ein bestimmtes Hashtag nutzte.

    Der Jurist Ulf Buermeyer bewertet: Skype dürfte eine Abhörschnittstelle bieten – Quellen-TKÜ per Trojaner unverhältnismäßig.

    Sollten meine Überlegungen zutreffen, dürfte sich der Einsatz von Trojanern zwecks Überwachung des Skype-Verkehrs als unverhältnismäßig erweisen. Vielmehr wären die Sicherheitsbehörden gehalten, mit Skype die technischen und administrativen Details eines solchen Zugriffs abzustimmen, anstatt Quellen-TKÜ gegen Skype in Betracht zu ziehen. Die Bereitschaft hierzu dürfte bei der Microsoft-Tochter Skype durchaus zu wecken sein, hält man sich vor Augen, dass die deutsche öffentliche Verwaltung Jahr für Jahr viele Millionen Euro für Microsoft-Software ausgibt.

    Peer Schader in der Berliner Zeitung: Wenn ARD und ZDF ihre Digitalsender abschaffen müssen, gehen Programme fürs junge Publikum verloren.

    Einerseits ist es begrüßenswert, wenn ARD und ZDF endlich sparen lernen. Wenn die Politik aber pauschal die Digitalsender streicht, riskiert sie, dass damit auch die Programmanstrengungen fürs junge Publikum verloren gehen.

    Der Soziologe und Kommunikationswissenschaftler Philip N. Howard hat ein Buch veröffentlicht über The Digital Origins of Dictatorship and Democracy – Information Technology and Political Islam. Evgeny Morozov hat eine Rezension verfasst.

    Philip Howard’s important book offers a timely and thorough treatment of a subject that has been catapulted into the global limelight thanks to recent revolutions in Tunisia and Egypt: the impact of the Internet on the political cultures in the Middle East.

    Der Informationswissenschaftler Eytan Bakshy hat für Facebooks Data Team eine Studie verfasst: Rethinking Information Diversity in Networks. Farhad Manjoo sieht auf Slate die These zur „Filter Bubble“ widerlegt: The End of the Echo Chamber.

    Although we’re more likely to share information from our close friends, we still share stuff from our weak ties—and the links from those weak ties are the most novel links on the network. Those links from our weak ties, that is, are most likely to point to information that you would not have shared if you hadn’t seen it on Facebook. The links from your close ties, meanwhile, more likely contain information you would have seen elsewhere if a friend hadn’t posted it. These weak ties “are indispensible” to your network, Bakshy says. “They have access to different websites that you’re not necessarily visiting.”

    Sasha Issenberg auf Slate: Project Dreamcatcher: How cutting-edge text analytics can help the Obama campaign determine voters’ hopes and fears.

    Yet those familiar with Dreamcatcher describe it as a bet on text analytics to make sense of a whole genre of personal information that no one has ever systematically collected or put to use in politics. Obama’s targeters hope the project will allow them to make more sophisticated decisions about which voters to approach and what to say to them.

    19. Januar 2012 3
  • : Soziale Bewegungen im digitalen Tsunami: Tagung zu neuen digitalen Schnüffelwerkzeugen in Berlin
    Soziale Bewegungen im digitalen Tsunami: Tagung zu neuen digitalen Schnüffelwerkzeugen in Berlin

    Am 4. Februar findet in Berlin eine Tagung zu neuen digitalen Schnüffelwerkzeugen statt. Aus der Ankündigung:

    Vor fünf Jahren organisierten sich europäische Innenminister unter Rädelsführerschaft der deutschen EU-Präsidentschaft in einer sogenannten „Future Group“, um auf die Weichenstellungen für die Polizeiarbeit der Zukunft Einfluss zu nehmen. Schon damals wurde von „gewaltigen Informationsmengen, die für öffentliche Sicherheitsorganisationen nützlich sein können“ orakelt: Der erwartete „digitale Tsunami“ würde demnach verheißen, Milliarden elektronischer Geräte in Echtzeit zu verfolgen und Verhaltensmuster ihrer NutzerInnen analysieren zu können. Inzwischen wird diese digitale Aufrüstung zunehmend spürbar und erreicht auch Soziale Bewegungen. Denn die neuen kriminaltechnischen Werkzeuge finden in den behördlichen Beschaffungsabteilungen begeisterte Abnehmer. Die Aufstände in nordafrikanischen und arabischen Ländern zeigen, dass die Produkte der neuen Generation skrupellos auch an autoritäre Regierungen verkauft werden.

