Demokratie

Digitale Demokratie, politische Kommunikation, e‑Government, Wahlen & Wahlkampf, Lobbyismus, Campaigning, soziale Bewegungen & Protest.

  • : Physikalisch-Technische Bundesanstalt verteidigt Wahlcomputer
    Physikalisch-Technische Bundesanstalt verteidigt Wahlcomputer

    Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), welche die Wahlcomputer hier in Deutschland überprüft, hat eine Pressemitteilung zum Wahlcomputer-Hack herausgegeben: Wahlgeräte in der Kritik. Tenor ist ähnlich wie bei der Firma NEDAP: Keine Gefahr…! Denn bei „den in Deutschland eingesetzten Geräten handelt es sich allerdings um einen anderen Typ, als der dem Bericht zugrunde liegt.“

    Das scheint im Moment die Hauptargumentationslinie der Wahlcomputer-Befürworter in Deutschland zu sein. Frank Rieger vom Chaos Computer Club ging in seinem Weblog Ende letzter Woche auf dieses Argument ein:

    Es handelt sich im wesentlichen um kosmetische Änderungen wie Anzahl, Art und Farbe von Schaltern und Tasten sowie ein grösseres Display für den Wahlleiter. Die Änderungen sind im wesentlichen durch die, in Deutschland offenbar übliche, Erfasssung der Wählerstatistik durch den Wahlleiter nach fünf Altersgruppen und Geschlechtern zu erklären.

    Ansonsten ist natürlich die Software ein bischen anders, die Wahlsysteme sind ja leicht verschieden. Das alles ändert aber genau garnichts an der Angreifbarkeit der deutschen Wahlcomputer, mit genau den gleichen Angriffen wie sie gegen die niederländischen Systeme belegt wurden.

    Wie schon öfters kommuniziert, würde der CCC sich über ein oder zwei Testgeräte aus Deutschland freuen. Aber anscheinend vertraut die Herstellerfirma ihren eigenen Aussagen nicht, dass die Teile absolut sicher seien und stellt kein Testgerät zur Verfügung. Gerade mit einer solchen symbolischen Aktion könnte man doch von Seiten des Herstellers die öffentliche Wahrnehmung beruhigen. Andernfalls sieht es doch tatsächlich so aus, als seien die Teile unsicher.

    Die PTB versucht in ihrer Pressemitteilung, die erhitzten Gemüter zu beruhigen, denn es sei ja alles sicher:

    Der Angriff wurde offensichtlich durchgeführt, um zu beweisen, dass die Geräte nicht manipulationssicher sind. Bei einem tatsächlichen Angriff wäre eine gehörige Portion krimineller Energie in Verbindung mit speziellen Fähigkeiten der durchführenden Personen erforderlich, um unbemerkt die Steuerungssoftware der Geräte zu verändern. Außerdem stünden einem solchen Angriff in der Realität weitere Sicherungsmaßnahmen gegenüber. Zu den festgelegten Sicherungsmaßnahmen bei Bundestags- und Europawahlen in Deutschland gehören:
    – Kontrollen und Überprüfungen bei der Vorbereitung der Geräte zur Wahl und unmittelbar vor Öffnung der Wahllokale,
    – der Betrieb während der Wahl unter ständiger Kontrolle,
    – die Möglichkeit, jederzeit einen Vergleich der eingesetzten Geräte einschließlich Software mit dem geprüften Baumuster vornehmen zu können
    – und nicht zuletzt die Absicherung, dass vor jeder Wahl eine gesonderte Verwendungsgenehmigung durch das Bundesinnenministerium (BMI) ausgesprochen werden muss. Diese Verwendungsgenehmigung kann verweigert werden, wenn Umstände bekannt werden, die die Sicherheit oder korrekte Funktionsweise fraglich erscheinen lassen.

    Ähnliches hörte man auch immer in Holland, bevor der Hack letzte Woche publiziert wurde. Irgendwo hatte ich am Wochenende auch noch gelesen, dass die Herstellerfirma im Moment prüft, ob eine Urheberrechtsverletzung vorliegt. Die Urheberrechtskeule wird ja gerne genutzt, um Kritiker ruhig zu stellen. Und auch das kommende Anti Hacker-Tool Gesetz dürfte mehr Schaden anrichten als vermieden werden soll.

    Wer die PTB noch nicht kennt: Das ist die Organisation, die genau einen Wahlcomputer der Firma NEDAP geprüft hat und eine Unbedenklichkeitsprüfung abgeben hat. Einen von mehr als 2000 eingesetzten Wahlcomputer in Deutschland! Was unfassbar ist: Autos, Feuerlöschern und Fahrstühlen werden in Deutschland besser geprüft als Wahlcomputer!

    Wahlcomputer sind eine Gefahr für die Demokratie und sollten verboten werden.

    9. Oktober 2006 3
  • : Greenpeace erklärt die Apple-Kampagne
    Greenpeace erklärt die Apple-Kampagne

    Technology Review hat ein Interview mit Zeina Alhajj, die Managerin der Apple-Kampagne von Greenpeace International: „Wir brauchen eine grüne Elektronik“

    TR: Elektronische Geräte müssen aber offenbar immer auch Materialien enthalten, die nicht gänzlich umweltfreundlich sind. Ist „grüne“ Hightech wirklich möglich?

    Alhajj: Nun, vor einigen Jahren hieß es ja auch noch, man könnte das Blei in den Lötverbindungen nicht ersetzen. Inzwischen gibt es genügend Produkte, in denen es fehlt. Wir haben es hier mit einer Industrie zu tun, die aus unserem Planeten ein globales Dorf gemacht hat, in dem sie die Kommunikation erleichterte. Greenpeace ist sich sicher, dass sie es auch schaffen kann, grünere Produkte herzustellen. Wir fordern die Branche dazu heraus. Das geht ganz sicher, auch wenn man dazu etwas investieren muss.

    Passend dazu: Bei Mac-Essentials gibt es den ersten Sonntags-Frühschoppen (codename) geht es darum, wie auf den glänzenden Photokina-Einstand für Apple der Tiefschlag der »Backdating-Krise« folgte, und wie ein grüneres Apple die IT-Industrie verändern könnte. Es geht um Apple-Erfolge, um »Think Different« und um Ethik im Business. Mit dabei sind der Pressesprecher von Apple Deutschland, Georg Albrecht, der ehemalige Bankvorstand und Yeald-Herausgeber Marcel van Leeuwen, und die Leiterin der Apple-Kampagne bei Greenpeace, Zeina Alhajj.

