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KW 11Die Woche der Gesundheitsthemen

Die 11. Kalenderwoche geht zu Ende. Wir haben 21 neue Texte mit insgesamt 131.983 Zeichen veröffentlicht. Willkommen zum netzpolitischen Wochenrückblick.

  • Anna Biselli
Buntes Fraktal
Fraktal, generiert mit MandelBrowser von Tomasz Śmigielski

Liebe Leser:innen,

ab 2024 sollen alle eine elektronische Patientenakte (ePA) bekommen, wenn sie nicht ausdrücklich widersprechen. Das und viel mehr ist Teil der neuen Digitalisierungsstrategie aus dem Gesundheitsministerium. Unsere Kolumnistin Bianca hat sich das Thema vorgenommen und darüber geschrieben, wie viel Vertrauen die Vorhaben von Karl Lauterbachs Ministerium voraussetzen. Denn vieles soll erstmal automatisch passieren – außer man will das nicht.

Bei meinem eigenen Blick in die Digitalisierungsstrategie bin ich an einer der bunten Illustrationen hängengeblieben. „Vision 2030: Digitales Gesundheitsökosystem“ steht darüber. Auf einer Doppelseite sind da all die Akteure aufgezeichnet, die dieses Ökosystem hat. Da musste ich wieder an Biancas Kolumne denken und mir wurde klar: Ich muss nicht nur ganz viel Grundvertrauen mitbringen, sondern auch vielen verschiedenen Stellen gleichzeitig vertrauen. Den Krankenhäusern und Ärzt:innen, die Befunde erstellen. Den Krankenkassen, die Abrechnungen machen. Der Gematik, die für weite Teile der Infrastruktur zuständig ist. Den Hochschulen, die mit medizinischen Daten forschen. Den Technologieanbietern. Und nicht zuletzt meinem Smartphone, auf dem ich meine ePA abrufen kann.

Und dann ist da noch ein Baustein des Ökosystems, der im Wimmelbild fast untergeht. Ein Fähnchen auf einer grauen Kachel, auf der steht: „Anbindung an die EU“. Gesundheitsdaten sollen nämlich nicht nur in Deutschland besser für Forschung genutzt werden können, sondern EU-weit. „Europäischer Gesundheitsdatenraum“ soll das heißen und es hält noch viele offene Fragen bereit.

„Vertrauen ist ein Weg aus vielen kleinen Schritten“, schreibt Bianca und führt uns vor Augen, dass das nicht immer leicht fällt. Vor allem, wenn man bereits die Erfahrung gemacht hat, in unserem Gesundheitssystem diskriminiert und benachteiligt zu werden.

Jetzt sollen wir statt der vielen kleinen Schritte einen großen Sprung machen. Nicht nur ich bin da skeptisch. Deshalb haben meine Kolleg:innen und ich uns vorgenommen, nochmal genauer hinzuschauen. Was passiert bei der ePA genau? Wer spielt da wie eine Rolle? Und was heißt das eigentlich? Es wird also nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ihr etwas von uns zur Gesundheitsdigitalisierung gelesen habt.

Ein gesundes Wochenende wünscht euch
anna

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GPT-4Das nächste große Ding für digitale Zugänglichkeit?

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Über die Autor:innen

  • Anna Biselli
    Darja Preuss

    Anna ist Co-Chefredakteurin bei netzpolitik.org. Sie interessiert sich vor allem für staatliche Überwachung und Dinge rund um digitalisierte Migrationskontrolle.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Telefon: +49-30-5771482-42 (Montag bis Freitag jeweils 8 bis 18 Uhr).


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