    Auf diesen drei Podien sprechen unter anderem Erich Moechel, Ralf Bendrath, Rena Tangens und Thilo Weichert:

    • Das Handy als polizeiliches Werkzeug zur Strafverfolgung und „Crowd Control“
    • Mathematik gegen Dissens – Computergestützte Repression
    • Was tun: Digitaler Selbstschutz, Rechtsschutz, Online-Petition? Gegenstrategien in den Wogen des „digitalen Tsunami“

    Das Ganze geht von 11 bis 19 Uhr und findet statt im Südblock am Kottbusser Tor. Der Eintritt ist frei.

    Update: Für die Zuhause-Gebliebenen soll es auch einen Audio-Stream geben.

    19. Januar 2012
  • Was Vorratsdatenspeicherung wirklich bedeutet: Massenhafte Funkzellenabfrage jetzt auch in Berlin
    Rote Kreise auf Berliner Stadtkarte
    Massenhafte Funkzellenabfragen in Berlin.
    Was Vorratsdatenspeicherung wirklich bedeutet Massenhafte Funkzellenabfrage jetzt auch in Berlin

    Der Skandal um die massenhafte Auswertung von Mobilfunk-Daten in Dresden hat unsere Warnungen und Befürchtungen bestätigt: Ist die Vorratsdatenspeicherung einmal da, werden die Daten auch freizügig verwendet.

    Dass die Dresdner Aktion nur die Spitze des Eisbergs ist, verdeutlicht ein neuer Fall aus Berlin. Wir haben Akten (PDF) erhalten, die eine weitere massenhafte Abfrage von Mobilfunk-Daten belegen. Ende 2009 haben Polizei und Staatsanwaltschaft die „Erfassung und Übermittlung sämtlicher Verkehrsdaten und Verbindungsdaten“ eines Stadtgebiets angefordert und bekommen. Eine grobe (interaktive) Karte des betroffenen Gebiets:



    Funkzellenabfrage und Dresden

    Zur Erinnerung: In Dresden finden im Februar seit Jahren der ehemals größte Naziaufmarsch der Bundesrepublik sowie Gegenproteste statt. Letztes Jahr haben Ermittlungsbehörden die Verbindungsdaten jeglicher Mobilfunk-Kommunikation in der Dresdner Innenstadt erfasst. Auf deutsch: Wer hat wann mit wem telefoniert, eine SMS gesendet? Und wo waren beide zu diesem Zeitpunkt? Und das von ausnahmslos allen Mobiltelefonen in der Dresdner Innenstadt. Die Zahlen sind gigantisch: 896.072 Verkehrsdatensätze, 257.858 Rufnummern und 40.732 Bestandsdaten.

    Auch wenn es bereits weitere Aktionen dieser Größenordnung gab, wird es teilweise auf ein bestimmtes Bundesland geschoben. Die Berliner Polizei erklärte, dass sie „bei Demonstrationen noch keine Funkzellenauswertungen durchgeführt“ hat und die Methode ohnehin nur bei „schweren Straftaten“ und „als ultima ratio [nutzt], wenn andere Ermittlungswege nicht zum Ziel führen.“

    Diese schweren Straftaten sind keineswegs nur der Terrorismus, mit dem uns die Vorratsdatenspeicherung immer wieder erklärt wurde. Richard Gutjahr hat schön visualisiert, dass die Telekommunikationsüberwachung in erster Linie wegen Drogendelikten angewendet wird.