    Das 25 Minuten lange Gespräch gibt es als MP3.

    8. Oktober 2006 1
  • : USA, Google und Meinung&Wahrheit in der Politik
    USA, Google und Meinung&Wahrheit in der Politik

    Zwei interessante Nachrichten, die man wohl zusammen lesen / denken sollte. Zum einen meldet die New York Times, dass ein Konsortium von US-Universitäten an einer „Sentiment Analysis“-Software arbeitet, die automatisch erkennen soll, wenn sich in den Massenmedien weltweit schlechte Stimmung über die USA breit macht. Finanziert wird das Projekt vom Heimatschutz-Ministerium. Es soll helfen, heraufziehende Bedrohungen für die USA zu erkennen. Während manche das nun als „Orwellsche Gedankenpolizei“ bezeichnen, sagen andere „Ist doch klasse, wenn die Regierung besser auf die öffentliche Meinung hört“. Meine Einschätzung: Es kommt drauf an, wie man mit den Meldungen umgeht. Wenn man merkt, das Folter in Guantanamo beim Rest der Welt unbeliebt ist, sollte man solche Praktien beenden und nicht den Rest der Welt als Bedrohung wahrnehmen.

    Die andere Meldung ist eine Vision von Eric Schmidt, Gründer und CEO von Google. Er  prognostiziert, dass es in 5 Jahren eine „Wahrheitsvorhersage-Software“ gibt, die automatisch die Aussagen von Politikern auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen könnte.

    Mir wird zwar Angst und Bange, wenn Googles Computer über „Wahrheit“ entscheiden, aber ich stelle mir gerade vor, dass man das mit der „Sentiment Analysis“ verknüpft. Dann käme wohl etwa raus: „Zeige mir nur diejenige negative Berichterstattung über die USA, die auch wahr ist.“

    5. Oktober 2006 2
  • : Wahlcomputer sind unsicher und gehören verboten
    Wahlcomputer sind unsicher und gehören verboten

    Die niederländische Initiative „Wir vertrauen Wahlcomputern nicht“ hat heute die Ergebnisse ihrer in enger Kooperation mit dem Chaos Computer Club durchgeführten Analyse von Nedap-Wahlcomputern publiziert. Nedap-Wahlcomputer, nahezu baugleich zu den niederländischen Geräten, sind auch in Deutschland zugelassen und im Einsatz. Die Bauartzulassung der Nedap-Wahlcomputer in Deutschland beruht auf einem Gutachten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB).

    Die Analyse zeigt auf, dass

    * Wahlcomputer keinen effektiven Schutz gegen Stimm-Manipulation bieten,
    * die Software der Wahlcomputer einfach auszutauschen und zu manipulieren ist,
    * das Wahlgeheimnis durch die Wahlcomputer kompromittiert wird,
    * Manipulationen an Wahlcomputern praktisch nicht nachgewiesen werden können,
    * Wahlcomputer den gesetzlichen Vorgaben in keiner Weise genügen.

    Und man kann auf den Wahlcomputern Schach spielen, auch wenn das die Herstellerfirma nicht glauben mag. Hier ist das Video einer gestern in den Niederlanden ausgestrahlten Sendung, die das beweist. Leider nur Windows Media Stream, kann das mal jemand befreien? Sehr vertrauenswürdig ist auch das Passwort für den Support-Zugang, das lautet tatsächlich: „GEHEIM“.

    Computersystemen sind für Wahlen nicht geeignet. Die politische Forderung ist ganz einfach: Ein vollständiges Verbot von Wahlcomputern für Bundes‑, Landtags- und Kommunalwahlen!

    Hier ist die Pressemitteilung des Chaos Computer Club dazu: Chaos Computer Club fordert Verbot von Wahlcomputern in Deutschland

    Hier ist der ausführlche Prüfbericht als PDF.

    Heise: Niederländische Bürgerinitiative knackt Nedap-Wahlcomputer.

    Über das Thema hatte ich schonmal mit Andreas Bogk vom CC gesprochen: Netzpolitik-Podcast: Wahlmaschinen hacken. Hier ist die MP3-Datei dazu.

    Update:

    Bei ZEIT-Online ist ein schöner Artikel dazu: Prozente nach Belieben.

    Gonggrijp hatte sich seine Aufgabe deshalb viel schwieriger vorgestellt, sagt. „Es gab keine Kryptographie, wir mussten keine Schlüssel suchen,“ sagt er, fast ein wenig enttäuscht. Das Wahlgerät kauften die Hacker von einer Gemeinde. Jeder kann das machen. Den 28 Kilogramm schweren, sperrigen Koffer fuhren sie in dann das Büro von „Wij vertrouwen stemcomputers niet“ (Wir vertrauen Stimmcomputern nicht), einer Mischung zwischen Hacker Club und Bürgerinitiative. „Wir sind ein wenig Hacker und ein wenig politisch,“ sagt Gonggrijp. Sie waren zu siebt, vielleicht zu neunt, so genau will Gonggrijp sich da nicht festlegen. Auch seine Freunde vom Chaos Computer Club in Berlin kamen. Alles Leute, die von sich sagen, das Thema Sicherheit „hobbymäßig“ zu betreiben. Das Fernsehen zeigte Gongrijp, wie er das Gerät aufschraubt. Drinnen sah man eine grüne Platine. Nach fünfeinhalb Wochen Arbeit zählte das Gerät so, wie sie es wollten. „Das war leichter, als ein Handy zu knacken,“ sagt Gonggrijp.

    UPdate:

    Heise berichtet weiter: CCC fordert Verbot von Wahlcomputern – Nedap wehrt Vorwürfe ab. Und das mit dem Vorwürfe abwehren klingt dann so:

    In einer Stellungnahme zur TV-Sendung am gestrigen Mittwoch hält der niederländische Hersteller unterdessen fest, dass die Nedap-Wahlmaschine „hervorragend funktioniert“. „Die Wahlmaschine erledigt genau das, was ihr aufgetragen wird. Dies wurde auch von allen Beteiligten erwartet und bestätigt“. Der von der Bürgerinitiative gewählte Name „Wir vertrauen Wahlmaschinen nicht“ sei unangebracht. Lauten sollte er vielmehr „Wir vertrauen Menschen nicht“, da ja nicht die Maschinen sondern die Menschen, die das System manipulierten, die „Bösen“ seien.

