Generell

Allgemeine Berichte aus der Welt, in der wir leben, der Politik und der Kultur Deutschlands und des Internets.

  • : Landesanstalt für Medien NRW empfiehlt Pornoseiten-Filter
    Landesanstalt für Medien NRW empfiehlt Pornoseiten-Filter

    Schon seit einigen Tagen online zu haben, das neue Material zum Umgang mit dem bösen Internet, von der Landesanstalt für Medien in NRW. Auch über Klicksafe hat netzpolitik.org schon berichtet. Herausgekommen in der Zusammenarbeit mit Klicksafe ist nun eine 45seitige Broschüre (PDF, 1,6MB), die auch mit Empfehlungen und Schwarzmalerei glänzt:

    Allerdings sollten Sie den Abenteuertrieb und die Neugier von Kindern und Jugendlichen nicht unterschätzen. Viele legen es darauf an, Sexseiten zu finden. Und das wird den Jugendlichen leicht gemacht: „SafeSearch“ lässt sich bei Google auf der Einstellungsseite abschalten. Auch in der deutschen Version von Yahoo kann der Jugendschutzfilter abgeschaltet werden.

    Auf Seite 37 findet sich der passende Screenshot, um den „Pornofilter“ umzuschalten. Davon abgesehen, dass es natürlich auch als eine prima Anleitung gelesen werden kann, werden der eigentlichen Zielgruppe der besorgten Eltern auch diese Ratschläge an die Hand gegeben:

    Wenn Sie Ihr Kind nach einer gewissen Zeit jedoch auch alleine ins Netz lassen möchten, sollten Sie je nach Alter einen zusätzlichen Filter installieren.

    Das ergibt dann eine „grüne Wiese“-Funktion, wo Kinder unbesorgt spielen können; alles Üble wird ausgezäunt. Naja.. das technische Mittel der Filterung ist eher heikel und sehr von politischen Vorgaben geprägt, was nicht besprochen wird. Ebenfalls mit öffentlichen Mitteln geförderte Projekte wie die Jux² Live-CD werden gar nicht erwähnt, auch wenn sich Dialer- und Virenprobleme damit fast komplett umgehen lassen könnten. Es gibt genau eine Erwähnung von Linux und zum Einrichten von Nutzerkonten mit eingeschränkten Rechten. Davon abgesehen wird (mangelnde) Technik-Kompetenz auf Furcht und übermäßige Vorsicht reduziert.

    Immerhin finden sich auch Hinweise auf (immer angebrachte) aktive Medienerziehung, die zum kompetenten Umgang mit neuen Medien verhelfen soll. Aber statt 12 goldener Regeln zur Verwendung von Suchmaschinen klingt es insgesamt mehr nach Schwarzmalerei und behandelt thematisch ein schlimmes, kommerzgetriebenes, unsicheres Internet und die Hilflosigkeit der Eltern. Medienkompetenz fehlt jedenfalls allerorten, nicht nur bei arglosen Kindern.

    28. Januar 2006 2
  • : Ne Menge Holz: Alle zwei Wochen 800 Seiten Wissen pur im Abo
    Ne Menge Holz: Alle zwei Wochen 800 Seiten Wissen pur im Abo

    Schon im Oktober solls anlaufen: Unter dem Projektnamen „WP 1.0″ will der Zenodot Verlag in vier Jahren einhundert gedruckte Bände der Freien Online-Enzyklopädie Wikipedia herausbringen. Wer mitschreiben will, ist seit gut fünf Jahren dazu eingeladen. Das Projekt läuft allerdings erst richtig an, wenn sich genug InteressentInnen für ein Abonnement entschieden haben. Darüber ob und wann dieser Punkt erreicht ist, will der Herausgeber online informieren.

    Auch redaktionell hat sich der Verlag einiges vorgenommen:

    Eine gedruckte Enzyklopädie muss andere Anforderungen erfüllen: Lebendige Artikel müssen auf den Punkt gebracht werden, langfristig Gültiges aus fließenden Arbeitsständen gewonnen werden, Qualitativ hochwertiges muss bewahrt, Zweifelsfälle extern abgesichert werden.