    Nun auch in Berlin

    Auch der vorliegende Fall weckt Zweifel, ob er unter die schwersten Straftaten gegen Leib, Leben oder die sexuelle Selbstbestimmung fällt, mit denen die Vorratsdatenspeicherung immer wieder begründet wird. Es geht um versuchte Auto-Brandstiftung. Keine Bagatelle also, aber auch nicht das, was man unter Terrorismus versteht. Zumal die Verbindungsdaten gar nichts gebracht haben: Das Verfahren wurde eingestellt.

    Aber von vorn: Im Oktober 2009 findet die Berliner Polizei in Friedrichshain „angebrannte Gegenstände“ unter einem Auto, dadurch „entstand ein geringer Sachschaden am Pkw“. In Berlin brennen hunderte Autos pro Jahr, die Polizei ist blamiert. Im Jahr 2007 hatte sie 14 Verdächtige gefasst, von denen neun ein Handy dabei hatten. Deswegen geht die Polizei davon aus, dass auch diesmal die Täterin ein Handy einstecken hatte. Also möchten die Ermittler „sämtliche Verkehrsdaten“ der 13 am Tatort zu empfangenden Funkzellen. Ein Gericht bewilligt den Antrag und die vier Betreiber der deutschen Mobilfunknetze geben die Daten heraus.

    Das geht aus Akten hervor, die wir an dieser Stelle exklusiv veröffentlichen: PDF, TXT.

    Hier wurde also erneut eine „nicht-individualisierte“ Funkzellenabfrage vorgenommen. Bei einer individualisierten FunkzellenVerkehrsdatenabfrage fragt die Polizei: Wann und wo wurde von diesem bestimmten Handy mit anderen kommuniziert? Hier ist die Frage stattdessen: Im Zeitraum X und örtlichen Gebiet Y, welche Handys haben da kommuniziert?

    Funkzellen und Visualisierung

    In der Akte sind 13 Funkzellen genannt. Zur besseren Vorstellung des betreffenden Gebiets dient die obige Karte, die jedoch keinesfalls exakt ist.

    Zunächst ist nicht öffentlich bekannt, an welchem Ort eine bestimmte Funkzelle (also ein Funkmast) steht. Zwar gibt es offene und kommerzielle Datenbanken, aus denen sich ein ungefährer Ort ablesen lässt. Den genauen Standort kennen jedoch nur die Mobilfunkbetreiber, also T‑Mobile, Vodafone, E‑Plus und O2. Von denen hat uns nur einer die Daten überlassen, die drei anderen haben ein komisches Verständnis von Datenschutz.

    Unbekannt sind auch die genaue Abstrahlrichtung und die Sendestärke, die sich in Reichweite niederschlägt. Daher ist um die plausibelsten auffindbaren Ortsdaten ein willkürlich gewählter Radius von 500 Metern markiert, um ein ungefähres Bild zu erhalten.

    Halb Friedrichshain betroffen

    Deutlich wird, dass ein recht großer Teil von Berlin-Friedrichshain betroffen ist. Alle Handys, die sich darin aufhielten, könnten also in den übermittelnden Daten auftauchen.

    Derzeit ist unklar, wie viele Datensätze übermittelt worden sind. Wir haben vor über zwei Wochen alle beteiligten und/oder verantwortlichen Stellen angefragt, aber bisher leider keine Antwort erhalten. Konkret stellen sich folgende Fragen:

    • Wie viele Verkehrsdaten/Verbindungsdaten wurden übermittelt? (Anzahl der betroffenen Anrufe, SMS, Internet-Verbindungen)
    • Wie viele Mobilfunkanschlüsse/Rufnummern sind davon betroffen?
    • Von wie vielen Mobilfunkanschlüssen wurden die Stammdaten eingeholt? (Anzahl der Rufnummern, denen Namen und Adressen zugeordnet wurden)

    Nach den immensen Zahlen aus Dresden wird klar, dass hier schnell einige tausend Betroffene zusammen kommen könnten. In Friedrichshain wohnen mehr als hunderttausend Menschen. Wenn ihr in der Gegend wohnt: Fragt doch mal bei der Berliner Polizei, ob eure Daten auch dabei sind. Immerhin gibt es ja ein Auskunftsrecht im Bundesdatenschutzgesetz. Wer zu faul ist einen Brief zu schreiben kann auch ein Online-Formular ausfüllen.