    Ja, genau…

    5. Oktober 2006 11
  • : Salon.com über den Kampf um Netzneutralität
    Salon.com über den Kampf um Netzneutralität

    Sehr ausführlich berichtet der Salon.com Artikel „The telecom slayers“ über den politischen Kampf in den USA um Netzneutralität:

    In the Capitol Hill battle over Net neutrality, a ragtag army of grass-roots Internet groups, armed with low-budget videos, music parodies and petitions, have the corporate telecoms, and their allies in Congress, on the run.

    4. Oktober 2006
  • : drm.info
    drm.info

    drm.info ist eine neue Informationsplattform zum Thema „Digital Restriction Management“, die soeben federführend von der Free Software Foundation Europe sowie weiteren Organisationen gelauncht worden, wozu auch dieses Blog zählt. Die Plattform ist ein Beitrag zur globalen Debatte rund um DRM und Kopierschutzsysteme. In mehreren Sprachen soll zukünftig ausführlich über das Thema informiert und von zivilgesellschaftlicher Seite Stellung bezogen werden.

    Der Start dieser Kampagne ist unser Beitrag zum internationalen “Day against DRM”, welcher heute von der Defective by Design Kampagne organisiert wird.

    Wer mitmachen möchte: Mit einem Link ist man schon dabei. Eines der Ziele ist, durch die praktische Domain möglichst weit oben bei Suchmaschinen zu erscheinen und viele Nutzer zu erreichen – und hier hilft eine gute Verlinkung.

    Weitere Informationen finden sich in diesem Beitrag zum „Day against DRM“.

    3. Oktober 2006 14
  • : Digital Rights Management
    Digital Rights Management

    Heute findet der erste internationale “Tag gegen Kopierschutz (Day against DRM)” statt. Organisiert wird er von der Defective by Design – Kampagne und bisher gibt es mehr als 200 Aktionen, die heute offline wie online in zahlreichen Städten, Ländern und Kontinenten durchgeführt werden.

    Unser Beitrag zu diesem Tag ist neben diesem Blog-Eintrag die internationale Plattform drm.info, die heute federführend von der Free Software Foundation Europe, und weiteren Organisationen gelauncht wurde.

    Worum gehts?

    Digital Restriction Management ist eine Technik, die alle Computer, Abspielgeräte, Mobiltelefone und andere Medien betrifft. Sie soll die Rechte urheberrechtlich geschützter Werke „managen“, also verwalten. Um jemanden Abspielrechte zu verwehren, muss ein DRM-System allerdings die Abspielgeräte kontrollieren. Dem Nutzern muss also die Macht über seine Geräte genommen werden, damit er verbotene Abspielvorgänge garnicht erst tätigen kann.

    DRM betrifft Dich. Du kennst es vielleicht als “Digital Rights Management” (DRM) oder als “Technological Protection Measures” (TPM). Diese Begriffe drücken aus, was DRM-Befürworter als Verwendung und Rechtfertigung für Digital Restriction Management sehen. Sie verstecken aber, was die Technik letztendlich erreichen muss: Sie beschränkt die Nutzer eines Computers oder anderen Geräte nach dem Willen Dritter – mit oder ohne Einwilligung des Nutzers.

    DRM ist eine Risikotechnologie, die massive Eingriffe in Gesetzgebung, Verbraucher- und Bürgerrechte und vor allem Infrastruktur erfordert. Und damit ist sie eine erhebliche Gefahr für den Zugang zu Wissen, Innovation, Demokratie sowie der freien und nachhaltigen Entfaltung eines offenen Internets.

    Werde aktiv!

    Wer eigene Grafiken, Bilder oder Banner zum Thema hat und Flickr nutzt: Bei Flickr gibt es eine Defective by Design Gruppe zum kollaborativen Sammeln. Das Tag dafür ist „Defective By Design“. Wer kein Flickr nutzt, kann diese auch in ein Blog stellen und in den Kommentaren verlinken.

    Wir brauchen mehr Designer und Multimedia-Produzenten, die uns helfen, das Thema und die Kritik populärer zu machen und die Hintergründe zu visualisieren. Ein tolles Beispiel ist die kurze Animation „Trusted Computing“ von Benjamin Stephan und Lutz Vogel. Diese studentische Arbeit wurde bereits von hundertausenden Menschen gesehen und gewann Preise auf Festivals.

    Warnhinweise vor Kopierschutz/DRM gibt es zum Ausdrucken und selber Aufkleben bei Defective by Design:

    * DRM Warning Label Color Sticker (Avery 5160) PDF
    * DRM Warning Label Black and White Sticker (Avery 5160) PDF

    Die Problematiken rund um DRM können auch in Weblogs, Podcasts oder anderem Medium thematisiert werden. Weiter unten finden sich viele nützliche Ressourcen dafür. Weitere interessante Links, Kampagnen und Zitate, die wir hier noch nicht haben, können gerne in den Kommentaren ergänzt werden.

    Aber am einfachsten ist, auf DRM/Kopierschutz-verseuchte Medien hinzuweisen und sie zu boykottieren und damit die eigene Macht als Verbraucher zu nutzen.

    Weitere Informationen zu DRM / Kopierschutz:

    Im Rahmen der IFA hatten wir schon eine kleine Aktion im Vorfeld dieses Aktions-Tages gemacht: Kopierschutz entmündigt! Hinter dem Link gibt es noch weitere Argumente gegen DRM / Kopierschutz, weitere Bilder und ein kleiner Film der Aktion.

    Zur Popkomm 2005 haben wir uns die tollen neuen Online-Stores genauer angeschaut, die Musik mit DRM verkaufen. Dieser Testbericht ist immer noch erschreckend aktuell: Ausgeschlossen und restriktiv: Music-Stores im Netz. Auf iRIghts.info gibt es eine geänderte Fassung des Artikels.

    Wer sich mehr für die Auswirkungen von DRM/Kopierschutz auf Wissenschaft und Forschung interessiert, findet viele Informationen beim Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft”.

