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Es ist nicht alles Chrome, was glänzt (Update II)

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(Großartiger Agenturartikel btw.: „Die neueste Version des Internet Explorers von Microsoft ist da schon ein Stück weiter.“ – Ach?)

… ich schwöre, ich habe mir diese Überschrift bereits gestern ausgedacht!

Und dazu noch eine weitere („Die Welt ist eine Google“ nämlich – ok, die habe ich mir nicht selber ausgedacht), falls mir Googles neuer Browser gefallen sollte. So wie man das halt macht, wenn man nicht weiß, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird.

Und ja, der Comic von Scott McCloud, mit dem die Yahoos Googles Konzept und Funktionsweise ihres neuen Babys erklären, ist nicht nur großartig, sondern auch ein PR-Lehrstück der Kategorie Superplusgut.

Gut, über die Neuaufteilung von Europa auf Seite 13 kann man diskutieren, aber wir wollen ja mal nicht kleinlich werden.

Abseits des Hypes gibt es nämlich noch ein paar echte Überraschungen.

Die EULA beispielsweise, mit denen sich Google Verbreitungsrechte an im Browser verfassten Inhalten sichert:

11.1 You retain copyright and any other rights you already hold in Content which you submit, post or display on or through, the Services. By submitting, posting or displaying the content you give Google a perpetual, irrevocable, worldwide, royalty-free, and non-exclusive license to reproduce, adapt, modify, translate, publish, publicly perform, publicly display and distribute any Content which you submit, post or display on or through, the Services. (Quelle: http://www.google.com/chrome/eula.html)

Hier wird das Problem noch etwas detaillierter behandelt: This Post Not Made In Chrome; Google’s EULA Sucks.

Hoppla, hatten wir das 2007 bei Googles „Text & Tabellen“ nicht schon einmal? Damals war’s angeblich ein Übersetzungsfehler (den können wir diesmal ausschließen), auch wenn es im englischen Original wohl keine entsprechende Passage gab, die man hätte missverständlich übersetzen können. Update: Google will nachbessern.

Unschön natürlich auch die Sache mit der Download-ID.

Googles Browser Chrome sendet einige Daten an den Hersteller, daraus macht Google keinen Hehl. Bei der Installation bekommt jeder Browser eine eindeutige Nummer zugeordnet, die immer wieder zusammen mit anderen Daten an Google gesendet wird (Quelle: Golem.de, 03.09.2008)

Aber ok, die kann man ja auskommentieren, ist ja OpenSource (Update, 04.09.: Einen anderer Weg, die Übermittelung der eindeutigen Browser-ID zu verhindern, erkärt Golem.de). Oder doch nicht?

10.2 You may not (and you may not permit anyone else to) copy, modify, create a derivative work of, reverse engineer, decompile or otherwise attempt to extract the source code of the Software or any part thereof, unless this is expressly permitted or required by law, or unless you have been specifically told that you may do so by Google, in writing. (Quelle: http://www.google.com/chrome/eula.html)

Bemerkenswert ist auch die Vorschlagsfunktion, die bei Eingaben in der Adressleiste fleissig nach Hause telefoniert. Ja, das kann man Chrome wohl auch wieder abgewöhnen, aber welcher Normalanwender bitte tut das?

Und dann ist da noch die Sache mit den Extensions. Gibt es nicht. Externe Erweiterungen sind, wie ein Bekannter verwundert feststellte, der sich den Sourcecode angesehen hat, wohl auch gar nicht vorgesehen. Beliebte Erweiterungen wie der Werbeblocker Adblock bleiben also aussen vor.

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29 Kommentare
    1. Mozilla macht das vielleicht aus Statistik gründen.

      Aber du vergisst wie so viele das es nicht direkt auf den Datenschutz oder Privatsphäre ankommt, sondern viel mehr darauf, bei wievielen Firmen deine Daten liegen.

      Das Problem bei Google ist nicht das Datensammeln, sondern das sie so viele verschiedene datensätze von einer Person haben und diese zusammenführen können!