    Ist das verhältnismäßig?

    Die Vorratsdatenspeicherung wird immer wieder mit dem Terrorismus begründet. Oder zumindest mit schweren Straftaten. Was schwere Straftaten sind, steht in der Strafprozeßordnung. Und da werden neben Mord und Totschlag noch ganz andere Sachen genannt. Ein unvollständiger Auszug:

    Oder eben versuchte Brandstiftung. Der Terrorismus, mit dem die Vorratsdatenspeicherung immer begründet wird, ist das nicht.

    In Hamburg haben Gerichte manche Funkzellenabfragen wegen brennenden Autos sogar als unverhältnismäßig abgewiesen, da zu viele unbeteiligte Personen davon betroffen sind:

    Diese Einschränkung sei dadurch gerechtfertigt, dass bei einer Funkzellenauswertung regelmäßig die Daten einer Vielzahl von Bürgern erfasst werden, die in keiner Weise einer Straftat verdächtig seien. Müller-Horn: „Mit der Datenerhebung wird in das Fernmeldegeheimnis, also in die Rechte dieser Menschen eingegriffen. Ein solcher Eingriff ist nur dann verhältnismäßig, wenn er nicht ins Blaue hinein erfolgt, sondern wenn eine konkrete Vermutung dafür spricht, dass die Datenerhebung auch tatsächlich zur Ermittlung des Täters führt.“

    Was, wie gesagt, auch hier nicht der Fall war. Das Verfahren verlief im Sand, die Ermittlungen wurden eingestellt.

    Verknüpfung und Rasterfahndung

    Was macht die Polizei eigentlich mit dem Datenberg, wenn sie ihn einmal hat? Wie will sie in tausenden Verbindungsdaten von tausenden Personen ein paar Verdächtige oder gar Tatbeteiligte finden?

    Diese Fragen haben wir natürlich Berliner Polizei und Landeskriminalamt, Staatsanwaltschaft und Gericht sowie Innen- und Justizsenat gestellt. Auch vor zwei Wochen, bisher leider ohne Antwort.

    Die Hamburger Polizei beschrieb ihr Vorgehen:

    „Auch wenn es sich um zahlreiche verschiedene Brandstifter handelt, so gibt es doch beim Täterprofil eine Schnittmenge von etwa 80 Prozent, die auf alle zutrifft“, so ein Beamter. Quantitativ ist das ein Problem. „Es sind immer noch Hunderte.“ Deshalb ist die Polizei an einer Verknüpfung möglichst vieler Daten interessiert. „Es gibt da viele Möglichkeiten. Wir klären noch, was datenschutzrechtlich geht und was nicht“, so ein Polizist.

    Eine Rasterfahndung also. Wobei immer noch offen ist, mit welchen Daten das verknüpft werden soll. Etwa, wer schon einmal mit schwarzem Kapuzen-Pullover auf einer Demonstration war?

    Normalität statt Einzelfall

    Laut brennende-autos.de haben im Jahr 2009 in Berlin 216 Autos gebrannt. Bei wie vielen dieser Fälle hat danach eine Funkzellenabfrage stattgefunden? Auch diese Frage ist bisher leider unbeantwortet. Mal angenommen das passiert immer, dann könnten die abgefragten Gebiete in etwa so aussehen (klicken für große und interaktive Karte):

    Funkzellen von brennenden Autos in Berlin

    Einen Anhaltspunkt liefert die Statistik zur Telekommunikationsüberwachung des Bundesamts für Justiz. Danach wurde die Verkehrsdatenüberwachung allein im Jahr 2009 bundesweit 9.459 mal angewendet, davon 762 mal in Berlin. Im Jahr 2010, in dem die Vorratsdatenspeicherung gekippt wurde, waren es bundesweit 6.828 Einsätze und 533 in der Hauptstadt.