    Warum DRM Schrott ist, zeigt dieser Film. Und dieses anschauliche Kinderbuch wurde auch schon ins deutsche übersetzt: The pig and the box.

    Die Verbraucherschutzzentralen in Deutschland führen im Moment eine Kampagne für mehr Verbraucherrechte im Urheberrecht durch. Wir waren beim Start dabei und haben ausführlich von der Pressekonferenz berichtet: Massive Kritik an Urheberrechtspolitik von den Verbraucherzentralen. Dabei entstanden auch zwei Video-Interviews, die sich auch hinter dem Link befinden.

    Am 26. Januar waren wir auf der nicht-öffentlichen Ahörung der Bundesregierung zum 2. Korb der Urheberrechstreform. Wir waren damals dabei und haben mit einem Live-Stream und Live-Bloggen für etwas Transparenz gesorgt.

    Viele Informationen bietet auch die Electronic Frontier Foundation: „Digital Rights Management and Copy Protection Schemes“. Dort findet sich auch ein „The Customer Is Always Wrong: A User’s Guide to DRM in Online Music“, der Vorbild für unseren Music-Store Test war. Sehr schön ist auch die kurze EFF-Animation “The Corruptibles“.

    In Grossbritanien ist die parlamentarische “All Party Internet Group” mit interessanten Vorschlägen an die Öffentlichkeit gegangen, wie man mit DRM umgehen sollte. Eine ihrer Kernforderungen ist die Kennzeichnungspflicht für DRM-Erzeugnisse. Eine sehr sinnvolle verbraucherpolitische Forderung, die für mehr Transparenz sorgen kann.

    Sehr viele deutsch-sprachige Informationen bietet iRights.info. Das Portal hat auch schon zu Recht den Grimme Online Award gewonnen. Im Artikel „Rechte oder Restriktionen?“ geht es um DRM.


    [via]

    Viele Informationen bietet auch Privatkopie.net.

    Die Consumer Digital Rights Kampagne von BEUC, dem Dachverband der europäischen Verbraucherschützer,gibt es auch in deutsch. Consumer Digital Rights klärt über Verbraucherrechte in der Urhebergesetzgebung auf und fordert mehr Verbraucherrechte und weniger DRM.

    Für einen Vortrag auf dem 22. Chaos Communication Congress zum Thema “Sonys digitaler Hausfriedensbruch” hatten wir uns mal die Entwicklungen rund um das Sony Rootkit angeschaut und eine Zeitleiste erstellt.

    Beim Chaos Computer Club findet sich eine etwas ältere Infoseite: Digitaler Maulkorb?

    Lesenswert ist die Disseration von Julius Mittenzwei zum Thema “Informationen zur Rechtewahrnehmung im Urheberrecht – Der Schutz von Digital Rights Management-Systemen und digitalen Wasserzeichen durch § 95c UrhG“. Das PDF hat 237 Seiten, ein interessantes Literaturverzeichnis und auch sonst sind viele wichtige Fragestellungen aus juristischer und technischer Sicht enthalten.

    DRM in der Wikipedia

    Das “Center for Democracy & Technology” aus den USA hat eine Studie zur Evaluierung von DRM veröffentlicht.

    Das PC Magazin hat eine Kampagne gegen DRM und Kopierschutz gestartet: “Kopierschutz – Nein Danke!“. Aktuell ist auch die „Wir haben bezahlt“-Kampagne.

    Das Bundeskabinett hat am 22. März den 2. Korb der Urheberrechtsform verabschiedet und an den Bundestag übergeben. Die „Reaktionen zum 2. Korb Kabinettsbeschluss“ hatten wir damals ausführlich zusammen gefasst.

    Der „DRM-Talk“ des Digital Rights Aktivisten Cory Doctorow auf einer Microsoft-Konferenz ist sehr unterhaltsam. Auf 14 Seiten gibt es eine Zusammenfassung, weshalb DRM technisch nicht funktioniert, weshalb die Verbraucher da nicht mitspielen und vieles mehr. Kernforderung ist, dass endlich mal Lösungen geschaffen werden müssen, die Verbraucher wollen. DRM gehört nicht dazu.

    Zitate zu DRM:

    Lawrence Lessig im schweizer Tagesanzeiger:

    Was halten Sie von Digital Rights Management, kurz DRM?

    Das ist eine Problemlösung, die selber eine Reihe grösserer Probleme schafft. Die Auswirkungen sind dieselben, wie wenn Sie das Gift DDT gegen Unkraut spritzen: Das Unkraut ist garantiert tot – aber zugleich haben Sie einen Haufen ekliger Umweltprobleme.

    Können Sie das konkreter formulieren?

    DRM löst einen winzigen Teil des ganzen Problemkreises: Es rettet das Geschäftsmodell der Industrie, welche kommerzielle Inhalte produziert. Aber DRM sperrt Kultur in technischen Geräten ein – und die Maschine gibt Ihnen nur Zugriff, wenn Sie den richtigen Schlüssel haben. Das bedeutet wahrscheinlich, dass wir in zehn Jahren überhaupt keinen Zugriff mehr darauf haben, weil sich die Software ändert. Die Bücher aus dem 16. Jahrhundert hingegen können wir heute noch lesen, wir müssen sie nur aufschlagen.

    Peter Lee, Manager bei Disney (aus dem Economist):

    “If consumers even know there’s a DRM, what it is, and how it works, we’ve already failed”.

    Technology Review hat den Sicherheitsexperten Bruce Schneier zum Sony-Rootkit und DRM befragt: Kopierschutz als Sicherheitsrisiko.

    TR: Sagen wir, Sie sind ein Kunde, der digitale Inhalte kaufen will, aber gleichzeitig die Kontrolle über seinen Rechner behalten möchte. Was würden Sie tun?

    Schneier: Ich würde meinem Kongressabgeordneten schreiben. Wenn die Kunden nur das kaufen können, was ihnen angeboten wird und all diese Angebote einen Kopierschutz enthalten, bekommen die Kunden letztlich nicht das, was sie wollen. Dem Kundenwunsch wird nur dann entsprochen, wenn die Gesellschaft seine Erfüllung einfordert oder die Firmen dazu gezwungen werden. Wir könnten die Medienfirmen boykottieren, aber das wird wohl kaum passieren. Auch die Boykottmaßnahmen gegen Sony BMG hielten sich nicht – und die Medienkonzerne wissen das.