    In Sachen Endredaktion von Wikipediatexten hat der Verlag durch Herausgabe der WikiPress-Bücher bereits Erfahrung.

    Für knapp 15 Euro bekommt man die Druckfassung nach Hause geschickt. Wer schon immer mal eine Enzyklopädie kaufen wollte, aber sie nicht mehr braucht, weil die Wikipedia digital verfügbar ist, kann seine Exemplar auch einer sozialen Einrichtung zukommen lassen.

    28. Januar 2006
  • : Relaunches
    Relaunches

    Nach der TAZ hat jetzt auch Die Zeit ihr Online-Design verändert. Beide gefallen mir.

    27. Januar 2006 5
  • : Online-Serie „The IT Crowd“.
    Online-Serie „The IT Crowd“.

    Der britische Sender Channel4 veröffentlicht eine Soap namens „The IT Crowd“ zuerst im Netz, bevor sie später im Fernsehen ausgestrahlt wird. Die Premierensendung ist jetzt online:

    CTRL+ALT+DELETE your TV and watch the first episode of the IT Crowd online!

    Kann aber zur Qualität gerade nichts sagen, muss ich mir mal später anschauen. Als WMV-Datei kann man sich die erste Folge auch herunterladen.

    27. Januar 2006 7
  • : Doch eine Kriminalisierung der Schulhöfe?
    Doch eine Kriminalisierung der Schulhöfe?

    Hab ich irgendwas verpasst? Die Linkspartei ist auf FDP/CDU-Trip und findet die Bagatellklausel nicht gut. Also lieber Millionen Bürger kriminalisieren, die zu unkommerziellen und privaten Zwecken Musik kopieren?

    „Mit einem kommen wir auf keinen Fall weiter: mit der Einführung einer Bagatellklausel“, erklärte Luc Jochimsen von der Linken.PDS. Die frühere Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks betonte, dass das entsprechende Vorhaben des Bundesjustizministeriums „genau das schwäche, was unsere Gesellschaft dringend braucht: das Rechtsbewusstsein, welches geistiges Eigentum respektiert und es nicht zu einem x‑beliebigen Schnäppchen degradiert, welches man sich jederzeit zum Nulltarif besorgen kann“. Sollte die Bagatellklausel kommen, „könnten wir auch gleich ‚Ladendiebstahl unter 20 Euro’ legalisieren“.

    In der heutigen Bundestags-Debatte setzten sich wohl nur die Grünen für Nutzerinteressen beim Urheberrecht ein. Heise zitiert Jerzy Montag, den rechtspolitischen Sprecher: Geplante P2P-Bagatellklausel im Urheberrecht steht vor dem Aus.

    Den Liberalen und den Rednern der anderen Fraktion warf er vor, „bei der Gestaltung des Urheberrechts den Nutzer von geistigem Eigentum überhaupt nicht im Blick haben“. Dieser sei nicht „Bittsteller auf dem Markt, sondern muss in einer modernen Wissensgesellschaft auch eine Rechtsposition haben“. Als einen der Kernpunkte der Novelle bezeichnete es der Grüne daher, die Durchsetzung der Privatkopie auch gegen technische Kopierschutzmaßnahmen zu gestatten. Sonst verkomme die von allen Parteien im Prinzip hoch gehaltene Erlaubnis zu einem „nur auf dem Papier“ stehenden Recht. Die vorgeschlagene Straffreiheit für geringfügige Privatkopien aus dem Netz bezieht sich laut Montag wiederum nicht auf die massenhafte Raubkopiererei, sondern auf „die Herstellung von Kopien durch Kinder, Jugendliche und junge Menschen, die eine andere Beziehung zu CDs haben. Die Grünen würden es nicht wollen, „dass die Polizei und die Staatsanwaltschaften auf die Schulhöfe gehen und dort mit dem Mittel des Strafrechts agieren.“

    Update: Katja Husen, Mitglied im Bundesvorstand der Grünen, argumentiert im Blog der Grünen auch für Nutzerinteressen bei der Urhebererchtsgesetzgebung und hat dazu einen längeren Text auf ihre Webseite gestellt.