    Im Gegensatz zur Telekommunikationsüberwachung enthalten diese Statistiken keine Aufschlüsselung nach Art der Straftat. Offen bleibt auch, wie viele Anfragen individualisiert (Kommunikation einer bestimmten Zielperson) und wie viele wie im vorliegenden Fall nicht-individualisiert stattfanden.

    Politische Diskussion

    Nach dem Skandal in Dresden haben die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern eine Einschränkung der nicht-individualisierten Funkzellenabfrage gefordert. Auch die Grünen fordern eine rechtsstaatliche und bürgerrechtskonforme Ausgestaltung, während allein die Linke die nicht-individualisierte Funkzellenabfrage abschaffen möchte.

    Beide Gesetzentwürfe werden am 8. Februar 2012 in einer Anhörung des Rechtsausschusses im Bundestag behandelt. Wie immer bei Anträgen der Opposition jedoch ohne irgendwelche Folgen.

    Leider haben wir auf unsere Anfragen bei den verantwortlichen Stellen keine Antworten auf unsere Fragen erhalten. Wie viele dieser nicht-individualisierten Funkzellenabfragen gibt es? Wie viele Datensätze werden herausgegeben? Bei welchen Straftaten? Wie viele Menschen sind davon betroffen? Wie viele wurden davon informiert? Wie hoch ist die Aufklärungsquote? Vielleicht möchte ja die ein oder andere Fraktion des ein oder anderen deutschen Parlaments mal ihre Regierung befragen.

    Gegen die Vorratsdatenspeicherung

    Der vorliegende Fall illustriert, was die manchmal abstrakte Vorratsdatenspeicherung wirklich bedeutet.

    Die rechtliche Grundlage der nicht-individualisierten Funkzellenabfrage wurde bereits 2001 kurz nach dem 11. September von der rot-grünen Bundesregierung geschaffen und war ursprünglich befristet, wurde aber immer wieder verlängert. Mit dem Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung wurde die Befristung im Jahr 2007 komplett abgeschafft.

    Auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im März 2010 änderte daran nichts. Das Gericht untersagte darin nur die Verpflichtung zur Speicherung, die Anbieter speichern aber auch ohne Verpflichtung freiwillig weiter. Und die Behörden nutzen diese Daten fleissig.

    De facto gibt es also auch im Bereich Mobilfunk immer noch eine Speicherung von Daten auf Vorrat, ergo Vorratsdatenspeicherung. Und diese Daten werden viel umfassender genutzt als uns in der Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung immer verkauft werden soll. Jeder kann betroffen sein.

    Nachfolgeartikel

    19. Januar 2012 146
  • : OpenGov: BMI feiert Revival des Baustellenschildes
    OpenGov: BMI feiert Revival des Baustellenschildes

    Das Bundesinnenministerium feiert das Revivial des Baustellenschildes. Anders lässt sich die im Retrolook gestaltete Webseite daten-deutschland.de nicht erklären. Man beachte alleine das Baustellenschild rechts oben (leider nicht original Gif-animiert) und den Header.

    Lorenz Matzat kommentierte die Seite passend auf Twitter:

    Neue altertümliche Seite http://t.co/1bROqAta verrät viel über Haltung d. #Bundesregierung zu #OpenGov & #OpenData

    Wer Lust und Zeit hat, kann gerne eine IFG-Anfrage stellen, wie teuer die Seite war. Das würde mich echt mal interessieren.

    Passieren wird auf der Seite wahrscheinlich erstmal nichts. Eine Open-Government-Strategie hat die Bundesregierung erst für 2013 angekündigt. Bis dahin symbolisiert das Baustellenschild wahrscheinlich das „Wir haben einen Arbeitskreis“.

    19. Januar 2012 6
  • : DigitalFilmCamp 2012
    DigitalFilmCamp 2012

    Das bereits siebte DigitalFilmCamp wird am 14. und 15. Februar in der HomeBase Lounge Berlin stattfinden. Das DFC ist eine Konferenz für OpenSource- und Creative-Commons-geprägte Filmprojekte und bietet eine Plattform, um sich über die Möglichkeiten von Crowdfunding zu informieren und auszutauschen.

