Jörg-Olaf Schäfers

  • : „Zensursula“: PR-Agentur sucht Unterschriftensammler gegen Bezahlung
    „Zensursula“: PR-Agentur sucht Unterschriftensammler gegen Bezahlung

    Menschenfischer Man mag es ein klein wenig fragwürdig finden, aber der Job wird wenigstens halbwegs ordentlich bezahlt: Auf der Jobplattform promotionbasis.de sucht die Firma „FirstClassService Promotion & Event GmbH“ zur Zeit Promoter, um vor Fußballstadien Unterschriften „für das Anti-Kinderporno-Gesetz“ sammeln. Das in Aussicht gestellte Honorar beträgt 50 Euro pro Tag. Nicht schlecht für – laut Jobbeschreibung – 2 1/2 Stunden effektive Arbeitszeit.

    Moment, ein „Anti-Kinderporno-Gesetz“, gibt es das nicht längst? Natürlich, in Deutschland ebenso wie in jedem anderen zivilisierten entwickelten Land, aber darum geht’s ja nicht aber wer wird sich im Kampf für die gute Sache denn mit solchen Details aufhalten?

    In wessen Auftrag die Unterschriftensammler gesucht werden, steht leider nicht dabei. Natürlich kann man munter spekulieren. Veröffentlicht wurde das Angebot (bisher über 2000 Interessenten/Views) bereits letzten Mittwoch. Also einen Tag, nachdem die „Deutsche Kinderhilfe“ angekündigt hatte, mit der gleichen Idee auf Stimmenfang zu gehen.

    Wer Interesse an dem Job hat, muss zunächst den Registrierungsprozess bei promotionbasis.de durchlaufen (ohne Angabe einer Telefonnummer geht nichts …) und anschließend als Jobbewerber noch eine „SetCard“ erstellen. So wünscht es der unbekannte Auftraggeber. Ach, und der Auftraggeber bevorzugt Bewerber mit Foto. Und einen Gewerbeschein sollte man besser auch haben. Sorry, falls ich da gerade Hoffnungen auf spontanen Reichtum zerstöre.

    PS: Derweil hat die Online-Petition gegen Internet-Sperren über 85000 Unterzeichner. Ganz ohne bezahlte Unterschriftensammler.

    Update: Inzwischen melden sich die ersten Bundesligavereine, dass sie weder angefragt wurden, noch eine Unterschriftensammlung auf ihrem Gelände dulden würden. Ganz ähnlich hatte in der Vorwoche bereits Arminia Bielefeld reagiert.

    Siehe auch:

    18. Mai 2009 38
  • : KiPo-Stopp-Server: Fragen an die Bundesjustizministerin
    KiPo-Stopp-Server: Fragen an die Bundesjustizministerin

    Unter „Zensur-Kausalkette: Zur Sicherheit in die Täterdatenbank “ und „Moderne Abenteuer: Prefetching und Linkverkürzer“ hatte ich mir in den letzten Tagen einige Gedanken zur Problematik der „KiPo-Stopp-Server“ gemacht. Dabei blieben natürlich ein paar Fragen offen. Die habe ich am Dienstag der Einfachheit halber nebenan bei abgeordnetenwatch.de Brigitte Zypries gestellt. Wenn sie einer beantworten kann, dann ja wohl unsere Bundesjustizministerin:

    Sehr geehrte Frau Zypries,

    zur Frage, ob und welchen Umständen Internetnutzer, die auf den „Stopp-Server“ geraten, mit Strafverfolgung rechnen müssen, schreiben Sie u.a.:

    Anschließend können durch ein Auskunftsersuchen […] der Name und die Adresse des Inhabers des Telekommunikationsanschlusses bestimmt werden, von dem aus auf den Stopp-Server zugegriffen wurde.

    Es ist daher grundsätzlich nicht zu befürchten, dass Strafverfolgungsbehörden ohne richterliche Anordnung […] Daten derer erheben, die es wiederholt unternehmen, sich kinderpornographisches Material zu verschaffen.