    Der “Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten e.V.” (VUT), der Verband der Indie-Labels im Musikbereich, hat die Kampagne „Respect The Music – Copy Protection Free“ gestartet.

    Dort heisst es:

    1. DRM und Kopierschutz sind nicht die Lösung des Problems der Musikindustrie. So, wie diese Techniken bislang gestaltet werden, helfen sie eher, auch noch die letzten „ehrlichen“ Musikkäufer zu verprellen und in die Piraterie zu treiben.

    Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in einer Pressemitteilung zum Urheberrecht: “Schulen und Wissenschaft werden von digitalem Wissen abgeschnitten“.

    Der vzbv befürchtet durch die DRM-Systeme eine Einschränkung des Zugangs breiter Bevölkerungsschichten zu Informationen und Kultur. Wenn für jeden Informationsabruf, das Hören eines Musikstückes oder das Sehen eines Dokumentarfilms Geld verlangt werden kann, ohne dass eine Aufzeichnung gestattet wird, besteht die Gefahr einer Verknappung und Verteuerung von Informationen, Kulturwerken und Beiträgen der Wissenschaft. Dies kann nicht im Interesse des Allgemeinwohls liegen. DRM-Systeme können auch genutzt werden, um das Verhalten der Nutzer am PC oder anderen Endgeräten aufzuzeichnen und zu kontrollieren. Dies ermöglicht die Bildung von Nutzerprofilen und bedeutet einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre.

    Mathias Schindler hat das Prinzip der DRM-Nutzungslizenzen auf klassische Bücher übertragen .

    3. Es darf nur eine Person gleichzeitig in das Buch sehen.
    4. Das Buch schließt sich automatisch am 31. Dezember 2010. Vielleicht auch später.
    5. Meistens sollte das Buch aufklappbar sein.
    6. Vielleicht polieren wir das Buch manchmal auf.
    7. Wenn das Buch nicht aufklappt, dann kann man daran nichts ändern.
    8. Der Kunde hat ein halb geöffnetes Buch zu dulden.

    Volker Grassmuck in der FIfF-Kommunikation 4/2002:
    Das Ende des Allzweck-Computers steht bevor – Die Datenherren planen die Aufrüstung des Cyberspace zu einer Welt des totalen „Digital Restrictions Management“

    „DRM“ wird in der Presse, aber auch von der Branche selbst, gern mit „Kopierschutz“ übersetzt. Das ist eine Verniedlichung. Suggeriert es doch einen Mechanismus im jeweiligen digitalen Objekt und vielleicht noch ein Gegenstück in der Darstellungs-Software, also eine lokale, auf den urheberrechtlichen Schutzgegenstand beschränkte Lösung. Tatsächlich zielt DRM auf einen globalen Umbau der digitalen Infrastruktur. Hard- und Software von Rechner und Netz sollen, wenn es nach dem Großprojekt DRM geht, systemweit, flächendeckend und lückenlos auf die partikularen Interessen der Rechteindustrie ausgerichtet werden. In letzter Konsequenz zielt es auf das Verbot des Allzweck-Computers.

    Privates Kopieren und Tauschbörsen werden zum Buhmann aufgebaut, um drastische Maßnahmen zu rechtfertigen: immer neue Kontroll- und Überwachungstechnologien bis hin zu Viren und anderen Mitteln, PCs zu schädigen, das gesetzliche Verbot, sich dagegen zur Wehr zu setzen, und umgekehrt gar eine gesetzliche Erlaubnis, private PCs zu hacken. In der Presse ist bereits von einem „Cyberwar“ die Rede, von einem „Bürgerkrieg der Industrie gegen ihre Kunden.“

    Professor Dr. Rüdiger Weis:

    „Apple bildet leider die Speerspitze bei der Nutzerentmuendigung mittels DRM und „Trusted“ Computing Ueberwachungshardware. Mittelfristig werden Apple-Intel-PC Nutzer zu Podslaves(TM?).“

    Weitere News:

    25. September 2006 – Britische Nationalbibliothek warnt vor DRM
    23. September 2006 – Frankreich: Selbstanzeigen wegen DRM-Gesetzgebung
    5. September 2006 – Neuseeland reguliert staatlichen DRM-Einsatz

    Update:

    Hier ist die erste Lesereinreichung und zwar hat Mat die Warnhinweise ins deutsche übersetzt und ein PDF sowie ein PNG erstellt. „Man nehme Zweckform No. 4781.“

    3. Oktober 2006 49
  • : Vorlauf zum „Tag gegen Kopierschutz“
    Vorlauf zum „Tag gegen Kopierschutz“

    Morgen ist der „Day against DRM“. Dieser Tag wurde von der Defective by Deisgn Kampagne ausgewählt, um weltweit den Protest und die Kritik an DRM/Kopierschutz zu bündeln. Leider an einem Tag, wo wir hier in Deutschland nicht mit Apple-Stores rumspielen dürfen. Aber vielleicht gibts ja doch noch was…

    Heute berichtet aber schon die Futurezone: Vorlauf zum „Tag gegen Kopierschutz“.

    2. Oktober 2006 1
  • : Chaosradio 117 zu Wahlcomputer online
    Chaosradio 117 zu Wahlcomputer online

    Die gestrige Chaosradio-Show Nr. 117 zum Thema „Wahlcomputer“ ist mittlerweile online zum Download verfügbar. Die Sendung ist drei Stunden lang und die MP3-Datei ist 162 MB gross.

    28. September 2006 2
  • : Freedom of Information Around the World 2006 Report
    Freedom of Information Around the World 2006 Report

    Privacy International hat einen „Freedom of Information Around the World 2006 Report“ veröffentlicht.

    Privacy International released the Freedom of Information Around the World 2006 Global Survey of Access to Government Information Laws on 20 September 2006. The Survey provides a comprehensive review of Freedom of Information Laws and practices in nearly 70 countries around the world.

    The survey draws attention to the growing movement around the world to adopt FOI laws. In just the past two years, over a dozen countries have adopted new laws and decrees, while dozens more are considering proposals. Important international treaties such as the UN Convention Against Corruption have also gone into force. These laws are being used to fight corruption, make government bodies accountable and promote social and human rights.