    Gestern wurde ein erster Teil des Programms des DigitalFilmCamp bekannt gegeben. Zu den Referenten gehören unter Anderem der Crowdfunding-Experte Konrad Lauten und der chilenische Dokumentarfilmer Felipe Bustos Sierra.
    Wer sich möglichst schnell Tickets sicher will, kann hier tun. Die Teilnahme inkl. kleiner Verpflegung kostet 32€ für einen Tag und 60€ für die ganze Konferenz.

     

    18. Januar 2012
  • : SOPA: Pirate Bay unbeeindruckt, US-Regierung aufgeschreckt und erstes Zensuropfer
    SOPA: Pirate Bay unbeeindruckt, US-Regierung aufgeschreckt und erstes Zensuropfer

    Der kurzzeitig totgesagte Stop Online Piracy Act lebt ja leider doch noch ein bißchen weiter. Grund genug, nochmals auf einige Punkte hinzuweisen, die für die Diskussion auch eventuell folgender Versuche, dasselbe umzusetzen, und natürlich auch den immer noch akuten Protect-IP-Entwurf wichtig sind.

    SOPA wird nach Ansicht von The Pirate Bay für diese Seite, die als Hauptziel der Gesetzgebung vermutet wird, keine nachhaltigen Konsequenzen haben. Torrenfreak zitiert einen Beteiligten:

    “Of course we’re worried. Not so much for The Pirate Bay, as there are many workarounds, but for democratic reasons,” a Pirate Bay insider told TorrentFreak.

    Indeed, recent history has shown that no matter what technical measures are put in use to block The Pirate Bay, the site and its users find ways around it.

    17. Januar 2012 11
  • : SOPA&PIPA: Wikipedia sieht schwarz
    SOPA&PIPA: Wikipedia sieht schwarz

    Seit gestern Abend steht es fest: Am 18. Januar wird die englischsprachige Wikipedia im Zuge der SOPA- und PIPA-Proteste für 24 Stunden schwarz. Die Entscheidung wurde nach einer mehrtägigen Diskussion gefällt, an der sich über 1800 Wikipedia-Autoren beteilgten. Hier vorab einige Entwürfe zu Blackout-Screens:

    17. Januar 2012 6
  • : #SOPA scheint erstmal tot – Gefahr bleibt
    #SOPA scheint erstmal tot – Gefahr bleibt

    Vor drei Stunden hatten wir noch darüber berichtet, dass die Netzsperren aus #SOPA gestrichen werden sollen, jetzt kommt die Information, dass der Stop Online Piracy Act (#SOPA) jetzt erstmal auf Eis gelegt ist.

    House Majority Leader Eric Cantor has killed SOPA, stopping all action on it. He didn’t say why he killed it, but the overwhelming, widespread unpopularity of the bill and the threat of a presidential veto probably had something to do with it.

    (Update: Cory Doctorow bei BoingBoing schrieb erstmal davon, dass es tot sei, korrigierte sich aber dann später auch auf unsere Formulierung „auf Eis gelegt“).

    Damit ist aber nicht der Kampf gewonnen, weil parallel der Protect IP Act (PIPA) im Repräsentantenhaus debattiert wird, der eine Vielzahl an gefährlichen Ideen enthält. Und wie man das aus der Politik kennt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Ideen leben weiter, auch wenn es gerade zuviel Druck gibt.

    Da ja jetzt viele motiviert sind, etwas gegen #SOPA zu unternehmen: Da gibt es mit #ACTA gerade etwas anderes, was mittelbarer uns betrifft, weil das umstrittene Abkommen in nächster Zeit durch das EU-Parlament muss.