    Wie sie sicher wissen, werden den meisten privaten Internetnutzern dynamische IP-Adressen zugeteilt. D.h. die IP-Adressen wechseln regelmäßig bei jeder Einwahl. Um wiederholte Zugriffe oder Zugriffsmuster nachzuweisen, müsste also bei jedem Zugriff ein Auskunftsersuchen erfolgen. Die Ergebnisse dieser Auskunftsersuchen müssten in einer entsprechenden (und mächtigen) Verdächtigendatenbank gespeichert werden. Aus diesen Überlegungen ergeben sich drei Fragen:

    15. Mai 2009 18
  • : Moderne Abenteuer: Prefetching & Linkverkürzer
    Moderne Abenteuer: Prefetching & Linkverkürzer

    Stopp!Im Zusammenhang mit der Diskussion um die vom Familienministerium präsentierten „Stoppschild-Server“ bekommen derzeit zwei Problemfelder praktische Relevanz, über die bisher eher theoretisch diskutiert wurde: Prefetching und Linkverkürzer.

    Meine These: Auch unbescholtene Internetnutzer ohne Interesse an kinderpornografischen Inhalten könnten demnächst das ein oder andere offizielle Stoppschild (missverständlicher Gestaltungsentwurf, PDF) zu sehen bekommen – und somit in den Fokus der Ermittlungsbehörden gelangen.

    Der Einwand, dass wohl nur der etwas zu befürchten habe, der regelmäßig „gestoppt“ wird, beruhigt mich nicht. Zum einen sieht man das im Bundesjustizministerium bekanntlich ein wenig anders, …

    Staudigl bestätigte in diesem Kontext, dass jeder Nutzer mit Strafverfolgung rechnen muss, wenn er dabei beobachtet wird, eine geblockte Webseite abzurufen (Quelle: Heise Online, 25.04.2009)

    … zum anderen hat „Rick-Rolling“ gezeigt, dass es einen – entsprechende Neugierde vorausgesetzt – auch mehrfach pro Tag erwischen kann. Alternativ schlägt die Schere im Kopf zu. Auch nicht besser.

    12. Mai 2009 32
  • : Petition gegen Internetzensur: Kompakte Argumente
    Petition gegen Internetzensur: Kompakte Argumente

    Falls noch jemand eine Argumentationshilfe braucht, warum auch Nichtnetzbewohner die Petition gegen Internetzensur unterzeichnen sollten, kann ich diese beiden Texte empfehlen: Die Petitionsmail von Max Winde (1 Seite, schön kompakt) und diesen Infotext für Einsteiger von Christian Wöhrl (4 Seiten, PDF, mit Hintergründen).

    50.000 Mitzeichner nach gerade einmal 3 4 Tagen sind zwar ein wunderbarer Erfolg (Dank an die Petentin Franziska Heine und alle Beteiligten!). Viel wichtiger ist allerdings, dass auch der Rest der Bevölkerung mitbekommt, worum es geht.

    7. Mai 2009 26
  • : Zensur-Kausalkette: Zur Sicherheit in die Täterdatenbank
    Zensur-Kausalkette: Zur Sicherheit in die Täterdatenbank

    In brainburg’s Blog lese ich gerade, dass Vodafone die – zur Zeit noch – freiwillige Teilnahme an den leyenhaften Zensurbemühungen mit dem Schutz seiner Kunden argumentiert:

    Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass der Zensur von Internetseiten auch zu Ihrer Sicherheit zugestimmt wurde.

    Der Witz ist, dass man als Kunde durch die Zensur (Ja, das Vodafone-WebTeam benutzt das Wort selber) gerade nicht geschützt, sondern ohne Not einer möglichen Strafverfolgung ausgeliefert wird.

    Um in den Fokus der Ermittlungsbehörden zu gelangen, muss man sich schließlich nicht einmal für Kinderpornographie interessieren. Es reicht völlig, wenn man durch Klicken eines scherzhaft oder in böswilliger Absicht gestreuten Links auf die angeblich harmlose Stopp-Seite geleitet wird. Wer in Zukunft noch Linkverkürzer wie shorl.com, is.gd, oder bit.ly nutzt oder fremde Links anklickt, steht praktisch schon mit einem Bein im Gefängnis.