    27. Januar 2006 1
  • : Stoiber remixed
    Stoiber remixed

    Ein grossartiges Stück Digitalkultur ist der Databoy78-Remix einer grossartigen Rede von Edmund Stoiber.

    [via Tim]

    26. Januar 2006 6
  • : Ein vergifteter Apfel?
    Ein vergifteter Apfel?

    Eine der grossen Schlagzeilen von gestern war das „Entgegenkommen“ von Microsoft auf die Forderungen der EU-Kommission. Diese möchte nämlich, dass Microsoft seine Schnittstellen offenlegt, damit Wettbewerber besser mit der Windows-Monopolinfrastruktur interagieren können. Microsoft überraschte gestern mti der Ankündigung, anstatt die Schnittstellen offen zu legen, den Quellcode für den Windows Server lizenzieren zu wollen. Auf den ersten Blick klingt das für technisch nicht gerade versierte Menschen gut. Allerdings meldet jetzt die Free Software Foundation Europe in einer Pressemitteilung, dass dieser „Apfel“ vergiftet sein könnte. Denn ein Blick auf den Quellcode bringt wenig, wenn die Schnittstelleninformationen weiterhin gesichert sind und Microsoft über das Urheberrecht und Softwarepatente weiterhin kontrollieren kann, wer wie mit der Windows-Infrastruktur interagiert.

    According to FSFE this would not be of any help, but would cause additional troubles. Carlo Piana, FSFE’s lawyer explains: „This ‚commitment’ is poisoned – they do it in a way that worsens the situation for Free Software: Because that source code is under Microsoft copyright, developers who have seen the source code cannot reimplement it in Free Software for fear of copyright violation.“

    Even worse, „Microsoft might try to shut down competition by making claims of copyright infringement based on the argument that the developer ‚could’ have looked at the source code“, Piana forecasts.

    Update:

    In der TAZ gibt es auch zwei Artikel zum Thema:

    TAZ: Nur ein neuer Köder von Microsoft
    TAZ: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

    26. Januar 2006 2
  • : Google 2.0
    Google 2.0
    26. Januar 2006 1
  • : Gilberto Gil zu Gast im Europaparlament
    Gilberto Gil zu Gast im Europaparlament

    Der brasilianische Kulturminister Gilberto Gil war zu Gast im Europaparlament. EUPolitix hat einen Artikel darüber: Brazil minister backs MEP calls for internet charter.

    26. Januar 2006
  • : Mal wieder die Mautdaten
    Mal wieder die Mautdaten

    Generalbundesanwalt Kay Nehm fordert einen Zugriff auf die Maut-Daten für Strafverfolgungsbehörden: Nehm will mit Maut-Daten auf Verbrecherjagd gehen.

    Mit Hilfe der Maut-Erfassung wäre eine Erfolg versprechende Fahndung möglich, sagte Nehm am Donnerstag zur Eröffnung des 44. Verkehrsgerichtstags in Goslar. Dem Opfer einer Straftat oder den Hinterbliebenen eines zu Tode gekommenen Verkehrsteilnehmers sei es schwer erklärbar, dass das Gesetz die Fahndung mit Maut-Daten verbiete, sagte Nehm, der auch Präsident der Deutschen Akademie für Verkehrswissenschaft ist.

    26. Januar 2006 3
  • : Wie funktioniert das Google-Filtern in China?
    Wie funktioniert das Google-Filtern in China?

    Die OpenNet Initiative hat in ihrem Blog eine kleine Übersicht, wie das Filtering in der neuen chinesischen Suchmaschine von Google funktioniert: Google.cn Filtering: How It Works.