    16. Januar 2012 14
  • : USA: Netzsperren fliegen bei #SOPA raus?
    USA: Netzsperren fliegen bei #SOPA raus?

    In den USA scheint sich ein kleiner Teilerfolg bei den Protesten gegen den Stop Online Piracy Act (#SOPA) einzustellen. Der Vorsitzende des Rechtsausschuss im Repräsentanenhaus, Lamar Smith (Rep), sprach sich dafür aus, die DNS-Sperren aus dem Gesetzesentwurf zu streichen. Die Debatte soll auch erstmal länger gehen, sie wollen das Gesetz nicht mehr schnell durchdrücken. Das wurde den Politikern dann wahrscheinlich zu heikel. Oder es war von vorne herein die Taktik: Wir fordern einfach mal alles und freuen uns, wenn die Hälfte durchgeht. Immerhin bliebe ja kaum noch was von den Forderungen der Verwerterlobby übrig, wenn die sich komplett durchsetzen würden.

    16. Januar 2012 11
  • : NPP115: Alexander Morlang – Piraten im Abgeordnetenhaus
    NPP115: Alexander Morlang – Piraten im Abgeordnetenhaus

    Alexander Morlang ist einer der 15 Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus und Vorsitzender des Ausschusses für digitale Verwaltung, Datenschutz und Informationsfreiheit (Im Volksmund auch „Piraten-Ausschuß“ genannt, „Netzpolitik-Ausschuß wäre aber wohl passender).

    Im Netzpolitik-Podcast erzählt Alexander Morlang ausführlich über seine Erfahrungen als Pirat, die ersten Tage im Berliner Abgeordnetenhaus und die Anforderungen der selbstverschriebenen Basisdemokratie. Er twittert als @alx42 und will zukünftig hier mehr bloggen.

    Das Interview dauert 1:50h und ist als mp3 (100MB) und ogg (66 MB) erhältlich.

    Zur Orientierung:

    Anfang: Background Jugend im CCC, Hamburger „Wahlstift“

    Ab Minute 5:30 Persönliche Vorgeschichte

    Ab 8:30 Exkursion zum Thema FREIFUNK

    Ab 16:00 Wie funktioniert Liquid Feedback

    - Wie geht man mit dem Versprechen der Basisdemokratie um

    Papier des wissenschaftl. Dienstes über Online-Parteitage (25:48)

    16. Januar 2012 17
  • : Wegweisendes Urteil zu Filesharing-Abmahnungen?
    Wegweisendes Urteil zu Filesharing-Abmahnungen?

    In einem Urteil zur Bewilligung von Prozesskostenhilfe für eine von einer Filesharing-Abmahnung betroffenen Frau hat das Oberlandesgericht Düsseldorf einige bemerkenswerte Punkte angesprochen:

    In einem ersten Punkt wird die zuvor vom Landgericht abgelehnte Prozesskostenhilfe bewilligt, da Aussicht auf ein erfolgreiches Verfahren bestehe:

    Die Beklagte ist nicht gehindert, die Aktivlegitimation der Klägerinnen, das Anbieten der streitgegenständlichen Musikdateien über die IP-Adresse … und die Zuordnung dieser IP-Adresse zu ihrem Anschluss mit Nichtwissen zu bestreiten. Die Beklagte hat keinen Einblick in den Geschäftsbetrieb der Klägerinnen, des „Onlineermittlers“ und des Internetproviders.

    Da sich die Abmahnung offenbar auf 304 Musiktitel bezog, die illegal heruntergeladen worden sein sollen, diese Titel aber nicht aufgelistet waren,

    konnte die Beklagte der Abmahnung daher nicht entnehmen, welches Verhalten sie in Zukunft unterlassen soll. […] Ohne eine solche Darlegung war der Beklagten die Abgabe einer wirksamen Unterlassungserklärung gar nicht möglich.

    Auch der entstandene Schaden bzw. die daraus resultierenden Schadenersatzansprüche könne nicht als Bemessungsgrundlage der Abmahnkosten dienen, da der Sinn der Abmahnung in einer Abwehr zukünftigen Verhaltens der Beklagten liegt.