    Unfortunately, the survey also highlights that many problems still exist such as poorly drafted laws, lax implementation and an ongoing culture of secrecy in many countries. There are also dangers in backsliding such as in Ireland where the imposition of onerous fees has significantly reduced use of the law and in the United Kingdom where a similar proposal is being considered. New laws promoting secrecy in the global war on terror have also undercut access.

    Hier gibt es den Report als PDF in englisch. Eine arabische und russische Version gibt es auch.

    28. September 2006 1
  • : Greenpeace-Kampagne: Green my Apple!
    Greenpeace-Kampagne: Green my Apple!

    Greenpeace International hat eine coole Kampagne gegen Apple mit der Hauptforderung gestartet, dass die Apple Hardware endlich mal ökologischer hergestellt werden soll. Unter dem Motto „I love my Mac. I wish it came in green.“ sollen Apple-Nutzer motiviert werden, kollaborativ Druck auf Apple auszuüben, damit der Hersteller zukünftig auf giftige und umweltschädliche Substanzen bei der Produktion von Macs und iPods verzichtet und ein Rücknahmesystem für Elektroschrott etabliert.

    Das Design der Kampagne ist im Apple-Stil gestaltet und es gbt verschiedene Partizipationsmöglichkeiten. Als Nutzer kann man eine Mail an Steve Jobs schreiben, im Namen von Steve Jobs eine ökologische Rede schreiben, die Kampagne diggen oder bookmarken, Poster und T‑Shirts designen, aus bereitgestelltem Videomaterial neue Videos remixen und ganz altmodisch eine Petition unterstützen. Das ist meines Wissens das erste Mal, dass Greenpeace Elemente des Open Source Marketings offensiv nutzt und die Kampagne ist gut gelungen. Ich hätte ihnen als Berater ähnliches vorgeschlagen.

    Sehr schöne Kampagne. Und nun liebe Apple-Nutzer und ‑Evangelisten – Macht da mit und setzt Euch für die Forderungen ein.

    null

    [via]

    Mehr Informationen zum Themenkomplex finden sich auch hier:

    10 März: Nachhaltig Hacken.
    29. August: Greenpeace veröffentlicht Hitparade der ökologischsten Konzerne.
    30. August: Apple und Lenovo weisen Kritik an Greenpeace-Ranking zurück.

    27. September 2006 9
  • : HTML / CSS Coder gesucht
    HTML / CSS Coder gesucht

    Für ein spannendes und nicht-kommerzielles Projekt im Kontext von Netzpolitik brauchen wir ziemlich dringend eine/n begabte/n Programmierer/in mit guten Kenntnissen in HTML / CSS. Aufgabe ist es, ein vorhandenes grafisches Layout in CSS umzuwandeln, was möglichst zu allen Browsern kompatibel sein soll. Da jemand ausgefallen ist, brauchen wir schnell Ersatz, um den Zeitplan zu halten.

    Geld gibts mangels Budget nicht, dafür viel Ruhm, Ehre und Reputation- und das Projekt wird richtig cool. Aber dazu hier später mehr, wenn es gelauncht wird.

    Kontakt am besten mit Mail an markus [et] nnm-ev [.] de

    Abgesehen von diesem spezifischen Projekt besteht dasselbe Problem auch noch beim Relaunch der deutschen Creative Commons Seite, aber nicht ganz so dringend. Vielleicht findet sich ja dafür auch jemand?

    Update: Das kurzfristige CSS-Problem wurde zumGlück heute Nacht durch Hilfe aus Brasilien behoben. Mehr dazu nächste Woche. Und ich bin beeindruckt, wieviele Rückmeldungen so schnell kamen, mit dem Ergebnis hatte ich nicht gerechnet. Vielen Dank für die vielen Mails!

    26. September 2006 4
  • : Europäer wollen mehr amtliche Online-Dienste – haben sie aber nicht
    Europäer wollen mehr amtliche Online-Dienste – haben sie aber nicht

    Die Hälfte der Europäer, so die EU-Studie „eUser: Public Online Services and User Orientation“, bewertet den Online-Auftritt der europäischen Mitgliedsstaaten positiv. Wie eGov monitor berichtet, hat jedoch ein Drittel der Befragten aus zehn europäischen Staaten Probleme bei der Nutzung der amtlichen Angebote und Dienste: Das beginnt meist bereits damit, dass die Bürger gar nicht erst die betreffende Seite des Amtes finden.

    Dann treten erst Probleme beim mangelhaften Inhalt auf oder eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten. Die Mitgliedstaaten sollten sich besser auf die Bedürfnisse der Bürger einstellen und gleichzeitig auch die Vorteile eines Internet-Auftritts nutzen.

    Aus der Umfrage geht hervor, dass Bürger oft keine offensichtlichen Vorteile darin sehen, ihre Amtsgeschäfte online zu erledigen. Dinge, die besser in einem persönlichen Gespräch auf dem Amt geregelt werden könnten, werden nur unzureichend bei einer Online-Eingabe berücksichtigt, da diese nicht auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten ist.

    „Während manche Länder wie Dänemark oder Großbritannien führen, haben andere EU-Staaten noch nicht genug dafür getan, ihre Dienste auf die Bürger zurechtzuschneiden. Die Nutzer werden noch viel mehr in Zukunft verlangen, und es gibt noch einiges an Raum für Verbesserungen“, sagt Werner B. Korte, Projekt-Manager von eUser.

    Die Studie schlägt nun vor, die Bürger zunächst mit Initiativen an den richtigen Gebrauch der staatlichen Online-Angebote heranzuführen, damit sie diese sachgerecht bedienen und nutzen können. Weiterhin sollten, so der Vorschlag der Studie, andere Möglichkeiten („Multi Channel“) neben dem amtlichen Online-Zugang bereitgestellt werden. Um den Bürgern die Internet-Auftritte von Staaten schmackhaft zu machen, rät die Studie außerdem, an öffentlichen Plätzen – wie beispielsweise dem Rathaus – Terminals aufzustellen, um die Bürger an die neuen Verwaltungs-Technologien heranzuführen.