    26. Januar 2006
  • : Live-Stream von Urheberrechtsanhörung
    Live-Stream von Urheberrechtsanhörung

    Gerade ist die Anhörung der Bundesregierung zum „2.Korb“ der Urheberrechtsreform gestartet. Und glücklicherweise gibts hier im Gebäude des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung“ ein freies WLAN, was aber kaum genutzt wird. Mir ist gerade ein Link zu einem Live-Stream zugespielt worden. Bitte gebt mal von aussen Feedback, ob der klappt. Danke, scheint zu klappen.Für die Nebengeräusche kann ich leider nichts. Und ab und an fällt hier im Raum das Mikrophon aus. Der Raum ist fast voll, schätzungsweise 150 Menschen sind hier. Ich fühl mich trotz Sakko etwas „underdressed“, dafür senken wir den Altersdurchschnitt enorm. Notebooks gibts übrigens ganze vier Stück im Raum und die befinden sich alle in unserer Reihe.

    Die Gastgeber von Seiten der Bundesregierung sind Herr Weis, Leiter der Abteilung Handels und Wirtschafstrecht im BMJ, dann sitzt hier noch Herr Dr. Hucko, Vorgänger von Herr Weis, steht dem BMJ mit Rat und Tat zur Verfügung und stellt seine Erfahrung zur Verfügung (Ähm, ist der jetzt Rentner und hilft hier aus?) und Frau Dr. Pakuscher, Leiterin des Referates Urheberrecht im BMJ.

    Bisher gehts um Geräteabgaben und Phrasen wie „kalt enteignet“ und „strikt verfassungswidrig“ hört man von den Rechteinhabern und Geräteherstellern. Der Herr von SHARP, hier auch im Auftrag von Bitkom, bringt Arbeitsplätzeabbau ins Spiel. Als ob SHARP in Deutschland noch viele Arbeitsplätze in der Produktion hätte, mit deren Abbau man drohen könnte. Aber das Wort des Tages ist bisher „Verordnungsermächtigung“, was immer wieder in Zusammenhang mit der Neuregelung der Geräteabgaben fällt.

    Für einen Lacher sorgte gerade ein Vertreter der Business Software Alliance, nach eigenen Worten die mächtigste Lobby im Raum: „Wir vertreten nicht nur die grössten Rechteinhaber weltweit,sondern auch die grössten Hardwarehersteller.“ Und zwar begrässt die BSA zwar den Entwurf, lehnt aber das ganze Gesetz ab, weil es noch zu sehr analog angelegt sei. Stattdessen fordern sie viel mehr DRM, weil das ja funktionieren würde, wie sie festgestellt haben. Abschliessend von der BSA: „Wir können leider so dem Gesetz nicht zustimmen.“

    Jetzt gehts schon eine Zeit lang um „unbekannte Nutzungsarten“. Der Börsenverein hat grosse Angst vor Google und sehnt sich nach Abwehransprüchen und seit bald zwanzig Minuten prasseln Paragraphen auf mich ein. Muss mir gleich erstmal Kaffee organisieren, bevor es spannend wird. „Unbekannte Nutzungsarten“ ermüden doch sehr.

    So, jetzt gehts endlich mal um den letzten Punkt, den sogenannten „Schrankenregelungen“, weshalb die meisten vermutlich hier sind. Die bekannteste Schrankenregelung ist sicherlich die Privatkopie.

    Jetzt spricht Professor Rainer Kuhlen vom Aktionsbündnis „Urheberrecht und Wissenschaft“: Bildung und Wissenschaft sind durch die sicher gut gemeinten Formulierungen in den Paragraphen 52 und 53 massiv bedroht. Wissenschaftler werden damit nicht leben können und wollen. Wissenschaftler werden zu kreativer Innovation und ziviler Ungehorsam beim Umgehen der DRM-Systemen greifen müssen. Kuhlen erinnerte nochmal an den Koalitionsvertrag der grossen Koalition, wo ein „bildungs- und wissenschaftlich freundliches Urheberrechts“ versprochen wird. Dies würde dieser Entwurf nicht einlösen. Man sollte sich vielleicht eher an Merkels „Mehr Freiheit wagen“ halten und so forderte Kuhlen abschliessend „Mehr Freiheit im Umgang mit Wissen und Information wagen.“

    Jetzt spricht Peter Zombik vom Phonoverband und zitiert einen Haufen von Studien, dass die Kopien rasant ansteigen und die Verbraucher machen,was sie wollen. Allergrösste Sorge bereiten ihm intelligente Aufnahmesysteme, die Webcasting-Quellen und Sender so anzuzapfen, dass sie gezielt nach Titeln suchen können. Mit seiner verschwörerischen Stimme klingt das gerade so,als ob diese intelligenten Aufnahmesysteme den Untergang des Abendlandes bringen werden. Sein Verband vermisst das Verbot der Anfertigung von Kopien durch Dritte. Private Vervielfältigung soll sich auf das Kopieren der eigenen Originale beschränken.