    Moment, Moment! Angeblich drohe doch nur solchen Websurfern Strafverfolgung, denen sowas öfter „passiert“ (Rickrolling, anyone?)? Sagt zumindest Ursula:

    Während Staudigl heise online am gestrigen Freitag Abend diese Klarstellung zukommen ließ, erklärte Familienministerin von der Leyen im Interview mit dem Berliner Sender radioeins die Folgen ihrer Gesetzesinitiative gänzlich anders: „Der zufällige Versuch, da machen Sie sich nicht strafbar. Sonst müsste jeder, der eine Spam-Mail bekommt oder etwas Falsches eingibt, sich sofort strafbar machen.“ (Heise Online, 25.04.09)

    Nun denn, selbst wenn man das glauben möchte, stellt sich da doch spontan die Frage, wie die Ermittlungsbehörden bitte feststellen sollen, ob jemand nun zufällig oder mehrfach und gezielt gestoppt wurde? Schließlich  

    […] wird regelmäßig erst durch die sich daran anschließenden strafrechtlichen Ermittlungen geklärt werden können […]

    … ob und wer sich durch den Aufruf der Stoppseite strafbar gemacht hat. (Justizministeriums-Pressesprecher Staudigl, Heise Online, 25.04.09)

    Faktisch geht das nur durch eine Providerauskunft bzw. Ermittlung des Teilnehmers nach jedem Aufruf/Treffer und Abgleich mit einer entsprechenden Datenbank potentieller Verdächtiger (anders ließen sich mehrfache Aufrufe von „Wiederholungstätern“ nicht dokumentieren …). Gibt es für diesen Wahnsinn eigentlich eine gesetzliche Grundlage? Der in Diskussion stehende Entwurf gibt das meiner Meinung nicht her (Aber ok, ich bin ja auch kein Jurist).

    7. Mai 2009 10
  • : Hintergrundtext: Kinderpornographie & Internet-Sperren
    Hintergrundtext: Kinderpornographie & Internet-Sperren

    Die Älteren unter uns werden sich erinnern, am 19. April hatten wir hier im Blog einen Gastbeitrag von Lutz Donnerhacke: „Die dreizehn Lügen der Zensursula“. Ganz ehrlich: Ich war mit dem Stück damals nicht wirklich glücklich. Nichts gegen einen gepflegt übellaunigen Rant, dachte ich mir, aber – mmmh – wenn er sich an zentralen Stellen demontieren lässt, entwertet sich so ein Text schnell selber und man steht als Kritiker ziemlich doof da.

    Wie auch immer, Lutz hat sich die Arbeit gemacht und seine Thesen komplett überarbeitet. Entstanden ist ein Hintergrundtext, den man sich - gern auch entgegen aller Gewohnheit - ruhig einmal ausdrucken und in aller Ruhe durchlesen sollte. Es lohnt sich allein schon wegen der verlinkten Quellen (Für Rückfragen, Abdruckgenehmigungen o.ä. erreicht mal Lutz am besten per Mail). Bitte, hier:

    Update: In den Kommentaren wurde eine PDF-Version gewünscht. Die gibt es nun auch [PDF]
    Update, 07.05.2009: Tippfehler korrigiert.

    Woher wissen Sie, was Sie tun?

    Seit einigen Monaten geht durch die deutsche Politik- und Netzszene ein Sperrgespenst um. Pressemittelungen, Tagungen und Blogs wechseln sich mit öffentlichen Verlautbarungen ab. Grob gesagt spaltet sich die interessierte Öffentlichkeit in Befürworter und Gegner von Internetsperren. Beide Seiten neigen zunehmend dazu, viele Argumente und Angaben als gegeben hinzunehmen oder ungeprüft zu übernehmen.

    Kritische Quellenschau der Sperrbefürworter

    5. Mai 2009 163
  • : Twhirl & Twitterific: Sicherer Zwitschern mit https
    Twhirl & Twitterific: Sicherer Zwitschern mit https

    Für identi.ca seit der Anfang April veröffentlichten Version 0.9.2., für Twitter bereits von Anfang an. … Wie man Twitterific (Mac OSX) dazu bringt, in Zukunft https zu nutzen, wird übrigens hier erklärt .

    3. Mai 2009 11
  • : Fansubs & Fanfiction: Kulturproduktion, einfach so.
    Fansubs & Fanfiction: Kulturproduktion, einfach so.

