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KW 48Die Woche, in der wir überall in der Stadt kleben

Die 48. Kalenderwoche geht zu Ende. Wir haben 18 neue Texte mit insgesamt 112.713 Zeichen veröffentlicht. Willkommen zum netzpolitischen Wochenrückblick.

  • Daniel Leisegang
– : Fraktal, generiert mit MandelBrowser von Tomasz Śmigielski

Liebe Leser:innen,

der öffentliche Raum „ist eigentlich der nicht-öffentlichste Raum, den es überhaupt gibt“, sagt Rocco vom pseudonymen Künstler-Kollektiv Rocco und seine Brüder. „Der unterliegt so vielen Normen und Dogmen und Gesetzen, dass eine Mitgestaltung eigentlich so gut wie unmöglich ist.“

Für unsere Jahresendkampagne gehen wir trotzdem – oder gerade deswegen – raus in den öffentlichen Raum und gestalten ihn mit. Berlinweit hängen Plakate mit der Forderung „Grundrechte zuerst“. Im U‑Bahnhof unter dem Bundesnachrichtendienst prangt „Geheimdienste raus“. An Ampeln und Laternen klebt „Millionenfach verschlüsseln“ und „Das Netz ist voll (gut)“. Und das ist erst der Anfang. Weitere Motive liegen schon bereit, in Berlin und anderswo.

Damit stellen wir uns gegen die autoritäre Ausgrenzungspolitik, deren Erzählungen immer tiefer in die Gesellschaft eindringen. Denn Grundrechte und Ausgrenzung passen nicht zusammen. Jede Parole, die nach Diskriminierung, Abschiebung und Abschottung ruft, will Menschen ausschließen und entrechten. Wir halten diesen Bestrebungen den Spiegel vor und fordern: „Grundrechte zuerst!“ – und zwar für alle.

Damit wir auch im kommenden Jahr mit investigativen Recherchen, Analysen und Leaks für die Grund- und Freiheitsrechte aller kämpfen können, brauchen wir deine Unterstützung. Aktuell fehlen uns noch 349.000 Euro.

Und wir laden euch ein, den öffentlichen Raum mitzugestalten, wo immer ihr könnt und dürft. In unserem Shop gibt es Plakate und Sticker mit den Kampagnenmotiven. Und für alle, die ihre eigenen vier Wände aufhübschen möchten – oder noch Geschenke suchen -, bieten wir hochwertige Siebdrucke zum Solipreis.

Habt ein buntes Wochenende!

Daniel

Unsere Artikel der Woche

Ex-Datenschutzbeauftragter im Interview„Moderne Verwaltung ist transparent“

Öffentliche Verwaltung gilt vielen als Black Box, denn von außen ist der Apparat kaum einzusehen. Der ehemalige Landesdatenschutzbeauftragte Stefan Brink erklärt, woran das liegt, wie sich Verwaltung ändern muss und wie Digitalisierung Transparenz fördern kann.

Gegen die PlattformisierungDas ist unser Netz!

Wir finden das Netz voll gut. Das heißt nicht, dass wir die Augen vor Problemen verschließen. Aber es heißt, dass wir mit unserer Arbeit dazu ermutigen wollen, das Internet selbst mitzugestalten. Um zivilgesellschaftliche Perspektiven sichtbar zu machen, brauchen wir Eure Unterstützung.

Datenschutz bei der ArbeitLieferdienst Glovo muss in Italien blechen

Der Lieferdienst Glovo gerät wegen massiver Datenschutzverstöße ins Visier der italienischen Behörden. Eine Untersuchung deckt auf, wie das Unternehmen Mitarbeitende überwacht und Daten unrechtmäßig genutzt hat. Geholfen hat dabei die Gruppe Reversing.Works.

VDS und GesichtserkennungFaeser will noch vor Wahl mehr Überwachung

Nancy Faeser würde gerne auf den letzten Metern ihrer Amtszeit zusammen mit der Union noch mehr Überwachung durchsetzen. Dafür sei sie laut einem Medienbericht mit der Partei im Gespräch. Doch die Christdemokraten bestätigen das nicht.

"Going Dark"EU-Arbeitsgruppe will Zugang zu verschlüsselten Inhalten

Mit drastischen Vorschlägen will eine von Polizeibehörden dominierte EU-Arbeitsgruppe zunehmender Verschlüsselung begegnen. Auf der Wunschliste stehen der Zugang zu sicherer Kommunikation, umfassende Vorratsdatenspeicherung und Strafen für unkooperative Anbieter, etwa den datensparsamen Messenger Signal.

Kameraüberwachung in KölnShowdown vor dem Verwaltungsgericht

Vor dem Kölner Verwaltungsgericht wird über die polizeiliche Videoüberwachung der Stadt verhandelt. Eine Initiative kämpft seit Jahren dagegen. Sie will, dass die Überwachung untersagt wird.

