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Die Bundesregierung hat keine Kenntnis, will aber sperren

Man könnte ja meinen, die Bundesregierung hätte sich etwas vorbereitet, wenn man eine Zensurinfrastruktur im Netz aufbauen will. Aber dem ist nicht so, wie die Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion an die Bundesregierung offenbart. Odem.org hat die Antwort schon online gestellt (PDF / 1 MB). Hier ist ein Best of: Frage: In welchen Ländern…

  • Markus Beckedahl

Man könnte ja meinen, die Bundesregierung hätte sich etwas vorbereitet, wenn man eine Zensurinfrastruktur im Netz aufbauen will. Aber dem ist nicht so, wie die Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion an die Bundesregierung offenbart. Odem.org hat die Antwort schon online gestellt (PDF / 1 MB). Hier ist ein Best of:

Frage: In welchen Ländern steht Kinderpornographie bislang nicht unter Strafe?

Antwort: Dazu liegen der Bundesregierung keine gesicherten Kenntnisse im Sinne rechtsvergleichender Studien vor. […]

Frage: Wie viele Server […] stehen in Ländern, in denen Kinderpornographie nicht unter Strafe steht?

Antwort: […] [Die Bundesregierung] hat keine Informationen über Serverstandorte in solchen Ländern.[…]

Frage: Über welche wissenschaftlichen Erkenntnisse verfügt die Bundesregierung im Zusammenhang mit der Verbreitung von Kinderpornographie […]

Antwort: Die Bundesregierung verfügt über keine eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse. […]

Frage: In welchem Umfang plant die Bundesregierung die vergabe einer wissenschaftlichen Studie über das Ausmaß und die Wege der Verbreitung von Kinderpornographie im Internet und Wege zur Effektiven Bekämpfung solcher Inhalte?

Antwort: Die Bundesregierung plant derzeit nicht die Vergabe einer wissenschaftlichen Studie. […]

Frage: Welche Sperrlisten anderer Länder hat die Bundesregierung untersucht?

Antwort: Die Bundesregierung hat keine Sperrlisten untersucht. […]

Frage: Auf welche Datengrundage stützt sich die Bundesregierung bei der Einschätzung des kommerziellen Marktes für Kinderpornographie in Deutschland?

Antwort: die Bundesregierung verfügt über keine detaillierte Einschätzung des kommerziellen Marktes für Kinderporngraphie in Deutschland. […]

Frage: Wie Hoch schätzt die Bundesregierung die Gefahr ein, dass Anbieter und Interessenten von Kinderpornographie die Sperren für sich ausnutzen, um zu ermitteln, ob sie sich bereits im Fokus von Ermittlungen befinden? […]

Antwort: Die Bundesregierung sieht hierin keine Gefahr. […] [Anmerkung: sprich: technischer Sachverstand: Null.]

Zusammenfassend kann man sagen: Denn sie wissen nicht, was sie tun…!?

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


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35 Kommentare zu „Die Bundesregierung hat keine Kenntnis, will aber sperren“


  1. Kris Wenders

    ,

    Da Frau von der Leyen als Ministerin ja Mitglied dieser Bundesregierung ist, dürften deren Antworten bei vielen (Netz-)Bürgern nur mehr die Ansicht verstärken, Zensursula lüge bewusst zu ihrem persönlichen Vorteil.

    Ach ja, zur Erinnerung: Leipziger Gespräch mit Zensursula am 15. Juni, ab 20 Uhr. http://tinyurl.com/oomenh


  2. […] Fragen der FDP-Fraktion sind schon echt der Hammer – hier ein kleines Best-Of, gefunden bei Netzpolitik und Odem.blog: Frage: In welchen Ländern steht Kinderpornographie bislang nicht unter […]


  3. Anarchy

    ,

    Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man glatt drüber lachen.


  4. […] Dazu passend ein schöner Artikel auf Netzpolitik. Es geht um eine Anfrage der FDP an die Bundesregierung. Nun ja… lasst mich die Antwort […]


  5. […] Link : hier via netpolitik.org […]


  6. Ich glaub’ ich lüge!


  7. […] hat bei netzpolitik.org eine Zusammenfassung der Antworten der Bundesregierung auf die Anfrage der FDP-Fraktion gepostet. Ein Blick lohnt sich sehr–auch wenn man dann vielleich soooooooo einen Hals […]


  8. Also, wenn vdL ernsthaft an der Bekämpfung von
    Kindesmißbrauch interessiert wäre, würde sie mal ein paar katholische Einrichtungen untersuchen. Nach dem Prinzip „Alle Moslems sind Islamisten“ kann ich genauso schief auch die Analogie „ein deutscher Bischof unterscheidet sich nicht von einem irischen Bischof“ bilden. Hmm, war da
    was? http://www.n24.de/news/newsitem_5070653.html
    In anderen Quellen ist von etwa 2500 Opfern die rede. Liebe Frau vdL, das Internet ist scheinbar das falsche Ende.


  9. […] einer Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion an die Bundesregierung bezüglich des Sperrens von Kinderpornographie: Frage: In welchen Ländern steht […]


  10. Jaja, die schlimme FDP! Unwählbar;)


  11. Nur um mal meine Naivität unter Beweis zu stellen: Ich bin schockiert von so viel Unwissen.


  12. Unglaublich…


  13. […] ist gerade auf netzpolitik.org (genau hier) ein interessanter artikel über die lage in DE […]


  14. […] Nur in Deutschland anscheinend nicht. Kommentieren […]


  15. J. S.

    ,

    @Die Erklaerung

    Die FDP ist noch in der Opposition.