    26. September 2006
  • : Wahlen müssen wieder zu einem Event werden?
    Wahlen müssen wieder zu einem Event werden?

    In Bremen sind nächstes Jahr Wahlen. Nun denkt man bereits darüber nach, wie man mehr Bürger an die Urnen bekommen könnte. Politiker denken da immer sofort an Bequemlichkeit und weniger daran, dass es für Nicht-Wähler andere Gründe geben könnte, die Stimmabgabe zu verweigern. Zuerst wird immer sofort die „Wählen übers Internet“-Karte (e‑Voting) gezogen. Aber da das anscheinend rechtlich und technisch nicht so schnell machbar ist (Und das ist auch echt gut so), gibt es andere Ideen. Der Bürgerschaftspräsident Christian Weber von SPD verkündete gleich die grandiose Idee, dass „Wahlen mehr Eventcharakter bekommen müssen“, da Wahllokale oder Behörden für Bürger abschreckend und langweilig seien.

    Konkret hat der Politiker wohl die Stimmabgabe an Tankstellen, in Gaststätten, im Rahmen eines Festes auf dem Bremer Marktplatz oder gleich bei einem Heimspiel im Bremer Weserstadion vorgeschlagen. Vielleicht sollte man noch ein Herbert Grönemeyer Konzert veranstalten, damit noch mehr Menschen ins Stadion kommen. Ich stell mir das sehr lustig vor, wenn die Bremer Wahlhelfer dann vor einem Gefrierschrank in einer Tankstelle dicht gedrängt sitzen müssen, damit Wählen zu einem Event wird. Da kann man gleich mit einem Bier oder Schnaps auf den abgegebenen Stimmzettel anstossen. Oder will man etwa Wahlcomputer in Tankstellen oder Gaststätten stellen?

    25. September 2006 9
  • : Kampagne: Offene Briefe gegen Vorratsdatenspeicherung
    Kampagne: Offene Briefe gegen Vorratsdatenspeicherung

    Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat heute eine Online-Kampagne gegen die geplante Vorratsspeicherung von Telekommunikationsdaten gestartet. Auf einer speziellen Website können besorgte Bürger offene Protestbriefe verfassen, die automatisch an alle 448 Bundestagsabgeordneten der großen Koalition versandt werden. Es gibt keinen vorgefertigten Text, so dass die Sache auch nicht als Spam gewertet werden kann. Der AK gibt lediglich Argumentationshilfen. Mit der Aktion wollen wir erreichen, dass die Regierung das geplante Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie zumindest solange auf Eis legt, bis der Europäische Gerichtshof über die Klagen der Irischen Regierung und von Digital Rights Ireland entscheiden hat. Die Sache scheint gut anzulaufen. Seit zwei Stunden ist die Meldung auf dem heise-Ticker, und schon sind drei Seiten voller guter Briefe abgeschickt worden. Weiter so!

    Das Portal für die offenen Briefe: http://briefe.gegen.daten.speicherung.eu
    Die Pressemitteilung

    25. September 2006 2
  • : Frankreich: Selbstanzeigen wegen DRM-Gesetzgebung
    Frankreich: Selbstanzeigen wegen DRM-Gesetzgebung

    Aus Protest gegen die verschärften Urheberrechtsgesetze in Frankreich haben Aktivisten die symbolische Protestform einer Selbstanzeige gewählt, um Aufmerksamkeit auf kritische Punkte im Gesetz zu legen.

    „Under the newly adopted, very controversial DADVSI French law, it became illegal to bypass, help bypass, or suggest one bypasses DRM protections. Offenders are liable of up to a € 30,000 fine ($38,000) and six months in prison. Three DRM activists went, accompanied by a cheerful crowd of supporters, to their local police station and admitted the following:“

    * Stéphane used DVDdecrypter to transfer a legally purchased DVD onto his portable DVD player, and risks a € 3,750 fine;

    * Tangui read a DVD on an open-source Linux software; and

    * Jérôme bypassed DRMs on music legally purchased on iTunes and another French online provider, explained how to bypass DRMs on a webpage, and translated a software that gets rid of protections on digital content; for all that, he risks a € 30,000 fine and up to six months in prison.“

    Bilder und einen Erlebnisbericht in Französisch finden sich auf stopdrm.info.

    [via]

    23. September 2006 2
  • : World Information Society Report 2006
    World Information Society Report 2006

    Die International Telecommunication Union (ITU) hat einen „World Information Society Report 2006“ veröffentlicht.

    ITU is proud to announce the launch of the World Information Society Reports series, in collaboration with its partners UNCTAD and the Korea Agency for Digital Opportunity.

    “The World Information Society Report” is the first edition in a series of reports that will monitor the development of the Information Society worldwide. In particular, this new series will chart progress towards the implementation of the outcomes of the World Summit on the Information Society (WSIS) and WSIS targets. This report has been prepared in response to the World Summit on the Information Society, held in Geneva in 2003 and Tunis in 2005.

    Hier gibts das 12 MB grosse PDF mit 118 Seiten.

    22. September 2006
  • : HU beschliesst Kampagne gegen Vorratsdatenspeicherung
    HU beschliesst Kampagne gegen Vorratsdatenspeicherung

    Der Bundesverband der Humanistischen Union hat am vergangenen Wochenende ihren HU-Verbandstag gehabt. Dort wurde eine Kampagne gegen die Vorratsdatenspeicherung beschlossen, wie die TAZ heute berichtet: Kein unbeschwertes Plaudern mehr.

    „Diese Vorratsspeicherung verstößt eindeutig gegen europäisches und deutsches Verfassungsrecht“, erklärte HU-Vorstandsmitglied Nils Leopold beim HU-Verbandstag. „Der Staat darf Daten nicht einfach ins Blaue hinein sammeln, nur weil sie in Zukunft mal für die Strafverfolgung interessant sein könnten“, so Datenschützer Leopold. „Die Unbefangenheit der Kommunikation ist beeinträchtigt, wenn man bestimmte Leute nicht mehr anruft, aus Angst, dass das gespeichert wird“, ergänzt Rosi Will, Rechtsprofessorin aus Berlin. Auch ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags sah im August „erhebliche Bedenken“ gegen die EU-Richtlinie.

    19. September 2006
  • : Diebold-Wahlcomputer mit Hotelbar-Schlüssel öffnen?
    Diebold-Wahlcomputer mit Hotelbar-Schlüssel öffnen?