    Der Vertreter des Börsenvereins kommentierte das Statement von Rainer Kohlen zusammenfassend mit den Worten „Im Bildungsbereich soll das Urheberrecht abgeschafft werden“. Aha… Wenn man also die Beibehaltung tradioneller Schrankenregelungen fordert, wird man sofort in die Kommunismusecke gesetzt.

    Als Vertreter der Filmindustrie fordert Film20 wieder ein Karenzjahr, d.h. sie wollen eine Sonderstellung. Die Idee dahinter ist, dass die Schrankenregelung bei Filmen im ersten Jahr nach dem Erscheinen ausgesetzt werden, d.h. die Verbraucher dürften ihr Recht auf Privatkopie nicht nutzen. Die Bundesregierung lehnt diese Sonderstellung im Entwurf ab und Film20 will sie trotzdem haben, da es ja soviele Kopien im Internet gäbe und niemand mehr ins Kino geht. Film20 hat übrigens auch was mit „Raubkopierer sind Verbrecher“ zu tun. Jetzt wollen sie auch noch ein Auskunftsanspruch und Schadensersatzansprüche gegen Filesharer. Ob man jetzt mal nachfragen sollte, wieso die GVU vorgestern durchsucht wurde?

    Jetzt gehts um Straftatsbestände und Bagatellklausel. Die Rechteinhaber unterstützen unseren Kulturstaatsminister bei der Forderung nach einer Kriminalisierung von Filesharing-Nutzern. Kleiner Beifall aus einer Ecke, wo viele Rechteinhaber sitzen. Herr Klingborn von „Raubkopierer sind Verbrecher“ spricht jetzt wieder mal für die Filmwirtschaft und redet von einer nationalen Katastrophe, wenn es die Bagatellklausel gibt. Weil dann könnte ja jeder Filme im Kino abfilmen, ohne bestraft zu werden. Aha, eigentlich ist das ja was anderes.

    Überraschung, jetzt packt eine weitere Dame der Filmindustrie mal wieder deren aktuellste Brenner-Studie heraus. Da Stichwort ist heute noch nicht gefallen. Und jetzt gibt es wieder viele Zahlen, wie böse doch die deutschen Verbraucher sind, weil diese ihre digitale Technik anwenden und Kopien erstehen. Warum jetzt nur das Argument kommt, dass Freunde von der Dame in Tschechien auf dem Flohmarkt von Vietnamesen gebrannte Filme kaufen, fragt sich wohl der halbe Raum. Was hat die Lobbyistin der Filmindustrie für Freunde, die kommerzielle Raubkopierer unterstützen und was macht dieses Argument in dieser Anhörung und in dieser Diskussion um die Bagatellklausel gerade?

    Die MPAA ist auch da und erklärt gerade, dass die Bagatellklausel ja Diebstahl legalisieren würde. Ausserdem wird das TRIPS-Abkommen ausgiebig zitiert.

    Die Verbraucherschutzzentralen begrüssen die Bagatellklasel, weil sonst viele Millionen Bürger, vor allem Jugendliche, vom Strafrecht bedroht wären.

    Eine weitere Dame von Film20 (Wieviele gibts eigentlich von denen im Raum?) erinnert gerade nochmal an das Versprechen der Informationsgesellschaft, dass Wissen doch eine zentrale Ware wäre, die gehandelt wird und schützenswert wäre. Und hetzt gegen Verbraucherschutz, der hier nur hinderlich wäre. Schön, die Industrie redet von der Informationsgesellschaft mit der Ware Wissen und wir reden von einer Wissensgesellschaft, wo der Zugang zu Wissen und die kulturelle Teilhabe in den Vordergrund gestellt werden. Hierzu sollte man nochmal eine eigene Anhörung machen.