    Ralf bat mich, doch vielleicht auch mal wieder ein paar Zeilen zu schreiben, nun, wo Markus im Urlaub ist. Gerne doch. Bei Kris Köhntopp habe ich gerade einen Rant gefunden, über den man vielleicht mal ein paar Minuten nachdenken kann. Er handelt von Fanübersetzungen im Anime-Bereich, einem Thema, mit dem ich mich bisher überhaupt nicht beschäftigt habe. Vielleicht ist das Thema aber genau deshalb geeignet (mir und euch) aufzuzeigen, wie das Internet die Kulturproduktion verändert. Hier durch kollaborative Zusammenarbeit – auch zum Nachteil für die Geschäftsmodelle oftmals sicher höchst engagierter Dienstleister:

    Unser Gespräch kam auf Fansubs und Fan-Übersetzungen. Genannt wurde etwa das MapReduce mit Menschen, das Harry Potter binnen kürzester Zeit ins Deutsche übersetzt hat und der Fansub zu Pretty Guardian Sailor Moon Liveaction (PGSML), der mit seinem Übersetzungen japanischer Schilder und (*)-Fußnoteneinblendungen mit kulturellem Kontext Maßstäbe setzt.

    Beide Projekte sind auf eine unterschiedliche Weise weitaus besser und schneller als jeder kommerzielle Ansatz auf dem Gebiet es jemals sein könnte. Das ist spürbar – Dirk gab zu Bedenken, daß zu gutes Fansubbing in den USA Läden umgebracht hat. […]

    Dem gegenüber steht die Kultur der Leute, die mit dem Internet groß geworden sind. Für sie gibt es diese Hierarchien und die Trennung nicht mehr. Kultur ist nichts, was man publiziert und das dann in Mediatheken vor sich hin sedimentiert. Eine Veröffentlichung ist für diese Leute etwas zum Verarbeiten, zum Verbessern, zum Verändern, zum Verknüpfen, zum Kommentieren, und auch zum Verbreiten. […] Sie verändern die Auffassung einer ganzen Generation für Begriffe wie Urheberrecht, Schöpfungshöhe, schöpferischer Beitrag und ja, sie vernichten bestehende, zum Teil jahrhundertealte Strukturen. Das ist so, wenn man etwas Neues macht oder ist. […]

    Ich glaube nicht, daß man den Lauf der Welt betreffend Internet und Copyright aufhalten oder auch nur nennenswert beeinflussen kann, denn die partizipatorische Struktur der Internetkultur ist eine emergente Eigenschaft, die sich aus mittlerfreier Kommunikation zwangsläufig ergibt – die meisten Menschen sind echte Helden und wenn man ihnen die Gelegenheit gibt, die Welt als Ganzes mit niedrigen Transaktionskosten zu verbessern, dann tun sie es auch.  

    Vollrant inkl. Aufruf der Piratenpartei beizutreten bei Kris K.

    27. April 2009 12
  • : Endlich: Jugendamt Dortmund stoppt Killerspieler
    Endlich: Jugendamt Dortmund stoppt Killerspieler

    Ganz ehrlich, liebe Killerspielefreunde, im Grunde habt ihr es doch schon immer gewusst. Nicht das Abschlachten menschenähnlicher Pixelanhäufungen führt letztendlich zur sozialethischen Desorientierung, sondern die realweltliche Gewalt im Alltag.

    Das Jugendamt in Dortmund ist da offenbar ganz eurer Meinung … und hat ein mittelalterliches Rollenspiel (LARP) mit Schaumstoffwaffen im Jugendfreizeitzentrum Homburch abgesagt. Nach dem Amoklauf von Winnenden”, so Fachbereichsleiterin Elisabeth Hoppe, „müsse das Konzept noch einmal auf den Prüfstand”! Doch, ernsthaft.

    (via)

    6. April 2009 37
  • : Oh. Mein. Gott: MTV überpiepst die Namen von Filesharing-Diensten?
    Oh. Mein. Gott: MTV überpiepst die Namen von Filesharing-Diensten?

    Eigentlich könnte man MTV auch mal loben. Die Idee, über das Portal MTV Music (wtf?) 22.000 Musikvideos ins Netz zu stellen – und zwar so, dass man sie auf der eigenen Webseite oder in einem eigenen Blog einbetten kann, wie René bei Nerdcore schreibt – finde ich jedenfalls klasse.