    Letztlich wird noch festegestellt, dass

    […] eine Abmahnung, die den Verstoß nicht erkennen lässt und auch den bereitwilligsten Schuldner nicht in die Lage versetzt, eine wirksame Unterlassungsverpflichtungserklärung abzugeben, eine völlig unbrauchbare anwaltliche Dienstleistung darstellt. […]

    Zuviel Grund zur Freude sollten von Filesharing-Abmahnungen Betroffene allerdings trotzdem nicht haben. Da in Deutschland Urteile kein kodifiziertes Recht darstellen, sind sie für andere Gerichte nicht bindend. Dieses Urteil verpflichtet lediglich die abmahnenden Kanzleien, ein Minimum an Sorgfalt walten zu lassen, um ihre Forderungen durchzusetzen

    16. Januar 2012 3
  • : Die Ästhetik der Anti-SOPA-Proteste
    @tw1tt3rart
    Die Ästhetik der Anti-SOPA-Proteste

    In den letzten Wochen bildete sich in der Netzgemeinde ein wachsender Widerstand gegen den „Stop Online Piracy Act“ (SOPA). Im Internet kursieren deshalb Banner, Protestnoten und Plakate jeder Art. Hier eine kleine Übersicht:

    16. Januar 2012 6
  • : Irland verschrottet seine Wahlcomputer
    Irland verschrottet seine Wahlcomputer

    Die elektronische Wahl ist nach zehn Jahren nun offiziell Geschichte in Irland. Die irische Regierung kündigte an, die aus der Pilotphase übriggebliebenen Wahlcomputer zum Verkauf anzubieten. Sollte sich nach der Ausschreibung Ende des Monats – was sehr wahrscheinlich ist – kein Käufer finden, werden die einst knapp 55 Mio. € teuren Geräte verschrottet. Der Ausstieg aus dem E‑Voting wurde schon 2009 beschlossen. Nach Presseangaben belaufen sich die jährlichen Wartungskosten für die Altgeräte auf knapp 700.000€, was einen Weitererhalt der Computer zu teuer macht.

    Die Wahlcomputer des niederländischen Herstellers Nedap galten als unsicher, seitdem es 2007 einer Hackergruppe um Rop Gonggrijp gelang, die Geräte zu manipulieren. Auch in Deutschland wurden schon Wahlcomputer verschrottet.

    13. Januar 2012 9
  • : Open Data Hackday vom 13. bis 15. Januar in Hamburg
    Open Data Hackday vom 13. bis 15. Januar in Hamburg

    Mit sogenannten Hackdays sollen Programmierer, Journalisten, Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung und andere Interessierte zusammengebracht werden, um nach dem Motto „Ran an die Daten“ den Wert und den Nutzen Offener Daten zu veranschaulichen. Gemeinsam sollen dabei Daten recherchiert, gefunden und nutzbar gemacht und Ideen für Anwendungen entwickeln werden, die Probleme lösen oder einen konkreten Nutzen bringen.

    Ein anderer Aspekt ist aber natürlich auch „Community Building“, also dafür zu sorgen, dass sich Interessierte für längerfristige, größere Projekte finden, die dann nicht nur diskutiert, sondern auch umgesetzt werden können.

    In Hamburg findet der Open Data Hackday beim CCC Hamburg, Mexikoring 21, 22297 Hamburg statt. Es wird am Freitag mit einem Get Together ab etwa 18 Uhr beginnen, und erst einmal über Ideen und Datenquellen in Hamburg diskutiert werden soll. Ausserdem wird es ein kurzes Update zum Stand der Initiative Transparenzgesetz geben, an der der Hamburger CCC beteiligt ist und weitgehend mit dem Thema in Zusammenhang steht, sowie ein paar Bemerkungen zu Lizenzen und Techniken zur Befreiung von Daten aus einem HTML-Korsett. Es wird natürlich aber auch die Möglichkeit geben, kurzfristig andere Kurzvorträge zu haben.

    Am Samstag geht es dann ab 10 Uhr morgens weiter mit konkreterer Umsetzung, Sonntag steht zudem noch optional zur Verfügung, wenn es genügend Teilnehmer gibt und der Tatendrang am Samstag nicht hinreichend gestillt wurde.

    Agenda und Ergebnisse werden im Laufe des Hackdays unter http://hackday.net/hamburg/2012/01/13/ veröffentlicht, der Hashtag auf Twitter für diesen Hackday ist #opendatahack

    13. Januar 2012 2