    Jetzt ist mir gerade Rainer Kuhlen zuvor gekommen, darauf zu antworten. Jetzt gibts etwas Tumult, was denn ein fairer Zugang zu Wissen ist, die Rechteinhaber protestieren lautstark.

    Ein „Hotel und Gatsstättenverband“ beschwert sich gerade, keine Einladung bekommen zu haben. Hab ich auch nicht bekommen und musste mich quasi selbst einladen und mich per Mail „bewerben“. Uns hatten sie nämlich vergessen einzuladen.

    So, jetzt ist Schluss. Endlich. Die Vertreter der Filmindustrie laufen jetzt in einer grossen Gruppe zusammen in die Filmförderungsanstalt um die Ecke, wo es ein Festessen für alle geben soll. Also alle Lobbyisten der Filmindustrie, uns hat niemand eingeladen.

    Kleines Resumee:

    Von dem Ziel, das Urheberrecht weiter zu modernisieren und den Anforderungen der Wissensgesellschaft entsprechend zu gestalten, ist der derzeitige Entwurf noch weit entfernt. Weder ist die Balance gewahrt, noch wird der veränderten gesellschaftlichen Realitäten Rechnung getragen, dass Verbraucher die notwendige Technik zum Kopieren von digitalen Inhalten besitzen und auch benutzen. Die Bagatellklausel ist nicht unser Wunsch, allerdings sehen wir sie als Kompromiss an, um keine „Kriminalisierung der Schulhöfe“ zu erreichen. Wir fordern weiterhin eine Stärkung der Verbraucherrechte durch ein durchsetzungsfähiges Recht auf die Privatkopie, welches in der aktuellen Debatte leider kaum eine Rolle spielt.

    Wir haben übrigens im letzten Jahr zum damals gestarteten ersten Versuch des „2. Korbes“ zwei Stellungnahmen in den Prozess eingebracht. Wer sich dafür interessiert, findet diese hier und hier als PDF zum Download.

    Ein paar Hintergrundinformationen zur heutigen Anhörung findet man beim WDR: Novelle könnte den Weg in Archive ebnen.

    Und das Bundesjustizministerium hat auch eine Pressemitteilung zur Anhörung herausgegeben: Der nächste Schritt zum „Zweiten Korb“: Die Modernisierung des Urheberrechts wird fortgesetzt.

    Update: Mir wurde jetzt ein Mitschnitt der Anhörung zugespielt.

    26. Januar 2006 11
  • : Free Culture auf deutsch erschienen
    Free Culture auf deutsch erschienen

    Das Buch „Free Culture“ von Lawrence Lessig gibts jetzt auch in deutsch. Der Münchener Verlag Open Source Press hat das übersetzte Buch mit dem Titel „Freie Kultur – Wesen und Zukunft der Kreativität“ veröffentlicht. Und mir freundlicherweise unaufgefordert ein Rezensionsexemplar geschickt, danke dafür.

    Free Culture ist ein tolles Buch, welches in der Originalversion auch als PDF heruntergeladen werden kann. Eine Creative Commons Version lädt zum Remixen des Werkes ein. Davon haben schon viele Gebrauch gemacht. Es gibt ein Audiobook, verschiedenste Text-Formate (wie HTML) und auch ein Wiki zum Weiterentwickeln des Werkes.

    25. Januar 2006 3
  • : Medienkompetenz von Lifestyle-Wunderkindern
    Medienkompetenz von Lifestyle-Wunderkindern

    Detlef Borchers über den Digital Lifestyle Day in München: Mit Google am Pool der coolen People.

    Bis auf zwei Ausnahmen hatte jeder Referent Schwierigkeiten mit seinem Laptop. Reihenweise standen Lifestyle-Wunderkinder ratlos auf der Bühne, weil sie nicht wussten, wie man die Bildschirmauflösung ändert, wo das Beamer-Kabel angeschlossen werden muss oder wie man ohne Maus Powerpoint zähmt. Ein überraschendes Ergebniss, das man den Pionieren des digitalen Lebens nicht zugetraut hätte.