    Tja, und dann schießen sie gleich wieder einen Bock, der ganz massiv an der Realitätswahrnehmung der Verantwortlichen zweifeln lässt:

    Reader Matthew Muro writes in to let us know of a rather insane bit of news. MTV’s new video hosting site is apparently bleeping out the names of file sharing sites in Weird Al Yankovic’s famous 2006 song „Don’t Download This Song.“ The opening verse to the song goes as follows:

      Once in a while maybe you will feel the urge
      To break international copyright law
      By downloading MP3s from file-sharing sites
      Like Morpheus or Grokster or Limewire or KaZaA

    Yet, in that new MTV version, the last line is „Like *BLEEP* or *BLEEP* or *BLEEP* or *BLEEP*“ rather than naming the four file sharing programs.

    Weiter bei TechDirt.

    31. Oktober 2008 5
  • : rottenneighbor.com: Unbefriedigende Erklärung vom CEO
    rottenneighbor.com: Unbefriedigende Erklärung vom CEO

    Bei „Der Westen“, dem Online-Portal der WAZ-Gruppe, gibt es ein Update zur schlechten Erreichbarkeit von rottenneighbor.com. Nach Angaben von Brant Walker, dem 27-jährigen CEO der Seite, wurde das Portal in den letzten Wochen von deutschen Usern förmlich überrannt, man habe „am Server“ geschraubt:

    6. September 2008 8
  • : Es ist nicht alles Chrome, was glänzt (Update II)
    Es ist nicht alles Chrome, was glänzt (Update II)

    Liebe Stuttgarter Zeitung, …

    (Großartiger Agenturartikel btw.: „Die neueste Version des Internet Explorers von Microsoft ist da schon ein Stück weiter.“ – Ach?)

    … ich schwöre, ich habe mir diese Überschrift bereits gestern ausgedacht!

    Und dazu noch eine weitere („Die Welt ist eine Google“ nämlich – ok, die habe ich mir nicht selber ausgedacht), falls mir Googles neuer Browser gefallen sollte. So wie man das halt macht, wenn man nicht weiß, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird.

    Und ja, der Comic von Scott McCloud, mit dem die Yahoos Googles Konzept und Funktionsweise ihres neuen Babys erklären, ist nicht nur großartig, sondern auch ein PR-Lehrstück der Kategorie Superplusgut.

    Gut, über die Neuaufteilung von Europa auf Seite 13 kann man diskutieren, aber wir wollen ja mal nicht kleinlich werden.

    Abseits des Hypes gibt es nämlich noch ein paar echte Überraschungen.

    3. September 2008 29
  • : Sperrung von rottenneigbor.com: Jugendschutz.net unbeteiligt
    Sperrung von rottenneigbor.com: Jugendschutz.net unbeteiligt

    Nur ein kleines Update, ich möchte es aber nicht unter den Tisch fallen lassen. Als sich herauskristallisierte, dass der Zugriff auf rottenneighbor.com für Nutzer deutscher Einwahlzugänge offenbar von den Betreibern und/oder dem Hoster des Angebotes selbst blockiert wird, vermutete ich, dass dies möglicherweise auf Veranlassung einer deutschen Behörde oder Jugendschutzeinrichtung geschieht.

    Zumindest Teile des Angebotes sind nach deutschem Recht problematisch, andere unstreitig strafbewehrt. Hatte vielleicht ein entsprechend scharf formuliertes Schreiben einer german authority Rackspace.com oder die Betreiber zur Einrichtung einer Sperre veranlasst?

    2. September 2008 4
  • : Beate Uhse GmbH: Keine Lust auf Datenschutz? (Update II)
    Beate Uhse GmbH: Keine Lust auf Datenschutz? (Update II)

    Ok, ich bin kein prüder Mensch. Wirklich nicht. Und trotzdem würde ich ungern aus einem Weblog erfahren, dass der Onlineversand, bei dem ich hin und wieder mein Sexspielzeug für modemlose Nachbarn bestelle, seine Kundenlisten weböffentlich ins Netz stellt.

    Also, wenn ich denn Sexspielzeug für modemlose Nachbarn bestellen würde, natürlich. Oder wenn ich diese Kunden bei Lustkatalog.de oder Pabo.at (gehören beide zur Beate Uhse Gruppe) wären. Die tun das nämlich, wie es scheint. Also, die Mailadressen von Kunden weböffentlich ins Netz stellen.* Wie unschön.

    Die komplette Geschichte gibt es bei Daniel Große. Die Daten nach einer geeigneten Suchanfrage via Google ‚(

    *Und nicht nur das.