  16. […] netzpolitik.org: Die Bundesregierung hat keine Kenntnis, will aber sperren […]


  17. Regierung ahnungslos…

    „Die Bundesregierung verfügt über keine […] Erkenntnisse.“ ist, verkürzt dargestellt, die Antwort der Regierung auf diverse Fragen aus der FDP-Fraktion in Sachen Kinderporno-Zensur-Sperre. Ich bin nicht überrascht.
    Mehr Details bei Net…


  18. „Man könnte ja meinen, die Bundesregierung hätte sich etwas vorbereitet, wenn …“…

    Man könnte ja meinen, die Bundesregierung hätte sich etwas vorbereitet, wenn man eine Zensurinfrastruktur im Netz aufbauen will. Aber dem ist nicht so, wie die Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion an die Bundesregierung offenbart.…


  19. @J.S.
    Wenn ich auf die letzten 60 Jahre dieser Republik zurückblicke, sehe ich, dass alle relevanten einschneidenden Sicherheitsgesetze von anderen Parteien durchgesetzt wurden, unter anderem der Bürgerrechtspartei der Grünen gemeinsam mit Schily. Beim Großen Lauschangriff hingegen bewies Leutheusser-Schnarrenberger Rückgrat, trat als Justizministerin zurück und klagte erfolgreich zusammen mit Hirsch und Baum (Innenminster während des Deutschen Herbst) vor dem BVerfG.
    Soviel zur „Opposition“.


  20. […] Da haben wir doch ein tolles Beispiel unter Die Bundesregierung hat keine Kenntnis, will aber sperren. Denkt da denn niemand mehr vorher nach? […]


  21. Geht wählen! Die EU Wahl War schon mal ein grosser Erfolg für die kleineren Parteien, allen voran die Piraten.

    Der Bundestag steht vor der Tür. Helft mit, dass dieser alkonservativen, populistischen und extremen Partei CDU weniger Stimmen hinzukommen, INDEM ihr wählen geht!

    Informiert eure Bekannten und Freunde über diesen Schwachfug den unfähige Politiker im Moment über die Netzwelt bringen wollen.

    Für Grundrechte, freies Internet und sinnvolle Rechtsprechung. Gegen unfähige Politiker, die endlich ihr Amt niederlegen sollten.


  22. […] Zitat: Man könnte ja meinen, die Bundesregierung hätte sich etwas vorbereitet, wenn man eine Zensurinfrastruktur im Netz aufbauen will. Aber dem ist nicht so, wie die Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion an die Bundesregierung offenbart. […]


  23. […] netzpolitik.org findet sich seit gestern ein Best of einer Anfrage der FDP-Fraktion an die Bundesregierung […]


  24. […] Also vermutet hatte ich es ja schon immer, aber was bei der offiziellen Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion zu den geplanten Netzsperren so alles zu Tage tritt. Aber lest selbst: Die Bundesregierung hat keine Kenntnis, will aber sperren […]


  25. Webrocker

    ,

    Das erinnert mich an das Video damals von Frau Merkel, als sie bei irgendeinem Auftritt auf der Bühne zum Thema Überwachungskameras meinte (sinngemäss), „Das sind aber Dinge, über die darf man nicht diskutieren, die muss man einfach machen!“


  26. Ahnungslos. Aber betroffen.…

    Ahnungslosigkeit hat ja schon Hr. zu Guttenberg vor ein paar Wochen sehr betroffen gemacht.
    Die Antwort vom 11. Juni 2009 auf die kleine Anfrage der FDP macht nun ihre Runde. ODEM bringt die Antworten auf den Punkt – dort gibt es auch das ausfuehrlic…


  27. […] aber den ersten Trieren der Piraten auch auf‚s offene mehr zu Rudern, selbst die Bundesregierung scheint nicht so recht zu glauben, was die Bundesfamilienministerin den ganzen Tag so von sich gibt. Sie haben keine Erkenntnis von […]


  28. nomatrix

    ,

    Zensursula, Schäuble2.0 und ihre Helfershelfer haben es nicht mehr nötig sich Mühe zu geben.
    Das deutsche Volk wird mit sinnfreien Argumenten zur Totalüberwachung verdammt und wer soll die „große Koalition“ schon daran hindern.

    Versuche es und Du landest in Zimmer 101!


  29. […] wurde heute auf Anfrage der FDP Fraktion publik, dass die Bundesregierung offensichtlich keinerlei Datenmaterial hat, auf deren Basis eine Argumentation in Bezug auf Netzsperren seitens der Befürworter […]


  30. […] war da noch die Anfrage an die Bundesregierung: Frage: In welchen Ländern steht Kinderpornographie bislang nicht unter […]


  31. […] könnten. Aber man kann ja mal fragen. Und da die Regierung und das BKA offenbar mit solchen Fragen behelligt werden können fragt man halt […]


  32. […] ist. Viel eher wird von der Leyen hier einfach glatt gelogen haben. Das wäre schließlich nicht das erste Mal in der […]


  33. […] den Länderstandorten oder dem Ausmaß der kommerziellen Verbreitung verfügt, ergab im Juni eine Anfrage der FDP-Fraktion. Der Verein Missbrauchsopfer gegen Internetsperren (MOGIS), der sich gegen die Verwendung des […]

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