    Scheint ja spassig gewesen zu sein.

    25. Januar 2006 1
  • : Grüne gegen Verbot von Killerspielen
    Grüne gegen Verbot von Killerspielen

    Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen haben sich gegen ein Verbot von sogenannten Killerspielen ausgesprochen, wie es die Grosse Koalition im Koalitionsvertrag beschlossen hat. Dazu hat die Fraktion ein Positionspapier veröffentlicht. Darin wird der Förderung von Medienkompetenz ein grösserer Stellenwert zugeordnet und darauf hingewiesen, dass „Killerspiele“ nicht der Auslöser von Problemen bei Jugendlichen sind. Mehr gibts bei Heise: Grüne gegen Verbot von „Killerspielen“.

    25. Januar 2006 1
  • : Vatican Warez bei SpOn
    Vatican Warez bei SpOn

    Bezugnehmend auf den Artikel im Fachblog Netzpolitik.org („Du bist Fegefeuer“) gibt es nun die ersten Anwäter für eine Runde Exkommunizieren und ohne Hostie ins Bett: Spiegel Online.

    25. Januar 2006
  • : T‑Online darf nur für Rechnung nötige Verbindungsdaten speichern
    T‑Online darf nur für Rechnung nötige Verbindungsdaten speichern

    Holger Voss hat auch das Berufungsverfahren gegen T‑Online gewonnen: T‑Online darf nur für Rechnung nötige Verbindungsdaten speichern.

    Allerdings ändert sich leider das Recht, wenn die Vorratsdatenspeicherung eingeführt wird. Dann muss wieder neu geklagt werden.

    25. Januar 2006
  • : Google: Wir sind auch böse!
    Google: Wir sind auch böse!

    Das wars dann wohl mit dem guten Image und dem Slogan „We are not evil“. Um auf dem chinesischen Markt Fuss zu fassen, hat Google seine Seele verkauft und ausgiebig die von der Regierung gewünschte Zensur in google.cn eingebaut. Die Konkurrenten sind nicht besser, Yahoo und MSN haben dies schon längst vollzogen.

    Reporter ohne Grenzen kritisieren die Zensur scharf:

    “The launch of Google.cn is a black day for freedom of expression in China,” the worldwide press freedom organisation said. “The firm defends the rights of US Internet users before the US government but fails to defend its Chinese users against theirs.

    “Google’s statements about respecting online privacy are the height of hypocrisy in view of its strategy in China. Like its competitors, the company says it has no choice and must obey Chinese laws, but this is a tired argument. Freedom of expression isn’t a minor principle that can be pushed aside when dealing with a dictatorship. It’s a principle recognised by the Universal Declaration of Human Rights and features in the Chinese national constitution itself.

    Mehr gibts auch bei Heise: Google zensiert seine neue chinesische Suchmaschine.

    Kommentar von Google: „Um in China operieren zu können, haben wir einige Inhalte von den Suchergebnissen entfernt, die www.google.cn zur Verfügung stellt.“ Frage mich nur, was die genaue Definition von „einige Inhalte“ ist. Alles, wo die STichwörter „Demokratie“ oder „Dalai Lama“ vorkommen?

    25. Januar 2006 13
  • : Heute Abend ist Chaosradio zum Informationsfreiheitsgesetz
    Heute Abend ist Chaosradio zum Informationsfreiheitsgesetz

    Es ist wieder der letzte Mittwoch im Monat und heute Abend läuft zwischen 22:00 – 01:00 Uhr das Chaosradio auf Radio Fritz.

    Thema diesmal ist das Informationsfreiheitsgesetz und der Untertotel der Sendung ist auch treffend „Selbstverteidigung für Bürger“. Wer nicht im Berliner Raum wohnt, kann sich die Sendung via Stream anhören oder auf den Podcast warten.

    Update: Der Mitschnitt ist jetzt auch schon als MP3 verfügbar.

    25. Januar 2006