    (via Tim Pritlove)

    Update: Bei Daniel gibt es ein Update:

    Update 1.9. 9.43 Uhr: Nach kurzer Rücksprache mit einer Mitarbeiterin von Exitec soll es sich nicht um Kundendaten handeln, auch nicht um Empfänger von Newslettern. Es sei “etwas anderes”.

    Natürlich.

    Update II, 01.09.:

    Inzwischen finden sich auch bei Heise Online und Focus Online Berichte über die Datenpanne. Gegenüber Focus Online bestätigte eine Unternehmenssprecherin:

    „Die E‑Mail-Adressdaten der Interessenten an einem unserer Weihnachtsgewinnspiele waren nach außen hin sichtbar. Adress‑, Bank- oder Bestelldaten waren zu keiner Zeit von der Lücke betroffen und daher nicht einsehbar.“

    Ein „Weihnachtsgewinnspiel“ mit .csv-Snapshots im Sommer? Aber bitte, warum nicht. Ob man die betroffenen Kunden informieren werde, ließ das Unternehmen offen.

    1. September 2008 17
  • : rottenneighbor.com gesperrt? (Update II)
    rottenneighbor.com gesperrt? (Update II)

    Gleich vorweg: Ich mag rottenneighbor.com nicht.

    Mir wäre ein Netz lieber, wo es keine Angebote wie rottenneighbor.com gäbe. Angebote, auf denen sich Menschen im Schutz einer vermeintlichen Anonymität Beleidigungen und Unterstellungen an den Kopf werfen, deren Niedertracht und Erbärmlichkeit mich als Beobachter regelmäßig sprachlos werden lassen.

    Wie auch immer, zur Zeit scheint rottenneighbor.com für etliche deutsche User nicht erreichbar.

    31. August 2008 49
  • : Urheberrecht vs. Panoramafreiheit
    Urheberrecht vs. Panoramafreiheit

    Panoramafreiheit? Vielleicht sollte ich zunächst erklären, worum es bei dem Begriff überhaupt geht. Ist ganz einfach, die Wikipedia bringt es auf den Punkt:

    Unter Panoramafreiheit (oder auch Straßenbildfreiheit) versteht man die Freiheit, urheberrechtlich geschützte Gegenstände (z. B. Kunstobjekte oder Gebäude), die von öffentlichen Verkehrswegen aus auf Privatgrundstücken zu sehen sind, bildlich wiedergeben zu dürfen. Dies betrifft sowohl das bloße Anfertigen etwa einer Fotografie als auch ihre Veröffentlichung.

    So war es zumindest bisher. Was man von öffentlichem Grund aus sehen kann, darf man knippsen. Und die Bilder anschließend verkaufen. Oder verschenken. In Österreich und in der Schweiz ist die Rechtslage ähnlich. Geht es nach der Enquetekommission „Kultur in Deutschland“ ist die Panoramafreiheit in Deutschland aber vielleicht schon bald Geschichte.

    3. Juni 2008 13
  • : Urheberrechtsabgabe: Erstmal kein Euro für’s Gigabyte
    Urheberrechtsabgabe: Erstmal kein Euro für’s Gigabyte

    Für wenig begeisterte Reaktionen sorgte gestern – auch hier bei Netzpolitik.org – eine Meldung, nach der die ZPÜ (Zentralstelle für private Überspielungsrechte) eine Urheberrechtsabgabe von 1 Euro pro Gigabyte für Leermedien und Speichergeräte gefordert habe. Stimmt nicht, sagt nun die ZPÜ:

    Zuvor gab es diverse Berichte unter Berufung auf einen Branchendienst, die ZPÜ habe ein einem Schreiben an Hersteller Apple entsprechende Forderungen gestellt; die beliebten Musikplayer von Apple würden damit um bis zu 190 Euro teurer. Ein Schreiben diesen Inhalts habe es nicht gegeben, erklärt eine Sprecherin für die ZPÜ auf Anfrage von heise online. „Es muss sich dabei um ein Missverständnis handeln.“

    Details gibt es bei Heise Online. (via Mac-Essentials)

    27. Mai 2008 3
  • : Malte Welding: „Mozart brauchte kein Copyright“
    Malte Welding: „Mozart brauchte kein Copyright“

    Malte schreibt in der Netzeitung über das Urheberrrecht. Das tut er so wunderbar, dass die Lektüre eines längeren Hinweises hier pure Zeitverschwendung wäre:

    Niemand – weder Mozart noch DJ Ötzi – schafft Musik allein aus sich heraus. Immer bedarf es der Vorarbeit von anderen. Mal bedient man sich offen aus dem Vorhandenen, mal wird man inspiriert, ein anderes Mal mag man bestehende Strömungen weiterentwickeln – aber niemals kommt man auf die Welt, wandelt taub und blind umher und schreibt dann die Zauberflöte. Man kann Musik nicht stehlen. Ein Dieb nimmt dem anderen etwas weg. Musik aber bleibt.