      1. Das stimmt zwar grundsätzlich, aber letztlich ist die kritisierte Funktion die selbe und ich sehe das aus meiner Perspektive, Google hat (jetzt mal abgesehen von den öffentlich zugänglichen) keine Daten über mich, weil ich keinerlei Services von denen benutze und das auch sonst überall blockiere und Mozilla hat ebenfalls keine Daten über mich. Von daher ist die Auswirkung auf mich bezogen auch die selbe.

        1. Das stimmt so nicht:

          1) Email von/zu gmail sieht google auch, wenn du bei ihnen keinen Account hast

          2) Es gibt Dienste, wie Google Analytics, die manche Webseiten ohne nachzudenken einbauen. Effekt: ein javascript schickt die Seite von der du gekommen bist und jeden angeklickten Link zu google.

          3) Landest du ab und zu bei Blogs, die google gehostet hat? Auf Google Videos? Auf Youtube?

          Google zu entkommen ist nicht leicht:
          – kein javascript, keine cookies
          – flash und andere properitaere plugins gar nicht installieren
          – TOR installieren + verwenden (Vorsicht: Der Exitnode kann Passwoerter und aehnliches abfangen)

  1. Echt ekelhaft was Google da abzieht. Nach dem Löschen von Chrome hinterbleiben kleine aber feine Reste. Nämlich irgendwelche Dateien im Local Settings Ordner. Darunter eine Datei namens googleupdate.exe, die einen Prozess ausführt und auch als Task gelistet ist.

    LMAA Google

  2. Ärgerlich, dieselbe Überschrift spukte mir den ganzen Tag im Kopf herum. Ehe ich mich an die Detailrecherche und das Schreiben machen wollte, schaue ich nochmal in meinen Newsfeed-Reader und siehe da – du warst schneller!

    Ich nehme es locker und leicht und freue mich dann eben und die gesparte Zeit. Aber egal was kommt, morgen blogge ich über Spore… ;)

    1. @Alexander: Ist der Unterschied zwischen Chrome und Chromium wirklich nur das Logo? Woher weißt Du das? Kennst Du oder sonstwer den Source von Chrome? So oder so wird Chrome als „Open Source“ beworben und ist es nicht. Das ist in meinen Augen eine bodenlose Frechheit.

  3. Etliches von der Kritik (Unique Application Number und Voreinstellungen) teile ich. Zwei Einschränkungen: Was den Lizenzvertrag angeht, hat Google bereits angekündigt, die merkwürdige Passage zu streichen — steht auch schon im verlinkten Dokument bei TapTheHive. An der Debatte darüber, ob Google Chrome Open Source ist, habe ich mich schon bei Spreeblick beteiligt: Da es für mich allem Anschein nach möglich ist, den kompletten Quelltext des Programms einzusehen, das Google gestern ins Rennen geschickt, lautet meine Antwort darauf „ja“. Dass Google von nun an nicht dazu einlädt, Software mit dem Firmen-Logo zu kompilieren, sondern zwischen Projekt Chromium und Produkt Chrome trennt, finde ich nachvollziehbar. (Wer lieber einen „echten“ Open-Source-Chromium-Browser nutzen will, kann das ja tun: http://build.chromium.org/buildbot/snapshots/chromium-rel-xp/)

    1. Ich muss gestehen, dass noch gar nicht viel gelesen habe, was in deutschsprachigen Blogs über Chrome geschrieben wurde. Johnnys Begeisterung habe ich mitbekommen, für die Kommentare hatte ich noch keine Zeit.

      Danke (auch Torsten) für den Hinweis auf Ars Technica, das habe ich oben gleich ergänzt.

  4. Naja Chrome ist ja ganz nett.
    Aber Mozilla war doch eh der inoffizelle „GoogleBrowser“.
    (Finanziert ja immer noch den größten Teil bei Mozilla)
    Anscheinend hat Mozilla wohl paar Dinge die Google wollte nicht im Firefox integrieren wollen.
    So haben sie nun ihren eigenen Browser entwickelt.
    (Oder entwickeln ihn noch. Der Browser ist ja nur Beta.)

