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Wahlcomputer sind unsicher und gehören verboten

Die niederländische Initiative „Wir vertrauen Wahlcomputern nicht“ hat heute die Ergebnisse ihrer in enger Kooperation mit dem Chaos Computer Club durchgeführten Analyse von Nedap-Wahlcomputern publiziert. Nedap-Wahlcomputer, nahezu baugleich zu den niederländischen Geräten, sind auch in Deutschland zugelassen und im Einsatz. Die Bauartzulassung der Nedap-Wahlcomputer in Deutschland beruht auf einem Gutachten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB).

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Die Analyse zeigt auf, dass

* Wahlcomputer keinen effektiven Schutz gegen Stimm-Manipulation bieten,
* die Software der Wahlcomputer einfach auszutauschen und zu manipulieren ist,
* das Wahlgeheimnis durch die Wahlcomputer kompromittiert wird,
* Manipulationen an Wahlcomputern praktisch nicht nachgewiesen werden können,
* Wahlcomputer den gesetzlichen Vorgaben in keiner Weise genügen.

Und man kann auf den Wahlcomputern Schach spielen, auch wenn das die Herstellerfirma nicht glauben mag. Hier ist das Video einer gestern in den Niederlanden ausgestrahlten Sendung, die das beweist. Leider nur Windows Media Stream, kann das mal jemand befreien? Sehr vertrauenswürdig ist auch das Passwort für den Support-Zugang, das lautet tatsächlich: „GEHEIM“.

Computersystemen sind für Wahlen nicht geeignet. Die politische Forderung ist ganz einfach: Ein vollständiges Verbot von Wahlcomputern für Bundes-, Landtags- und Kommunalwahlen!

Hier ist die Pressemitteilung des Chaos Computer Club dazu: Chaos Computer Club fordert Verbot von Wahlcomputern in Deutschland

Hier ist der ausführlche Prüfbericht als PDF.

Heise: Niederländische Bürgerinitiative knackt Nedap-Wahlcomputer.

Über das Thema hatte ich schonmal mit Andreas Bogk vom CC gesprochen: Netzpolitik-Podcast: Wahlmaschinen hacken. Hier ist die MP3-Datei dazu.

Update:

Bei ZEIT-Online ist ein schöner Artikel dazu: Prozente nach Belieben.

Gonggrijp hatte sich seine Aufgabe deshalb viel schwieriger vorgestellt, sagt. „Es gab keine Kryptographie, wir mussten keine Schlüssel suchen,“ sagt er, fast ein wenig enttäuscht. Das Wahlgerät kauften die Hacker von einer Gemeinde. Jeder kann das machen. Den 28 Kilogramm schweren, sperrigen Koffer fuhren sie in dann das Büro von „Wij vertrouwen stemcomputers niet“ (Wir vertrauen Stimmcomputern nicht), einer Mischung zwischen Hacker Club und Bürgerinitiative. „Wir sind ein wenig Hacker und ein wenig politisch,“ sagt Gonggrijp. Sie waren zu siebt, vielleicht zu neunt, so genau will Gonggrijp sich da nicht festlegen. Auch seine Freunde vom Chaos Computer Club in Berlin kamen. Alles Leute, die von sich sagen, das Thema Sicherheit „hobbymäßig“ zu betreiben. Das Fernsehen zeigte Gongrijp, wie er das Gerät aufschraubt. Drinnen sah man eine grüne Platine. Nach fünfeinhalb Wochen Arbeit zählte das Gerät so, wie sie es wollten. „Das war leichter, als ein Handy zu knacken,“ sagt Gonggrijp.

UPdate:

Heise berichtet weiter: CCC fordert Verbot von Wahlcomputern – Nedap wehrt Vorwürfe ab. Und das mit dem Vorwürfe abwehren klingt dann so:

In einer Stellungnahme zur TV-Sendung am gestrigen Mittwoch hält der niederländische Hersteller unterdessen fest, dass die Nedap-Wahlmaschine „hervorragend funktioniert“. „Die Wahlmaschine erledigt genau das, was ihr aufgetragen wird. Dies wurde auch von allen Beteiligten erwartet und bestätigt“. Der von der Bürgerinitiative gewählte Name „Wir vertrauen Wahlmaschinen nicht“ sei unangebracht. Lauten sollte er vielmehr „Wir vertrauen Menschen nicht“, da ja nicht die Maschinen sondern die Menschen, die das System manipulierten, die „Bösen“ seien.

Ja, genau…

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11 Kommentare
  1. Also ich wäre ja für die weitere Verbreitung von Wahlcomputern. Einerseits zur Pflege des Schachspiels. Andererseits würde dann halt die Partei mit den klügsten Hackern gewinnen. Und da kann nur ein Wahlergebnis bei rauskommen, das besser ist als die Ergebnisse heutzutage. ;-)

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