StudieSie nennen es Arbeitsplatzanalyse

Verschiedene Unternehmen bieten Überwachungssysteme an, welche die Nutzung von Arbeitsplätzen, Tischen und Räumen in Büros erfassen. Eine Studie stuft diese Systeme als „aufdringliche Verhaltensüberwachung“ ein, die tief in die Privatsphäre der Arbeitnehmenden eingreift.

Entscheidung des OLG Hamburgyoutube-dl.org bleibt gesperrt

Die Musikindustrie hat sich vor Gericht durchgesetzt: Die Website von youtube-dl bleibt offline. Eine Berufung des Hosting-Providers hat das OLG Hamburg jüngst zurückgewiesen. Dennoch ist die Software, mit der sich Videos und mp3s herunterladen lassen, weiterhin frei verfügbar.

Online-WerbungWeiteres US-Monopolverfahren rückt Google auf die Pelle

Lange Zeit hat Google den Markt für Online-Werbung beinahe uneingeschränkt kontrolliert. Diese Vormachtstellung gerät nun beträchtlich ins Wanken. Ein US-Gericht hat Google bereits zu einem illegalen Monopolisten erklärt. Ein weiteres US-Verfahren sägt nun an der Dominanz im Adtech-Bereich.

Gegen geheime MassenüberwachungGeheimdienste raus aus dem Schatten

Ausspähprogramme, Staatstrojaner und Datentauschringe – das Arsenal der Geheimdienste wächst seit Jahren stetig. Dank Deiner Unterstützung überwachen wir die Überwacher. Und wir setzen uns dafür ein, dass die Geheimdienste nicht im rechtsfreien Raum agieren.

Verwaltungsgericht KölnTeilerfolg bei Klage gegen Videoüberwachung

Das Verwaltungsgericht Köln sieht die polizeiliche Videoüberwachung als grundsätzlich rechtmäßig an. Die Überwachungsbereiche in Köln sind aber zu groß und müssen nun verkleinert werden. Die Kläger-Initiative geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Überwachungskameras abgeschaltet oder abgebaut werden muss.

Videoüberwachung in KölnZahnlose Datenschutzbehörde

Dass Privatpersonen über Jahre und mit Einsatz von viel Zeit und Geld Grundrechte erkämpfen müssen, zeigt, dass die Datenschutzbehörde nicht stark genug gegen die ausufernde Videoüberwachung in Köln vorgegangen ist. Ein Kommentar.

VerwaltungsdigitalisierungPublic Money, Public Cloud?

Um die wachsende Menge an Daten von Bürger:innen, Unternehmen und der Verwaltung zu speichern, setzen Behörden zunehmend auf Cloud-Technologie. Als Anbieter ist vor allem Microsoft im Gespräch. Einige Bundesländer sehen die Abhängigkeit von bestimmten Herstellern jedoch überaus kritisch und schlagen eigene Wege ein.

Social-Media-Verbot in AustralienJugendschutz nach dem Prinzip Ohrfeige

Alterskontrollen für alle, kein Social Media für unter 16-Jährige: Australien hat ein in dieser Form einmaliges Gesetz beschlossen, das viel Schaden anrichten wird. Ein Kommentar.

Digitale BarrierefreiheitWas das Internet bräuchte, um für alle da zu sein

Fast ein Drittel der Bevölkerung kann an Angeboten im digitalen Raum nicht oder nur eingeschränkt teilhaben. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz soll es deshalb ab Juni 2025 allen Menschen ermöglichen, das Netz gleichberechtigt zu nutzen. Doch das Gesetz greift zu kurz.

Über die Autor:innen

  • Daniel Leisegang
    Darja Preuss

    Daniel ist Politikwissenschaftler und Co-Chefredakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Gesundheitsdigitalisierung, Digital Public Infrastructure und die sogenannte Künstliche Intelligenz. Daniel war einst Redakteur bei den "Blättern". 2014 erschien von ihm das Buch "Amazon – Das Buch als Beute"; 2016 erhielt er den Alternativen Medienpreis in der Rubrik "Medienkritik". Er gehört dem Board of Trustees von Eurozine und dem Kuratorium der Stiftung Warentest an.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky, Threema ENU3SC7K, Telefon: +49-30-5771482-28‬ (Montag bis Freitag, jeweils 8 bis 18 Uhr).


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2 Kommentare zu „Die Woche, in der wir überall in der Stadt kleben“


  1. Ich finde, die Plakate sind genau falsch herum gestaltet. Die progressive Botschaft sollte in progressiver Schriftart gehalten sein und die drohende „Sonst“-Botschaft in einer altertümlichen/Fraktur-/faschistoiden Font. Denn so jetzt wirkt die progressive Botschaft nach was Anrüchigem.


  2. nachgefragt

    ,

    Spontane Assoziation: Das ist ein FDP-Plakat! Magenta und Gelb sind die Farben der FDP.
    Frage an netzpolitik.org: Hat die dafür verantwortliche Werbe-Agentur Euch überrumpelt, oder ist der Effekt gewollt?

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