    Edward Felten berichtet mal wieder über den „Running Gag“ der Diebold Wahlmaschinen. Wie bei den in Deutschland eingesetzten Wahlcomputern haben diese auch ein fast unüberwindbares Sicherheitsfeature, um die MemoryCard zu schützen. Aber auch nur fast, denn anscheinend kann man die Teile mit einem gewöhnlichen Schlüssel von einer „Hotel Minibar“ öffnen.

    Like other computer scientists who have studied Diebold voting machines, we were surprised at the apparent carelessness of Diebold’s security design. It can be hard to convey this to nonexperts, because the examples are technical. To security practitioners, the use of a fixed, unchangeable encryption key and the blind acceptance of every software update offered on removable storage are rookie mistakes; but nonexperts have trouble appreciating this. Here is an example that anybody, expert or not, can appreciate:

    [via]

    18. September 2006 5
  • : Offene Netzwerke auch für Deutschland!
    Offene Netzwerke auch für Deutschland!

    Ins Internet von überall – und das umsonst? Seit der Freigabe des so genannten ISM-Bands zur öffentlichen, lizenz- und registrierungsfreien Nutzung gibt es überall in der Republik eine wachsende Anzahl offener WLAN-Accesspoints. Schon heute gelangt man in vielen Cafes und auf öffentlichen Plätzen kostenlos und ohne weitere Zugangshürden per wireless LAN (WLAN) ins Internet. Die WLAN-Technik bietet alle Chancen dazu, in naher Zukunft in den Städten und Dörfern flächendeckend ins Internet zu gelangen. Dazu müssten möglichst viele Privatpersonen ihre Internet-Zugänge für alle öffnen. Diese Idee wird unter anderen von der Initiative freifunk.net vorangetrieben.

    Auch heute schon ist die „digitale Nachbarschaftshilfe“ eine sinnvolle Maßnahme zum Abbau der „digitalen Spaltung“. So gibt es in einigen Stadtteilen Berlins und in vielen Regionen der neuen Bundesländer noch kein flächendeckendes DSL. Privatpersonen, die ihren WLAN-Zugang öffentlich machen, können so helfen, dass möglichst viele Menschen kostengünstig bzw. kostenlos ins Internet kommen. Die Anzahl derer, die dabei ihren eigenen Internetzugang anderen zur Verfügung stellen, steigt stetig.

    Sowohl die kurzfristige Sicherung der Internetversorgung durch digitale Nachbarschaftshilfe als auch die Vision eines allgegenwärtigen, frei verfügbaren Netzes sind jetzt allerdings hochgradig gefährdet. Während in anderen Ländern ganze Städte und Kommunen derzeit offene Netze aufbauen, besteht in Deutschland die Gefahr, auf lange Zeit an kommerzielle Anbieter gefesselt zu sein und damit den Anschluss an das Informationszeitalter zu verpassen. Besonders problematisch ist hier ein Urteil, dass das Landgericht Hamburg kürzlich gefällt hat (AZ 308 O 407 / 06): Einer Frau, die ihren Accesspoint für die öffentliche Nutzung freigegeben hat, wurde eine Mitschuld zugesprochen, da Dritte über ihren Zugang Musikdateien getauscht hatten. In der Konsequenz bringt dieses Urteil alle, die ihren WLAN-Zugang anderen öffentlich zur Verfügung, in eine rechtliche Grauzone. Wer seinen Zugang nicht zumacht, kann jederzeit zum „Mittäter“ werden – ohne Rücksicht darauf, dass eigentlich zwischen Infrastruktur und Inhaltsangebot unterschieden werden müsste. Wer seinen Zugang wie vom Gericht gefordert verschlüsselt – was auch keinen hundertprozentigen Schutz gegen einen eventuellen Missbrauch der im Handel befindlichen Geräte gibt – macht eine öffentliche Nutzung unmöglich. Und auch eine etwaige Registrierung der User ist weder wünschenswert, noch technisch zumutbar, noch wirklich sicher.

    Damit bewirkt dieses Urteil eine erhebliche Verunsicherung der hiesigen Bevölkerung. Wenn der Betrieb eines offenen Accesspoints dazu führen kann, dass der Besitzer mit einer Abmahnung oder Anzeige der Musikindustrie rechnen muss, dann ist das Projekt eines sozialen, frei verfügbaren Netzzugangs in Deutschland gescheitert. Digitale Nachbarschaftshilfe darf es dann nicht mehr geben.

    Freie Netzwerke müssen bleiben, wenn Deutschland nicht den Anschluss an das Informationszeitalter verpassen möchte. Insbesondere wenn es um die „digitale Spaltung“, um sozial schwächer gestellte Menschen und dünn besiedelte Regionen geht, reicht es nicht aus, diese Aufgabe kommerziellen Anbietern von Internetzugängen zu überlassen.

    Wir fordern deswegen:

    * Eine rechtssichere Klärung der Angelegenheit – notfalls auch durch eine Änderung des Gesetzesgrundlage –, die den besonderen Status nicht-kommerzieller Diensteanbieter berücksichtigt und es auch in Zukunft ermöglicht, den eigenen WLAN-Zugang öffentlich zugänglich zu machen,

    * die unbedingte Umsetzung der bereits in § 6 TDG und § 7 MDStV enthaltenen Gesetzestexte: „Diensteanbieter sind für fremde Informationen, die sie in einem Kommunikationsnetz übermitteln oder zu denen sie den Zugang zur Nutzung vermitteln, nicht verantwortlich [sofern sie die Übermittlung nicht selbst veranlasst haben usw.].“

    * die Öffnung zusätzlicher Frequenzbänder für die öffentliche und lizenzfreie Nutzung zur Erhöhung der Bandbreite, Vergrößerung der Reichweite und Entfaltung von mehr Innovation,

    * sowie die politische Unterstützung entsprechender Vernetzungsinitiativen wie freifunk.net.

    Oder kurz gesagt: offene Netzwerke auch für Deutschland!

    Erstunterstützer:

    * Jürgen Neumann, freifunk.net
    * Markus Beckedahl, netzpolitik.org
    * Volker Grassmuck, Wizards of OS
    * Bob Horvitz, Stichting Open Spectrum
    * Armin Medosch, Autor
    * Malcolm J. Matson, The OPLAN Foundation

    English translation.

    15. September 2006 13