  5. Mit einem eigenen Browser hat man nun mal viel mehr Kontrolle über das Internet bzw. über das Verhalten der Nutzer im Internet und wie diese das Internet wahrnehmen. Und mit dem entsprechenden Erfolg ist es für so ein Unternehmen wie Google auf lange Sicht auch möglich, großen Einfluss auf die Gestaltung des Internets zu nehmen. Auch wenn sich das so äußert, dass Googles Dienste durch die nahtlose Integration im Browser eine weltweite Dominanz erreichen und Konkurrenten eliminieren.

    Mich graust der Gedanke, dass ein einzelnes Unternehmen vollen Einblick in meine Internetaktivitäten hätte. Mails mit GoogleMail, browsen mit Chrome, suchen mit Google, IM mit GoogleTalk, Reiserouten mit GoogleMaps….

  6. Hallo zusammen,

    was mich immer wieder wundert: Warum kommt niemand auf die Idee, G$$gle mit dem zu füttern, was es haben will? Informationen in Hülle und Fülle!

    Mein Ansatz (von dem ich ehrlicherweise nicht weiß, ob er technisch zu realisieren ist):

    – Es gibt aktuell eine portable Chrome-Version (keine versteckten Deinstallations-Rückstände)
    – Chrome ist Open Source, also muss der Code, der IDs etc. erzeugt und überträgt, doch manipuliert werden können.
    – Anderer Zweig: Es gibt Anwendungen/Projeke, die den Rechner während seiner Leerlaufzeiten nutzen, um rechenintensive Aufgaben durchzuführen (Stichwort: Boinc -> SETI).
    – Beide Zweige zusammen: Wer ist nun willens und in der Lage, eine Anwendung zu erstellen, die eine modifizierte Version von PortableChrome nutzt, um Suchanfragen nach Wikipedia-Einträgen o.ä. und mit zufälliger ID etc. durchzuführen?
    – G$$gle müsste platzen mit hintergrundlosen Anfragen…

    Dieses Prinzip sollte übrigens auch mit allen anderen Datenkraken funktionieren:

    – An Gewinnspielen beteilige ich mich immer mit falschen Personendaten.
    – Meine Paybackpunkte bekommt immer einer in der Schlange, der eine Karte hat.
    – etc. pp.

    Nicht moppern: Füttern bis zum Platzen!!!

    In diesem Sinne
    Michael

    1. Warum kommt niemand auf die Idee, G$$gle mit dem zu füttern, was es haben will? Informationen in Hülle und Fülle!

      Klingt nach einer guten Idee. Ist aber, glaube ich, nur in Grenzen praktikabel. Gerade bei Menschen, die etwas aktiver im Netz sind, werden die interessanten Informationen in der Regel von Dritten beigesteuert. Auf die hast du wenig Einfluß.

      Ein anderer Punkt sind die zahlreichen Google-Dienste, die viele Menschen gerne (warum auch nicht, sie sind ja nützlich) mit Login nutzen. Auch da kommt natürlich einiges zusammen. Alternative wäre, um es zu überspitzen, am öffentlichen digitalen Leben ausschließlich inkognito teilzunehmen.

      Chrome ist Open Source

      Leider nein. Zwar verspricht Google über http://code.google.com/chromium/ auch den Code bereitzustellen, auf dem Chrome basiert, de facto werden aber 99,9% die von Google kompilierte Anwendung nutzen. Die darf man übrigens explizit nicht verändern.

      um Suchanfragen nach Wikipedia-Einträgen o.ä. und mit zufälliger ID etc. durchzuführen?

      Ähnliche Projekte gibt es ja bereits (Scripte, die Formulare mit sinnlosen Daten füllen. Oder auch Dienste wie BugMeNot. Oder ganz früher die Idee, Echolon durch eingestreute Schlüsselwörter in Mails kollabieren zu lassen ,).

      Letztendlich werden die aber von zu wenigen Usern genutzt. Auch dürfte es vergleichsweise einfach sein, solche Bogus-Daten zu bereinigen. Die Browser-ID ist ja nur ein Identifikator, imo nicht einmal ein sonderlich relevanter.

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