    Direktlink: „Mozart brauchte kein Copyright“ in der Netzeitung lesen.

    27. Mai 2008 8
  • : Wiedervorlage: Vorratsdatenspeicherung bei StudiVZ
    Wiedervorlage: Vorratsdatenspeicherung bei StudiVZ

    Ein offener Brief an die Datenschutzabteilung von StudiVZ, aus gegebenem Anlass:

    Sehr geehrte Damen und Herren

    per „Datenschutz-Erklärung“ vom 20.12.2007 verlangen Sie von mir als Nutzer des sozialen Netzwerks studiVZ die Einwilligung, dass studiVZ bei meiner Nutzung der Plattform anfallende Daten an, ich zitiere:

    Ermittlungs‑, Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden weitergibt, wenn und soweit dies erforderlich ist zur Abwehr von Gefahren für die staatliche und öffentliche Sicherheit sowie zur Verfolgung von Straftaten.

    Um Nutzungsdaten an Ermittlungs‑, Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden weitergeben zu können, müssen diese zunächst auf Vorrat gespeichert werden.

    Wie ich soeben in einer Pressemitteilung des Berliner Beauftragten für Datenschutz (PDF) lese, muss ich als Nutzer eine solche Speicherung von Nutzungsdaten nicht hinnehmen. SchuelerVZ und studiVZ werden in diesem Zusammenhang explizit als Beispiele genannt:

    Soziale Netze wie schuelerVZ oder studiVZ müssen ihre Nutzer umfassend über die Verarbeitung ihrer Daten informieren und ihnen die Entscheidung überlassen, welcher Personenkreis ihre Daten sehen darf. Die Nutzer müssen weder personalisiert Werbung noch die Speicherung von Nutzungsdaten auf Vorrat hinnehmen.

    Leider muss ich feststellen, dass ein Widerspruch gegen die Speicherung meiner Nutzungsdaten im Bereich „Meine Privatsphäre“ offensichtlich nicht möglich ist.

    Daraus ergeben sich folgende Fragen:

    1. Über welchen Zeitraum speichert StudiVZ Nutzungsdaten, die auf mich zurückgeführt werden können?
    2. Wo kann ich der Einwilligung zur Speicherung dieser Nutzungsdaten widersprechen?
    3. Wo kann ich der Einwilligung zur bis zur 6‑monatigen Speicherung meiner IP-Adresse (Punkt 4 der o.g. Datenschutzerklärung i.V.m. Punkt 1 der „Datenschutz-Information“) widersprechen?

    Da mir obige Fragen angesichts von – nach eigenen Angaben – über 5 Millionen registrierten Nutzern allein auf der Plattform studiVZ von allgemeinem Interesse zu sein scheinen, stelle ich sie auch gleich öffentlich.

    Über eine baldige Beantwortung, gerne auch öffentlich bei Netzpolitik.org, würde ich mich freuen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jörg-Olaf Schäfers

    22. April 2008 13
  • : L’école française: Propaganda 2.0?
    L’école française: Propaganda 2.0?

    [Nachtrag: Eine schöne Zusammenfassung von Nicole Simon: „Was bleibt von Le Web 3″?]

    Hoppla, Web2.0‑Lichtgestalt Loic LeMeur hat die LeWeb3-Konferenz – nun – zweckentfremdet? Da hat sich der Gute wohl ein ganz besonderes Ei in Netz (haha, Wortwitz!) gelegt (via Falk):

    Bislang galt Loic LeMeur als der große Held der französischen, vielleicht auch der europäischen Blogosphäre. Seit gestern gilt er als derjenige, der es geschafft hat, Nicolas Sarkozy ein Forum für dessen Präsidentschaftsambitionen zu bieten. Und sich selbst damit vollkommen zu desavouieren – selbst bei seinen Sponsoren.

    Weiter hier:

    13. Dezember 2006 4